Der "vergessene" Champion

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Alexander Walter Barr „Sandy“ Lyle wurde 1958 im englischen Shrewsbury geboren, spielte aber sein ganzes Leben lang schon für die schottischen Farben.

Neben Nick Faldo und Ian Woosnam war er der domierende britische Spieler der 1980er-Jahre, der zusätzlich mit Seve Ballesteros und Bernhard Langer Teil der „goldenen europäischen Ära“ war.

Doch während die anderen vier in der Folge so etwas wie Legendenstatus erlangten, wurde es um Sandy ruhig.

Start mit 3

Doch alles der Reihe nach. Sandy begann das Golfspiel in frühen Jahren, nachdem sein Vater Alex die Familie 1955 von Schottland nach England übersiedelte.

Der Vater war der ansässige Professional am Hawkstone Park Golf Course, und das Familienhaus lag gerade mal 30 Meter vom Pro-Shop und 18. Grün entfernt.

Schon im Alter von drei Jahren begann Klein-Sandy mit Miniatur-schlägern zu spielen. Nach einer erfolgreichen Amateurkarriere wechselte Lyle 1977 ins Profilager.

Die großen Erfolge

Prompt gewann Lyle die Qualifying School für die European Tour, wo er 1978 zum Sir Henry Cotton Rookie of the Year gekürt wurde.

Bei der Nigerian Open holte er sich seinen ersten Titel auf Profiebene, 1979 gewann er schon zum ersten Mal die European Tour Order of Merit. 1985 gelang Sandy dann der erste große Streich.

Bei der Open Championship in Royal St. George’s konnte sich der Schotte als erster Brite seit Tony Jacklin 1969 wieder den Claret Jug sichern.

Nur drei Jahre später gewann er seinen zweiten Major-Titel, als er im Augusta National Golf Club als erster Brite überhaupt das „Green Jacket“ überstreifen durfte.

Vor allem der Schlag aus dem Fairwaybunker auf der 18, der zum entscheidenden Birdie führte, gilt bis heute als einer der besten Bunkershots aller Zeiten.

Inspiration für Faldo und Woosnam

Seine Major-Erfolge inspirierten die Landsmänner Faldo und Woosnam, die nur kurz darauf dem Beispiel ihres Kameraden folgten und ebenfalls große Major-Titel einfuhren.

Seit Einführung der Weltrangliste im Jahr 1986 wurde Lyle übrigens 167 Wochen in Folge unter den Top Ten gelistet. Von 1979 bis 1987 war der Schotte auch alle zwei Jahre fixer Bestandteil des europäischen Ryder-Cup-Teams.

Vor allem die Siege in The Belfry 1985 und in Muirfield Village 1987 hinterließen nachhaltigen Eindruck bei Lyle.

Absturz und Enttäuschungen


Ab den 1990er-Jahren ging es mit der Form bei Sandy Lyle rapide bergab. Vor allem nach 1992, als er eigentlich mit 34 Jahren noch im besten Golfer-Alter war, ging nicht mehr viel.

Lyles große Hoffnung war es, so wie seine Wegbegleiter Ballesteros, Langer, Woosnam und Faldo einmal das europäische Team als Ryder-Cup-Kapitän anzuführen.

Doch jedes Mal, wenn die Kür eines neuen Kapitäns anstand, wurde der Schotte geflissentlich übergangen. Für den Wettkampf 2010 im Celtic Manor Resort in Wales brachte sich Lyle demonstrativ selbst ins Spiel, obwohl er wahrscheinlich schon ahnte, dass es wieder nichts werden würde.

„Das ist schon ein wenig unfair“, polterte Lyle nach der Entscheidung, die zugunsten seines Landsmannes Colin Montgomerie fiel. „Ich war definitiv fällig. Ich habe alle Qualitäten, die es als Kapitän braucht. Ich war Vize-Kapitän, also weiß ich, was vor sich geht und worauf es ankommt. Was hätte ich denn sonst noch machen sollen?“

Stichelein gegen Monty

Seinen Kontrahenten Monty bezichtigte er indessen des Schummelns. Der berühmte Vorfall in Indonesien („Jakartagate 2005“) wurde von Lyle 2009 aus der Schublade gezogen mit dem Hinweis, dass so jemand, der die Regeln nicht beachtet, kein Ryder-Cup-Kapitän sein sollte.

Er selbst war 2008 Zielscheibe massiver Kritik, als er bei der Open Championship einfach nach neun Loch wegen „kalter Hände“ nach Hause ging. „Ich hatte die letzten zwei Jahre eine nervige Verletzung auf meinen Knöcheln. Ich habe mich vor einer noch schwereren Verletzung geschützt, denn meine Hände waren kurz davor, taub zu werden.“

Seit seinem 50. Geburtstag (2008) ist Sandy Lyle auf der Champions und European Seniors Tour spielberechtigt. Nach 19 sieglosen Jahren feierte er in diesem Jahr bei der ISPS Handa Open in China endlich wieder einen Sieg auf Profiebene.

Markus J. Scheck

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