100er-Trilogie: Porträt von "Lord Byron"

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Das Jahr 1912 hat für den Golfsport große Bedeutung, wurden doch in diesem Jahr drei der größten Athleten der Geschichte des Sports geboren.

Grund genug für die Golf Week, in einer dreiteiligen Serie auf das Leben der drei Golflegenden Byron Nelson, Ben Hogan und Sam Snead zurückzublicken.

Anfänge als Caddy

John Byron Nelson, Jr. wurde am 4. Februar 1912 in Waxahachie im US-Bundesstaat Texas geboren. Als Nelson elf Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern nach Fort Worth, wo er kurz danach nur knapp dem Tod entrann.

Durch eine Typhuserkrankung verlor er beinahe die Hälfte seines Körpergewichts, was auch zur Folge hatte, dass er in seinem weiteren Leben keine Kinder zeugen konnte.

Mit zwölf Jahren begann Byron als Caddy im Glen Garden Country Club zu arbeiten. „Ich wusste am Anfang gar nichts über das Caddywesen, aber es war nicht schwierig zu erlernen“, erzählte Nelson einmal über seine Anfänge.

„Den anderen Caddys gefiel es aber gar nicht, wenn jemand Neuer daherkam, da dies sie den einen oder anderen Job kosten würde.“ Ursprünglich durften Caddys selber nicht im Club spielen und so trainierte Nelson oftmals in der Dunkelheit. Er breitete sein weißes Taschentuch über das Loch, damit er es im Dunkeln finden konnte.

Der Glen Garden Golf Club änderte aber in der Folge seine Caddy-Politik und organisierte sogar das Glen Garden Caddy-Turnier, bei dem der 14-jährige Nelson seinen Kollegen und späteren Rivalen Ben Hogan um einen Schlag nach einem 9-Loch-Playoff bezwang.

Nelson und Hogan waren in ihren jungen Jahren eng befreundet, mit zunehmenden Alter und Rivalität entfremdeten sie sich ein wenig, ohne jedoch den gegenseitigen Respekt füreinander zu verlieren.

Die Profijahre

Byron Nelson trat 1932 ins Profilager über. Er arbeitete zunächst als Club Professional in Texarkana, wo er unter anderem auch seine spätere Ehefrau Louise Shofner kennenlernte. Nelson spielte so viele Turniere wie nur irgendwie möglich, um an seinem Spiel zu arbeiten.

Die große Depression hatte Texas hart getroffen und so übernahm er 1935 einen Job als Club Pro im Ridgewood Country Club in New Jersey. Mit dem technologischen Wandel von den Hickory-Schäften zu Stahlschäften, welcher Anfang der 30er-Jahre vonstatten ging, erkannte Nelson früh, dass sich auch der Golfschwung den neuen Gegebenheiten anpassen müsste.

Byron war einer der Ersten einer neuen Generation von Spielern, die einen vollen Schwung mit mehr Beinrotation entwickelten. Nicht umsonst gilt Nelson als „Vater des modernen Golfschwungs“, dessen Kern-elemente bis heute Gültigkeit besitzen. Er verfeinerte in Folge die neue Schwungtechnik und schloss sich danach der höchsten Liga, der PGA Tour, an.

5 Majorsiege & Rekordjahr

Schon 1937 gelang Byron Nelson der erste von insgesamt fünf Majorsiegen. Beim Masters im Augusta National verwies er Ralph¬ Guldahl mit zwei Schlägen Vorsprung auf den zweiten Platz.

Seine 66er-Auftaktrunde war lange Zeit (bis 1976: Ray Floyd (65)) die niedrigste Eröffnungsrunde in der Masters-Geschichte. 1942 holte er sich ein zweites Green Jacket.

Darüber hinaus konnte Nelson 1939 die US Open für sich entscheiden sowie 1940 und 1945 zwei PGA-Championship-Titel einfahren. 1945 war sein absolutes Traumjahr, gewann er doch sage und schreibe 18 von 35 PGA Tour Events, davon elf Siege in Folge. Beide Rekorde sind bis heute unerreicht!

Rückzug nach 1946

Nach 1946 zog sich Nelson langsam vom Profiturniergeschehen zurück und spielte nur noch gelegentlich bei großen Anlässen wie z.B. dem Masters, wo er später als Ehrenstarter verpflichtet wurde.

Nelson wurde aufgrund seines Rufes als Gentleman oft als „Lord Byron“ tituliert, benannt nach dem englischen Poeten. Er fungierte als Coach und Mentor von Spitzenspielern wie Ken Venturi, Marty Fleckman und Tom Watson.

Byron Nelson verstarb am 26. September 2006 im Alter von 94 Jahren im Beisein seiner zweiten Frau Peggy Simmons, mit der er beinahe 20 Jahre zusammengelebt hatte.

Markus J. Scheck

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