"Woods? Er hatte seine Zeit als Nummer 1"

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Seine Ryder-Cup-Erfolge für Europa suchen ihresgleichen, 37 Turniersiege auf der European Tour sprechen eine deutliche Sprache und der Gewinn der European Tour Order of Merit sieben Mal in Folge (1993 bis 1999) ist bis heute unerreicht.

Anlässlich des Canon Rotes Kreuz Charity Turnieres (siehe Seite 25) trafen wir die schottische Golflegende Colin Montgomerie zum Golf-Week-Exklusiv-Talk.

Golf Week: Colin, wenn man auf deine Karriere zurückblickt, gibt es so viele Highlights. Du bist jetzt 48, was sind deine Ziele für die Zukunft? 50 ist ja so eine magische Zahl, ab der man auf der Seniors Tour spielberechtigt ist – planst du, dort noch mal richtig durchzustarten?

Colin Montgomerie: Ja, das ist schon ein komisches Alter im Moment. Leute kommen auf dich zu und sagen „Du freust dich sicher schon auf die Seniors Tour“ – nein, ich freue mich überhaupt nicht darauf! Ich glaube auch, dass ich nicht auf der Seniors Tour spielen werde, vielleicht hin und wieder ein Major, vor allem, wenn es in Schottland stattfinden sollte, aber nicht mehr. Ich habe mein Golfcourse-Design-Business, das sehr gut funktioniert, ich habe familiäre Verpflichtungen, ich kommentiere nun regelmäßig für Sky Sports und ich bin ohnehin bis ins Alter von 52 Jahren auf der European Tour spielberechtigt. Ich habe die Order of Merit 2005 gewonnen und bin bis 2015 von Qualifikationen befreit, also denke ich mal, ich spiele einfach bis dahin weiter.

Golf Week: Es gibt einen kleinen Makel: Du konntest noch kein Major-Turnier gewinnen. Glaubst du, dass vielleicht noch ein Major-Sieg in dir steckt?

Colin Montgomerie: Nun, wenn man Darren Clarke sieht mit seinem Open-Triumph oder Thomas Björn mit seinen Back-to-back-Siegen, oder aber auch David Toms und Jim Furyk, die alle in den Vierzigern sind, gibt es eigentlich keinen Grund, das zu verneinen. Es ist eine Sache des Kopfes, wenn du daran glaubst, dann hast du auch eine Chance. Ich glaube, ich bin durchaus noch in der Lage, vorne mitzumischen. Um zu gewinnen, muss man dann natürlich auch das nötige Quäntchen Glück haben. Aber warum nicht? (lacht).

Colin Montgomerie (r.) mit Samuel L. Jackson

Golf Week: Glaubst du eigentlich, dass Tiger Woods jemals wieder Nummer eins der Welt wird?

Colin Montgomerie: Ehrlich gesagt, nein. Ich glaube, der Hunger ist weg. Er benötigt den Ehrgeiz und den Antrieb und der ist meiner Meinung nach einfach nicht mehr vorhanden. Ich mache ihm da auch keinen Vorwurf, denn sein Leben hat sich dramatisch verändert. Man kann eben auch nicht ewig Nummer eins der Welt sein. Dann wäre Muhammad Ali immer noch der beste Boxer und Carl Lewis der schnellste Mann der Welt. Er hatte seine Zeit als Nummer eins, aber die Dinge entwickeln sich weiter. Wird er zurückkommen und Turniere gewinnen? Ich glaube ja. Wird er wieder ein Major gewinnen? Ich glaube eher nein.

Golf Week: Es kommen so viele junge Talente nach, die Rory McIlroys und Rickie Fowlers – wie siehst du die Zukunft des Golfsports gerade im Hinblick auf diese jungen Kids?

Colin Montgomerie: Die jungen Kids sind richtig gut. Sie arbeiten härter, sie sind athletischer, sie sind stärker. Es ist großartig für den Golfsport, dass wir eine Jugend haben, die an die Spitze strebt –McIlroy, Fowler, aber auch Matteo Manassero und viele andere, die u.a. diese Woche beim Walker Cup im Einsatz sind und in der Woche danach ins Profilager wechseln werden. Ich glaube, dass da einige künftige Major-Sieger dabei sind.

Golf Week: Golf ist 2016 wieder eine olympische Disziplin. Welche Auswirkungen wird das auf den Golfsport haben?

Colin Montgomerie: Ja, das ist super. Es wird global einen Effekt haben und weniger hier in Europa und den USA, wo die Märkte gesättigt sind. Das Bewusstsein wird in Ländern wie China, Indien, Brasilien oder Russland massiv steigen. In diesen aufstrebenden Ländern gibt es viel Vermögen, das zu einem Wachstum des Golfsports führen wird, genauso wie es auch damals mit Tennis funktionierte.

Golf Week: Findest du es schade, dass du dann wohl schon etwas zu alt sein wirst, um selber teilzunehmen?

Colin Montgomerie: Ja, das ist eine Schande (lacht). Ich war damals bei der Präsentation vor dem IOC in Lausanne und dachte mir: „Warum tue ich mir das überhaupt an, denn ich werde gar nicht spielen können?“ Aber dann sagte ich mir, Jack Nicklaus ist auch dort und der wird auch nicht spielen, also passt das schon.

Golf Week: Die Youngster schlagen den Ball heute über 300 Meter weit. Sollen die Platzdesigner die Löcher verlängern oder die Industrie Restriktionen bei den Bällen einführen?

Colin Montgomerie: Die Industrie muss Restriktionen bei den Golfbällen einführen. Wir können nicht permanent Land zukaufen, das ist schlichtweg zu teuer. Die Hersteller müssen einen Ball produzieren, der nur 90 % der Weite hat von heute und es muss einen Turnierball geben, den alle Teilnehmer verwenden. Roger Federer kommt ja auch nicht nach Wimbledon und nimmt seine eigenen Bälle mit, sondern spielt mit dem, was zur Verfügung gestellt wird. So sollte es auch bei uns sein.

Golf Week: Du hast dir einen guten Namen im Golfplatz-Design-Business erarbeitet. Hast du ein bestimmtes Markenzeichen?

Colin Montgomerie: Bunker! Ich liebe Bunker. Die meisten Leute, die meine Plätze spielen, hassen mich aber dafür (lacht).

Golf Week: Glaubst du, dass es einmal zu einer World Tour kommen wird?

Colin Montgomerie: Wir versuchen es. So wie beim Tennis haben wir vier Majors, aber bei uns finden drei davon in den USA statt. Wir haben zwar die WGC-Turniere, aber wir brauchen mehr richtige „World Events“, die außerhalb von Amerika stattfinden müssen, denn sonst ist es keine Welttour.

Markus J. Scheck

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