"Bin nahe dran, wieder ein Turnier zu gewinnen"

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Golf Week: Martin, Du hast die vergangenen Wochen mit deinem Trainer Günther Kessler trainiert. Gab es irgendwelche Umstellungen?

Kaymer: Am Schwung umgestellt habe ich nichts, wir haben eher an Kleinigkeiten gearbeitet. Im Endeffekt können wir alle gut Golf spielen auf der Tour, aber man muss immer wieder zurück zu den Basics gehen, das vergessen viele. In diesem Jahr spiele ich die Turniere in Blöcken, um wirklich auf den Punkt bereit zu sein; nach langen Pausen habe ich immer ein gutes Comeback gehabt. Außerdem spiele ich jetzt einen Face-Balanced-Putter, einen Two Ball. Ich habe auch mit einem Belly-Putter experimentiert, aber als ich davon Fotos gesehen habe, wusste ich: Das geht nicht!

Golf Week: Als ehemalige Nummer eins der Welt bist du einer hohen Erwartungshaltung ausgesetzt und musst teils harte Kritik im eigenen Gästebuch einstecken.

Kaymer: Ich spüre schon einen anderen Druck. Manche reden ja auch von „Einbruch“ oder sagen „Er ist irgendwo im Loch, ob er da jemals nochmal rauskommt“, weil man die Woche nicht gewonnen hat. Da sind viele Leute, die haben irgendwelche Vorschläge, wie man alles besser machen kann. Aber ich bin ja keine Maschine, ich bin auch nur ein Mensch! In einer Karriere kann es nicht immer nur bergauf gehen. Die letzten zwei Jahre habe ich gutes Golf gespielt, sonst würde ich mich nicht in den Top Ten der Welt halten. Ich habe viel trainiert und bin jetzt wirklich nahe dran, wieder ein Turnier zu gewinnen. Es ist nur eine Geduldsache und eine Frage der Zeit.

Golf Week: Was geht dir durch den Kopf, wenn der nächste Schlag 250.000 Dollar wert sein könnte? Denkt man als Tourspieler noch über den Schwung nach?

Kaymer: Wenn man übers Geld nachdenkt, dann ist man nicht mit Leidenschaft und Herz dabei – das ist einfach so! Schwunggedanken hat man dagegen immer, zwei, drei Sachen, an die man denkt. Das wird sich auch nie ändern, Golf ist einfach eine Sportart, da wirst du nie sagen, ich kann’s jetzt.

Golf Week: Ist das nicht ein wenig frustrierend?

Kaymer: Nee, das ist super! Wenn man ein bisschen arrogant und ein bisschen zu locker wird, dann kriegt man direkt einen Schlag ins Gesicht vom Golf, pass auf, so geht’s nicht, du musst weiter trainieren, um erfolgreich zu sein. Und das finde ich gut, das ist richtig so!

Das Interview führte Katrin Brecht

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