"Man muss auf das Land hören"

Aufmacherbild

Robert Trent Jones Jr. ist der Sohn des legendären Golfplatzarchitekten Robert Trent Jones und folgte in den 1960er-Jahren genauso wie sein Bruder Rees Jones in die Fußstapfen seines berühmten Vaters.

In seiner Karriere hat der heute 72-jährige Amerikaner, der von seinen Freunden Bobby genannt wird, mehr als 250 Golfplätze neu designt oder umgestaltet.

Golf Week hatte bei der Rolex Trophy in Genf, die auf einem von Robert Trent Jones II designten Platz, dem Geneva Golf Club, ausgetragen wurde, die Gelegenheit, mit dem in Woodside, Kalifornien lebenden Stardesigner ein exklusives Interview zu führen.

Golf Week: Wie sieht Ihre Philosophie aus, wenn Sie einen Golfplatz designen? Gibt es typische Merkmale, die Ihre Plätze kennzeichnen?

Robert Trent Jones: Meine Philosophie ist es, auf das Land zu hören. Meine Kreativität muss sich immer danach richten, was mir das Land vorgibt. In Chambers Bay zum Beispiel, wo 2015 die US Open ausgetragen werden, gab es eine alte Mine und wir haben den Platz herum im Stil eines schottischen Links Course errichtet. In Moskau haben wir den Moscow Country Club direkt aus den Wäldern rausgeschnitten und einen Parkland Course daraus gemacht. Seddiner See bei Potsdam ist wiederum ein Mix aus beidem. Kreativität ist, glaube ich, das beste Merkmal, meine Plätze zu charakterisieren. Ich schreibe auch gerne Gedichte und künstlerisch veranlagte Menschen tendieren nun mal dazu, etwas Eigenes zu erschaffen und nicht die Musik von anderen zu spielen. Das zweite entscheidende Merkmal ist, dass ich ein strategischer Designer bin. Ich plane so, dass der Spieler seinen Verstand benutzen und die verschiedenen Optionen abwägen soll. Ich bin kein Designer, der den Spieler bestraft wie z.B. Pete Dye oder die alten schottischen Architekten, wo du im Bunker liegst und nach hinten raus spielen musst. Ich vergleiche das Designen gerne ein wenig mit der Situation Angreifer gegen Torhüter beim Fußball, wo man auch nicht genau weiß, in welche Ecke er sich werfen wird. Es gibt fünf Arten, sich als Platz gegen den Spieler zu verteidigen: Wir haben die Länge des Platzes, die Breite des Platzes, Bunker und Hindernisse, die Kontur des Grüns und nicht zuletzt als fünften Punkt das menschliche Gehirn.

Golf Week: Was sind Ihre aktuellen Projekte, an denen Sie gerade arbeiten?

Robert Trent Jones: Wir haben soeben an der Algarve einen komplett neuen 27-Loch-Platz mit dem Namen Palmares eröffnet. Wir finalisieren außerdem einen Platz in Griechenland mit dem Namen Navarino Bay, der im Oktober eröffnet werden soll. Und wir sind auch gerade dabei, ein Projekt außerhalb von Siena in Italien mit dem Namen Tenuta De Bagnaia zu einem Ende zu bringen. Dazu gibt es noch ein Projekt in Rom, ein etwas schleppendes in Ägypten sowie zwei bis drei Projekte jeweils in China und den USA.

Golf Week: Gibt es Länder, in denen Sie noch nicht tätig waren, die Sie aber reizen würden?

Robert Trent Jones: Es gibt viele Länder, in denen ich noch nicht war, weil laufend neue erschaffen werden (lacht). Nein, ich denke nicht auf diese Art und Weise. Es ist für mich immer eine Frage der verfügbaren Fläche und der Menschen, mit denen ich zusammen arbeite.

Golf Week: 2016 wird Golf ja wieder olympisch und in Rio de Janeiro soll ein komplett neuer Platz gebaut werden – werden Sie sich dafür bewerben?

Robert Trent Jones: Absolut. Wir ließen die Gremien bereits wissen, dass wir sehr interessiert daran sind, hier eine Hilfestellung zu leisten. Es ist aber eine komplizierte Konstellation mit den Amateurverbänden, den Profigolf-Vereinigungen, sowohl Herren als auch Damen, und dem Organisationskommitee in Brasilien. Wir haben schon mit allen gesprochen und werden, soferne wir eingeladen werden, eine umfassende Präsentation durchführen, wahrscheinlich sogar noch diesen Herbst.

Golf Week: Haben Sie in Ihrer Jugend auch mal überlegt, selbst Profigolfer zu werden oder hatte das Design-Business immer oberste Priorität?

Robert Trent Jones: Ich war schon ein ernsthafter Golfer und habe u.a. für das Team der USA und meine Universität gespielt.­ Damals war aber bei einem Wechsel ins Profilager noch nicht sehr viel Geld im Spiel, also sagte meine Mum zu mir: „Such dir lieber einen richtigen Job!“ Und so habe ich dann begonnen, für meinen Vater zu arbeiten.

Golf Week: Haben Sie persönlich eigentlich Lieblingsplätze, eigene Projekte oder von anderen Designern?

Robert Trent Jones: Ich mag den Geneva Golf Club hier, oder Pine Valley in New Jersey. Aber es gibt so viele tolle Plätze. Am liebs­ten habe ich immer den nächsten, den ich spiele (lacht).

Golf Week: Vielen Dank für das Gespräch.

Markus J. Scheck

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen