Der Tiger-Schreck

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"Bist du hier, um Tiger wieder zu besiegen?"

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Es gibt Menschen, denen steigt Erfolg in den Kopf.

Und es gibt Menschen wie Costantino Rocca, die ihr Leben lang auf dem Boden bleiben und eine Inspiration für andere darstellen.

Anfänge als Caddy

Italiens erfolgreichster Golfer aller Zeiten wurde am 4. Dezember 1956 in Almenno San Bartolomeo in Bergamo als Sohn eines Quarz-Bergarbeiters geboren.

Er arbeitete seit dem Alter von sieben Jahren gemeinsam mit seinem älteren Bruder als Caddy und gewann 1978 die italienische Caddy-Meisterschaft.

Dies war so etwas wie die Initialzündung, denn drei Jahre später, im Alter von 24 Jahren, wechselte Costantino ins Profilager. Die 80er-Jahre waren ein steter Kampf um die Tourkarte, erst in den 90er-Jahren schaffte der Mann aus Bergamo den internationalen Durchbruch.

1993 gelang Rocca bei den Open de Lyon sein erster Toursieg, insgesamt konnte er im Verlauf seiner Karriere fünf European-Tour-Events für sich entscheiden.

Highlight bei British Open

Beim Namen Costantino Rocca erinnert man sich aber vor allem an The Open 1995 und den Ryder Cup 1997. 1995 kam Rocca mit einem Schlag Rückstand auf John Daly auf das 18. Loch in St. Andrews und benötigte ein Birdie zum Stechen.

Aus dem „Valley of Sin“ lochte er aus rund 18 Metern tatsächlich ein, der Jubel ist bis heute legendär. Zwar verlor er danach das Stechen, doch konnte der Italiener erhobenen Hauptes St. Andrews verlassen.

„Ich habe danach gesagt: Niemand erinnert sich an den Zweiten, aber komischerweise erinnern sich die Leute bei den Open 1995 mehr an mich als an John Daly.“

Sieg über "Tiger"

Das zweite Highlight ereignete sich beim Ryder Cup 1997 in Valderama, als Rocca als krasser Außenseiter in den Singles gegen den aufstrebenden Superstar Tiger Woods ranmusste.

Niemand hätte auch nur einen Pfifferling auf den Italiener gesetzt, doch sensationellerweise bezwang er den Amerikaner mit 4&2 und bejubelte mit seinen Teamkameraden einen epochalen Triumph über die USA.

Golf-Week-Exklusiv-Talk

Der stets gut gelaunte Italiener spielt mittlerweile auf der Seniors Tour und feiert immer noch Siege, auch wenn er das Leben mittlerweile etwas lockerer nimmt.

Costantino Rocca ist aber nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern vor allem auch wegen seiner charismatischen, zugänglichen Art bekannt und beliebt, wovon wir uns letzte Woche anlässlich der Fontana Open auch persönlich überzeugen konnten.

 

Golf Week: Costantino, aus den vielen Erfolgen deiner Karriere sticht vor allem der Sieg über Tiger Woods im Ryder Cup 1997 heraus? Was hat er eigentlich damals zu dir gesagt?

Rocca: Er hat nur gesagt: „Gut gespielt, danke schön.“ Ich glaube, er war ziemlich verärgert (lacht).

Golf Week: Wir haben ja 2012 wieder ein Ryder-Cup-Jahr. Was sind die entscheidenden Faktoren, die ein gutes Team ausmachen?

Rocca: Man muss gut harmonieren und miteinander spielen, nicht wie Phil Mickelson und Tiger Woods, die kein Wort miteinander gewechselt haben. Ich habe am besten eigentlich mit José María Olazábal gespielt. Wir sind beide Latinos, wir sprechen mehr miteinander. Er machte zum Beispiel Scherze wie: „Wenn du das Fairway verpasst, dann mache ich das auch!“ Wir haben 1997 in den Fourballs gegen Fred Couples und Davis Love gespielt, die zu den absolut Besten zählten, aber wir haben sie 5&4 geschlagen, weil wir den Team-Spirit hatten.

Golf Week: Was macht den Ryder Cup so besonders?

Rocca: Es ist wie bei den Olympischen Spielen. Du spielst und gewinnst für Italien, für Europa, ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen. 24 Spieler kämpfen drei Tage lang für eine Trophäe, und es ist das Schönste auf der ganzen Welt. Es ist ein Moment im Leben, der wirklich einzigartig ist.

Golf Week: Golf ist in Italien nach wie vor kein Breitensport. Wie steht es mit deiner Popularität bzw. gibt es durch die Molinari-Brüder und Matteo Manassero neues Blut?

Rocca: Ich war damals der einzige Italiener weit und breit und im Ausland berühmter als zu Hause. Als ich durch den Zoll in Amerika ging, fragten sie mich: „Bist du hier, um Tiger wieder zu besiegen?“ Am Rückweg nach Italien fragten sie mich: „Haben Sie etwas zu verzollen?“ Mit Edoardo und Francesco Molinari sowie Matteo Manassero haben wir tolle junge Spieler, die sicher etwas bewirken können. Wir müssen uns aber auch ein wenig an Spanien orientieren und neue Plätze bauen. Wenn wir mehr Plätze hätten, würden die Touristen, die ohnehin hierher kommen, auch die Gelegenheit bekommen, Golf zu spielen. Wir haben die Geschichte, Kultur und das Essen, also eigentlich beste Voraussetzungen.

Golf Week: Hast du international gesehen einen Lieblingsplatz?

Rocca: Ja, Carnoustie. Auf dem Platz musst du wirklich jeden Schlag genau überlegen und exakt ausführen. Ein toller Test für jeden Golfspieler.

Golf Week: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Von Markus J. Scheck

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