Altherrenriege verweigert IBM-Chefin Mitgliedschaft

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Das Grüne Jackett des National Golf Club von Augusta kann man nicht kaufen.

Um dem Geheimzirkel der schätzungsweise 300 Mitglieder anzugehören, muss man vielmehr auf eine Einladung warten.

Keine Mitgliedschaft für IBM-Chef...

Eine Einladung, die die letzten drei Vorstandsvorsitzenden von IBM, einem der Hauptsponsoren des Masters, immer erhalten hatten.

Nur nicht Ginni Rometty, seit Anfang des Jahres neue Chefin des Technologieriesen mit fast 400.000 Mitarbeitern.

...weil sie eine Frau ist

Das Problem: Sie ist eine Frau. Natürlich sieht man sich in Augusta nicht frauenfeindlich. Frauen dürfen ja jederzeit als Gäste spielen.

Es gibt zwar keine eigenen Damen-Tees, aber die Ladys können gerne abschlagen, wo sie wollen. Nur Mitglied können sie eben nicht werden. Was bis 1990 übrigens auch für Schwarze galt.

Obskure Benimmregeln

Höflich war die offensichtliche Ausgrenzung Romettys bei gleichzeitiger Entgegennahme der Sponsorengelder aber nicht.

Belustigend ist vor allem, dass in Augusta ansonsten viel Wert auf (teils obskure) Benimmregeln gelegt wird. Besucher des Mas­ters erhalten stets ein dickes Handbuch mit Verhaltensvorschriften, bei deren Zuwiderhandlung der Platzverweis droht.

Caddies müssen seit jeher in strahlend weißen Sträflingsoveralls herumlaufen, während die Spieler – anders als auf der Tour üblich – in Augusta niemals auf Besserlegen hoffen dürfen. Warum das alles so sein muss, weiß keiner so genau.

Kein Kommentar vom Club

So wie auch niemand ahnt, wieso sich der Augusta National Golf Club nicht offen zum Thema Rometty bekennen wollte.

"Alle Fragen zur Mitgliedschaft oblagen historisch schon immer der privaten Erörterung der Mitglieder. Das wird auch so bleiben“, mauerte Augusta-National-Chairman Billy Payne während der Mittwoch-Ppressekonferenz des diesjährigen Masters-Turniers.

Als 2002 die Frauenrechtlerin Martha Burk gegen das Frauenverbot protestiert hatte, war man noch weniger schüchtern gewesen und hatte beleidigt geäußert, man werde sich nicht „schikanieren, bedrohen oder einschüchtern“ lassen und Frauen erst dann aufnehmen, wenn es einem passe.

Obama meldet sich

Da half es auch nichts, dass im Zuge der neu entflammten Diskussion sogar US-Präsident Barack Obama, selber begeisterter Golfer, verlauten ließ, er sei der Meinung, dass Frauen aufgenommen werden sollten.

„Die Zeiten, in denen Frauen von allem ausgeschlossen wurden, sind lange vorbei.“ Wohl nicht in Augus­ta – dem Kindergarten für große Wirtschaftskapitäne.

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