In der Ruhe liegt die Kraft

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Er war der erste Österreicher auf der European Tour. Er war der erste rot-weiß-rote Golfer, der einen Sieg auf selbiger feiern durfte. Nur wenige kennen die Greens im Diamond Country Club besser als er: Markus Brier.

Der Wiener kämpft auf seinem Heim-Platz um ein gutes Ergebnis, das ihn der Tour-Karte 2014, die er im Vorjahr zum ersten Mal seit 13 Jahren verloren hat, ein Stück näher bringen soll.

Als ehemaliger Sieger der Austrian Open (2006 im GC Fontana) hat der 44-Jährige einen Startplatz in Atzenbrugg fix in der Tasche.

Brier, der bei der Neugestaltung des Kurses im Tullnerfeld mitgewirkt hat, bestreitet bei den Lyoness Open sein 365. Turnier auf der European Tour.

LAOLA1 hat sich an seine Fersen geheftet und Brier am ersten Tag seines Heim-Turniers begleitet.

 

Ein Morgen wie jeder andere

Markus Brier kommt um 11 Uhr im Diamond Country Club an. Er schlägt erst um 12:50 gemeinsam mit dem Spanier Paplo Larazzabal und Thomas Björn aus Dänemark ab, kein Grund für Stress.

Der Vormittag war der Familie gewidmet. „Das ist das Angenehme an einem Heim-Turnier“, erklärt der Österreicher. „Ich bin um sechs Uhr aufgestanden, wir haben gemeinsam gefrühstückt und ich habe die Kinder in die Schule gebracht.“

Auch wenn bei einem Turnier im Ausland erst um 9 Uhr der Wecker geklingelt hätte, sieht Brier das ganze positiv: „Das ist gut, weil du vorher nicht an Golf denkst. Das ist ohnehin nicht notwendig.“

Nach 364 Turnieren auf der European Tour hat sich eine gewisse Routine in der Vorbereitung eingespielt.

Versuche, mich nicht mit Turnier zu beschäftigen“

„Ich schlage eine halbe Stunde Bälle, dann eine viertel Stunde putten und 10 Minuten chippen. Hängt alles von der Startzeit ab. Wenn du erst am Nachmittag anfängst, hast du mehr Zeit, trinkst noch einmal einen Kaffee. Eineinviertel Stunden vorher versuche ich mich aufs Turnier einzustellen.“

Der Fokus liegt dabei auf den Verhältnissen: „Ich schaue, ob der Platz feucht oder trocken ist und überprüfe die Gegebenheiten.“

Länger braucht der Routinier nicht. „Davor versuche ich, mich nicht mit dem Turnier zu beschäftigen. Danach ist man ohnehin fünf bis sechs Stunden mit Golf beschäftigt, das reicht für einen Tag“, schmunzelt Brier.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Endlich ins Turnier gestartet, muss der Österreicher nach drei gespielten Bahnen zwei Schlagverluste notieren. „Das war natürlich nicht lustig. Ich habe nicht versucht, mit Gewalt irgendetwas zu machen, sondern weiter frei zu schwingen und meinen Rhythmus zu finden.“

Mit Erfolg: „Ab der 7 ist es recht gut gegangen, da habe ich ein paar sehr gute Schüsse gemacht. Es ist für mich einfach momentan leichter, den Rhythmus zu finden, auch wenn ich zwei Bogeys gemacht haben.“

Brier hat aus der Vergangenheit gelernt. „Es stört mich einfach nicht mehr so, auch wenn ich zwei wirklich schlechte Bogeys gemacht habe. Letztes Jahr hätte ich probiert, etwas zu ändern.“

Mit seiner ersten Runde ist der 44-Jährige durchaus zufrieden. „Eine Par-Runde ist keine Weltsrunde, aber es ist nichts verbockt. Ich habe ein paar gute Schüsse gemacht. Ich sehe das Positive und morgen geht’s weiter.“

In der Ruhe liegt die Kraft

Man merkt ihm die Ruhe und den Spaß an, mit denen er zu Gange ist. Während seine Mitstreiter nach schlechten Bällen mehr oder weniger leise zu fluchen beginnen, ärgert sich Brier nach knapp vergebene Birdiechancen schon lange nicht mehr.

„Das ist immer so. Das ist bei jedem so. Der auf der 8 (Par) und auf der 17 (Bogey) waren zwei kürzere Putts, die nicht rein gegangen sind, aber das ist so.“

Der Blick wird sofort nach vorne gerichtet, lange Analysen gibt es nicht mehr: „Ich denke auch nicht viel darüber nach und versuche nicht, jeden einzelnen Schlag zu bewerten. Das ist vorbei.“

Neuer alter Caddie

Während der Runde sieht man Brier und seinen Caddie Max Zechmann immer wieder lachen. Golfbälle fliegen durch die Luft vom einen zum anderen. Die beiden scheinen ein entspanntes Verhältnis zueinander und zum Sport zu haben.

Das war nicht immer so. Im Vorjahr hatten sich die Wege der beiden getrennt. Erst vor kurzem haben sie wieder zusammen gefunden.

„Ich habe meine Einstellung ein bisschen geändert“, gibt Brier zu und schmunzelt. „Wir kennen uns seit 13 Jahren und sieben Jahre war er bei mir am Bag. Er kennt mich ein bisschen.“

Die Trennung hat beiden sichtlich gut getan. „Wir haben gesagt, ok, wir spielen das locker, weil verkrampft geht’s eh nicht. Das war mit auch ein Grund, warum wir uns letztes Jahr getrennt haben. Wir waren schon zu sehr eingefahren“, erklärt der zweifache Sieger auf der European Tour.

„Jetzt passt bei mir die Einstellung wieder besser. Ich war einfach nicht locker. Nicht nur beim Schlag, sondern auch sonst.“

Abendessen statt Masseur

Nach dem Ende der Runde am späten Donnerstagnachmittag ist Freizeit angesagt. Masseur, Physiotherapeut oder ähnliche Termine gibt es nicht.

„Ich gehe jetzt essen und früh ins Bett. Ich versuche immer, acht Stunden zu schlafen, weil ich weiß, dass ich es brauche.“

Brier sieht man die Freude am Golfspiel an. Manchmal fehlt das nötige Quäntchen Glück, aber er ist auf einem guten Weg zurück in die europäische Spitze und darf hoffentlich noch oft früh ins Bett, damit er am nächsten Tag fit für die nächste Runde ist.

 

Aus Atzenbrugg berichtet Martina Gugglberger

 

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