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AFBÖ wird bei Heim-WM keine Medaille machen

Der Traum von einer Medaille bei der Heim-WM ist für Österreichs American-Football-Nationalteam bereits nach dem zweiten Gruppenspiel ausgeträumt.

Die Österreicher mussten sich nach dem 6:24 zum Auftakt gegen Japan am Montag in Graz dem Favoriten Kanada mit 14:36 (0:7,0:7,0:7,14:15) geschlagen geben.

Die Equipe von Teamchef Rick Rhoades spielt damit am Mittwochabend gegen Frankreich um den dritten Platz in Gruppe B.

Erste WM-Touchdowns erzielt

Das AFBÖ-Team vermochte die 4.500 Zuschauer in der UPC-Arena allerdings zu begeistern. Immerhin erzielten die Österreicher im Schlussviertel ihre ersten WM-Touchdowns.

Jakob Dieplinger fing einen Pass von Quarterback Christoph Gross in der Endzone spektakulär (38.). Vier Minuten vor Schluss wuchtete Mario Nerad den Ball aus einem Yard noch einmal über die Linie (44.). Vor allem die Defense war über weite Strecken WM-reif, im Angriff fehlte aber vor der Pause die Kaltschnäuzigkeit.

Die Kanadier hatten ihre Fahne beim Einlauf ins Stadion auf einem Eishockey-Schläger montiert.

Doch auch Footballspielen haben die Ahornblätter gelernt. Kanada ist zu seiner ersten WM hauptsächlich mit jungen College-Spielern angereist.

Keine Anspielstationen für Gross

Dazu kommen einige Akteure aus der heimischen Profi-Liga, die mit einer für österreichische Verhältnisse ungewohnten Intensität agierten.

Leidtragender war vor allem AFBÖ-Spielmacher Gross, der kaum Anspielstationen fand, immer wieder unter Druck geriet und einige harte Hits einstecken musste.

Das Spiel hatte bei starkem Regen begonnen, die 4.500 Fans sorgten dennoch für eine mitreißende Atmosphäre. Die Kanadier starteten druckvoll, erzielten nach einem weiten Pass von Quarterback Michael Faulds auf Scott Valberg die ersten Punkte (7.).

Die Österreicher vermochten daraufhin einige Fehler des Favoriten nicht zu nützen - darunter zwei verlorene Bälle ("Fumble") sowie einen Ballverlust wegen um Zentimeter zu schlechter Feldposition.

Kanada schlug mit dem zweiten Touchdown durch Matt Walters zu (23.). AFBÖ-Linebacker Philip Stojaspal hatte zuvor ein sicher scheinendes Tackle verpasst.

Doch wie aus dem Nichts wurde Österreich vor der Pause noch einmal gefährlich, weil Gross mit einem sehenswerten Spielzug Dieplinger fand. Das eröffnete Andreas Pröller wenige Sekunden vor der Pause die Chance auf den Touchdown. Der Routinier von Double-Gewinner Raiders Tirol ließ den gut geworfenen Ball aber in der Endzone fallen.

Zwei Interceptions

Es folgten zwei Interceptions des unter Druck geratenen Gross (24., 26.), die zweite nützten die Kanadier in weiterer Folge zu Touchdown Nummer drei durch den erst 18-jährigen Runningback David Stevens (30.).

Die Österreicher antworteten mit einem sensationellen, vom Publikum honorierten Aufbäumen. Die Touchdowns von Top-Receiver Dieplinger und Runningback Nerad verwandelten die UPC-Arena zwischenzeitlich in ein Tollhaus.

Die Kanadier brachten sich mit mehreren Strafen selbst in Bedrängnis, der Favorit fiel aber nicht. Für die Vorentscheidung sorgte ein weiter Touchdown-Pass von Faulds auf Shamawd Chambers (40.).

Den Endstand besiegelte erneut Walters, der zum wertvollsten kanadischen Spieler gewählt wurde, mit einem Lauf-Touchdown 1:50 Minuten vor Schluss (47.). Jedd Gardiner verwertete auch noch die Two-Point-Conversion.

Kanada spielt damit am Mittwoch (15.00 Uhr) in Graz gegen den ebenfalls zweimal erfolgreichen Vizeweltmeister Japan um den Finaleinzug.

Japan gewinnt ebenfalls

Der zweifache Weltmeister hat auch sein zweites Spiel bei der American-Football-WM in Österreich für sich entschieden.

Zwei Tage nach dem 24:6-Erfolg im Auftaktspiel gegen Gastgeber Österreich setzten sich die Japaner in Gruppe B in Graz auch gegen Frankreich durch.

Der Weltmeister von 1999 und 2003 triumphierte vor mehr als 2.000 Zuschauern mit 35:10 (7:0,14:0,7:7,7:3).

Der vielseitige Yasuhiro Maruta hatte mit zwei Touchdown-Läufen bereits in den ersten 20 Minuten für klare Verhältnisse gesorgt.

Die Franzosen hielten zwar gut dagegen, brachten sich in der zweiten Hälfte mit mehreren Strafen aber selbst um die Früchte ihrer Arbeit. Den einzigen Touchdown-Pass für Frankreich fing Paul Durand im dritten Viertel, verkürzte damit zwischenzeitlich auf 7:21. Näher kamen die Franzosen nicht mehr heran.

Duell mit Deutschland?

Österreich trifft ebenfalls am Mittwoch (19 Uhr) im letzten Gruppenspiel auf Frankreich. Bei einem Sieg winkt im Spiel um Platz fünf möglicherweise ein Duell mit Deutschland.

Der Nachbar muss für eine Neuauflage des EM-Spiels 2010 (22:20 für Deutschland, Anm.) die bisher völlig punktelosen Australier schlagen.

 

STIMMEN ZUM ÖSTERREICH-SPIEL:

Rick Rhoades (Head Coach Österreich): "Die Defensive hat hervorragend gespielt, die hat uns die Chance gegeben, ins Spiel zurück zu kommen. Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass wir so lange dran waren. Wir haben die beste Partie geliefert seit langer Zeit, so wollen wir weitermachen. Die Offense war nicht so gut, wir haben einige Möglichkeiten ausgelassen. Wir haben es nicht geschafft, länger auf dem Feld zu bleiben. Da hatten wir einige Probleme. Wir haben versucht, was wir konnten, aber es war sehr schwer gegen diese Mannschaft.

Gegen Frankreich wird es wieder schwierig. Es waren zwei harte Spiele bisher, aber dieses Problem haben auch die Franzosen. Wir haben keine Angst, aber wir müssen offensiv natürlich besser spielen. Nun ist aber einmal Regeneration angesagt."

Florian Hueter (Linebacker Österreich): "Wir haben als Team so gut gespielt wie wir konnten. Wir haben gekämpft bis zum letzten Moment, aber es hat leider nicht gereicht. Kanada ist ein sehr gutes Team, sie haben Profispieler dabei. Das sind gute Athleten. Aber die Fans sind hinter uns gestanden, ich hoffe, dass es so weiter geht. Gegen die Franzosen müssen wir nun die Lehren ziehen, weniger Punkte zulassen und selbst mehr punkten."

Florian Grünsteidl (Defense Line Österreich): "Wir können mit den Besten mithalten und wenn es so weitergeht wie bisher, können wir Frankreich schlagen." 

Larry Haylor (Cheftrainer Kanada): "Das Publikum hat sehr viel Energie kreiert. Es ist eine harte Umgebung, hier muss man erst einmal bestehen. Die Österreicher haben uns überhaupt nichts geschenkt, sie haben sich nicht selbst geschlagen. Die zweite Hälfte war ein offener Schlagabtausch. Wir sind gefordert worden. Österreich gehört zu den besten Mannschaften dieses Turniers."

Jakob Dieplinger (Receiver mit Touchdown für Österreich): "Das war eine unglaubliche kämpferische Leistung. Wir haben gegen eine sehr große Football-Nation gespielt. Wir haben sehr viel investiert, daher sind wir jetzt ziemlich leer. Die Dichte ist in anderen Teams sicherlich größer. Aber wir haben alles aus uns rausgeholt und uns ordentlich verkauft. Darauf können wir stolz sein."

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