LAOLA1 mit den "High Five" der Wild-Card-Games

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Die Wild-Card-Games 2012 sind Geschichte. Ehrlich gesagt keine, die für immer in Erinnerung bleiben werden.

Denn drei der vier Partien waren eine klare Angelegenheit, bis der Overtime-Krimi Denver gegen Pittsburgh die zuvor nur bedingt aufkommende Spannung mehr als kompensierte.

An guten Storys mangelt es in der NFL aber bekanntlich auch bei fehlendem Nervenkitzel nie.

LAOLA1 beleuchtet daher in seiner Playoff-Rubrik „High Five“ fünf Themen dieses Wochenendes:

Euphorie pur im Reliant Stadium

Zu Hause ist es doch am schönsten:

In den letzten Jahren gehörte es bisweilen schon zum guten Ton, dass sich Auswärts-Teams in den Playoffs hervorragend schlugen. Stellvertretend seien die New York Giants (2008) und die Green Bay Packers (2011) erwähnt, die sich an Nummer sechs gesetzt sogar zum Super-Bowl-Champion krönten. Oder das Star-Ensemble New Englands, das in den letzten beiden Saisonen jeweils im ersten Antreten zu Hause die Segel streichen musste (gegen Baltimore und die New York Jets). Letzte Saison setzten sich in den Wild Cards gar drei Mal die Gäste durch und der einzige Heimsieg (Seattle gegen New Orleans) fiel in die Kategorie Mega-Sensation. Heuer jubelten jedoch ausschließlich die Heim-Teams, weshalb alle acht Division-Sieger in den Divisional Playoffs antreten.

Gerade für ein Team wie die Texans, das mit Verletzungssorgen auf der Quarterback-Position zu kämpfen hat, war das eigene „Wohnzimmer“ für die texanischen "Stubenhocker" ein immenser Vorteil. Das Publikum in Houston fieberte bereits seit Wochen dem Playoff-Debüt seiner Lieblinge entgegen und bekundete seine Vorfreude im Reliant Stadium lautstark. Giants-Quarterback Eli Manning wiederum besiegte seinen „Heimfluch“ und gewann erstmals überhaupt ein Playoff-Match in New York – für die Giants übrigens der erste Postseason-Heimsieg seit dem legendären 41:0 gegen Minnesota im NFC-Finale im Jahr 2001. Über die Dominanz von New Orleans im eigenen Superdome (keine Heimniederlage in dieser Saison) muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Am kommenden Wochenende, wenn die Wild-Card-Sieger allesamt in der Fremde ranmüssen, sind großteils wieder die Heim-Teams als Favoriten einzuordnen. Lediglich für San Francisco dürfte es gegen Saints in Topform eng werden.

Zahlenspiele rund um Tim Tebow

Tim Tebow findet neue Jünger:

You better believe it! Nach drei Niederlagen zum Abschluss der Regular Season feierte Tebow seine Wiederauferstehung. Nicht schlecht für einen Spieler, über den in den Tagen vor dem Spiel nur spekuliert wurde, ob er von Backup Brady Quinn ersetzt wird. Man kann über den polarisierenden Quarterback der Denver Broncos sagen, was man will, aber: Er gewinnt. Der Fakt, dass seine Leistung während 75 Prozent des Spiels (Ausnahme: Sein grandioses zweites Viertel) bestenfalls durchschnittlich war, geht in der allgemeinen Euphorie und Hysterie unter. Welch seltsame Auswüchse diese bisweilen annimmt, verdeutlicht folgendes Beispiel: Tebows Lieblings-Vers aus der Bibel ist „Johannes, 3,16“. Gegen Pittsburgh war er für 316 Yards, was bei zehn angebrachten Pässen einen Schnitt von 31,6 Yards pro Pass ergibt. „3,16, 316, 31,6“ – mehr Zahlenspiele hat es nicht gebraucht, um für den religiösen Teil seiner Anhänger die „göttliche“ Darbietung des strenggläubigen Quarterbacks zu begründen. You better believe it…

Nicks mit Glanzleistung für die Giants

Die Adjutanten der Quarterbacks:

Die fantastischen Quarterback-Leistungen in dieser Saison wurden allerorts genug gewürdigt – höchste Zeit einmal jene ins Rampenlicht zu rücken, ohne deren Assistenz diese Performances gar nicht möglich wären: Die zahlreichen Star-Receiver. Ohne Demaryius Thomas (204 Yards plus der entscheidende Overtime-Touchdown nach großartiger Einzelleistung) hätte es wohl kein weiteres „Tebow-Wunder“ gegeben. Calvin Johnson knackte mit 211 Yards (plus zwei Touchdowns) ebenfalls die 200er-Grenze und hielt Detroit in New Orleans beinahe im Alleingang im Spiel. Bei den Saints wiederum sind gute Receiver-Leistungen ohnehin Alltag – Marques Colston kam auf sieben Catches und 120 Yards, Robert Meachem auf 111 Yards und einen Touchdown. Giants-Passempfänger Hakeem Nicks stand in den letzten Wochen ein wenig im Schatten von Shootingstar Victor Cruz, antwortete gegen Atlanta jedoch mit 115 Yards und zwei Scores. Und in Houston ist man fraglos überglücklich, dass Andre Johnson (90 Yards, ein Touchdown) wieder fit ist, um Rookie-Quarterback T.J. Yates über die Runden zu helfen.

Brees ergänzt seine Rekord-Sammlung

Neue Kapitel im Buch der Rekorde:

Die Saison 2011/12 wurde von der einen oder anderen neuen Bestmarke geprägt – man denke an  Drew Brees und seinen neuen Rekord an Passing Yards. Da durften die Wild Cards selbstverständlich keine Ausnahme bilden. Und wieder hatte der Superstar der New Orleans Saints als Chef einer Zauber-Offense seine Finger im Spiel. 626 Total Yards hatte in der Playoff-Geschichte zuvor noch kein Team zusammengebracht, die 466 Yards von Brees noch kein Quarterback in der regulären Spielzeit eines Playoff-Spiels. Dass Tim Tebow mit seinem „Overtime-Quickie“ gleich für einen doppelten Rekord sorgte, rundete das Wochenende ab: 11 Sekunden brauchte Demaryius Thomas nach dem Pass des Denver-Quarterbacks bis in die Endzone – das schnellste Ende einer Verlängerung in der NFL-Geschichte und mit 80 Yards der längste Spielzug der Playoff-Historie.

Peinliche Performance von Atlanta

Loser ist nicht gleich Loser:

Wo es Gewinner gibt, fehlen für gewöhnlich auch die Verlierer nicht. Diese müssen teilweise nicht am Boden zerstört sein. Cincinnati sammelte in einem Jahr des Umbruchs wertvolle Erfahrung. Die Zeit der jungen Detroit Lions wird kommen, heuer waren die Saints noch zu stark. Bei Pittsburgh lässt sich das knappe Scheitern mit einer Kombination aus erheblichem Verletzungspech, einem misslungenen Gameplan der Defense (zu große Konzentration auf das Stoppen des Laufspiels) und der Unterlegenheit einzelner Cornerbacks wie Ike Taylor in den daraus resultierenden, entscheidenden Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Denvers Receiver erklären.

Aber Atlanta? Sorry, für diese Blamage gibt es keine Ausrede. Dass beim 2:24 bei den New York Giants die Gastgeber durch ein Intentional Grounding von Eli Manning in der eigenen Endzone auch noch die einzigen Punkte der Falcons aufs Scoreboard brachten, machte die Demütigung so richtig perfekt. Fakt ist, dass das Duo Head Coach Mike Smith/Quarterback Matt Ryan mit drei Playoff-Qualifikationen in vier Jahren diese Franchise aus den von Michael Vick hinterlassenen Trümmern befreit hat. Fakt ist aber auch, dass man drei Mal jeweils im ersten Postseason-Antreten scheiterte. Atlanta verfügt über ein Team mit großem Potenzial, das dringend den nächsten Schritt tun muss. Die Verantwortlichen stellen alle Mittel bereit, um jetzt sofort zu gewinnen (im letzten Draft tradeten die Falcons aggressiv nach oben, um mit Julio Jones den benötigten Receiver zu bekommen). Ein Verlierer-Image bekommt man in der NFL schnell verpasst, Ryan muss bei allem Talent vorerst mit diesem Ruf leben. Der letzte Playoff-Sieg resultiert übrigens aus dem Jänner 2005 – mit Vick als Quarterback…

Peter Altmann

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