Dallas und Detroit: Die Sehnsucht nach Playoff-Erfolg

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Start frei für die NFL-Playoffs 2015!

Nach 17 Spieltagen in der Regular Season haben sich zwölf Teams für die Postseason qualifiziert - acht davon sind zum Auftakt am Wochenende im Einsatz.

Während die AFC-Teams New England Patriots (1) und Denver Broncos (2) sowie die NFC-Teams Seattle Seahawks (1) und Green Bay Packers (2) jeweils ein Freilos haben, kämpft der Rest um den Aufstieg in Runde 2.

In den Wild-Card-Games eröffneten am Samstag die beiden NFC-Vertreter Carolina Panthers (4) und Arizona Cardinals (5) die Postseason - mit dem besseren Ende für Carolina, am Sonntag folgt das Playoff-Comeback der Dallas Cowboys (3) gegen die Detroit Lions (6).

In der AFC kam es in der Nacht von Samstag auf Sonntag zum Showdown der beiden Erzrivalen Pittsburgh Steelers (3) und Baltimore Ravens (6), in dem die Ravens die Oberhand behielten. Am Sonntag matchen sich die Indianapolis Colts (4) und Cincinnati Bengals (5).

Traditionell stimmt LAOLA1 auf das Playoff-Wochenende mit den Matchups ein - den Abschluss bildet Dallas gegen Detroit.

DALLAS COWBOYS (3)                               DETROIT LIONS (6)

Sonntag, 22:40 Uhr, AT&T Stadium, Arlington

AUSGANGSLAGE

The Boys are back in Playoff-Town! Man mag zu den Dallas Cowboys stehen, wie man will, aber als eine der polarisierendsten Franchises der NFL ist es gut, sie wieder in der Postseason begrüßen zu dürfen. Und speziell dieses Duell wird ein Fest für Statistikfreunde, denn eine Negativbilanz wird definitiv aufgehübscht. Für Dallas ist es die erste Playoff-Partie seit fünf Jahren, als man in den Divisional Playoffs sang- und klanglos mit 3:34 gegen Minnesota unterging. Vikings-QB damals? Brett Fravre. Ja, so lange ist das schon her. Im selben Jahr besiegte man in den Wild Cards Philadelphia - und dies ist bis heute der einzige Playoff-Sieg der Cowboys seit der 1996er-Saison. Zum Mitschreiben: Ein Sieg in 18 Jahren! Warum wir das so betonen? Wir sprechen hier nämlich eigentlich über eine der ruhmreichsten Franchises überhaupt, für die Playoff-Erfolge zum Selbstverständnis gehören. Vor diesem Wild-Card-Wochenende teilte man sich mit Pittsburgh die meisten Postseason-Erfolge der NFL-Geschichte, mit 58 bestritt man die meisten Matches. Und dann? Knapp zwei Jahrzehnte voller Pleiten, Pech und Pannen. Im selben Zeitraum gewannen nur Kansas City, Cincinnati, Detroit, Buffalo und Cleveland weniger Playoff-Spiele - nämlich gar keines. Dass die Texaner überhaupt die Chance bekommen, endlich wieder am Turnier um die Super Bowl teilzunehmen, hielten vor Saison-Beginn selbst die treuesten Fans von "America's Team" für unwahrscheinlich. So gesehen zählt die 12-4-Bilanz der Cowboys zu den größten Überraschungen dieser Spielzeit. Erfolgsgarant für das Team von Head Coach Jason Garrett ist eine begeisternde Offense, deren Stars durch eine starke O-Line und eine weniger passlastige Herangehensweise 2014 wesentlich besser zur Geltung kamen als in der jüngeren Vergangenheit. Besonders auffallend ist die makellose Auswärtsbilanz - alle vier Niederlagen passierten im heimischen Luxus-Tempel. So gesehen stellt sich die in Playoffs eher seltene Frage, ob der Heimvorteil wirklich ein solcher ist?

Im Dallas-Absatz ist es schon kurz angedeutet: Verglichen mit den Detroit Lions ist die Playoff-Bilanz der Cowboys in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine absolute Erfolgsstory. In der Vorschau auf Indianapolis gegen Cincinnati widmeten wir uns der schier endlosen Durststrecke der Bengals, die Leidenszeit der Lions-Fans ist jedoch gerade einmal ein Jahr kürzer. Im Jänner 1992 war es, als die Lions mit QB Erik Kramer letztmals zuschlugen. Gegner war - wie könnte es anders sein - Dallas. Endstand 38:6. In den restlichen 90ern verabschiedete man sich in vier Versuchen jeweils in den Wild Cards. Schade, aber wenigstens war man mit von der Partie. Denn das letzte Kapitel von Detroits Playoff-Geschichte in den Nuller-Jahren war bereits am 8. Jänner 2000 mit einer Pleite gegen Washington geschrieben. Im bisherigen Jahrtausend qualifizierte man sich nur ein weiteres Mal für die Postseason, flog jedoch vor drei Jahren gegen New Orleans im ersten Match raus. Dieser etwas ausführlichere Ausflug in die Geschichte soll unterstreichen, wie sehnlichst sich die Fans der Lions diesen Sieg in Dallas wünschen. Die Erfüllung dieses Traums ist kein Ding der Unmöglichkeit. Neo-Head-Coach Jim Caldwell führte Detroit zu einer 11-5-Bilanz - die zweitbeste der Franchise-Geschichte nach einer 12-4-Saison 1991, in Folge derer der letzte Playoff-Sieg gelang. Das Erfolgsrezept war ein eher überraschendes. Ging man vor der Saison davon aus, dass wie gewohnt die Offense um QB Matthew Stafford den Ton angeben würde, war es die in den vergangenen Jahren oftmals trostlose Defense, die Detroit durch die Saison trug und zu einer der besten Abwehrreihen der Liga aufstieg. In der Postseason soll es bekanntlich kein Nachteil sein, eine funktionsfähige Defense im Rücken zu haben.

SCHLÜSSELSPIELER

QUARTERBACKS

Auch die Geschichte von Tony Romo und den Playoffs ist eine voller Missverständnisse. Unvergessen, wie er etwa in der Saison 2006 gegen Seattle als Holder bei einem Extrapunkt den Ball nicht festhalten konnte und die Cowboys wegen dieses verpassten Punkts als 20:21-Verlierer vom Platz gingen. Es waren Fehlleistungen wie diese, die Romo über die Jahre ein Loser-Image anhafteten. Dieses soll nun endgültig der Geschichte angehören. Eine hervorragende Regular Season hat Romo bereits in den Armen, nun will er auch in den Playoffs endlich seine Spuren hinterlassen. Mit einem QB-Rating von 113,2 führte er die Liga noch vor Aaron Rodgers an. 69,9 Prozent komplette Pässe sind ebenfalls Bestwert. 34 TD-Pässe bei nur neun Interceptions sprechen zudem eine klare Sprache. Am aussagekräftigsten ist jedoch vielleicht, dass er (in 15 Spielen) mit "nur" 3705 Passing Yards den anderen Elite-QBs doch ein wenig nachstand. Dies verdeutlicht, wie gelungen die taktische Änderung, mehr auf das Laufspiel zu setzen, funktionierte. Musste Romo in der Vergangenheit die Cowboys-Offense viel zu oft alleine schultern, erlaubt es ihm die neue Herangehensweise viel effizienter zu agieren. Ob dies auch gegen Detroit wie gewünscht funktioniert, oder ob der Spielmacher zum X-Faktor avancieren muss, wird sich zeigen. Denn mit den Lions wartet immerhin die beste Laufverteidigung der Liga.

Als sich Detroit 2011 letztmals für die Playoffs qualifizierte, warf Matthew Stafford noch 5038 Yards und 41 TD-Pässe. Diesmal waren es 4257 Yards, aber vor allem die Zahl der TD-Pässe hat sich mit 22 beinahe halbiert. Von der explosiven Lions-Offense der letzten Jahre war zuletzt nicht mehr allzu viel über, weshalb das Murren über die Angriffs-Performance nicht zu überhören ist. Angesichts der Siegbilanz ist dies möglicherweise Jammern auf hohem Niveau, aber wenn man weiß, was mit diesem Personal möglich wäre, gibt man sich eben ungern mit weniger zufrieden. Ein Teil der Wahrheit ist wohl, dass das neue Regime um Caldwell und OC Joe Lombardi Stafford mit Absicht ein wenig bedachter agieren lässt. Der 26-Jährige schraubte die Anzahl seiner Interceptions auf zwölf herunter - keine traumhafte Statistik, für ihn persönlich jedoch ein Fortschritt. In den vergangenen fünf Spielen waren es gar nur deren zwei. Sollte das Offensiv-Feuerwerk der Cowboys Mittel und Wege durch die Lions-Defense finden, wird jedoch auch Stafford aufdrehen müssen. Zum Beispiel in der Red Zone. Ein Problem war 2014 nämlich, dass vielversprechende Drives zu selten mit TDs abgeschlossen wurden. 38 Mal musste Detroit den Kicker für einen Field-Goal-Versuch aufs Feld schicken (von denen nur erschreckende 25 verwertet wurden) - in der gesamten NFL probierten es nur die New York Jets (39) öfter.

Calvin Johnson spielte eine gute, aber keine herausragende Saison

ANDERE SPIELER


Ausnahmsweise beginnen wir diesen Teil über die Spieler mit einem Coach, nämlich Scott Linehan. Und das aus gegebenem Anlass. Der gute Herr hat nämlich als Playcaller seinen fairen Anteil daran, dass die Cowboys-Offense 2014 zu einer derartigen Erfolgs-Story wurde. Von 2009 bis 2013 fungierte er übrigens als Offensive Coordinator der - richtig geraten - Detroit Lions, womit er die ersten fünf Karrierejahre von Stafford mitverantwortete. Dessen statistischer Rückschritt könnte also ebenso in dieser Personalie begründet sein wie der Fortschritt von Dallas, was dieses Duell gleich noch viel interessanter macht. Hauptprofiteur des laufintensiveren Zugangs war RB DeMarco Murray, der die NFL mit 1845 Rushing Yards souverän anführte (und Emmitt Smith damit als Franchise-Rekordhalter ablöste), in zwölf von 16 Spielen durchbrach er die Schallmauer von 100 Yards. Basis dieser Herangehensweise ist eine geschickte Draft-Politik. Mit Tyron Smith, Travis Frederick und Zack Martin investierten die Cowboys in drei der vergangenen vier Jahre Erstrunden-Picks in die O-Line. Diese ist heute die vermutlich beste der Liga, hilft Murray beim Laufen und gibt Romo mehr Zeit zum Passen. Besagtes Trio wurde übrigens wie Romo, Murray und Superstar-WR Dez Bryant in die Pro Bowl gewählt, womit Dallas dort sage und schreibe sechs Offensivspieler stellt. Bryant ist mit dem ligaweiten Bestwert von 16 Touchdowns Romos Vollstrecker Nummer eins, mit TE-Haudegen Jason Witten, dem talentierten Terrance Williams und dem immer besser zur Geltung kommenden Cole Beasley stehen jedoch auch weitere kompetente Anspielstationen zur Verfügung. Die Defense der Cowboys schlug sich unerwartet gut, und das obwohl mit Sean Lee ein Leistungsträger für die komplette Saison ausfiel. Mit der Qualität der Offense kann sie jedoch keinesfalls mithalten. Aber der neue DC Rod Marinelli holte mehr heraus, als man erwarten durfte (nächster Berührungspunkt: Marinelli war 2008 als Head Coach für Detroits legendäre 0-16-Saison verantwortlich). Ein entscheidendes Duell: 2013 war Cornerback Brandon Carr mit der Single-Coverage von Calvin Johnson hoffnungslos überfordert und ließ mit 329 Receiving Yards die zweitmeisten der NFL-Geschichte zu. Marinelli wird Carr diesmal Unterstützung zukommen lassen müssen.

Bereit für eine Freak-Statistik? Zum achten Mal in der Geschichte trifft der Leading Rusher der NFL auf die beste Laufverteidigung. Von den bisherigen sieben Duellen hat fünf Mal die Defense gewonnen. Diese herausragende D-Line gegen die O-Line von Dallas - dies verspricht einen taktischen Leckerbissen! Wir reden bei der Laufverteidigung der Lions übrigens von einer Qualität, wie es sie in diesem Jahrtausend noch selten gegeben hat (siehe Tabelle). Dass mit Ndamukong Suh der Ausnahmekönner dieser Einheit mit dabei sein kann, hat weniger mit sportlicher Fairness als juristischer Raffinesse zu tun - sein Tritt gegen Aaron Rodgers war einfach abscheulich. Aber wenigstens verleiht es sportliche Würze, da die Lions ohne ihn vermutlich eine Klasse schwächer wären. Seine Präsenz gewährt Mitspielern Freiräume, die Ezekiel Ansah und Co. gekonnt nutzen. Doch die Lions-D besteht nicht nur aus ihrer Front Seven, auch die Secondary verfügt über Qualität. Diesbezüglich sei vor allem auf das Safety-Duo Glover Quin, der die Liga mit sieben Interceptions anführt, und James Ihedigbo hingewiesen. Dass die Offense in Detroit gegenüber der Defense Nachrang haben würde, war jahrelang undenkbar. Am Können der Hauptdarsteller sollte es nicht scheitern. Calvin Johnson ist der beste Receiver der vergangenen NFL-Jahre. "Megatron" spielte heuer jedoch nur eine gute und keine herausragende Saison. Mit Golden Tate hatte er erstmals einen Klassemann als zweiten Receiver an seiner Seite und der Neuzugang von Champion Seattle schlug mit 1331 Receiving Yards auch voll ein. Ansonsten wimmelt es vor Rollenspielern wie Rookie-TE Eric Ebron, der zumindest in seiner Debüt-Saison seinem hohen Draft-Pick (Nummer 10) noch nicht gerecht wurde. Applausverdächtig war das Laufspiel um Joique Bell und dem wieder fitten Star Reggie Bush lange Zeit nicht, in den vergangenen Wochen ist jedoch eine gewisse Leistungssteigerung erkennbar. Kann Detroit hinter einer nicht immer sattelfesten O-Line konstantes Laufspiel generieren, könnte dies ein Schlüssel zum Erfolg sein.

(Dies sind die fünf statistisch besten Laufverteidigungen dieses Jahrtausends, was das Niveau der Einheit um Ndamukong Suh eindrucksvoll verdeutlicht)

ZAHLENSPIELE

  • Die beiden Franchises treffen zum dritten Mal im Rahmen der Postseason aufeinander. Die letzten beiden Male sind schon ein wenig her. 1970 feierte Dallas in einer sicherlich ungemein spektakulären Partie einen 5:0-Sieg, vor 23 Jahren setzte sich Detroit 38:6 durch (siehe oben). Im Head-to-Head der beiden Teams inklusive Playoffs steht es 13:12 für Dallas, die letzten beiden Spiele gingen jedoch an Detroit.
  • Kein gutes Omen für Detroit bedeutet Matthew Staffords bisheriges Abschneiden gegen Teams mit einer positiven Siegbilanz. Von 34 Duellen konnte er gerade einmal drei (!) gewinnen. Auswärts lautet seine Bilanz dabei 0-17. Der Lions-QB hat in Dallas also einiges zu beweisen.
  • Während es für Cowboys-Head-Coach Jason Garrett das Postseason-Debüt ist, hat sein Lions-Gegenüber Jim Caldwell sogar schon Super-Bowl-Erfahrung. Mit Indianapolis verlor er das Endspiel jedoch gegen New Orleans. Insgesamt hält er bei einer Playoff-Bilanz von 2-2.


LAOLA1-PROGNOSE

Unterscheiden wir einmal zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie sehe ich anhand einer Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen Detroit in keiner schlechten Position. Der Defense, die in der Regular Season elf von 16 Spielen mit 17 oder weniger Gegenpunkten beendete, ist es zuzutrauen, den Score der Dallas-Offense in einem machbaren Bereich zu halten. Rein von den Namen am Papier her ist wiederum Detroits Offense gegen die Dallas-D einiges zuzutrauen, also könnte sie die Vorlage der Defense nutzen. In den Playoffs soll sich Abwehrstärke hin und wieder schon ausgezahlt haben... In der Praxis glaube ich zwar, dass die Lions Murray und vielleicht auch Romo das Leben schwer machen könnten, aber mein Grundvertrauen in Stafford und Co. reicht derzeit nicht, um die Lions als Siegertipp hinzuschreiben. In Duellen mit großen Gegnern wirkt der QB zu oft zu gehemmt (siehe Zahlenspiele). Außerdem wird das Stadion kochen, und diese Playoff-Comeback-Party lassen sich die Cowboys nicht vermiesen. Das Schöne: Für ein Team endet die Playoff-Trostlosigkeit garantiert. 20:17 DAL.

Peter Altmann


Team Jahr Yards/Spiel Yards/Lauf
Baltimore Ravens 2000 60,6 2,69
Minnesota Vikings 2006 61,6 2,83
Pittsburgh Steelers 2010 62,8 3,02
<span style=\'color: #ff0000;\'>Detroit Lions 2014 69,3 3,17
New York Giants 2000 72,3 3,22
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