Halli-Galli in (W)Indianapolis

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„Das macht Indy zu einem großartigen Gastgeber“

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In 20 Jahren ist ohnehin alles ganz anders. Sagt der Volksmund.

Solche Weisheiten können, müssen aber nicht immer zutreffen. Im Fall von Indianapolis tut es das: Denn der Gastgeber der Super Bowl XLVI hat sich über die Jahre gemausert.

Noch in den 90ern galt hier Downtown als Brutstätte von Kriminalität, der Lebenswert im Zentrum der Stadt mit 1,8 Millionen Einwohnern hielt sich in Grenzen.

Über die Jahre hin hat sich das Bild gewandelt. Obwohl es an großen Ereignissen in der zweitgrößten Stadt des mittleren Westens der USA bislang auch nicht mangelte.

Historische Auftritte

Indianapolis ist etwa jedes Jahr Schauplatz eines der bekanntesten Motorsportevents der Welt („Indy 500“).  Oder aber auch gab der King of Rock 'n' Roll, Elvis Presley, hier 1977 sein letztes Konzert.

Und Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy hatte 1968 hier die Menschen vom Tod des Bürgerrechtlers Dr. Martin Luther King informiert sowie die wohl bedeutendste Rede seines Lebens gehalten.

Bedeutend sind für Indianapolis auch diese Tage. Sehr bedeutend. Denn zum ersten Mal ist Indy, wie die Stadt hierzulande pragmatisch genannt wird, Schauplatz des Endspiels der National Football League.

„Die Leute stehen voll dahinter und sind aufgeregt“, schildert uns ein Einheimischer im „Huddle Center“, einem ehemaligen Kaufhaus, das nun als eines der innerstädtischen Zentren während der Super-Bowl-Week dient.

Viele waren gegen Stadion-Bau

Den Grundstein für den Zuschlag legte Indianapolis, das von Landwirtschaft geprägt ist und für konservative Werte steht, mit dem Bau des Lucas-Oil-Stadiums. Die 70.000 Zuschauer fassenden Mehrzweckarena wurde 2008 feierlich eröffnet.

„Viele waren gegen den Bau des neuen Stadions, aufgrund von Steuergeldern, die verwendet werden würden. Jetzt sehen sie aber, was es der Stadt bringt. Alle freuen sich“, wird uns erklärt.

Es braucht keine lange Anwesenheit, um diese Freude mitzubekommen. Downtown gleicht dieser Woche einem Tollhaus. Menschenmassen bewegen sich Tag und Nacht durch die fein herausgeputzte Innenstadt und feiern das größte Einzelsportereignis der Welt.

Dabei profitieren die Veranstalter vom Kurzen-Wege-Prinzip. Die Super-Bowl-Village, das  selbsternannte Epizentrum des Football-Spaßes, wurde mitten in der Stadt errichtet und bietet vielerlei Attraktionen.

Alles leicht erreichbar

Etwa kann man sie sich selbige aus der Vogelperspektive („Zipline“) ansehen – das dazugehörige Seil ist über den gesamten  Bereich gespannt.

Zudem gibt es laufend Konzerte auf diversen Bühnen. US-Stars mischen sich immer wieder einmal unter das Volk. Und sei es nur für kurze Fernsehinterviews.

Nicht weit weg ist das Indiana Convention Center, das die NFL Experience beherbergt. Hier können sich Groß und Klein im Football versuchen und etwa ein Field Goal kicken oder die Pigskin werfen.

Ebenfalls zu Fuß erreichbar sind die Hotels der Final-Teams New England Patriots und New York Giants, die von den Fans vor allem vor der Abfahrt zu den Trainingseinheiten belagert werden.

Das Media Center, das im größten JW Marriott Hotel der USA – extra für die Super Bowl errichtet – untergebracht ist, liegt ebenso nur einen Steinwurf entfernt, wie der Monumental Circle, der Hauptplatz mit dem großen Super-Bowl-Schriftzug, und das Stadion selbst.

„Das ist der große Vorteil“

Interessant: Rein theoretisch könnten wichtige Punkte, wie Hotels und Stadion, abgegangen werden, ohne je einen Fuß vor die Tür zu setzen. Alle diese Bauten sind verbunden. Aber nicht nur das gute Wetter, 2011 gab es um diese Zeit noch einen Eissturm, lässt die Menschen allzu gerne durch die Straßen wandern.

Jene Stadt, die nach Detroit und Minnesota erst als drittes Kalt-Wetter-Gebiet eine Super Bowl ausrichte, punktet mit dem Kurzen-Wege-Prinzip, das zuletzt in Arlington/Dallas oder Miami nicht umgesetzt werden konnte.

„Das ist der große Vorteil und das macht Indianapolis zu einem großartigen Gastgeber“, erklärt NBC-Sportreporter-Legende Bob Costas in der Late-Night-Show von Jimmy Fallon, die extra für drei Tage nach Indiana verfrachtet und im Hilbert Circle Center aufgezeichnet wurde – kein Wunder, ist doch NBC heuer wieder mit der Live-Übertragung an der Reihe.

Vancouver als Vorreiter

Wer ein Fest der kurzen Wege im Kopf hat, muss unweigerlich an Olympische Spiele und eben an dieses Konzept der schnellen Erreichbarkeit denken. Das war beim hiesigen Organisationskomitee offensichtlich nicht anders.

„Sie waren bei den Spielen in Vancouver, waren angetan und haben das Village-Konzept hier an das dortige angelehnt“, sagt uns ein Einheimischer, der ein Super-Bowl-Ticket für 900 Dollar kaufte und für 3000 verkaufte. Die beiden Endspiele mit Indianapolis-Beteiligung (2007 Sieg, 2010 Niederlage) hatte er schon gesehen, da hat er auf das „Heim-Finale“ verzichtet.

Zumal es seine Colts nicht in die Super Bowl schafften. Bei lediglich zwei Siegen in 16 Spielen der Regular Season verfehlte Indy das große Ziel, als erste Franchise der Geschichte das Endspiel im eigenen Stadion spielen zu können, mehr als kläglich.

„Das ist aber auch ganz gut. So kommen mehr Menschen von außerhalb hierher“, sieht es der Unternehmer von der positiven Seite. 250.000 bis 500.000 Menschen sollen alleine wegen der Super Bowl in Indy sein, die Stadt hofft dabei auf bis zu 400 Millionen Dollar Einnahmen.

Colts-Fans wollen Giants siegen sehen

Nicht zuletzt durch die konsumfreudigen Gäste-Fans. Im aktuellen Stadtbild behält aber ohnehin der Gastgeber die Oberhand. Colts-Jerseys sind am meisten zu sehen. Vor allem die Nummer 18: Peyton Manning, seit einem Jahr verletzter Quarterback-Superstar, dessen Zukunft ungewiss ist, aber ständig thematisiert wird.

Es ist relativ simpel auszumachen, wem die Einheimischen am Sonntag ab 18:29 Uhr Ortszeit die Daumen drücken. Colts und Patriots verbindet aufgrund heißer Duelle im vergangenen Jahrzehnt eine spürbare Rivalität. Klar: Indy-Fans wollen die Giants als Sieger sehen.

Im Prinzip könnte es ganz Indianapolis aber egal sein. Denn wo sich Menschenmassen wohl fühlen und feiern können. Wo Stars wie Shaquille O’Neal Wetten einlösen und nur mit einem rosaroten Höschen bekleidet am Monumental Cirlcle stehen .Wo sich die Patriots und die Giants in Ruhe auf ihr Spiel der Spiele vorbereiten können. Da gibt es nichts auszusetzen.

Somit steht ein Sieger schon vor der Super Bowl XLVI fest: Indianapolis.

Aus Indianapolis berichtet Bernhard Kastler

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