Wie tötet man eine Schlange?

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New Yorker "Brady-Jäger" als Schlüssel zum Erfolg

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Defensive End Jason Pierre-Paul ist ein Spieler ganz nach dem Geschmack der New York Giants.

Groß, schnell, kräftig, aggressiv und vor allem: Der natürliche Feind eines jeden Quarterbacks.

Mit 16,5 Sacks avancierte der 23-Jährige in seiner zweiten NFL-Saison zum Shootingstar. Entwickelt sich das Talent entsprechend weiter, hat er allemal das Potenzial zu einem der Topstars der Liga.

Pierre-Paul ist im Roster der „Giganten“ jedoch alles, nur keine rare Spezies.

„Sackmaster“ haben bei Giants Tradition

Muss man bei manchen Teams mit der Lupe nach fähigen Pass Rushern suchen, finden sich bei den New Yorkern mit Justin Tuck und Osi Umenyiora gleich zwei weitere Hochkaräter auf der Position des Defensive Ends.

„Sackmaster“ haben bei den „G-Men“ seit den Zeiten eines Lawrence Taylor oder Michael Strahan ohnehin Tradition.

Letzterer krönte seine Karriere mit dem Super-Bowl-Wunder von 2008, als die Giants den haushohen Favoriten aus New England niederrangen und somit die Perfect Season der Patriots verhinderten.

Ein Erfolgsgeheimnis war damals, dass die New Yorker Defense Superstar-Quarterback Tom Brady gekonnt unter Druck setzte, sodass dieser nie seinen gewohnten Rhythmus fand.

Bester Pass Rush der Liga vs. Quarterback-Legende

Was für Super Bowl XLII galt, ist für Super Bowl XLVI aktueller denn je. Keine Frage: Bei allem Respekt vor der der tollen Performance von Quarterback Eli Manning und seinen Receivern, einen ganz wichtigen Schlüssel zum Sieg halten wohl auch in der großen Revanche für 2008 die blauen Quarterback-Jäger in Händen.

Das Duell lautet: Bester Pass Rush der Liga gegen Brady, den womöglich besten Quarterback des Jahrzehnts.

Jason Pierre-Paul wurde für die Giants zum Glücksgriff

Brady hat Respekt

Seit der historischen Super-Bowl-Pleite 2008 hat es New England nur einmal mit dem „Angstgegner“ aus New York zu tun bekommen, und zwar in der heurigen Saison. Abermals ging das Team aus Boston als Verlierer vom Platz. Ein 20:24 am 6. November bedeutete die erste Niederlage nach 20 Heimsiegen in Folge.

Brady ist also mehr als gewarnt und äußert sich entsprechend respektvoll vor der defensive Stärke der „G-Men“:

„Sie können einen Quarterback unter Druck setzen, daran besteht kein Zweifel. Wenn man gegen sie gespielt hat, weiß man das. Sie erzeugen mit ihren vorderen vier Verteidigern riesigen Druck – eine große, physisch starke Einheit, die sehr gut zusammenspielt. Jedes Mal, wenn wir gegen sie spielen, analysiert man im Vorfeld genau ihren Pass Rush.“

„Die Schlange wird ihren Teil dazu beitragen“

Die Patriots verstehen naturgemäß, dass es ihr wichtigster Job ist, ihre „Schlange“ zu schützen, um beim Vergleich von Tuck zu bleiben. Dieser blieb nämlich nicht ungehört.

Wide Receiver Deion Branch kontert: „Wenn das der Vergleich ist, den sie verwenden wollen, sollen sie das tun. Unser Job ist es, die Schlange davor zu bewahren, dass ihr der Kopf abgeschlagen wird. Aber gut, so ist Justin eben. Er ist ein großartiger Spieler, den wir respektieren, der viel für sein Team und die Liga getan hat. Aber darum können wir uns nicht kümmern. Wir müssen auf uns schauen, und die Schlange wird ihren Teil dazu beitragen.“

Gereizte Schlangen sind am Gefährlichsten. Und Brady ist nach den beiden jüngsten Pleiten gegen die Gians definitiv gereizt…

Peter Altmann

Die Giants-Defender sind sich ihrer Verantwortung bewusst. „Man braucht sich nur die damalige Super Bowl anschauen. Der Hauptgrund, warum wir uns im Spiel gehalten haben, war, dass wir Brady nicht in den Rhythmus kommen ließen“, erinnert sich Tuck.

„Schlange tötet man, indem man ihr den Kopf abschlägt“

Das Sprachrohr der Giants-Defensive findet markige Worte: „Brady ist doch ganz offensichtlich der Hauptgrund, warum sie erfolgreich sind. Eine Schlange tötet man, indem man ihr den Kopf abschlägt. Eine solch potente Offense wie jene der Patriots tötet man, indem man sich um Brady kümmert. Wir werden großen Druck ausüben und unser Bestes geben, um zu ihm zu gelangen.“

Eine Drohung, die man getrost ernst nehmen kann. Denn wie effizient der Pass Rush der New Yorker ist, mussten im Verlauf dieser Playoffs bereits die Atlanta Falcons, Green Bay Packers und San Francisco 49ers zur Kenntnis nehmen.

Der für gewöhnlich starken Falcons-Offense gelang nicht ein einziger Punkt – für die zwei einzigen Zähler Atlantas bei der 2:24-Pleite sorgten die Giants aufgrund eines Safetys selbst.

Aaron Rodgers wirkte eine Woche später extrem frustriert, weil er die Packers-Offense gegen die aggressive Giants-D nicht in Gang brachte, und diese sorgt normalerweise Spiel für Spiel für ein Feuerwerk.  Insgesamt ging der Packers-Superstar vier Mal zu Boden.

Simple Rechenübung

Im Conference Final wiederum war das Passspiel der 49ers kaum vorhanden, speziell die Wide Receiver ließen komplett aus und steuerten nur erbärmliche drei Yards durch einen Catch von Michael Crabtree bei.

Niners-Quarterback Alex Smith, der den ganzen Abend lang von den Giants unter Druck gesetzt wurde, erklärt per simpler Rechenübung den Vorteil der starken D-Line der New Yorker:

„Jedes Mal, wenn eine Defense alleine mit den vorderen vier Spielern Druck erzeugen kann, macht es das enorm schwer. Denn das heißt, dass sich sieben Spieler um das Zudecken der Passempfänger kümmern können. Besser kann die Ausgangslage für einen Defensive Coordinator kaum sein.“

Während der Regular Season war Pierre-Paul die einzige Konstante der brandgefährlichen Defensive Ends der Giants. Umenyiora bestritt verletzungsbedingt nur neun Spiele (und kam trotzdem auf starke neun Sacks), auch Tuck verpasste vier Partien. Entsprechend verwundbar war die Passverteidigung der New Yorker phasenweise.

„Wenn Justin ein Sack gelingt, will ich zwei“

Rechtzeitig zur Postseason war das Trio wieder fit und in Form, womit sie einen Matchup-Albtraum für jeden Gegner kreiieren. Trotz aller Verletzungssorgen sorgten die Giants jedoch schon in der Regular Season mit 48 Sacks für den drittbesten Wert der Liga.

Werte, zu denen der interne Konkurrenzkampf das seine beiträgt. „Wir wetteifern miteinander. Wenn Justin ein Sack gelingt, will ich zwei. Wenn ich zwei will, will Osi drei. Man kann ruhig sagen, dass wir gierig sind, allerdings auf eine gute Art und Weise, die dem Team hilft. Wir wollen einfach so schnell wie möglich zum Quarterback, sodass wir unserer Secondary helfen“, verdeutlicht Pierre-Paul.

Im großen Endspiel in Indianapolis gilt es, nun die Patriots vor eine große Herausforderung zu stellen. Wobei New England über eine solide O-Line mit Könnern wie Logan Mankins oder Brian Waters verfügt. Wie sie mit Power und Schnelligkeit von Pierre-Paul und Co. zurechtkommen, könnte spielentscheidend werden.

„Man muss sich dessen bewusst sein, dass jeder dieser Burschen verschiedene Elemente ins Spiel einbringt. Von Pierre-Paul mit seinen langen Armen und seiner sensationellen Athletik über Justin, den Veteran, der dich sehr leicht täuschen kann, hin zu den großen Jungs in der Mitte“, will Waters auf alle Tricks und Finten seiner unmittelbaren Gegenspieler vorbereitet sein.

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