Playoff Monday - Geschichten des Wildcard-Weekends

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Da waren es nur noch Acht!

Vier Teams haben sich am Wildcard-Wochenende aus dem Super-Bowl-Rennen verabschiedet. Vier Teams dürfen weiter vom Titel träumen. Vier Teams steigen am kommenden Wochenende in die diesjährige NFL-Postseason ein.

Da die Playoffs eine spezielle Football-Jahreszeit sind, hat LAOLA1 auch die traditionelle "Endzone" zu Wochenbeginn adaptiert.

Aus dem Touchdown Monday der Regular Season wurde der Playoff Monday und garantiert wie gewohnt eine Analyse der Geschehens vom Wochenende.

GAME OF THE WILDCARDS

So ehrlich muss man sein: Die ganz großen Knüller hatte das Wildcard-Wochenende diesmal nicht zu bieten. Deshalb ist die Wahl des besten Spiels eine einfache - Washington gegen Seattle war bis in den Schlussabschnitt an Spannung kaum zu überbieten, war phasenweise eine echte Defense-Schlacht. Wie gut hätte diese Partie erst werden können, wenn sich Redskins-Quarterback Robert Griffin III nicht verletzt hätte? Dann wären die "heißen" Seahawks womöglich zu knacken gewesen. Auffällig: Die Besten sind unter sich, und ohne gute Defense geht es in den Playoffs nicht. Freilich ein hinkender Vergleich, aber doch aussagekräftig: Gab es in der Regular Season pro Spiel im Schnitt 45,5 Punkte (der höchste Wert seit 47 Jahren), waren es an diesem Wochenende nur 34,2.

WINNER OF THE WILDCARDS

Bemerkenswert, um wie viel besser Baltimores Defense agiert, wenn ihr "Emotional Leader" Ray Lewis am Feld steht. Das letzte Karriere-Heimspiel der lebenden Ravens-Legende sorgte sicher für die Gänsehaut-Momente dieses Wochenendes. Unser Gewinner ist dennoch ein anderer "Rabe" - einer, der selten mit Lob bedacht wird, obwohl er sich selber so super findet: Joe Flacco. Baltimores Quarterback möchte gerne zur Elite gezählt werden, beweist allerdings nur selten warum. Gegen Indy packte er jedoch einige feine Würfe aus, vor allem jene auf Anquan Boldin. An seinen Stats - 282 Yards, zwei TDs, keine Interception - gibt es bis auf die niedrige Completion-Percentage auch nichts auszusetzen. Außerdem: Dass er in fünf Karriere-Jahren immer mindestens ein Playoff-Spiel gewonnen hat, muss ihm mal einer nachmachen (Jahrgangs-Kollege Matt Ryan würde liebend gerne tauschen). Nun ein Husarenstück in Denver, und vielleicht wird's ja noch etwas mit der breiten öffentlichen Anerkennung, Joe!

LOSER OF THE WILDCARDS

"Wie hast du eigentlich so den letzten Playoff-Sieg deines Teams erlebt?" Mit dieser Frage sollte man in Cincinnati vorsichtig sein. Wer sich daran bewusst erinnern kann, kennt die Welt noch ohne Internet, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Telefon mit Wählscheibe benutzt und erlebte einen schlechten US-Präsidenten namens George Bush - gemeint ist wohlgemerkt der Senior. Der letzte Postseason-Erfolg der Bengals datiert nämlich aus dem Jahr 1991. Nach der Niederlage in Houston arbeitet sich das Team aus Ohio in der ewigen Rangliste der längsten Playoff-Durststrecken weiter unaufhaltbar nach vorne (siehe Tabelle). So viel Lob die Arbeit von Head Coach Marvin Lewis für gewöhnlich verdient, so viel Kritik ist für diese Performance angebracht. Ganze drei (!) Passing Yards vor der Pause! Really?!? Das Ergebnis von 13:19 spiegelt die Chancenlosigkeit nicht richtig wider. Vier Mal hat Lewis die Bengals in zehn Jahren Amtszeit in die Postseason geführt, jedes Mal war in den Wildcards Endstation. Da sollte sich jemand dringend etwas einfallen lassen...

STORY OF THE WILDCARDS

Den Verdacht, dass einige Teams auf den Ausfall ihres Starting-Quarterbacks nur ungenügend vorbereitet sind, hegen wir schon länger. Eine Merkwürdigkeit im Millionen-Business NFL - ist ja nur die wichtigste Position. Die Minnesota Vikings stellen keine Ausnahme dar. Denn dass Joe Webb kein ganz Großer seiner Zunft werden würde, konnte man schon bei seinen Auftritten in den Saisonen 2010 und 2011 erahnen. Ja, er kann laufen. Aber die Sache mit dem präzisen Werfen lernt er in diesem NFL-Leben nicht mehr. Sicher gibt es einfachere Aufgaben, als kurzfristig in einem Playoff-Auswärtsspiel in Green Bay einzuspringen, aber letztlich hat diese Personalie das Publikum um einen erhofften spannenden Showdown gebracht. Wer hätte gedacht, dass man Christian Ponder einmal richtiggehend vermisst?

PICTURE OF THE WILDCARDS

SAVE THE LAST DANCE FOR RAY LEWIS

COIN TOSS

Anstelle der "Bold Predictions" möchten wir während der Playoffs eine heiße Streitfrage zur Diskussion stellen. Zwei Redakteure, zwei Meinungen:

Hätte Washington den lädierten QB Robert Griffin III früher rausnehmen müssen?

PETER ALTMANN

Ja, ja und nochmals ja! Redskins-Coach Mike Shanahan hätte "RG3" benchen und Backup Kirk Cousins sein Glück versuchen lassen müssen - und zwar zu einem Zeitpunkt, als das Spiel gegen Seattle noch zu gewinnen war. Mir ist die "Weichei-Diskussion" um Jay Cutler vor zwei Jahren nach dem NFC-Finale gegen Green Bay bewusst, und es ehrt Griffin III fraglos, dass er trotz Verletzung heldenhaft auf die Zähne gebissen hat. Aber: Er hatte seine Chance. Jeder konnte zwei Viertel lang beobachten, dass er nicht er selbst war. Cousins früher, als das Spiel noch offen war, zu bringen, hätte den Sieg vielleicht gerettet. Mal ganz abgesehen davon, dass es die Aufgabe eines Coaches ist, die Gesundheit seiner Spieler zu schützen - noch dazu, wenn im Prinzip die Zukunft der Franchise von ihnen abhängt.

BERNHARD KASTLER

Jeder kennt seinen eigenen Körper am besten. Head Coach Mike Shanahan erklärte nach dem Spiel: "Robert sagte zu mir, er garantiere, nicht verletzt zu sein. Das reichte mir." Plus: Der Team-Arzt sprach mit ihm. Shanahan: "Wir hätten Robert nicht weiterspielen lassen, wenn es ein Risiko gewesen wäre." Natürlich hat der Head Coach eine Verantwortung, aber was soll er tun? Sagen: "Hey, danke für deine geile Saison, jetzt setz' dich hin (obwohl du weiterspielen könntest)"? Shanahan ist seit 28 Jahren Coach in der NFL, er weiß, was er zu tun hat. Und ob Cousins den Sieg errungen hätte, ist hypothetisch. Eine (sehr pathetische) Antwort hat RGIII selbst: "Viele können fragen, kritisieren oder denken, dass sie die richtigen Antworten haben. Aber nur wenige sind schon in der Schusslinie der Schlacht gestanden." Kann man ihm vorwerfen, Kollegen und Fans nicht im Stich gelassen zu haben? Ich denke nicht!

WHAT'S NEXT?

Am nächsten Wochenende geht es weiter mit den Divisonal-Playoffs. In der AFC duellieren sich die exakt vier selben Teams wie vergangene Saison (das gab's in der NFL noch nie), nur in unterschiedlichen Paarungen: Die Denver Broncos (1) empfangen die Baltimore Ravens (4/SA, 22:30 Uhr MESZ), die New England Patriots (2) treffen auf Houston (3/SO, 22:30).

In der NFC gastieren die Seattle Seahawks (5) bei den an Nr. 1 gesetzten Atlanta Falcons (SO, 19 Uhr), in San Francisco kommt es zum Kracher zwischen den 49ers (2) und den Green Bay Packers (3/SO, 2 Uhr). Vier heiße Duelle um den Auftstieg ins jeweilige Conference Final sind garantiert!

 

Peter Altmann / Bernhard Kastler

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