Wer schafft den Sprung ins AFC-Championship-Game?

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Auch in der AFC geht die Suche nach dem Super-Bowl-Teilnehmer 2012 weiter.

Am Samstag und Sonntag steigen die topgesetzten New England Patriots (1) und die Baltimore Ravens (2) ins Postseason-Geschehen ein.

Die Schlagzeilen in der American Football Conference beherrschte in den Playoffs bislang Tim Tebow, der mit seinen Broncos die Steelers eliminierte.

Houstons erster Erfolg außerhalb der Regular Season ging da in Relation schon deutlich unter. Obwohl diese Erfolgsgeschichte nicht minder interessant ist (Hier geht's zur Story).

Nun ist es aber an der Zeit, für neue Headlines zu sorgen. Wer dafür sorgen kann?

LAOLA1 mit den Matchups zu den Divisional-Playoff-Games der AFC:


NEW ENGLAND PATRIOTS (1)                               DENVER BRONCOS (4)

Sonntag, 2 Uhr, Gillette-Stadium, Foxborough, Massachusetts

 

Ausgangslage

Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Auch dieses Mal? Wieder schwimmt Denver auf der Erfolgswelle. So wie vor Week 15, als die Broncos mit ihrem polarisierenden Quarterback Tim Tebow sechs Siege en suite feierten und damit den Grundstein für den späteren Playoff-Einzug legten. Wer beendete jedoch das bunte Treiben? Richtig, die Patriots. 41:23 gewann New England damals am 18. Dezember auswärts. Nun hat die Mannschaft von Head Coach Bill Belichick Heimrecht und auch trotz des überraschenden Broncos-Triumphes gegen die Steelers in den Wildcards die Favoritenrolle ganz klar inne. Mit acht Siegen in Folge gehen die Patriots in ihre Postseason. Doch es ist keineswegs alles eitel Wonne, hatte die Franchise aus Massachusetts doch in der Regular Season massive Probleme in der Passverteidigung - Rang 30 (Yards). Der zweitbeste Angriff (ebenfalls nach Yards) rund um Superstar-Quarterback Tom Brady hat die Kohlen aber aus dem Feuer geholt. In jener Form aus der Fast-Perfect-Season 2007/08 (Niederlage gegen NY Giants in Super Bowl XLII, Anm.) sind die Patriots aber gewiss nicht. Nichtsdestoweniger ist New England haushoher Favorit gegen Tebow und Co., die das nächste Wunder für den Aufstieg ins Conference Final benötigen.

 

Schlüsselspieler

Quarterbacks

Tom Brady ist der erfolgreichste aktive NFL-Quarterback. 2002, 2004 und 2005 holte der 34-Jährige gemeinsam mit Mastermind Belichick die Super Bowl. Wer glaubt, der zweifache SB-MVP wäre auch nur annähernd gesättigt, irrt gewaltig. Mit 5235 Passing Yards hatte die Nummer 199 (!) des Drafts 2000 ebenfalls den Rekord von Dan Marino (1984) gebrochen, Drew Brees war zum Leidwesen des Gatten von Supermodel Gisele Bundchen noch tüchtiger (5476). Brady ist nach zwei Playoff-Saisonen ohne Sieg (2010 Wild-Card-Niederlage gegen die Ravens, 2011 Divisionals-Niederlage gegen die NY Jets) heiß auf seinen vierten Super-Bowl-Triumph. Das merkte man alleine an der wutentbrannten Diskussion mit Offensive Coordinator Bill O'Brien nach einer seiner zwölf Interceptions in dieser Saison in Washington. Im Offensive-Coaching-Staff befindet sich mit Josh McDaniels ein Assistant, den Tom Bradys Gegenüber sehr gut kennt.

McDaniels war nämlich bis 2010 noch Head Coach der Denver Broncos. Tim Tebow kam im selben Jahr unter dem damaligen Trainer nach Colorado, McDaniels war sein Befürworter. Nun steht er auf der anderen Seite und kann natürlich den Patriots im Entschlüsseln Denvers zusätzlich helfen. Eine Situation, die für Tebow sicherlich nicht angenehm ist. Der 24-Jährige braucht aber so oder so wieder ein Viertel wie jenes zweite gegen die Steelers am Sonntag, vermutlich dieses Mal den einen oder anderen zusätzlichen Spielabschnitt, um eine Chance zu haben. Die Passverteidigung der Hausherren ist schwach, Tebow muss aber wiederum seine Schwäche, das Passspiel, zu einer Stärke umfunktionieren. Ob das wirklich gelingt...?

Andere Spieler

Ein guter Quarterback braucht für erfolgreiche Pässe gute Empfänger. In der Regular Season hatte Brady mit einem Tight End seinen großen Spaß. Rob Gronkwoski, wegen seiner Größe und einschüchtender Statur auch als "Gronkenstein" bekannt, sorgte mit seinen 17 Touchdowns für einen neuen NFL-Saisonrekord auf seiner Position. Apropos: Auf dieser herrscht Luxus, schließlich sorgte Nr.-2-Tight-End Aaron Hernandez mit sieben Touchdowns auch nicht gerade für wenige Punkte. Für den großen Raumgewinn war aber einmal mehr Star-Receiver Wes Welker zuständig, 1569 Yards bedeuteten hinter Detroits Calvin Johnson Platz zwei in der Regular Season. Mit Deion Branch hat Brady zusätzlich noch einen potenten Anspielpartner, den er auch schon lange kennt.

Es hilft nichts, wollen die Broncos das nächste Wunder schaffen, muss das im hohen Bogen pass-ieren. Die drittschlechteste Passverteidigung der Liga lädt gerade dazu ein. Demaryius Thomas, der von Denver 2010 noch vor Tebow und als erster Receiver des Drafts gezogen wurde, braucht wieder einen Tag wie gegen die Steelers (204 Yards). Weiters wird es an Eddie Royal, aber auch an Matt Willis liegen - zumal Eric Decker (WR und Punt Returner) verletzt ausfällt. Und um Brady ordentlich Dampf zu machen, müssen Von Miller (LB) und Elvis Dumervil (DE) auch wieder auf Zack sein.

 

Zahlenspiele

- Tom Brady liegt in der ewigen Bestenliste der Postseason jeweils in den Top 6, was Completions (424/4.), Passversuche (682/5.), Passing Yards (4407/6.) und Touchdown Passes (30/5.) betrifft. 

- Das letzte Mal, dass die Broncos in der Postseason auf die Patriots trafen war 2006. Damals gewann Denver dank fünf Turnovers.

- Patriots-Head-Coach Bill Belichick trennt ein Sieg (bisher 15), um zu den Top 4 der erfolgreichsten Trainer hinsichtlich Playoff-Erfolgen zu gehören.

 

LAOLA1-Prognose

Nachdem 2010 und 2011 jeweils nach dem ersten Playoff-Spiel Endstation war, könnten die Patriots nicht heißer auf Wiedergutmachung sein. Vor allem Perfektionist Brady nicht. Nicht nur, dass der Superstar einen Negativ-Hattrick vermeiden will - er will vor allem nicht gegen einen Spielmacher, der wie Tebow agiert, verlieren. Der Broncos-Erfolg gegen die Steelers soll keinesfalls geschmälert werden, aber Pittsburgh ging zum einen am Stock und stellte sich zum anderen teilweise inferior an. Zudem muss Denver auswärts antreten, auch kein Vorteil für Kicker Matt Prater - vor eigenen Fans und vor allem im Mile-High-Stadium lässt es sich ob der dünnen Luft einfacher kicken. New England lag in den letzten Spielen der Regular Season immer deutlich zurück und gewann trotzdem klar. In Denver in Week 15 übrigens auch 6:17...

38:10 für die Patriots.

 


 


BALTIMORE RAVENS (2)                                      HOUSTON TEXANS (3)

Sonntag, 19 Uhr, M&T Bank Stadium, Baltimore, Maryland

 

Ausgangslage

Wer sich in diesem Spiel viele Punkte erwartet, der wird ziemlich sicher enttäuscht werden. Hier treffen zwei der besten Defenses der Liga aufeinander. Die Baltimore Ravens und die Houston Texans sind die einzigen zwei Teams, die in allen Yards-Kategorien der Defense (Total, Passing, Rushing) in den Top 5 zu finden sind. Des weiteren liegen die Stärken beider Teams mehr im Lauf- als im Passspiel. Die Texans haben vergangene Woche ihren ersten Playoff-Sieg in ihrem ersten Playoff-Spiel der Franchise-Geschichte erzielt. An ihr erstes Mal erinnern sich die Ravens nur allzu gerne: In der Saison 2000/01 folgte dem ersten Postseason-Erfolg nämlich auch gleich der erste und einzige Super-Bowl-Triumph der Geschichte. Zum ersten Mal seit 2006 hatten die Ravens eine Bye-Week in der Postseason. Ob diese ihnen mehr geholfen oder geschadet hat, wird sich weisen, fest steht nur: Zuhause ist Baltimore in dieser Saison eine Macht. Kein Spiel ging verloren.

 

Schlüsselspieler

Quarterbacks

Von allen Spielmachern, die die Saison begonnen haben und noch im Rennen sind, gehört Joe Flacco sicherlich nicht in die Kategorie Rodgers, Brees, Brady. Davon ist der 18. Draft-Pick aus dem Jahre 2008 weit entfernt, genauer gesagt rund 1400 Yards. Flacco warf in dieser Saison bisher für 3610 Yards, sorgte für 20 TD-Passes, allerdings in Relation dazu auch für nicht wenige Interceptions (12). Es sei dem bald 27-Jährigen (Geburtstag am 16. Jänner) zu Gute gehalten, dass die Ravens ihr Hauptaugenmerk nicht auf das Passspiel gerichtet haben. Wichtig ist auch, dass Flacco seine Nerven im Zaum hält: Sechs Lost Fumbles 2011. Der schlechteste QB (Mark Sanchez, Jets) hatte acht...

T.J. Yates hat seine Aufgabe beim 31:10-Sieg der Texans gegen die Bengals im Wildcard-Game sehr anständig erledigt. Im Gegensatz zu seinem Rookie-Gegenüber Andy Dalton warf der Houston-Spielmacher nämlich keine drei Interceptions, nicht einmal eine - dafür einen Touchdown-Pass. Dieses Mal tritt ihm allerdings eine andere Defense gegenüber, nämlich eine deutlich stärkere. Es muss aus Texans-Sicht befürchtet werden, dass ihm dieses Mal der eine oder andere Fehler unterlaufen könnte.

Andere Spieler

Wer Baltimore Ravens sagt, muss auch Ray Rice sagen. Der Running Back der Mannschaft von Head Coach John Harbaugh - Bruder Jim coacht die San Francisco 49ers - war in der Regular Season mit 1364 Yards hinter Maurice Jones-Drew (1604) die Nummer zwei der Liga, auch was die erlaufenen Touchdowns betrifft (12). Rice ist zudem mit 704 Yards eine verlässliche Anspielstation, die Nummer drei im Team hinter Anquan Boldin (887) und Torrey Smith (841). Welchen Wert Rice für die Offensive hat, hat sein Vornamens-Vetter Lewis für die Defensive. Vor allem auch einen spirituellen. Ray Lewis ist der Anführer der Ravens, der Linebacker war schon 2001 beim Super-Bowl-Triumph dabei. Der 36-Jährige musste diese Saison Partien aussetzen, führt Franchise-intern dennoch die Tackle-Wertung an. Seine Erfahrung ist unersetzlich, vor allem für das große Vorhaben der Ravens.

Bei den Texans müssen die Stars wie Arian Foster (Running Back) oder Andre Johnson (Wide Receiver) nicht mehr groß vorgestellt werden. Es könnten auf Seiten Houstons in diesem Spiel auch andere ins Rampenlicht rücken, wie etwa Kicker Neil Rackers. Der Routinier ist hinsichtlich abgeschlossener Field Goals Nummer drei der Liga, nur sechs Mal traf er nicht. Hinsichtlich der Treffer-Quote liegt Rackers klar vor seinem Ravens-Pendant Billy Cundiff: 86,2:75,7 Prozent.

 

Zahlenspiele

- Wie bei New England gegen Denver haben sich auch diese beiden Teams heuer schon getroffen. 29:14 gewannen die Ravens zu Hause.

- Der oben schon erwähnte Billy Cundiff erzielte in diesem Duell fünf Field Goals, Neil Rackers keines.

- Nicht nur, dass Baltimore zu Hause diese Saison nicht verloren hat - Head Coach John Harbaugh hat überhaupt noch nie gegen sein Pendant Gary Kubiak verloren (3-0).

 

LAOLA1-Prognose

Für Liebhaber von Defensiv-Schlachten wird diese Paarung sicherlich ein Genuß. Aufgrund dessen wird die Partie zwar sicher nicht den Playoff-Punkte-Rekord sprengen, aber an Spannung auch nicht geizen. Beide Teams punkten mit Abwehr und Laufspiel. Houston ist mit dem ersten Postseason-Sieg im Rücken zwar eine Überraschung zuzutrauen, aber in Summe liefert wohl Baltimore das bessere Paket. Die Heimbilanz spricht auch für die "Raben". Sollte Flacco solide ans Werk gehen, wird sich Baltimore wohl auch im AFC-Championship-Game wiederfinden.

16:13 für Baltimore.

 

Bernhard Kastler

 


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