Sieben NFL-Hochburgen - und Houston...

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Acht Teams sind im Rennen um die Super Bowl verblieben. Großteils hochkarätige Kandidaten mit jeder Menge Tradition.

San Francisco (5), Green Bay (4), die New York Giants (3), New England (3), Denver (2), Baltimore (1) und New Orleans (1) – sie alle haben die Vince-Lombardi-Trophy schon zumindest ein Mal erobert.

Komplettiert wird das Feld von den Houston Texans.

Die können wiederum im Gegensatz zu allen anderen Teams auf eine hundertprozentige Siegquote in den Playoffs verweisen. Gut, sie haben auch erst ein Postseason-Match absolviert - vergangenen Samstag gegen Cincinnati…

Die Texaner sind also die Newcomer unter den Playoff-Promis. Im zehnten Jahr nach Franchise-Gründung haben sie erstmals die Qualifikation geschafft. Am Sonntag treten sie in den Divisional Playoffs in Baltimore an.

Ein bemerkenswerter Erfolgslauf. Denn Houston hatte in dieser Saison einige Probleme zu überwinden. Ohne diese Schwierigkeiten würden sie aktuell wohl als eine der heißesten Super-Bowl-Aktien gelten.

LAOLA1 nennt fünf Gründe, warum den Texans heuer endlich der Knopf aufgegangen ist:

VERTRAUEN IN HEAD COACH GARY KUBIAK:

Manchmal macht sich Treue doch bezahlt. Nachdem es vergangene Saison auch im fünften Jahr seiner Amtszeit nicht mit den Playoffs geklappt hatte, zog sich die Schlinge um Gary Kubiaks Hals bereits bedrohlich zu. Erneut spielte man eine Spielzeit, die nicht Fisch, nicht Fleisch war. Unter Anleitung des 51-Jährigen holte man immer zumindest sechs Siege, aber nie mehr als neun.  Owner Bob McNair verkniff sich eine Entlassung und gewährte seinem Coach ein weiteres Jahr. Kubiak gilt als offensiver Mastermind. Dies hat vernehmlich mit seinem Background als ehemaliger Quarterback zu tun. Den Schritt in die erste Reihe wagte er als Aktiver nie, stattdessen verbrachte er seine komplette neunjährige NFL-Laufbahn als Backup von John Elway in Denver. Wie es sich anfühlt, eine Super Bowl zu gewinnen, erfuhr er erst 1995 als Quarterbacks-Coach von Steve Young bei den San Francisco 49ers und gleich zwei Mal während seiner zehnjährigen Amtszeit als Offensive Coordinator Denvers. Die offensive Herangehensweise in Houston erinnert sehr an die damalige unter Mike Shanahan bei den Broncos: Bärenstarkes Laufspiel als Basis, falls es durch die Luft mal nicht so klappen sollte. Was einen gekonnten Passangriff natürlich nicht ausschließt – bei den Texans agiert der derzeit verletzte Matt Schaub seit Jahren sehr ansehnlich. Die Spielzeit 2011 schloss Houston mit zehn Siegen ab, womit man sich erstmals die Krone der AFC South sicherte.

Geduld: Kubiak führte die Texans doch noch in die Playoffs

STARKE ROOKIES:

Gleich drei Frischlinge trugen das ihrige zum Erfolgslauf bei. Quarterback T.J. Yates blieb es vorbehalten, Schaubs und Leinarts Ausfall so gut es geht zu kompensieren. Freilich kann man vom Fünftrunden-Pick kaum verlangen, ähnlich attraktiven Passangriff wie Schaub zu zelebrieren. Aber gestützt auf Defense und sensationelles Laufspiel von Foster, konnte er die in seinem Rahmen möglichen Akzente setzen. Doch auch zwei weitere Rookies hinterließen ihre Spuren: Erstrunden-Pick J.J. Watt startete von Woche 1 an als Defensive End und machte sich spätestens im Wild-Card-Duell mit Cincinnati durch seinen Interception-Return-Touchdown einen Namen. Brooks Reed wiederum erfüllte die schwierige Aufgabe, den nach fünf Saison-Spielen verletzten früheren Nummer-1-Draftpick Mario Williams als Outside Linebacker zu ersetzen, zur allgemeinen Zufriedenheit.

DIE EUPHORIE IN HOUSTON:

Ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte. Beim Spiel gegen Cincinnati war im Reliant Stadium zu spüren, wie sehr eine ganze Stadt mit diesem Team mitfiebert. Während, wie eingangs erwähnt, an anderen Orten Playoff-Football beinahe zur Normalität gehört, ist er für Houston Neuland – zumindest seit dem Umzug der Oilers nach Tennessee. „Die Playoffs sind eine große Plattform, jeder schaut zu. Also bin ich dankbar, dass ich gesund genug bin, um jedem zu zeigen, welche Art Spieler ich bin“, ist Andre Johnson topmotiviert, in der Postseason weitere Spuren zu hinterlassen. Natürlich ist Skepsis angebracht, ob man auch auswärts gegen eine ausgefuchste Defense wie jene Baltimores mit einem Rookie-Quaterback bestehen kann. Wenn ja, würde nur noch ein Sieg zum Super-Bowl-Einzug fehlen. Johnson genießt die Außenseiterrolle: „Uns ist es komplett egal, ob wir die Underdogs sind. Ich war jetzt schon neun Jahre der Underdog.“ Wer die Playoffs so lange nur aus dem TV kannte, will sie nicht gleich wieder verlassen. Egal wie viel Prestige die Konkurrenz zu bieten hat…

Peter Altmann

TURNAROUND DER DEFENSE:

Kubiak durfte vergangenen Jänner bleiben, unter den Defense-Coaches wurde so richtig aufgeräumt. Während die Offense seit Jahren ansehnlichen Football präsentierte, versagte die Verteidigung einmal mehr auf ganzer Linie. Bezüglich der Passabwehr war der gängige Vergleich mit einem löchrigen Schweizer Käse eine Beleidigung – für den Käse. Mit dem Abstand von zwölf Monaten betrachtet, war das damalige Großreinemachen die goldrichtige Entscheidung. Denn unter dem neuen Defensive Coordinator Wade Philips, davor Head Coach beim texanischen Nachbarn Dallas, entwickelte sich die Pannen-Truppe in eine Eliteeinheit. Houston katapultierte sich in die Sphären der besten Defenses der Liga um Pittsburgh, San Francisco oder Sonntags-Gegner Baltimore. Neben der gelungenen Arbeit von Philips – der 64-Jährige wird von Tampa Bay als neuer Head Coach umworben – agierte man auch am Free-Agents-Markt clever. So entpuppte sich die Verpflichtung von Cornerback Johnathan Joseph (Cincinnati) als Goldgriff.

WENIG ABHÄNGIGKEIT VON LEISTUNGSTRÄGERN:

Seit Andre Johnson im Draft 2003 an dritter Stelle gepickt wurde, ist er Herz und Seele der Houston-Offense. Egal wie durchschnittlich sich sein Team präsentierte, der Wide Receiver etablierte sich konstant im Kreis der Allerbesten seiner Zunft. Eigentlich kurios: Ausgerechnet heuer in seiner neunten Saison, wo er verletzungsbedingt nur phasenweise zur Stelle war und erst jetzt wieder richtig fit ist, qualifizierten sich die Texans erstmals für die Playoffs. Sein Fehlen hatte also keine negativen Konsequenzen. Mit Arian Foster, dem NFL-Rushing-Leader, verfügt Houston über einen weiteren Offensivspieler mit Superstar-Kaliber. Vor allem zu Saisonbeginn wurde der 25-Jährige von Verletzungen gebremst. Ein Ausfall, den jedoch Backup Ben Tate gut kompensierte. Am Schmerzlichsten trafen die Texaner freilich die Hiobsbotschaften auf der Quarterback-Position.  Mit Matt Schaub musste das Hirn des Dreigestirns Schaub/Foster/Johnson die Saison vorzeitig beenden, sein Ersatzmann Matt Leinart verletzte sich gleich im darauffolgenden Spiel. Während andere stark gestartete Teams wie Chicago oder Oakland nach ähnlichen Szenarien implodierten, wusste das vom Kader her breit aufgestellte Houston diese Probleme aufzufangen und rettete sich in die Playoffs.

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