Die "Cousine" der Seahawks

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Die Seattle Seahawks und ihre attraktive "Cousine"

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Die NFL-Playoffs 2015 gehen unaufhaltsam weiter!

Nach den Wild-Card-Games am vergangenen Wochenende sind nun die Divisionals an der Reihe.

In der NFC matchen sich die vier topgesetzten Teams der Regular Season, wobei mit den Carolina Panthers (4) eines davon eine negative Bilanz aufwies. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (2:15 Uhr) versucht der Underdog bei Champion Seattle Seahawks (1) das Unmögliche möglich zu machen. Am Sonntag (19:15 Uhr) kommt es zum Klassiker Green Bay Packers (2) gegen Dallas Cowboys (3).

In der AFC bekommen es die New England Patriots (1) zum Auftakt der Divisionals am Samstag (22:35 Uhr) mit den Baltimore Ravens (6) zu tun. Zum Abschluss greifen am Sonntag (22:40 Uhr) die Denver Broncos (2) gegen die Indianapolis Colts (4) ins Postseason-Geschehen ein.

Vier heiße Duelle um den Auftstieg ins jeweilige Conference Final sind garantiert!

Traditionell stimmt LAOLA1 auf das Playoff-Wochenende mit den Matchups ein - weiter geht es mit Seattle Seahawks gegen Carolina Panthers.

SEATTLE SEAHAWKS (1)                      CAROLINA PANTHERS (4)

Sonntag, 2:15 Uhr, CenturyLink Field, Seattle

AUSGANGSLAGE

Hand aufs Herz: Wer glaubt nicht, dass die Seattle Seahawks dieses Spiel gewinnen werden? Viele Hände werden wohl nicht hochgehen - außer vermutlich von unserem Carolina-Edelfan "enzo_karotti", dem wir an dieser Stelle natürlich viel Glück wünschen. Aber falls sich sonst jemand traut: Mit dieser Sieg-Ansage kann man Ruhm und Ehre ernten. Wir nehmen es gleich vorweg: Wir trauen uns nicht. Zu dominant agierte der amtierende Super-Bowl-Champion in den vergangenen Wochen. Vor allem vor heimischem Publikum bleibt das Team von Head Coach Pete Carroll beinahe unschlagbar. 24-2 lautet inklusive Playoffs die eindrucksvolle Bilanz in den vergangenen drei Jahren vor den frenetischen Fans im CenturyLink Field - einer der lautesten Arenen der Sport-Welt. Die letzten sieben Playoff-Heimspiele haben die Seahawks allesamt gewonnen - und auch in dieser Saison sollte der Playoff-Heimvorteil ein riesiger Trumpf am Weg zur erhofften Titelverteidigung sein. Dabei sah es zwischenzeitlich - wie oftmals bei amtierenden Titelträgern - nicht einmal so gut aus. Mitte November stand Seattle noch mit einer 6-4-Bilanz da, ehe die letzten sechs Saisonspiele allesamt gewonnen wurden, und zwar auf beeindruckende Art und Weise. Gerade einmal 39 Punkte ließ die wiedererstarkte Defense in diesem Zeitraum insgesamt zu. Mit im Schnitt 15,9 Gegenpunkten führte man die NFL zum dritten Mal in Folge an - in drei Jahren in Folge gelang dies zuletzt von 1969 bis 1971 den Minnesota Vikings. Auch in punkto Total Yards (im Schnitt 267,1) und Pass-Yards (185,6) war Seattles Abwehr souverän die Nummer eins der NFL. Die Seahawks sind also wieder die Seahawks, wie man sie aus den letzten Jahren kennt. Ein Mosaiksteinchen dazu: Der überraschende Trade von Superstar Percy Harvin zu den New York Jets, womit man einen Unruheherd aus der Kabine bekam.

Wenn ein haushoher Favorit die Carolina Panthers vermutlich nicht unterschätzt, ist es Seattle. Vor vier Jahren war man in der haargenau gleichen Situation und qualifizierte sich mit negativer Bilanz für die Playoffs - in der Wild-Card-Runde warf man Champion New Orleans hinaus. Nun sind die Seahawks selbst der Titelverteidiger, der sich eines Underdogs erwähren muss. Dass Carolina nichts zu verlieren, dafür jedoch alles zu gewinnen hat, ist einer der größten Pluspunkte der Truppe von Head Coach Ron Rivera. Ein Sieg in Seattle würde wohl einen Fixplatz unter den größten Sensationen der US-Sport-Geschichte haben. Dabei gibt es sie - die Indizien, die Mut machen. Zum Beispiel das erste Kräftemessen in dieser Saison Ende Oktober, als beide Teams gerade nicht in Hochform agierten. Mit Müh und Not entführte Seattle dank eines TD-Passes von Russell Wilson auf Luke Willson 47 Sekunden vor Schluss einen 13:9-Sieg aus Charlotte, auch beim Season Opener 2013 feierte Seattle nur einen hauchdünnen 12:7-Auswärtssieg. Man sieht: Zwei Low-Scoring-Games, wie sie im Buche stehen. Und zumindest am Papier sind die Panthers ein Team, das Seattle weh tun kann. Auch, weil sie vom Aufbau her fast ein Klon der Seahawks sind: Mobiler QB, (in letzter Zeit wieder) gutes Laufspiel, starke Defense, die gegnerische RBs und vor allem laufende Spielmacher kontrollieren kann. Das sieht auch Seahawks-DE Michael Bennett so: "Es ist ein wenig eigenartig, gegen sie zu spielen. Es fühlt sich so an, als würde man in den Spiegel schauen. (...) Es gibt so viele Ähnlichkeiten. Es ist so, als würde man ein Mädchen anschauen, das genauso ausschaut wie du, und du findest raus, dass es deine Cousine ist, weswegen du sie nicht zu einem Date einladen kannst, obwohl du gerne würdest." Gut, das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Fest steht: Die Panthers sind nicht mehr das Schlachtvieh von Mitte der Saison. Inklusive Arizona in der Wild-Card-Runde wurden die letzten fünf Spiele gewonnen - gegen allerdings überschaubar leistungsstarke Konkurrenz. Jetzt folgt der echte Test, wie groß der Leistungssprung im Saison-Finish wirklich war.

SCHLÜSSELSPIELER

QUARTERBACKS

Über das Phänomen Russell Wilson wurde schon fast alles erzählt. Was er in seinen ersten drei Karriere-Jahren erreicht hat, ist beeindruckend - noch dazu für einen Drittrunden-Draftpick. Der 26-Jährige schlägt seine Gegner mit anderen Mitteln als die Elite-QBs dieser Liga, weshalb seine Pass-Statistiken im Vergleich hinterherhinken. Aber neben seiner unglaublichen Laufqualität ist es vor allem seine Fähigkeit, vermeintlich nicht funktionierende Spielzüge durch seine Mobilität am Leben zu erhalten und dem gegnerischen Pass Rush zu entwischen, die ihn so einzigartig machen. Der Pass Rush ist eine der Stärken Carolinas und man darf auch mit dem Versuch der Panthers rechnen, ihm das Laufspiel wegzunehmen, sodass er sie durch die Luft schlagen muss. Es wäre nicht das erste Mal, dass diese Strategie gegen Wilson nicht aufgeht. Schauen wir auf die beiden Gastspiele in Carolina: Heuer tat sich Wilson schwer. Aufschlussreicher ist vielleicht das Kräftemessen von 2013: Damals stellten die Panthers RB Marshawn Lynch (43 Rushing Yards) und ihn selbst (7 Rushing Yards) komplett zu. Wilson reagierte mit 320 Passing Yards - eine Marke, die er in den 34 Partien danach nur ein Mal (!) übertraf.

Das Laufspiel wegnehmen und sich durch die Luft "schlagen" lassen? Ja, diese Strategie ist auch ein Paraderezept der Seahawks. Gegen die beste Secondary der jüngeren NFL-Vergangenheit ist dies für gegnerische Spielmacher gleich noch einmal erheblich schwieriger. Man darf davon ausgehen, das auf Cam Newton genau diese Aufgabe zukommen wird. Selten zuvor war seine nicht immer ideal ausgeprägte Präzision so gefragt, wie in diesem Spiel. Selten zuvor in seinen vier NFL-Jahren hatte der Nummer-1-Draft-Pick des Jahres 2011 jedoch auch die Gelegenheit, sich derart ins Rampenlicht zu spielen. An Selbstvertrauen hat es dem 25-Jährigen noch nie gemangelt, weswegen es ihm zumindest von seiner Persönlichkeit her zuzutrauen ist, sich im feindseligen Ambiente in Seattle nicht einschüchtern zu lassen.

Findet Jonathan Stewart auch gegen Seattles Defense Lücken?

ANDERE SPIELER

Kleine Schätzfrage: Wie viele Punkte hat Seattles Defense während der aktuellen Sechs-Spiele-Siegesserie im letzten Viertel zugelassen? Genau: nicht einen einzigen. Gerade für Teams im Rückstand ist es im Verzweiflungs-Modus verdammt schwierig, gegen diese Defense anzuwerfen. Oder anzulaufen. Denn gerade einmal 2,84 Yards pro Carry ließ Seattle in diesen sechs Partien zu, was auch mit der Rückkehr von Bobby Wagner nach fünf Wochen Verletzungspause zu tun hat. Dass der Middle-Linebacker es mit nur elf Saison-Spielen ins All-Pro-Team der NFL geschafft hat, sagt einiges über seine Wertigkeit aus - und nur so nebenbei erwähnt, bietet diese Begegnung dank Carolinas Luke Kuechly das Duell der beiden derzeit vielleicht besten Spieler auf dieser Position. Wagner sei diesmal aus einer Defense mit ungeheurem Star-Potenzial speziell vor den Vorhang geholt. Dies soll die Qualitäten von Earl Thomas, Richard Sherman, Kam Chancellor (allesamt Pro Bowler), K.J. Wright oder Michael Bennett nicht schmälern. Offensiv setzt man auf altbewährte Tugenden. Probierte man in der ersten Saisonhälfte mit Harvin das Playbook ein bisschen zu öffnen, ist es seither wieder Plan A, Marshawn Lynch den Ball zu geben. Der Running Back kam in jeder der letzten vier Saisonen auf über 1200 Yards und zehn TDs - diese Konstanz machte ihm kein anderer Ballträger der Liga nach. Heuer waren es 1306 Rushing Yards und 13 TDs, und das trotz anhaltender Wehwehchen und Diskussionen über seine unsichere Zukunft über diese Spielzeit hinaus. Gerade in den Playoffs läuft der schweigsame Routinier stets zu großer Form auf, er peilt sein sechstes Postseason-Spiel in Folge mit TD an. Gute Nachricht: Mit Max Unger kehrt nach sechs Spielen Pause der gewohnte Center zurück, was einen weiteren Schub verleihen sollte. Seattles Receiver rangieren in diversen Ranglisten unter ferner Liefen, ihnen ist jedoch auch nur die Funktion der Rollenspieler zugedacht. Die erfüllen sie äußerst effektiv. Doug Baldwin und Jermaine Kearse sind stets für wichtige Catches gut. Auffällig war in den vergangenen Wochen, dass Rookie Paul Richardson intensiver in das Passpiel integriert wurde. Der ist immerhin ein Zweitrunden-Pick, und ein solcher sollte in diesem sensationellen WR-Jahrgang für Qualität bürgen.

Gelingt Carolina tatsächlich die Sensation, würde es überraschen, hätte am Ende nicht Jonathan Stewart eine entscheidende Rolle gespielt. Der Running Back agierte zuletzt in großer Form. Findet er gegen die Front Seven Seattles keine Lücken, könnte es für die Panthers ein bitterer Arbeitstag werden. Er muss Newton helfen, den Ball zu bewegen. Auch die Anspielstationen der Gäste sind eher Rollenspieler - mit zwei Ausnahmen: Rookie Kelvin Benjamin könnte sich zu einem der besseren Receiver der Liga entwickeln. Er hat gegen Arizona jedoch kein übertrieben geglücktes Playoff-Debüt hinter sich. Greg Olsen zählt zu den besten Tight Ends der Liga. Spielentscheidend sollte jedoch werden, wie eng die Defense diese Partie halten kann. Der Turnaround in den letzten Wochen macht Mut. Das starke Linebacker-Duo Luke Kuechly und Thomas Davis hat den Speed und die Power, um mitzuhelfen, die Läufe von Lynch und Wilson zu kontrollieren. Für den Pass Rush um Charles Johnson wird es indes fraglos schwer, den flinken Wilson zu Fall zu bringen. Den größten Fortschritt hat Carolina in der Secondary mit den drei Youngsters Josh Norman, Bene Benwikere und Tre Boston an der Seite von Routinier Roman Harper gemacht. Die Hiobsbotschaft zum Schluss: Dass sich DT Star Lotulelei im Training einen Knochen in seinem Fuß gebrochen hat, ist gerade gegen das Laufspiel um Lynch ein nur schwer zu verkraftender Schlag. Der Erstrunden-Draftpick von 2013 kann zwei Gegner gleichzeitig beschäftigen und somit Nebenspielern Räume verschaffen. Dieser Ausfall wird nur schwer zu kompensieren sein.

ZAHLENSPIELE

  • Die beiden Franchises treffen zum zweiten Mal im Rahmen der Postseason aufeinander. Im Jänner 2006 setzte sich Seattle im NFC Championship Game klar mit 34:14 durch und zog in die Super Bowl ein. Im Head-to-Head steht es 6-2 für die Seahawks. In den vergangenen fünf Jahren kam es zu vier Aufeinandertreffen - alle gingen an Seattle.
  • Russell Wilson hat bislang 53 Karriere-Spiele für Seattle absolviert - in jedem einzelnen haben die Seahawks zu irgendeinam Zeitpunkt geführt.
  • Carolina-Coach Ron Rivera hat gegen Arizona im zweiten Versuch seinen ersten Playoff-Sieg gefeiert. Nach der Pleite gegen San Francisco im Vorjahr, geht es nun auch im dritten Postseason-Duell gegen einen Vertreter der NFC West. Sein gegenüber Pete Carroll ist als amtierender Champion natürlich wesentlich playoff-erfahrener. Seine Bilanz: 6-4.

 

LAOLA1-PROGNOSE

Carolinas Defensive Coordinator Sean McDermott hat einen guten Job gemacht, diese Defense wieder in die Spur zu bringen. Gegen Seattle hat sie in den vergangenen Jahren traditionell gut ausgeschaut. Das Spiel so lange wie möglich offen zu halten - sprich ein Low-Scoring-Game - ist wohl auch die größte Chance der Panthers. Dann kann im Football bekanntlich alles passieren, und in der NFL ist ohnehin kaum ein Sieg garantiert. Es soll vorkommen, dass haushohe Favoriten am falschen Fuß erwischt werden. Seattle agiert zu Hause jedoch traditionell fokussiert, diese Truppe neigt nicht zum Unterschätzen von Gegnern und ist von der Qualität her schlichtweg das bessere Team. Diese Monster-Defense hat schon bessere QBs als Cam Newton übel aussehen lassen. Carolina erlaubte sich zudem gegen Arizona Fehler, die diesmal bitter bestraft werden würden. Die Panthers sind nicht mehr das klassische 7-8-1-Team und ich lasse mich auch eines Besseren belehren, aber wie dieses "Date" mit einem Sieg enden soll, weiß ich beim besten Willen nicht. 20:6 SEA.

Peter Altmann

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