"Deflate-Gate": Belichick und Brady im Kreuzfeuer

Aufmacherbild
 

Noch sind es einige Tage bis Super Bowl XLIX in Glendale, Arizona.

Während am Sonntag die Pro Bowl an selber Stelle über die Bühne geht, steht derzeit ein ganz anderes Thema im Fokus: "Deflate-Gate".

Die New England Patriots sollen im AFC-Championship-Game gegen die Indianpolis Colts (45:7) Bälle mit zu wenig Luft verwendet haben.

Elf von zwölf Bälle nicht korrekt

Die NFL leitete daraufin eine Untersuchung ein, deren erste Ergebnisse ESPN, berufend auf anonyme Quellen, am Mittwoch veröffentlichte.

Dem zufolge sollen elf der zwölf Bälle (24 insgesamt, zwölf pro Team) tatsächlich den geforderten NFL-Wert unterschritten haben.

Die Bälle sollen ordnungsgemäß - und den Regeln entsprechend - von Referee Walt Anderson zwei Stunden und 15 Minuten vor Kickoff geprüft worden sein, ehe sie die beiden Teams wieder erhielten.

Eine Auswechslung der Bälle während des Spiels ist verboten.

Spielgeräte mit weniger Luft sind leichter zu passen und im Regen leichter zu fangen.

Am Sonntag hatte es in Foxbourough stark geregnet.


Belichick in Bedrängnis

Die Liga hat sich zu ihrer Untersuchung noch nicht öffentlich geäußert.

Dafür viele andere Protagonisten (etwa Jerry Rice, siehe Tweet), auch die betroffenen Patriots.

"Wir werden in jeglicher Hinsicht koopieren. Egal, welche Fragen sie haben, egal, was die Liga von uns will", so Head Coach Bill Belichick.

Als Hauptverantwortlicher geriet der 62-Jährige ins Kreuzfeuer der Kritik, zumal der dreimalige Super-Bowl-Gewinner in puncto Skandalen kein unbeschriebenes Blatt ist.

Wegen "Spygate" bereits in Verruf

2007 wurde der Head Coach im Zuge von "Spygate", die Patriots filmten verbotenerweise die Signale der Jets-Defensive-Coaches, mit einer saftigen Geldstrafe von 500.000 Dollar belegt.

Die Patriots mussten 2008 auch ihren Draft-Pick abgeben.

In den US-Medien fordern nicht gerade wenige eine Suspendierung Belichicks für die Super Bowl gegen die Seattle Seahawks. Diese Maßnahme ist allerdings äußerst unwahrscheinllich.

Sogar Spieler der Indianapolis Colts hielten mittlerweile fest: "Sie hätten mit Seife spielen können und hätten uns geschlagen. Sie waren einfach besser", so Tight End Dwyane Allen.


Im Fall der Fälle muss freilich Bestrafung sein: Bislang stand als mögliches Szenario "nur" das Streichen von Draft-Picks im Raum.

Madden beschuldigt Brady

John Madden, langjähriger Head Coach der Oakland Raiders und Ikone des gleichnamigen Videospiels, lenkt indes den Fokus auf jemand anderen und meint, Tom Brady sollte diesbezüglich beschuldigt werden.

"So eine Aktion würde vom Quarterback ausgehen, nicht vom Coach oder dem Equipment-Typen", so der 78-Jährige gegenüber "The Sports Exchange".

"Keiner, nicht einmal der Head Coach, würde irgendwas mit dem Ball machen, ohne dass der Quarterback Bescheid weiß. Es müsste die Idee des Quarterbacks sein. Und man macht nichts, damit der Receiver den Ball fängt, wenn der Quarterback den Ball nicht werfen könnte."

Pikant: Brady mag Bälle mit weniger Luft

Pikanterweise tätigte Brady 2011 schon einmal eine Aussage, wonach er Bälle mit weniger Luft eigentlich ganz gerne mag.

"Wenn Gronk (Rob Gronkowski) scort, dann wirft er den Ball mit voller Wucht auf den Boden und lässt dabei Luft raus. Ich liebe es, weil ich solche Bälle mag."


Auch Sherman gegen Brady

An Bradys Saubermann-Image kratzt indes auch Seattles Cornerback-Superstar Richard Sherman, der hinsichtlich des letzten, hitzigen Duells beider Teams im Jahr 2012 (24:23 SEA) sagt.

"Er meinte, dass wir Nobodys wären", so der extrovierte Verteidiger.

"Die Leute haben ein verzerrtes Bild von Brady. Dass er immer alles richtig macht und kein falsches Wort sagt. Wir wissen, dass er ganz anders sein kann."

Die nahe Zukunft wird Aufschluss bringen, ob "Deflate-Gate" ein aufgeblasenes Thema der US-Medien ist und über viel heiße Luft gesprochen wurde.

Oder ob sich die New England Patriots (oder "Deflatriots"?) einmal mehr - völlig unnötig - selbst geschadet haben.

UPDATE

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag meldete sich Bill Belichick zu Wort und hielt zur ganzen Causa folgendes fest:

"Wie ich am Montag hier hergekommen bin, war ich schockiert, als ich von den Berichten über die Bälle gehört habe. Ich wusste bis Montagmorgen nichts darüber. Und ich würde sagen, ich habe in den letzten drei Tagen über diesen Prozess mehr erfahren, als in den 40 Jahren, seit ich in dieser Liga coache."

(...)

"Ich verstehe offenkundig, das jedes Team die Möglichkeit hat, die Bälle so vorzubereiten, wie sie das möchten. Die Offiziellen geben dann ihr Okay oder nicht. Das war es für mich, bis ich ein wenig mehr darüber erfahren habe."

(...)

"Ich kann euch sagen, ich habe in meiner ganzen Trainer-Karriere noch nie mit einem Spieler oder Kollegen über Luftdruck im Ball gesprochen. Das ist kein Thema, das ich jemals aufgebracht habe. Für mich sind die Bälle von der Liga und vor dem Spiel von den Referees zugelassen und wir spielen dann mit dem, was da ist. Und nur so habe ich bislang darüber gedacht."

(...)

"Ich habe keine Erklärung für das, was passiert ist."

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen