Giants nach Overtime-Krimi in Super Bowl

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SAN FRANCISCO 49ERS  17:20 n.V. NEW YORK GIANTS


Super Bowl XLII im Jahr 2008 war nicht nur eine der spektakulärsten aller Zeiten, sie sorgte auch für eine der größten Sensationen der NFL-Geschichte.

Damals rangen die New York Giants den haushohen und bis dahin ungeschlagenen Favoriten New England Patriots nieder und verhinderten damit eine Perfect Season des Teams aus Boston.

Vier Jahre später erlebt Super Bowl XLVI in Indianapolis das mit Spannung erwartete Rematch.

(Spielbericht: New England ringt Baltimore im AFC-Finale nieder)

Apropos Spannung: An solcher nicht zu überbieten war das Championship Game der NFC, in dem sich die New Yorker für das Spiel aller Spiele in der Football-Welt qualifizierten.

49ers schlagen sich selbst K.o.

In einem Overtime-Thriller rang die Truppe von Head Coach Tom Coughlin auswärts die San Francisco 49ers mit 20:17 nieder.

Kicker Lawrence Tynes behielt die Nerven und schoss seine Mannschaft nach knapp acht Minuten Spielzeit in der Verlängerung ins Endspiel - schon 2008 hatte der 33-Jährige sein Team in Green Bay in die Super Bowl geschossen.

Giants und 49ers fighteten an einem regnerischen Abend im Candlestick Park wie zwei heroische Schwergewichts-Boxer in der 12. Runde eines WM-Kampfs. Letztlich brauchte New York keinen Lucky Punch, sondern San Francisco schlug sich selbst K.o.

Kyle Williams ließ bei einem Punt Return den Ball nach einer Attacke von Jacquian Williams fallen, die „G-Men“ eroberten den Ball an der 24-Yard-Linie der 49ers in Person von Devin Thomas. Aus dieser günstigen Feldposition ließen sich die Giants den Sieg nicht mehr nehmen.

Williams verschuldet zehn der 20 Giants-Punkte

Williams wurde überhaupt zur tragischen Figur aus Niners-Sicht. Schon im vierten Viertel erlaubte er sich beim Spielstand von 14:10 für die Kalifornier bei einem Punt Return ein Fumble, als er sich entschied, den Ball nicht anzunehmen, dieser ihn aber dennoch am Knie berührte.

Auch in dieser Szene reagierte Thomas mit seiner ersten Fumble-Recovery des Tages am Schnellsten. Daraus resultierte ein 17-Yard-Tochdown-Pass von Giants-Quarterback Eli Manning auf Mario Manningham.

Unter dem Strich verschuldete der 23-jährige Williams, der anstelle des verletzten Ted Ginn für die Returns verantwortlich war, somit im Alleingang zehn der 20 New Yorker Punkte.

Dominante Defenses

In einer von beiden Defenses geprägten Partie waren solch schwere Fehler natürlich spielentscheidend. Wobei „von beiden Defenses geprägt“ eigentlich eine Untertreibung darstellt, im Prinzip dominierten beide Abwehrreihen.

Jene der Giants setzte 49ers-Quarterback Alex Smith immer wieder gekonnt unter Druck. Abgesehen von zwei Big Plays auf Vernon Davis, die beide in Touchdowns resultierten, war vom Passangriff San Franciscos nichts zu sehen.

Per 73-Yard-Pass von Smith auf den Star-Tight-End, der mit einem geschickten Lauf der Giants-Secondary entwischte, stellte San Francisco auf 7:0.

Davis‘ zweiter Catch in der Endzone nach einem 28-Yard-Pass seines Spielmachers brachte die 49ers im dritten Viertel mit 14:10 in Führung.

Manning bringt Passspiel in Gang

Abseits dieser beiden Geniestreiche gelangen Smith (196 Passing-Yards) nur zehn komplette Pässe, auch Davis konnte nur einen weiteren Catch beisteuern.

Anders die New Yorker. Manning brachte es zwar mit 316 Passing-Yards auf eine ansprechende Yardage, konnte diese aber gegen eine grandios agierende 49ers-Defense nicht entsprechend in Punkte ummünzen.

Ein 6-Yard-Pass auf Bear Pascoe zum zwischenzeitlichen Ausgleich zum 7:7 und ein Field Goal von Tynes zum 10:7-Pausenstand blieben bis zum von Williams „aufgelegten“ Manningham-Touchdown die einzige Ausbeute.

STIMMEN ZUM SPIEL:

Tom Coughlin (Head Coach New York Giants): "Das war ein unglaubliches Spiel für jene, die die traditionellen Elemente des Footballs lieben. Ein Klassiker, in dem es lange Zeit schien, dass sich kein Team in die Position bringen kann, zu gewinnen. Glücklicherweise ist es uns doch noch gelungen."

Eli Manning (Quarterback New York Giants): "Das war ein beinhartes Spiel. Wir mussten um jedes Yard kämpfen. Die Defense war herausragend, und dass die Special Teams für zwei Turnover gesorgt haben, war immens wichtig - das hat uns zu zehn Punkten geführt."

Lawrence Tynes (Kicker New York Giants): "Das war mein zweites NFC Championship Game und mein zweites siegbringendes Field Goal. Es ist großartig! Ich habe letzte Nacht davon geträumt, da waren es aber 42 und nicht 31 Yards. Dabei war ich heute so nervös, weil ich schon geahnt habe, dass es ein solch schweres Spiel wird. Normalerweise bin ich ziemlich cool, aber ich habe irgendwie gefühlt, dass ich einen wichtigen Kick machen muss. Hut ab vor Eli, der Offense und der Defense - ein großer Sieg!

Jim Harbaugh (Head Coach San Francisco 49ers): "Das ist schwer zu schlucken. Es wird eine Weile dauern, bis wir darüber hinweg kommen. Auf vielen Ebenen haben wir gut genug gespielt, um zu gewinnen. Wir haben den Sieg nur nicht eingefahren."

Alex Smith (Quarterback San Francisco 49ers): "Wir alle kennen Kyle Williams, wir wissen, wie versessen er darauf ist, zu gewinnen. Es liegt nicht an ihm. Ich schaue mehr auf die Bilanz von nur einem First Down bei 13 Third Downs. Ich weiß, dass er sich jetzt schlecht fühlt, aber er ist ein Teil des Teams. Wir haben das Spiel nicht wegen ihm verloren, wir haben es im Spielverlauf in der Offense verloren. Wir haben es einfach nicht hingekriegt."

Kyle Williams (Returner/Wide Receiver San Francisco 49ers): "Ich hasse es, dass ich als Letzter von uns am Ball war, ihn auf diese Art und Weise hergeschenkt habe, und wir ein Spiel von dieser immensen Bedeutung verloren haben. Aber so ist es leider. Wir werden uns als Team wieder aufrappeln. Jeder aus dem Team ist zu mir gekommen, hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt, dass es nicht an mir lag."

Peter Altmann

 

Ein Field-Goal von David Akers nach einem der wenigen ansehnlichen 49ers-Drives 5:39 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit sorgte schließlich für die Overtime.

Giants-Receiver übertrumpfen jene der Niners

Summa summarum war der Triumph des Teams aus dem Big Apple nicht unverdient, vor allem wenn man neben den beiden kostspieligen Turnovern zwei weitere Faktoren heranzieht.

Erstens: San Francisco verwertete in 13 Versuchen nur ein ein einziges Third Down, und das erst kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit – eine Statistik, mit der man kaum gewinnen kann.

Zweitens: Von den Wide Reveivern der 49ers kam genau gar nichts. Drei mickrige Yards von Michael Crabtree blieben die einzige Ausbeute. Zweier-Receiver Williams blieb ohne Catch, womit er nicht nur wegen seiner beiden Fumbles zum „Spielverderber“ aus Sicht der Kalifornier wurde.

Die New Yorker bewegten den Ball viel konstanter durch die Luft: Alleine Victor Cruz, der von Manning immer wieder im direkten Duell mit Niners-Cornerback Carlos Rogers gesucht wurde, kam auf zehn Catches und starke 142 Yards. Hakeem Nicks beendete die Partie mit 55 Yards.

Super-Bowl-Triumph im „Wohnzimmer“ von Bruder Peyton?

Zudem wurden die Giants von ihrem Laufspiel nicht im Stich gelassen. Ahmad Bradshaw überzeugte mit 74 Rushing Yards und steuerte zusätzlich 52 Yards als Passempfänger bei.

Die Giants, wie die Patriots dreifacher Super-Bowl-Sieger, gingen damit einmal mehr in den Playoffs in der Fremde als Sieger vom Feld. In den Divisional Playoffs warfen sie schon den großen Favoriten und Titelverteidiger Green Bay auswärts aus dem Rennen.

Manning hat in zwei Wochen die Chance, mit einer zweiten Vince-Lombardi-Trophy Bruder Peyton zu übertreffen – und das ausgerechnet im „Wohnzimmer“ der Indianapolis-Legende.

Ein trauriger Tag ist es indes für die Familie Harbaugh. Nach Baltimore-Head-Coach John verpasste auch dessen Bruder, 49ers-Trainer Jim Harbaugh, den Sprung ins Finale.

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