Die große Revanche!

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Man sieht sich immer zwei Mal im Leben

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Jetzt geht es um (fast schon) alles!

Am nächsten Sonntag wird sich weisen, wer am 3. Februar die Super Bowl XLVII in New Orleans bestreiten darf. Die beiden Conferences machen sich im Title-Game jeweils ihren Vertreter für das "Big Game" aus.

Um 21 Uhr startet das NFC Championship Game zwischen den topgesetzten Atlanta Falcons und den San Francisco 49ers (2).

Ab 0:30 Uhr wird dann das Pendant der AFC ermittelt. Und da kommt es zur kuriosen Neuauflage der exakt gleichen Partie im exakt selben Stadion: In Foxboro wollen die New England Patriots (2) die Baltimore Ravens (4) wie in der vergangenen Spielzeit schlagen.

LAOLA1 stimmt auf die Championship Games ein - in diesem Teil widmen wir uns dem Duell zwischen den Patriots und den Ravens:

NEW ENGLAND PATRIOTS (2)                                     BALTIMORE RAVENS (4)

Montag, 00:30 Uhr, Gillette Stadium, Foxboro

AUSGANGSLAGE

Wie heißt es so schön? Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Selber Ort, selbe Teams - dieses Matchup ist die exakte Neuauflage des vorjährigen AFC-Conference-Finals, das New England in einer denkwürdigen Partie für sich entschieden hat. Der damalige Ravens-Kicker Billy Cundiff verabsäumte es mit einem verfehlten 32-Yard-Field-Goal, sein Team in die Verlängerung zu kicken. Rein grundsätzlich entwickelte sich in den vergangenen Jahren eine feine Rivalität zwischen diesen beiden Teams, deren Gesichter (Tom Brady und Ray Lewis) schon im Herbst bzw. Winter ihrer glorreichen Karriere angelangt sind. Dieses Kräftemessen ist bereits das sechste in den letzten vier Saisonen - und das dritte in den Playoffs. 2009 gelang Baltimore eine 33:14-Sensation in Foxborough, der vorjährige Ausgang ist bekannt. Die New England Patriots basteln weiter an ihrer Dynastie. Bei einem Sieg stünde man zum sechsten Mal in der Ära von Head Coach Bill Belichick und Quarterback Tom Brady in der Super Bowl, wobei die letzten beiden Endspiele 2008 und 2012 jeweils gegen die New York Giants verloren gingen. Das Duo Belichick/Brady ist auf dem besten Weg, diverse Playoff-Rekorde zu brechen. Einen besonders prestigereichen hat sich der Superstar-Spielmacher schon vergangenes Wochenende gegen Houston geschnappt - und zwar überbot er mit seinem 17. Playoff-Sieg San-Francisco-Legende Joe Montana und ist nun alleiniger Rekordhalter. Darüber, dass die Patriots als Favorit in diese Partie gehen, muss man nicht lange streiten. Aber gerade die jüngere Playoff-Vergangenheit der Franchise aus Boston hat gezeigt, dass dies noch keine Garantie ist. Seitdem er seine Postseason-Karriere mit zehn Siegen in Serie startete, hält Brady in den Playoffs bei sieben Siegen und immerhin sechs Niederlagen, darunter auch die eine oder andere überraschende.

Die Baltimore Ravens wollen Brady seine siebte Niederlage zufügen. Als ob eine Super-Bowl-Teilnahme nicht schon genügend Motivation wäre, sinnt das Team aus Maryland fraglos auf Revanche für die Vorjahres-Pleite. Zudem ist es immer wieder erstaunlich, welchen Einfluss emotionale Motive haben. So dürftig die Ravens zum Ausklang der Regular Season performten, so beherzt fighten sie für ihren auf seine letzte Playoff-Reise zurückgekehrten Leader Ray Lewis (Hier geht's zur LAOLA1-Story). Freilich leistete sich Denver in den Divisional Playoffs einen Selbstfaller, aber gerade in engen Partien ist ein Kampfgeist, wie ihn Baltimore aktuell an den Tag legt, nicht zu unterschätzen. Bei allem Respekt vor "Altmeister" Lewis und bei aller Wichtigkeit des Defensivspiels gegen die Power-Offense der Patriots wird es von der Ravens-Offense abhängen, wie spannend diese Partie wird. Joe Flacco bot in den bisherigen beiden Playoff-Spielen starke Leistungen, nun ist er eingeladen, seine Meisterprüfung zu absolvieren. Die beiden Teams trafen im Saisonverlauf übrigens schon einmal aufeinander. In Woche 3 entschieden die Ravens vor heimischem Publikum einen Krimi mt 31:30 für sich.

SCHLÜSSELSPIELER

QUARTERBACKS

Auch wenn man manche Dinge nicht messen kann, ist und bleibt American Football ein Statistik-Sport. Und folgender Stat ist kein uninteressanter. Das Passer-Rating von Tom Brady in sieben Karriere-Duellen mit Baltimore beträgt 78,4 - gegen keinen Gegner weist er ein schlechteres auf. Zwar verbreitet die Ravens-Defense nicht mehr so viel Angst und Schrecken wie noch vor wenigen Jahren, dennoch gibt es offenbar Kontrahenten, gegen die der 35-Jährige lieber antritt. Der gebürtige Kalifornier dirigiert die beste Offense der NFL gekonnt wie eh und je. Nicht unterschätzen sollte man den Faktor, dass ihm ob seines Alters langsam die Zeit davon läuft. Der letzte seiner drei Titel liegt bereits acht Jahre zurück. Brady wird nicht ruhen, ehe er mit einem vierten Ring zu Joe Montana (San Francisco) und Terry Bradshaw (Pittsburgh) aufgeschlossen hat.

Es ist wohl an der Zeit, sich in aller Form bei Joe Flacco zu entschuldigen. Auch an dieser Stelle haben wir die Fähigkeiten des Ravens-Quarterbacks angezweifelt, wieder einmal zeigte er jedoch in den Playoffs, wozu er in der Lage ist. 613 Passing-Yards, fünf Touchdown-Pässe und keine Interception in den bisherigen beiden Postseason-Auftritten gegen Indianapolis und in Denver sprechen eine klare Sprache. Der Gelehrten-Streit, ob der 28-Jährige nun in die Kategorie "Elite" eingereiht werden muss (wie er selbst das fordert) oder nicht, wird munter weiter gehen. Auch wenn Elite vermutlich weiter zu hoch gegriffen wäre, ist er zumindest ein hervorragender Playoff-Quarterback. Als einziger Spielmacher der NFL-Geschichte gewann er in seinen ersten fünf Karriere-Jahren jeweils zumindest ein Postseason-Spiel. Seit dem Erfolg in Denver hält er gemeinsam mit Eli Manning (New York Giants) den Rekord an Playoff-Auswärtssiegen (jeweils fünf). Auffällig ist das Big-Play-Potenzial der Ravens, zu dem Flacco gemeinsam mit seinen Receivern Anquan Boldin, Torrey Smith und Jacoby Jones beiträgt. Elf Pässe über 20 Yards und deren fünf über 40 Yards in den aktuellen Playoffs sind aller Ehren wert.

ANDERE SPIELER

Star-Tight-End Rob Gronkowski verletzte sich gegen Houston so schwer, dass er in diesen Playoffs nicht mehr spielen kann. Dieser Ausfall schmerzt New England sehr, ändert aber nichts an der Tatsache, dass weiterhin genügend Playmaker zur Verfügung stehen. Im Passspiel helfen Brady die routinierten Receiver Wes Welker, Brandon Lloyd und Deion Branch, ebenso wie Tight End Aaron Hernandez. Man darf gespannt sein, wie die an manchen Positionen in die Jahre gekommene Ravens-Defense (Ray Lewis, Ed Reed) mit der Up-Tempo-Offense der Patriots zurecht kommt. Mal abgesehen davon, dass Baltimore die Überstunden aus Denver in den Beinen hat, wird es für jeden Gegner gefährlich, wenn Brady ohne Huddle aufs Gaspedal drückt und so die Verteidigung des Kontrahenten aus dem Konzept bringt. Spielentscheidend muss aber nicht einmal unbedingt das Passspiel sein, dies könnte auch am Boden geschehen (LAOLA1 checkt Laufspiel der Titelanwärter). Stevan Ridley spielte eine starke Saison, Shane Vereen geigte gegen Houston auf, Danny Woodhead ist wieder fit und gegen die Ravens kann man durchaus laufen. Bezugnehmend auf Baltimores Big-Play-Potenzial ist festzustellen, dass sich die Patriots-Defense dafür in dieser Saison phasenweise als anfällig erwies, sich seit der Verpflichtung von Cornerback Aqib Talib jedoch klar steigerte. Gegen den Lauf leistet die Einheit um Defensive-Tackle-Star Vince Wilfork gute Arbeit, wobei mit Baltimores O-Line eine Challenge wartet. Zum Mann mit Big-Play-Potenzial entwickelte sich Defensive End Rob Ninkovich - eine stete Gefahr für gegnerische Quarterbacks.

Nicht dass sich Brady für seine Drives viel Zeit lassen würde - ihn an der Seitenlinie zu halten, ist dennoch eine wichtige Aufgabe für Baltimore. Dafür ist das Laufspiel ein entscheidender Faktor. Mit Ray Rice und dessen Backup Bernard Pierce ist man diesbezüglich - unterstützt vom starken Fullback Vonta Leach - gut aufgestellt, in den Playoffs kam man im Schnitt auf 162,5 Yards. Die Laufverteidigung der Patriots ist jedoch keine schlechte. Die größere Gefahr ist jedoch, frühzeitig gröber in Rückstand zu geraten, wodurch die Offense der Ravens zu passlastig geraten könnte. Stimmt die Balance, sind auch Flaccos Chancen auf weitere Big Plays größer. Routinier Anquan Boldin beziehungsweise die pfeilschnellen Torrey Smith und Jacoby Jones (der zudem als Returner ein wichtiger Schlüssel ist) sind diesbezüglich dankbare Anspielstationen. Probleme hatten die Patriots in dieser Saison gegen Tight Ends, was Räume für Dennis Pitta und Ed Dickson öffnen könnte. Die beiden verfügen jedoch eher über durchschnitliches Potenzial. Wie schwer die Aufgabe für Baltimores Defense wird, ist kein Geheimnis. Nach sage und schreibe 30 Tackles in den bisherigen Playoffs wird sich Ray Lewis auch in seinem potenziell letzten Karriere-Spiel austoben dürfen. Mit Safety Ed Reed, Linebacker Terrell Suggs und Defensive Tackle Haloti Ngata gibt es genügend routinierte Top-Kräfte, die ihre Mitspieler mitreißen können. Hauptaufgabe wird sein, frühzeitig das Laufspiel der Patriots zu entschärfen. Sich Bradys Passfeuerwerk zu stellen, ist nämlich alleine schon Herausforderung genug...

ZAHLENSPIELE

  • Wenig ermutigend für Baltimore: Zum siebten Mal in der Geschichte der AFC (von 1960 bis 1970 AFL) stehen sich dieselben beiden Teams in zwei aufeinanderfolgenden Championship Games gegenüber. In den bisherigen sechs Duellen gab es fünf Mal denselben Sieger. Lediglich Oakland durchbrach 1976 gegen Pittsburgh (nach zuvor zwei Pleiten en suite) dieses Gesetz.
  • Spannend: Dieses Spiel ist das Duell der heim- bzw. auswärtsstärksten Playoff-Mannschaften der Liga (mindestens zehn Spiele). Die Patriots halten in ihrer Postseason-Geschichte zu Hause bei einer Bilanz von 14 Siegen und nur drei Niederlagen, das ergibt einen Prozentsatz von 82,4. Baltimore hat indes 61,5 Prozent seiner Playoff-Auswärtsspiele gewonnen (acht Siege, fünf Niederlagen). Auf Platz zwei in dieser Wertung rangiert übrigens abgeschlagen New England mit 43,8 Prozent (sieben Siege, neun Niederlagen)
  • Für New England geht es darum, zum achten Mal in die Super Bowl einzuziehen. Damit würde man in der ewigen Bestenliste gleichauf mit Dallas und Pittsburgh die Spitze übernehmen.
  • Tom Brady (5629 Passing Yards) fehlen 227 Passing-Yards, um einen gewissen Brett Favre (5855) als Nummer eins der NFL-Playoff-Geschichte abzulösen. Gelingen ihm vier Touchdown-Pässe, würde er Joe Montana (45) an der Spitze dieser Wertung einholen.

LAOLA1-PROGNOSE

Peter Altmann

Der Kopf sagt eindeutig New England. Aber ich gebe zu, die Ravens sind mir in dieser Postseason nicht ganz geheuer. Es gibt immer wieder Mannschaften, die gegen jede rationale Regel, die Playoffs aufmischen. Und dieses Team ist auf einer Mission für Ray Lewis. Bei allem ehrlichen Respekt bin ich jedoch relativ weit davon entfernt, Flacco Elite zuzugestehen. Er wird in Foxboro eine brave Partie abliefern, aber Brady wird selbstverständlich besser sein. 34:20 NE.

Bernhard Kastler

Vergangenes Jahr war es schon eng, heuer wird es das vermutlich auch. Doch der Ausgang bleibt gleich. New England ist das komplettere Team, hat die bessere Offense und mit Tom Brady jenen Quarterback, der den Unterschied ausmachen wird. Und die Defense leistet sich nicht solche Fehler wie Denver. 24:14 NE. 


Peter Altmann

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