Gegen diese Patriots braucht es mehr als "Luck"

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Es kann nur zwei geben!

Vier Teams treten am Sonntag an, um sich die zwei begehrten Tickets für Super Bowl XLIX am 1. Februar in Glendale, Arizona zu sichern.

Um 21:05 matchen sich Titelverteidiger Seattle Seahawks (1) und die Green Bay Packers (2) im NFC Championship Game (LAOLA1-Matchup), die beiden topgesetzten Teams ihrer Conference.

Gleich im Anschluss (00:40 Uhr) sind die New England Patriots als topgesetztes Team der AFC im Conference Final die glasklaren Favoriten gegen die Indianapolis Colts (4), die allerdings auswärts die Denver Broncos (2) ausschalten konnten.

Zwei ganz heiße Duelle im Kampf um den Saisonhöhepunkt!

LAOLA1 stimmt traditionell ein, dieses Mal mit den fünf Storylines zur jeweiligen Partie. Last but not least, Teil zwei, New England gegen Indianapolis.

KEINER SETZT AUF INDIANAPOLIS

Beim NFC-Championship-Game sind die Seahawks gegen die Packers vor allem auch zu Hause Favorit, doch treffen dort die beiden Top-Teams ihrer Conference aufeinander. In der AFC gestaltet sich das etwas anders: Alles andere als ein Sieg der New England Patriots wäre eine Überraschung. Nicht nur, weil sie das topgesetzte Team der AFC sind und zu Hause spielen, auch weil sie Indianapolis in der Luck- und Pagano-Ära (seit 2012) in jedem Duell nach Strich und Faden beherrscht haben. In dieser Saison mussten sich die Colts zu Hause in der Regular Season 20:42 geschlagen geben. In den Divisionals vor einem Jahr setzten sich die Patriots zu Hause klar mit 43:22 durch. Und auch 2012 gab es ein klares Ergebnis im Gillette Stadium zu Foxborough: 59:24 lautete damals der Endstand. So haben die Colts in diesen drei Partien nicht weniger als 144 Punkte zugelassen. Das macht es für viele nicht leichter, dieses Mal auf Indianapolis zu setzen.

Aber ein Championship-Game hat freilich auch eigene Gesetze. Schließlich geht es um den Einzug in das wichtigste Spiel der Saison. New England, das bei drei Titeln hält, wartet nun schon zehn Jahre auf den nächsten Triumph und das, obwohl man de facto immer in den Playoffs spielt. Ausnahme war 2008/09, als man Tom Brady im ersten Spiel gegen die Kansas City Chiefs mit Kreuzbandriss für die Saison verlor. In Kansas City erlitten die Pats in dieser Spielzeit auch eine herbe Niederlage und die gesamte NFL-Welt stellte Head Coach Bill Belichick, Brady und Co. in Frage. Die Antwort war typisch Patriots. Sie haben seither nur noch zwei Spiele verloren, auswärts ein hochklassiges bei den Packers und zu Hause uninspiriert, weil schon Erster der AFC, gegen Buffalo. In den Divisionals haben sie zwei Mal 14-Punkte-Rückstände gegen Angstgegner Baltimore aufgeholt. New England lechzt ob seiner jährlichen Top-Performance nach dem Titel. Für die Indianapolis Colts ist es in der Post-Manning-Ära das erste AFC-Title-Game. New England steht ob des anstehenden Karrierendes von Tom Brady deutlich mehr unter Siegzwang.



DER EINE WILL DEN REKORD, DER ANDERE DIE PREMIERE

Es ist ja nicht so, dass Tom Brady das AFC-Championship-Game nicht kennt. Nicht weniger als zum neunten Mal steht der Quarterback der Patriots nun in diesem Spiel, fünf von acht Mal konnte es der inzwischen 37-Jährige für sich entscheiden. Inklusive 2015 standen Brady und Co. die letzten vier Jahre immer ante portas der Super Bowl, einmal schafften sie es in diesem Zeitraum weiter. Einmal scheiterten sie an Baltimore (2013), vergangene Saison an Denver. Sollte Brady sich durchsetzen, wäre der Superstar der erste Quarterback, der sechs Super-Bowl-Teilnahmen aufzuweisen hätte und würde John Elway (ebenfalls fünf) damit hinter sich lassen. Brady, ein Ehrgeizler par excellence, geht es freilich um Titel. 2008 und 2012 unterlag er mit den Patriots den NY Giants, das nagt bis heute an ihm. Zumal die 2007er-Saison eine bis auf die Super Bowl perfekte war. Sollte es Brady wieder schaffen, würde er für das Endspiel - wie 2008 - ins University of Phoenix Stadium zu Glendale zurückkehren und könnte gegen Seattle oder Green Bay eine dieser Scharten ausmerzen. 

So weit wie Brady ist Andrew Luck noch lange nicht. Der Quarterback der Indianapolis Colts ist allerdings auch erst seit 2012 im Geschäft dabei und hat es immerhin schon im dritten Versuch in dieses prestigeträchtige Spiel geschafft. Das Ausnahmetalent hat vergangene Woche bei den Denver Broncos erstmals gezeigt, dass er auch auswärts in der Postseason bestehen kann und dabei seinen legendären Vorgänger Peyton Manning alt aussehen lassen. Luck ist so richtig aufgeblüht, bewegt sich gerne aus der Pocket, in der er auch seine Stärken hat - und bringt wie etwa gegen die Bengals im Wild-Card-Game tolle TD-Pässe an. Auf den Laser-Pass von Aaron Rodgers fehlt nicht mehr viel. Freilich ist er auch gut bewacht von seiner O-Line. Die Broncos konnten de facto fast keinen Druck auf den 25-Jährigen ausüben. Druck hat Luck nun in diesem Spiel auch nicht. Brady ist alt, nicht er. Luck hat noch alle Zeit der Welt, aber auch das Talent, es in seine erste Super Bowl zu schaffen. Mit Anspielstationen wie T.Y. Hilton, Hakeem Nicks, Youngster Donte Moncrief, Altmeister Reggie Wayne oder den beiden Tight Ends Coby Fleener und Dwayne Allen verfügt er auch das Spielermaterial dafür.

AUGEN AUF DAS LAUFSPIEL

14 Rushing Yards hatte New England beim 35:31-Sieg gegen die Baltimore Ravens zu Buche stehen. 14! Noch nie gab es ein Team in der Playoff-Geschichte der NFL, das mit so wenigen Rushing Yards ein Spiel in der Postseason fürs sich entscheiden konnte. Und auf eines können sich die Fans beider Teams einstellen: So wird es nicht bleiben. Mag Brady die Ravens-Defensive mit Pässen beschäftigt haben, könnte nun wieder der Fokus auf das Laufspiel gelegt werden. Warum? Weil es gegen Indy in den vergangenen zwei Partien toll funktioniert hat. Zwei Running Backs sorgten in diesen Partien alleine für insgesamt acht (!) Touchdowns. LeGarrette Blount, der diese Saison wieder aus Pittsburgh zurückgekehrt ist, lief in den Divisionals vor einem Jahr vier Mal in die Endzone. In der Regular Season war es "Nobody" Jonas Gray vorbehalten, vier Touchdowns in einem Spiel zu erledigen. Beide Male rannten die Patriots die Colts nieder. Gelingt das auch ein drittes Mal?

Man darf gespannt sein, ob Patriots-Head-Coach Bill Belichick wieder einen seiner Running Backs auf die Colts ansetzt oder Brady im kalten Foxborough wieder wie gegen die Ravens werfen darf. Auf der anderen Seite ist das Laufspiel auch ein Dauer-Thema. Nachdem der verletzte Ahmad Bradshaw (Ex-Giant, sorgte für entscheidenen TD in Super Bowl XLVI gegen Patriots) nicht zur Verfügung steht, wird Daniel Herron wieder ran müssen. Denn Trent Richardson ist das große Colts-Missverständnis. Für den dritten Pick des 2012er-Drafts tradete Indy vergangene Saison mit den Cleveland Browns. Und es kam nichts dabei raus. Aber so überhaupt nichts. Richardson und Colts, das passt einfach nicht. Jetzt ist er nur noch Nummer-3-Running-Back. Aber für die Colts funktioniert es, denn Herron landete etwa auch gegen Denver einen Touchdown. Klar ist, die Rush-Verteidigung muss dieses Mal sitzen. Und in weiterer Folge dann auch der Pass Rush sowie die Secondary gegen diesen Ausnahmekönner namens Brady samt seinen Waffen Rob Gronkwoski, Julian Edelman und Danny Amendola. Gegen den anderen Ausnahmekönner Peyton Manning hat das ja schon mal ganz gut geklappt.



ES IST EINE MEISTERPRÜFUNG

Der eine ist schon ein Meister, der andere will noch einer werden. Wenn die Frage nach dem besten Coach der NFL aufkommt, fällt in der Regel sein Name: Bill Belichick. Der 62-Jährige, der früher in den 90ern schon die Cleveland Browns coachte und auch für einen Tag die New York Jets, ist seit 2000 Head Coach der Patriots und hat dieser Franchise, früher eher ein Loser-Team, ein Winner-Gesicht verpasst. Durch kontinuierliches Arbeiten. "Er verlangt von uns immer zuverlässiges, kontinuierliches Arbeiten - das sehen wir immer auch bei ihm", sagt Brady über seinen kongenialen Trainer, der weniger durch laute Ansagen als mehr durch besondere Kniffe im Spiel auffällt. Wenn es nicht so läuft, stellt Belichick im Spiel um und kommt so zum Erfolg. Oder er überrascht mit No-Names a la Jonas Gray, der plötzlich zum Helden des Spiels wird. Oder sein OC Josh McDaniels macht ihn mit Trickspielzügen a la QB-Edelman glücklich. Durch seine unnahbare, kühle, langweiiige Art, hat der Defensiv-Experte abseits der Patriots-Fangemeinde nicht viele Sympathien auf seiner Seite, aber der Erfolg gibt im Recht. Eine Super-Bowl-Teilnahme trennt ihn noch vom Rekord von Don Shula, der sechs Mal im Big Game dabei war.

Chuck Pagano war noch nicht im Big Game und hat zum zweiten Mal die Chance, in dieses einzuziehen. 2009 war der 54-Jährige Secondary Coach der Ravens, als man den Steelers im AFC-Title-Game unterlag. Dieses Mal hat Pagano erstmals als Head Coach die Möglichkeit. Der Defensiv-Spezialist hat mit Pep Hamilton als Offensive Coordinator einen der nächsten Head-Coach-Kandidaten an Bord. Der arbeitete mit Andrew Luck schon in Stanford zusammen und bringt alles mit, um auch die Patriots-Defensive herauszufordern. Freilich liegt es eher bei Pagano und DC Greg Manusky, die Patriots-Offensive in den Griff zu bekommen. Die Laufspiel-Verteididgung - siehe oben - war zuletzt nicht gerade das Aushängeschild gegen die Patriots. Die Verteidigung ist auch anderweitig gefragt: Rookie-Linebacker Jonathan Newsome und Co. müssen Brady unter Druck setzen. Pagano und Co. müssen Brady verschiedene Defensiv-Schemata anbieten, dann ist der Superstar am ehesten zu knacken. Für Pagano wäre eine Super-Bowl-Teilnahme ein absoluter Traum. Denn vor zwei Jahren war er noch an Leukämie erkrankt.



SIE SIND ZIEMLICH BESTE FEINDE

Patriots gegen Colts? Das klingt nach guter, alter AFC-Rivalität. Seit Beginn dieses Jahrtausends ist dieses Duell der Klassiker dieser Conference. Warum? Nun, weil Brady und die Pats seit 2000 de facto immer der AFC-Spitze angehören. Und die Colts, weil sie von 1998 bis 2012 den besten Quarterback der (Regular-Season-)Geschichte in ihren Reihen hatten, Peyton Manning. So gab es zwar nur zwei Duelle in den AFC-Title-Games - ja, Peyton und die Playoffs - aber nichtsdestoweniger waren diese beide Teams jene, die die AFC in diesem Jahrtausend geprägt haben. Unvergessen das 2006er-Championship-Game, in dem Peyton und Co. zu Hause einen 3:21-Rückstand aufholten und am Ende noch 38:34 gewannen, um in weiterer Folge endlich Peyton den ersten (und leider einzigen Ring) seiner Karriere mit einem Super-Bowl-Sieg gegen die Bears zu bescheren.

Die Fans der Indianapolis Colts haben unglaubliches Glück. Denn während andere Teams ewig nach einem Franchise-Quarterback suchen, löste der eine den anderen einfach ab. Peyton Manning war 2012 verletzt, Indy verlor bis auf zwei alle Spiele, durfte als Erster draften, trennte sich von Manning und draftete Andrew Luck, neben Russell Wilson der Highlight-Quarterback dieses Jahrzehnts. Weil Brady noch ein wenig weiterspielen wird, vor allem wenn es mit dem vierten Ring wieder nichts wird, ist es sehr wahrscheinlich, nächste Saison wieder über dieses Duell vor dem AFC-Title-Game zu schreiben. Denver scheint zu zerfallen und ansonsten brauchen einige andere Teams noch etwas für dieses Niveau. Wie auch immer, Patriots-Colts, ein Klassiker. New England Favorit, aber Luck und Co. nicht chancenlos. Nicht schon wieder. Und Indys großer Trumpf: Kicker-Oldie Adam Vinatieri (42), früher auch bei den Pats, hat noch nie ein Title-Game verloren (5-0). Na, bitte.

Das sagt LAOLA1: Es wird enger als früher und sogar die Überraschung ist möglich. Fool me once, fool me twice... aber kein drittes Mal. Indy nützt das aus, was schon Baltimore hätte tun müssen. Die Defense bringt Brady und Co. zu Fall.

21:17 INDIANAPOLIS.

 

Bernhard Kastler

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