Laurinho Walch und die große Chance

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American Football ruht dieser Tage in Österreich.

Nach der Meisterschaft, der Eurobowl und der fulminanten Heim-EM im Juni, die im Final-Thriller von Wien mit einer bitteren AFBÖ-Niederlage gegen Deutschland endete, ist Pause angesagt.

Langsam aber sicher starten die Teams aber wieder die Vorbereitung auf die neue Saison. Für einen hat diese schon längst begonnen: Laurinho Walch.

Der 21-Jährige hat ein ganz anderes Ziel vor Augen: Der Wide Receiver will Ende Jänner bei der Conquistador Bowl Nordamerika erobern.

"Ich will diese Chance nutzen", schildert Walch bei seinem Besuch in der LAOLA1-Redaktion. Am liebsten will der Vikings-Spieler, dessen Vater in Detroit geboren wurde, in Nordamerika bleiben.

Bereits in diesem Jahr trainierte der Lions-Fan bei einem Vorbereitungscamp mit dem Rookie-Quarterback der Jacksonville Jaguars, Blake Bortles, sowie Receiver Brandin Cooks (New Orleans).

Der Eat the Ball-Athlet – diesem Pool soll nun auch Quarterback-Superstar und Super-Bowl-Champ Russell Wilson von den Seattle Seahawks angehören – spricht bei LAOLA1 über seinen Traum.

LAOLA1: Was ist die Conquistador Bowl überhaupt?

Laurinho Walch: Es ist ein All-Star-Game mit College-Spielern, die vor allem aus den USA und aus Kanada kommen. Die sind mit ihrer Schulkarriere fertig und ihnen wird durch solch ein Spiel eine Plattform gegeben, um sich Profi-Teams zu zeigen. Einige kommen später etwa bei Teams aus der NFL, CFL oder Arena Football League unter oder können sich zumindest in Training-Camps beweisen. Bei dieser Bowl sind Spieler aus Mexiko und jeweils ein Südamerikaner und einer aus Europa dabei.

LAOLA1: Wie kam es überhaupt zur Einladung?

Walch: Ich habe auf Facebook einen Link gesehen. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört, es hat mich aber gleich interessiert. Ich stand in den vergangenen zwei Jahren stets mit Coaches und Scouts aus den USA und in Kanada in Kontakt. Die habe ich diesbezüglich kontaktiert, schließlich gibt es viele solcher Spiele, aber nicht alle sind auch seriös. Manche wurden nur eine Woche davor abgesagt. Ich hatte etwa schon einmal ein Angebot aus Brasilien, wo eine Profi-Liga aufgebaut werden sollte. Ich sagte ab und die Liga hat es auch nie gegeben. Zwei, drei Leute haben mich in weiterer Folge über die Conquistador Bowl aufgeklärt, und ich habe meinen Lebenslauf und mein Highlight-Tape geschickt. Nach einiger Zeit habe ich dann eine Mail von Mark Daniel, dem Gründer der Bowl, bekommen. Er sagte mir, ich wäre in einem Pool von zehn Europäern, die vielleicht mitspielen könnten. Er war schon bei der WM 2011 in Österreich und hatte damals gesehen, dass hier Spieler sind, die auf einem guten Level agieren. Mark brachte etwa auch Imports nach Graz und kennt unsere wie die europäischen Ligen. Er war früher selbst Agent in der NFL und CFL, hatte vor allem Spieler in Kanada unter Vertrag. Sein Ansatz ist junge Spieler zu fördern sowie unterzubringen und auch Football etwa in Österreich größer zu machen.

LAOLA1: Und am Ende hast du dich gegen andere europäische Spieler durchgesetzt.

Walch: Genau. Der Coaching Staff und die Scouts, die sich die Tapes angesehen und evaluiert haben, meinten, dass ich das Potenzial hätte, in Nordamerika zu bestehen und mich in der Bowl auch in den Vordergrund spielen könnte. Wir spielen hier gegen eine D1AA- bis D3-College-Auswahl aus den USA. Aleksander Milanovic (Sacramento State) spielt zum Beispiel in der D1AA. Mich hat auch schon ein Filmteam für mehrere Tage bis hin zur Pressekonferenz im August begleitet. Das soll dann in Mexiko samt Spiel und idealerweise einem Try-Out später zu einer kleinen Dokumentation führen. Das machen sie auch nicht bei jedem, was schon ein gutes Zeichen ist. Es ist eine seriöse Angelegenheit, davon hat sich auch AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck überzeugt.

LAOLA1: Mit dem Starting Quarterback der Jaguars und einem aktuellen Saints-Receiver zu trainieren ist auch nicht alltäglich. Wie genau kam es zu dieser Gelegenheit?

Walch: Das war ein Vorbereitungs-Camp mit angehenden NFL-Spielern wie eben Bortles oder Cooks sowie mit jenen, die versuchen zurückzukommen, etwa Vince Young. Das zahlen ihre Agents, damit sich die Jungen unter anderem perfekt auf das NFL Combine, dem großen Scouting-Termin vor dem Draft, vorbereiten können. Die sind zwei oder drei Monate dort und tun nichts anderes als trainieren, beginnend um 6:30 Uhr mit Meetings. Der Kontakt kam über Eat the Ball und Jordan Palmer, dem Bruder von Carson (Cardinals-Spielmacher, Anm.), zustande, der dort auch die Quarterbacks trainierte. Die bekamen für diese Monate extra ein Playbook, das sie lernen mussten. Darüber wurden sie von Palmer abgefragt und zwar in einer Weise, wie es die NFL-Coaches vor dem Draft tun würden. Da werden ja viele Interviews vor einem Draft geführt. Ich selbst habe mit Jordan einzeln trainiert, ihm auch Plays aus Europa gezeigt und wir haben viele Videos studiert. Das war summa summarum einfach eine tolle Erfahrung.

LAOLA1: Wie ist es von Blake Bortles einen Pass zu bekommen? Und wie ist er selbst?

Walch: Unglaublich. Auch so etwas habe ich noch nie gesehen. Ich bin zirka 40 bis 50 Yards von ihm entfernt gestanden, stehe mit offenen Händen da und ich musste sie keinen Zentimeter bewegen. Der Ball kam in einer Linie, machte ein richtiges Pfeif-Geräusch und landete direkt in meinen Händen. Das hat fast schon weh getan. Jordan hat mir später auch einmal Handschuhe von Terrell Owens gegeben, in denen ich richtig geschwommen bin. Ich hätte sie vermutlich bis zu den Ellbogen raufziehen können. Aber für T.O. waren sie geschneidert. Danach habe ich brandneue Handschuhe geschenkt bekommen, jedoch waren diese schon nach einem Pass von Blake wieder eingerissen (lacht)- Blake selbst ist ein cooler Typ, der auch ganz entspannt und ruhig ist. Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon sehr viele Termine und Interviews. Aber er hat sich nichts anmerken lassen. Mit Brandin habe ich auch Xbox gespielt, die haben mich wirklich super aufgenommen. Schließlich muss man auch bedenken, ich bin ein Europäer, der ihnen Zeit am Platz wegnimmt.

LAOLA1: Wie sieht das Programm vor Ort aus?

Walch: Es wird vor der Bowl trainiert, da sind schon Scouts dabei. Die Einheiten könnten am Ende sogar wichtiger sein als das Spiel selbst. Denn da kann man mehr über den Spieler erfahren. Wie man trainiert, welche Einstellung man mitbringt, wie man sich bewegt und so weiter. Gewisse Dinge sieht man bei einem Spiel einfach nicht. Die Einstellung zum Training ist in Nordamerika ganz wichtig. Auch sieht man besser, ob du ein Teamplayer oder Einzelgänger bist. Wie du dich in eine Mannschaft einfügst, die aus Spielern der ganzen Welt zusammengestellt ist. Sprachbarrieren könnten hier auch gang und gäbe sein. Der Charakter spielt auf jeden Fall für alle Scouts eine große Rolle.

LAOLA1: Wie bereitest du dich persönlich auf deine große Chance vor?

Walch: Ich werde versuchen, früher hinüberzufliegen. Ich war schon einmal bei der International Bowl (US-High-School-Auswahl gegen Junioren-Weltauswahl) in Austin, Texas, und da war ich nicht so gut vorbereitet. Deswegen habe ich mir auch vorgenommen, alles Mögliche zu tun. Die International Bowl war eine große Chance. Da spielen jetzt einige in den großen Colleges und ich war damals ein Backup für diese Spieler. Ich war zwar nicht so gut, aber ich hätte mehr rausholen können. Jetzt will ich früher dort sein, um mit dem Wetter und der Zeitumstellung klar zu kommen. Ich trainiere auch jetzt schon mit einem Privat-Coach (Max Kössler), der früher bei den Vikings als Spieler tätig war. Der steht mit einem College-Trainer aus North Carolina in Kontakt, der uns Videos und Trainingsmethoden schickt, wie ich mich verbessern kann. Dazu haben wir vor kurzem mit der Vorbereitung bei den Vikings begonnen. Und sofort, wenn ich meinen Quarterback in der Bowl kenne, stelle ich auch Kontakt zu ihm her. Denn von ihm bin ich abhängig. Du kannst die besten Routen der Welt laufen, wenn du keinen Ball siehst, bringt es dir absolut gar nichts.

LAOLA1: In welchem Bereich kannst du dich vor allem noch verbessern?

Walch: Wahrscheinlich in allen Phasen des Spiels, man hat niemals ausgelernt, man kann immer etwas verbessern. Ich durfte Anfang des Jahres in San Diego in einem Trainings-Camp mittrainieren. Da bekam ich die Bälle von Blake Bortles zugeworfen und war im Receiver-Corps mit Brandin Cooks tätig. Dessen Beinarbeit ist unglaublich, so etwas habe ich noch nie gesehen. Wie er die Laufleiter läuft, das ist vollständig automatisiert. Und ich versuche, unterschiedliche Bewegungsabwicklungen so zu automatisieren, dass ich über manche Dinge nicht mehr nachdenken muss. Wenn man nicht mehr darüber nachdenkt, dann geht es einfach viel schneller. Da geht es um wenige Sekunden, die ansonsten fehlen. Ich kann mich dann auch auf ganz andere Dinge konzentrieren.

LAOLA1: Käme für dich ein US-College eigentlich noch in Frage?

Walch: Persönlich nicht mehr. Ich stand schon in Kontakt mit Colleges, aber der Verband (NCAA) hat mir da etwa zwei von möglichen vier Jahren einer Ausbildung abgezogen, da ich in Wien mit Imports gespielt und auch bereits studiert hatte. Das lässt sich mit der Regelung nicht vereinbaren. Die Möglichkeit wäre, ein Jahr auszusetzen und es selbst zu zahlen. Da geht es um 30.000 Euro. Danach könnte ich ein Stipendium für zwei Jahre ergattern. Aber das kommt für mich nicht mehr in Frage.

LAOLA1: Was ist ein realistisches Ziel hinsichtlich der Conquistador Bowl und danach?

Walch: Ich will einfach in diesen Tagen alles daran setzen, dass ich eventuell eine Chance bekomme, mich bei einem Try-Out unter Beweis zustellen. Wie auch immer die weiteren Schritte danach aussehen, ich will alles gegeben haben und nicht mit einem weinenden Auge zurück blicken müssen. Es schadet dabei sicher nicht, Europäer zu sein. Auf meiner Position schauen sie sich nicht in Europa um und vielleicht ändert sich das danach. Es kann auch für andere europäische Spieler positiv sein. Ich selbst kann nichts verlieren, ich bin ein No-Name dort und es ist eine Chance, mich zu beweisen. Danach hoffe ich, dass mein Name in einem Notizblock eines Scouts aufscheint und der Rest steht derzeit noch in den Sternen.

 

Das Gespräch führten Bernhard Kastler und Peter Altmann

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