"Irgendwann muss ein Österreicher in die NFL"

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Bayern-Dortmund war gestern, Raiders-Vikings ist heute.

Natürlich ist der Vergleich zwischen dem Champions-League-Finale im Fußball und der Eurobowl im American Football ein müßiger.

Nichtdestoweniger wird am Samstag (ab 19:45 Uhr LIVE im LAOLA1.tv-STREAM) ein Europacup-Finale zwischen zwei Teams aus einem Land stattfinden, nämlich aus Österreich. Ein Prestige-Erfolg.

Das gab es vor fünf Jahren das erste und letzte Mal und es betrifft einmal mehr die zwei Aushängeschilder des heimischen Football-Sports, die Swarco Raiders Tirol und die Raiffeisen Vikings Vienna.

Europäischer Österreich-Gipfel

"Es ist sicher kein Spiel wie jedes andere. Es ist ein erklärtes Ziel von uns, dieses Finale zu gewinnen, die Jungs haben seit 15. Oktober darauf hingearbeitet und der ganze Verein vibriert", erklärt Karl Wurm, Präsident der Wiener, im Gespräch mit LAOLA1.

Innsbrucks Klub-Manager Peter Schwazer sieht das nicht anders: "Normal ist es sicher nicht. Wir werden die zwei besten Teams Europas sehen."

Und zwei Rivalen, die sich auf und abseits des Feldes bestens kennen und sich dabei aber auch nichts schenken.

Die alte Rivalität zwischen Innsbruck und Wien

Innsbruck und Wien, das liegt für österreichische Verhältnisse nicht nur geografisch weit auseinander. Auch von den diversen Auffassungen her ist oftmals eine große Distanz vorhanden.

Im Sport ist das nicht anders. Diese spezielle Rivalität lässt sich am besten durch jene im Volleyball zwischen Hypo Tirol und den hotVolleys dokumentieren, sind sich doch die Hauptverantwortlichen Hannes Kronthaler und Peter Kleinmann nicht recht oft sehr grün.

Im Football herrscht auch ab und zu ein angespannteres Klima zwischen den Klubs aus den beiden Städten. Das betrifft nicht die Spieler, die zusammen den Großteil des Nationalteams bilden, sondern die Funktionärs-Ebene.

"Animositäten gegenüber Wien"

"Diese Rivalität gibt es einfach, weil es sich um zwei Top-Teams handelt. Man ist in vieler Hinsicht unterschiedlicher Meinung, aber das ist manchmal auch gut, denn man nimmt zwei Gegenpole ein, trifft sich in der Mitte und das ist wohl immer die beste Lösung", erklärt Schwaz auf die Frage, ob man sich nicht sonderlich möge.

Wurm verleiht Nachdruck: "Es stimmt, dass die Raiders organisatorisch Dinge getan oder gesagt haben, die ein wenig auf Unverständnis stoßen. Scheinbar ist Andreas Hofer von den Tirolern immer noch nicht vergessen, da gibt es eben eine gewisse Animosität gegenüber dem, was aus Wien kommt. Damit muss man leben."

Stein dieses Anstoßes war und ist die Ausländer-Beschränkung, wonach nur noch zwei so genannte Imports (in der Regel Amerikaner) pro Spielzug am Feld stehen dürfen. Die Einführung vor einem Jahr stieß vor allem bei Raiders-Head-Coach Shuan Fatah auf völliges Unverständis.

Dauerthema Ausländer-Beschränkung

Gegenüber LAOLA1 kritisierte der Deutsche diese Beschränkung vor Saisonbeginn heftig (Hier zur Story).

Fatah, der dabei um die Wettbewerbsfähigkeit in Europa sowie vor allem die Qualität des Produkts AFL an sich fürchtet, führt die Einführung mitunter auf Subventionen für das Nationalteam zurück, kurzum aufs liebe Geld.

Wie schon damals AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck sieht das auch Wurm, selbst Vizepräsident des Verbandes, anders und führt ein Beispiel an: "Bei der Eishockey-WM hat der Teamchef bittere Klage geführt, dass bei den Top-Teams fast nur Ausländer spielen und dadurch die Österreicher zu wenig Spielpraxis bekommen. Diese sollen im Team dann aber den Karren aus dem Dreck zu ziehen.“

So habe sich der Verband etwas überlegt.

"Es dürfen neun Österreicher und zwei Ausländer am Feld stehen. Wo gibt es denn so etwas? Und der Erfolg gibt uns recht. Die Innsbrucker wollen das öffnen, mehr europäische Spieler. Da gibt es Auffassungsunterschiede, die eben ausdiskutiert werden müssen", so der Vikings-Boss, der die 41 Wiener im 45-Mann-Kader betont.

"Wir sind der Meinung, wir sollten in unserer Stadt, in unserem Land bessere Footballer herausbekommen. Wie man sieht, schaffen wir das auch, denn beide Teams stehen in der Eurobowl.“

Einigkeit in einem Ziel

Und in diesem Punkt treffen sich die Meinungen der beiden Rivalen. Denn bessere heimische Footballer zu entwickeln, das will auch Schwazer.

„Die Vikings und Raiders haben früh erkannt, dass man in den Nachwuchs investieren muss. Diese Vereine ernten nun die Früchte und haben einen Vorsprung. Andere fahren diese Programme nun hoch, womöglich schaut es in zehn Jahren anders aus, aber wir sind dann vielleicht wieder einen Schritt weiter.“

Die Tiroler werden im September ihre Football-Akademie starten, ähnlich wie es die Vikings mit ihrer Ballsport-Akademie (mit Austria Wien, Danube Timberwolves) bereits handhaben.

Ziel: Spieler in die NFL

„Wien hat eine ganze Schulklasse mit Football-Spielern, das ist ein Riesen-Vorteil. Wir starten im September auch. Man muss einfach schauen, dass wir Sport und Bildung ähnlich verbinden wie die US-Amerikaner.“

Um dann den großen Coup zu schaffen: "Ziel muss es natürlich sein, einem Spieler die Perspektive zu geben, dass er irgendwann in die NFL kommt. Dann kann er auch Geld verdienen. Und wenn wir das als Österreicher, egal welcher Verein, schaffen, dann wird das einen Mords-Boom auslösen."

Während die USA noch entfernt ist, ist Europa ganz nah. Ein Verein wird sich am Samstag die Krone aufsetzen.

Entweder die Vikings, die diese Saison noch ungeschlagen sind und vier Eurobowl-Titel inne haben (zuletzt 2007), oder die Raiders, die ihren vierten Titel einstreifen könnten (zuletzt 2011).

Wer setzt sich die Krone auf?

"Wir haben zwei Mal eine auf die Mütze bekommen, das müssen wir aus den Köpfen bekommen. Es ist ein eigenes Spiel mit eigenen Gesetzen", hofft Schwazer auf den ersten Saisonsieg gegen Wien.

Wurm weiß: "Es ist das ‚Gemeine‘ am American Football, dass am Ende alles auf ein Spiel hinausläuft. Wenn du am Ende drei Finali verlierst, stehst du mit komplett leeren Händen da. Da nützt dir auch eine weiße Weste im Grunddurchgang nichts."

Die Vikings sind der Favorit, das liegt nach der bisherigen Saison auf der Hand. Doch vor allem zwischen diesen beiden Teams ist in einem Finale alles möglich. Und eines ist ohnehin schon vor Kickoff und trotz der Rivalität klar, wie der "Wikinger"-Chef ob der Konstellation festhält:

"Es zeigt, wie stark diese österreichische Liga ist."

 

Bernhard Kastler

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