Brutal, brutaler, NFC West

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Seattle, San Francisco oder ein "Dark Horse"?

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Das lange Warten hat ein Ende.

In der Nacht auf Freitag startet die National Football League in ihre neue Saison. Das traditionelle Kickoff-Game bestreiten in diesem Jahr Super-Bowl-Champion Seattle und die Green Bay Packers (ab 2:30 Uhr) im Century Link Field.

Die Seahawks hatten am 2. Februar dieses Jahres im MetLife-Stadium zu East Ruthford, New Jersey, durch ein klares 43:8 Super Bowl XLVIII für sich entschieden und erstmals die Vince-Lombardi-Trophy in den Bundesstaat Washington geholt.

Ziel der 32 NFL-Teams ist in diesem Jahr Glendale, Arizona, wo im University of Phoenix Stadium am 1. Februar 2015 Super Bowl XLIX stattfindet.

Wer setzt sich am Ende der fünfmonatigen Reise in der größten Liga der Welt durch?

LAOLA1 macht den Team-Check und startet mit der auch in dieser Saison wieder qualitativ hochwärtigen NFC WEST rund um Titelverteidiger Seattle.

SEATTLE SEAHAWKS (13-3)

THE (OFF)SEASON-TALK

Kommenden Februar werden zehn Jahre vergangen sein, seitdem die New England Patriots als bislang letztes Team den Super-Bowl-Titel verteidigen konnten. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass diese Serie mit dem runden Jubiläum endet. Kurzum: Es spricht wenig dagegen, dass der Titelverteidiger aus dem Nordwesten der USA auch in dieser Saison das Rennen macht. Ja, der Kader hat ein wenig an Tiefe verloren, was bei Verletzungen problematisch werden könnte. Er ist jedoch weiter gespickt mit speziellen Spielern. Denn wirkliche Schlüsselarbeitskräfte haben die Seahawks keine verloren. Im Gegenteil: Mit Percy Harvin ist der Star-Einkauf der Vorsaison, der verletzungsbedingt kaum auf dem Feld stand, endlich fit. Er sollte den Abgang von Golden Tate mehr als kompensieren. Offensive Coordinator Darrell Bevell möchte das Playbook weiter öffnen, eine explosivere Offense aufs Feld schicken - mit Harvin ist dies möglich. Selbst wenn mit Marshawn Lynch das Workhorse im Laufspiel müde wird, stehen mit Robert Turbin und Christine Michael gute Alternativen parat. Gelingt das Unterfangen, die Offense aufzupeppen, dann Gute Nacht Konkurrenz. Denn daran, dass Seattle mit Richard Sherman und Co. weiter über die dominanteste Defense verfügt, besteht wenig Zweifel. Interessant wird, wie sich Quarterback Russell Wilson weiterentwickelt. Inzwischen ist er ein Superstar mit zig Werbe-Deals. Diese Ablenkung war schon bei so manchem Spieler wenig förderlich, doch Wilson gilt als gewissenhafter Arbeiter.

THE PICK

Bis zum Beweis des Gegenteils ist Seattle der Topfavorit auf die Super Bowl. Ein Hindernis könnten Verletzungen sein, aber das gilt ohnehin für jedes Team. Langfristig könnte es immer schwieriger werden, diesen Kader zu halten - denn Qualität kostet Geld. Aber zumindest 2014 ist die Ausgangsposition noch prächtig. Holt man sich wieder den Playoff-Heimvorteil, wird es eng für die durchaus starke NFC-Konkurrenz. Eine Gefahr ist, dass sich einige der schärfsten Konkurrenten wieder einmal in der eigenen starken Division tummeln.

SAN FRANCISCO 49ERS (12-4)

THE (OFF)SEASON-TALK

Die Erwartungshaltung diverser Experten schwankt irgendwo zwischen Durchmarsch zur Super Bowl und einem ähnlichen Absturz wie Atlanta im Vorjahr. Fakt ist: 2013 waren die 49ers das zweitbeste Team der NFL. Wer gesehen hat, wie unglücklich die Kalifornier im NFC-Finale in (!) Seattle verloren und wie erbärmlich sich Denver in der Super Bowl abschießen ließ, weiß das. Das Pech San Franciscos: Auf die ganze Saison gesehen war mit den Seahawks eben ausgerechnet der Erzfeind besser. Das eine oder andere Problem wurde in der Offseason ausgemerzt. Während der langen Abwesenheit von Michael Crabtree produzierten im Vorjahr nur Anquan Boldin und Vernon Davis als Passempfänger. Dieses Trio ist fit, dazu gesellen sich routinierte Alternativen wie Stevie Johnson und Brandon Lloyd beziehungsweise der junge Quinton Patton. Die Zeit der Ausreden für den dynamischen Quarterback Colin Kaepernick, dass er keine Anspielstationen hat, sollte vorbei sein. Geht dem unermüdlichen Running Back Frank Gore die Puste aus, steht mit Carlos Hyde ein hoffnungsvoller Rookie parat. So weit, so gut. Denn es gibt auch Argumente, warum San Francisco in dieser Saison in Probleme geraten könnte - und die finden sich ausgerechnet in der über Jahre starken Defense. Der dominante Linebacker NaVorro Bowman fehlt in der ersten Saison-Hälfte, QB-Jäger Aldon Smith ist neun Spiele gesperrt - Kaliber wie diese ersetzt man nicht im Vorbeigehen. Die Verletzung von Glenn Dorsey schmerzt nicht nur ihn selbst. Auffällig ist, dass der Roster jünger wurde - logisch, nach dem teuren teuren Deal mit Kaepernick stehen weitere Vertragsverlängerungen an. Dafür wurden routinierte Backups geopfert. Dies kann ein Risiko sein, aber auch eine Chance, wenn einige der Rookies überzeugen.

THE PICK

Die 49ers kämpfen mit Problemen. Der Coaching Staff um Jim Harbaugh ist gefordert, schnelle Lösungen zu präsentieren. Alles in allem ist dies ein starker Kader, allerdings einer mit Fragezeichen. Möglich, dass die derzeitigen Probleme zu groß sind, um sich im Kampf um die Super Bowl in eine gute Ausgangsposition zu bringen, sprich an Seattle vorbei zu kommen. Ein Absturz vom Schlage Atlantas wäre allerdings eine Überraschung. Die Playoffs sind das Minimalziel, in der NFC West aber bei einer Schwächephase zu Beginn alles andere als garantiert.

ARIZONA CARDINALS (10-6)

THE (OFF)SEASON-TALK

Timing ist in der NFL ein wichtiges Erfolgsrezept. Die letztjährige Cardinals-Defense kombiniert mit dem Potenzial der heurigen Offense - das wär's gewesen. 2013 scheiterte man knapp am Playoff-Einzug. Die Schwachstelle dabei war die Offense, an der in der Offseason fleißig gebastelt wurde. Youngster Andre Ellington hat seine Fähigkeiten bereits angedeutet, heuer gehört ihm das Laufspiel. Große Fortschritte sollte es im Passspiel um Quarterback Carson Palmer geben. Die über Jahre hin löchrige O-Line mit Left Tackle Jared Veldheer zu verstärken, war eine gute Idee. Ist der Spielmacher-Oldie besser geschützt, könnte Star-Receiver Larry Fitzgerald seinen x-ten Frühling und Nebenmann Michael Floyd seinen endgültigen Durchbruch erleben. Wird dann auch noch Rookie-WR John Brown den Vorschusslorbeeren gerecht, könnte Palmer mit einem der interessantesten Receiver-Trios der NFC seine beste Saison seit Jahren spielen. Die letztjährige Stärke droht indes zur Schwäche zu werden. Die Front Seven der Defense verlor die Stützen Darnell Dockett (Kreuzbandriss), Daryl Washington (Sperre) und Karlos Dansby (Wechsel nach Cleveland). Vor allem Washingtons Fehlen ist ein schmerzlicher Verlust. Ob man dieses Trio ersetzen kann?

THE PICK

Die Defense verfügt weiter über gute Spieler, CB Patrick Peterson ist sogar herausragend, Antonio Cromartie kam dazu. Verschmerzbar wird der Qualitätsverlust, wenn die Offense das abliefert, was auf dem Papier möglich scheint. Denn andere Teams mit gutem Angriff wären froh über das Potenzial der Cardinals-Abwehr. In anderen Divisions wäre Arizona aber womöglich auch der Favorit auf die Division-Krone. Die NFC West erschwert diesbezüglich das Leben. Es wird ein harter Fight um die Playoffs. Ein Postseason-Comeback erscheint jedoch möglich.

ST. LOUIS RAMS (7-9)

THE (OFF)SEASON-TALK

Kein Sam Bradford, also die nächste verlorene Saison? Moment! Der Quarterback hat sich zum zweiten Mal binnen eines Jahres das Kreuzband gerissen. Als er im Finish der vergangenen Saison fehlte, machten die Rams mit Kellen Clemens als Starter alles andere als eine schlechte Figur. Mit Kellen Clemens! Mal abgesehen davon, dass sich Bradford bislang nicht gerade als Sieggarant entpuppt hat, übernimmt diesmal mit Shaun Hill ein erfahrener Spielmacher. Der hat fraglos seine Defizite, aber seine Routine könnte helfen. Denn der Schlüssel zum Erfolg ist ohnehin, dass wie unter Clemens das Laufspiel um Shootingstar Zac Stacy funktioniert. Dann könnte Hill den Raum bekommen, Anspielstationen wie Kenny Britt (ein schlampiges Genie, das Coach Jeff Fisher aus der Versenkung seines Ex-Teams Tennessee holte), Brian Quick oder den bislang etwas unter den Erwartungen bleibenden Tavon Austin treffen. An der Defense sollte es nicht scheitern. Was die Rams im Pass Rush (2013 mit 53 Sacks Platz drei in der NFL) aufführen, ist schlichtweg furchteinflößend. Zu Kalibern wie Robert Quinn und Chris Long gesellt sich mit Aaron Donald noch ein Erstrunden-Draftpick. Das wird kein Spaß für die NFC-West-QBs Russell Wilson, Colin Kaepernick und Carson Palmer. Und es ist auch irgendwo nachvollziehbar, dass sich mit Michael Sam der erste offen schwule NFL-Spieler bei diesem Konkurrenzkampf nicht durchsetzen konnte, so schade dies aus gesellschaftspolitischer Sicht auch ist.

THE PICK

Wie alle Teams in der NFC West sind die Rams gut aufgestellt. Aber gut genug, um sich in dieser Division durchzusetzen? Bei allem Respekt fehlt einem der Glaube, dass dies mit einem Career-Backup wie Hill gegen Seattle möglich ist. Andererseits verfügt der 34-Jährige über Herz und Hirn. Gewinnt er flott das Vertrauen seiner Kollegen, könnte der "Opa" mit diesem jungen und unglaublich talentierten Roster überraschen. Dass die Erwartungen an Hill allgemein niedrig sind, ist kein Nachteil. Er kann nur positiv überraschen. Ob man die Playoffs schafft oder nicht: Im Draft 2015 muss wohl ein neuer QB her...


Peter Altmann

TEAM ALTMANN KASTLER SCHAUHUBER
SEA 1 1 2
SF 2 2 1
ARI 4 3 3
STL 3 4 4
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