Bei den Saints lodert wieder das Super-Bowl-Feuer

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Das lange Warten ist zu Ende.

In der Nacht auf Freitag startete die National Football League in ihre neue Saison. Das traditionelle Kickoff-Game entschied Titelverteidiger Seattle mit 36:16 gegen die Green Bay Packers ganz klar für sich.

Am kommenden Sonntag bzw. Montag starten dann die restlichen 30 Teams so richtig den ersten Spieltag der neuen Saison.

Ziel der 32 NFL-Teams ist in diesem Jahr Glendale, Arizona, wo im University of Phoenix Stadium am 1. Februar 2015 Super Bowl XLIX stattfindet.

Wer setzt sich am Ende der fünfmonatigen Reise in der größten Liga der Welt durch?

LAOLA1 macht den Team-Check in der NFC SOUTH, in welcher es wohl zur Abwechslung Zeit für einen neuen Division-Champion ist, aber generell die Mehrheit am Weg zurück in eine starke Zukunft ist.

CAROLINA PANTHERS (12-4)

THE (OFF)SEASON-TALK

Die Carolina Panthers werden die NFC South nicht gewinnen. Punkt. Geht gar nicht. Ausgeschlossen. Seit Gründung der Division im Jahr 2002 ist es noch keinem der vier - über die Jahre recht ausgeglichenen - Teams gelungen, die Krone zu verteidigen. An dieser Aufgabe sind zudem schon bessere Teams gescheitert, als die Panthers in dieser Saison zur Verfügung haben. Womit wir bei der sportlichen Begründung wären: Die etwas überraschende 12-Siege-Saison 2013 brachte naturgemäß Interesse anderer Teams an Carolina-Spielern mit sich, kombiniert mit einem Salary-Cap-Engpass musste GM Dave Gettleman einige harte Entscheidungen treffen. So ist etwa die Ära von Receiver-Legende Steve Smith in Charlotte beendet. Vor allem mit der Passempfänger-Riege begründen viele, warum die Panthers nicht an ihren Vorjahres-Erfolg anschließen werden können, da mit Smith, Brandon LaFell, Ted Ginn und Domenik Hixon die Top-4-WRs des Vorjahres nicht mehr hier sind. Das klingt schlimmer, als es ist. Smith war alt, die anderen drei einfach nicht gut. Die schlechte Nachricht: Auch der Ersatz ist bestenfalls Massenware. Außer Erstrunden-Draftpick Kelvin Benjamin. Ob der Jungspund jedoch schon reif für die Rolle als Einser-Receiver ist, wird sich weisen. Aber mangels ernsthafter Konkurrenz muss man ihn ins kalte Wasser werfen, denn uninspirierte Verpflichtungen wie Jerricho Cotchery oder Jason Avant sind wohl nicht der Weisheit letzter Schluss (nicht falsch verstehen: Schlechter als Ginn oder Hixon sind sie auch nicht.). Es wird vermutlich trotzdem wieder Tight End Greg Olsen sein, der die meisten Pässe von Cam Newton fangen wird. Wie gute Figur die Panthers offensiv machen, wird wie gewohnt in erster Linie von der Mobilität (und Fitness) des früheren Nummer-1-Picks abhängen. Dass vier von fünf Startern der O-Line neu besetzt werden mussten, gibt zumindest Anlass zur Sorge - auch für das Laufspiel der Dauerbrenner auf der RB-Position DeAngelo Williams und Jonathan Stewart, die - sofern zur Abwechslung gleichzeitig fit - wieder die unaufgeregte Basis des Angriffs darstellen sollen. Die Defense machte im Vorjahr einen hervorragenden Job, musste jedoch in der Secondary schmerzhafte Abgänge hinnehmen - mit Captain Munnerlyn, Michael Mitchell und Quintin Mikell sind drei der vier Starter weg und wurden nicht gleichwertig ersetzt. Umso wichtiger, dass die dominante Front Seven in selber Besetzung erhalten blieb, und die war 2013 so richtig mächtig! Auf 60 Sacks brachten es Greg Hardy und Co. - mehr als jedes andere NFL-Team. Über die Qualität von Luke Kuechly muss man ohnehin nicht extra schwärmen.

THE PICKS

Die Front Seven wird im Alleingang diverse Spiele eng halten, dank Cam Newton wird Carolina einige dieser Spiele gewinnen. Für den erneuten Triumph in der NFC South ist dies jedoch zu wenig, vermutlich auch für den erneuten Playoff-Einzug. So schade es ist, dass man unfreiwillig nur bedingt auf dem letztjährigen Roster aufbauen konnte, so höchste Zeit wurde es, freiwillig einige alte Zöpfe abzuschneiden. Denn mit dieser Receiver-Riege konnte Newton nur schwer glänzen. Funktioniert Benjamin, hat der QB endlich eine jungen und dynamische Anspielstation, mit der er auf Jahre hinaus zusammenarbeiten kann. Nur eine alleine, ist halt auch ein bisschen wenig...

NEW ORLEANS SAINTS (11-5)

THE (OFF)SEASON-TALK

Drei 5000-Yards-Saisonen in Folge hat Saints-Heiligtum Drew Brees hingelegt. Das ist einerseits beeindruckend, zeigt aber auch, dass die Quarterback-Ikone vieles in Alleinregie lösen musste. Dieser Umstand sollte sicher bessern. Angesichts eines Ausnahmekönners wie Brees und seiner Power-Offense ist es eigentlich absurd, eine Saisonvorschau mit der Defense zu beginnen, im konkreten Fall macht es jedoch Sinn. Denn diverse Unzulänglichkeiten auf dieser Seite des Balls in den vergangenen Jahren konnte selbst Brees nicht ausreichend kaschieren. Im Vorjahr trat mit der Verpflichtung von Rob Ryan als Defensive Coordinator Besserung ein. Der Bruder von Jets-Coach Rex schaffte einen bemerkenswerten Turnaround, die Saints-Abwehr ließ im Schnitt lediglich 19 Punkte zu - ligaweit der viertbeste Wert. Mit der grandiosen Free-Agent-Verpflichtung von Jairus Byrd hat die Defense weiter an Qualität gewonnen, Byrd sollte gemeinsam mit Kenny Vaccaro ein gefürchtetes Safety-Duo abgeben. Auf der offensiven Seite des Ball ist Brees zwar merklich traurig, dass sein jahrelanges Sicherheitsnetz Darren Sproles getradet wurde, aber Erstrunden-Draftpick Brandin Cooks sollte ihn über den Trennungsschmerz hinwegtrösten. Der Youngster heimst unglaubliche Vorschusslorbeeren ein und sollte eine dynamische Ergänzung zum nicht mehr taufrischen Marques Colston und zu Kenny Stills sein. Tight End (Und-aus-Geldgründen-Möchtegern-Wide-Receiver) Jimmy Graham ließ die Konurrenz 2013 auch in angeschlagenem Zustand schlecht aussehen. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass ihm dies 2014 in fittem Zustand nicht gelingen wird - sieht man ihn als Tight End, gibt es auf seiner Position keinen Besseren in der NFL. Richtig spannend wird, wie das Laufspiel das Pass-Feuerwerk von Brees unterstützen wird. Spät, aber doch scheint nämlich der vermeintliche Draft-Flop Mark Ingram aufzuwachen. Mit Khiry Robinson ließ am Ende der vergangenen Saison ein Überraschungsmann Talent aufblitzen, auf dessen Weiterentwicklung man gespannt sein darf. Und auch Routinier Pierre Thomas weiß den Ball zu bewegen. Head Coach Sean Payton, ein genialer Offense-Mastermind, hat jedenfalls genügend "Spielzeug" in seinem Aufgebot, mit dem sich arbeiten lässt.

THE PICK

Dieser Roster hat Super-Bowl-Kaliber. Fünf Jahre nach der ersten und einzigen Championship der Saints könnte es wieder soweit sein. Viel Zeit bleibt auch nicht mehr, wenn man bedenkt, dass Brees während der Playoffs seinen 36. Geburtstag feiern wird. Grund für voreilige Feiern auf der Party-Meile Bourbon Street gibt es jedoch keine. Auch die Saints müssten erst einmal an Titelverteidiger Seattle vorbei, und das wird eine schwierige Geburt, falls man in der Postseason wieder auswärts bei den Seahawks ran muss. Eine konzentrierte Regular Season ist daher das Um und Auf. Die NFC könnte heuer auch durch den Homefield-Advantage in den Playoffs entschieden werden.

ATLANTA FALCONS (4-12)

THE (OFF)SEASON-TALK

Welcher Falcons-Spieler war 2013 eigentlich nicht verletzt? Okay, den einen oder anderen gab es, Quarterback Matt Ryan zum Beispiel - und der war, sorry für die Wortwahl, eine arme Sau ohne zahlreiche Leistungsträger an seiner Seite. Man muss es wohl in dieser Deutlichkeit formulieren. Denn mit Super-Bowl-Ambitionen gestartet, fand sich Atlanta im Keller der NFC wieder - ein gänzlich unerwarteter und böser Absturz. Durch die Genesung diverser Akteure ist eine Verbesserung vorprogrammiert. Wie signifikant diese ausfallen wird, lässt sich noch schwer abschätzen. Keine mutige Prognose ist, dass WR Julio Jones eine Monster-Saison hinlegen könnte und an seiner Seite auch Routinier Roddy White einige Catches der zurückgetretenen Tight-End-Legende Tony Gonzalez abstauben sollte. Bleibt das eingespielte Receiver-Duo fit, weiß man, wozu es in der Lage ist. Ein Fragezeichen bleibt das Laufspiel, wo der im Vorjahr an Bord geholte Altstar Steven Jackson nur bedingt überzeugen konnte, sofern er überhaupt am Platz stand. Jacquizz Rodgers ist ein überschaubar tauglicher Backup, also gilt es wohl zu hoffen, dass sich Rookie Devonta Freeman schneller als bisher entwickelt. GM Thomas Dimitroff war in der Offseason bemüht, beide Lines zu verstärken, was per se schon einmal eine gute Idee ist und in der Defense auch bitter notwendig. Denn nur die jenseitige Laufverteidigung Chicagos ließ in der Vorsaison mehr als die im Schnitt 135,8 Rushing Yards der Falcons zu. D-Line-Neuzugänge wie Paul Soliai oder Tyson Jackson sollten gegen den Lauf wirksam sein. Ein wenig vergessen scheint man indes auf den Pass Rush zu haben. Gespannt sein darf man, wie sich Return-Haudegen Devin Hester nach acht Jahren bei den Bears in Georgia schlägt.

THE PICK

Schlechter als 2013 geht es - vorbehaltlich einer erneuten Verletzungsmisere - ohnehin nicht mehr, also wird die Marketing-Abteilung der Falcons diese Saison so oder so als Erfolg verkaufen können. Davon ausgehend, wie gut Atlanta vor dem letztjährigen Crash war, erscheint auch ein gewaltiger Sprung "Zurück in die Zukunft" nicht ausgeschlossen. Bevor jedoch das eine oder andere Fragezeichen in der Defense nicht überzeugend beantwortet ist, dürfte eine seriöse Anwartschaft auf einen der beiden Wild-Card-Plätze das Höchste der Gefühle sein. Für diese beiden Spots interessieren sich in der NFC aber bekanntlich auch andere - möglicherweise besser aufgestellte - Teams...

TAMPA BAY BUCCANEERS (4-12)

THE (OFF)SEASON-TALK

Last but not least sollten die Bucs ein Garant dafür sein, dass die NFC South anders als in der Vorsaison wieder eine der attraktiveren Divisions der NFL wird. Auch beim Team aus Florida lässt sich guten Gewissens ein Aufwärtstrend prognostizieren. Nach der eher verkorksten Ära von Greg Schiano sollte alleine schon Lovie Smith als Head Coach gewährleisten, dass es wieder aufwärts geht. Der verrichtete in Chicago über neun Jahre eine gute Arbeit und wird sich nach einem Jahr Auszeit vor allem bemühen, auf seinem Spezialgebiet Defense Fortschritte zu erzielen bzw. mehr aus dem Kader herauszuholen, als dies der überstrenge Schiano je vermochte. Gerade in der Abwehr sollte dies von den Namen her möglich sein. Die von Gerald McCoy und Lavonte David angeführte Front Seven ist gut besetzt, Pass Rusher Michael Johnson könnte ein kluger Neuzugang sein. In der Secondary beendete man das teure Experiemt mit Darrelle Revis nach nur einer Saison und sollte mit seinem Ersatz Alterraun Verner nicht schlechter fahren - 2013 hielt mit Seattle-Star Richard Sherman nur ein Cornerback die Gegner bei einem schlechteren QB-Rating. Apropos Experiment: Von Ex-Arbeitgeber Chicago lotste Smith mit Josh McCown einen Quarterback nach Tampa Bay, der getrost als spannende Wahl durchgeht. Der Career-Journeyman ist inzwischen 35 und schaffte im Vorjahr in einem Alter den Durchbruch, in dem Branchen-Kollegen langsam an die Pension denken. Da der QB-Markt wenig hergab, könnte der Oldie eine smarte Übergangslösung darstellen. Gleichzeitig rüstete man die Riege der Anspielstationen auf. Neben Vincent Jackson wird mit Mike Evans ein weiterer "Riese" als Receiver auflaufen. Dem Rookie sagt man ähnliches Potenzial wie Jahrgangs-Kollege Sammy Watkins nach. Mit Austin Seferian-Jenkins draftete man zudem einen talentierten Tight End. Ist McCown trotz seines ersten Karriere-Frühlings der schwächste Spielmacher der NFC South, verfügt man mit Doug Martin über den besten Running Back der Division. Der ist nach seiner verletzungsbedingt verkürzten Vorsaison wieder fit und bereit für große Taten. Sorgenkind der Offense ist die O-Line. In einer Art Panikattacke konnte man in einem August-Trade zumindest mit Logan Mankins eine Verstärkung aus New England loseisen. Neuer Taktgeber des Angriffs ist übrigens Offensive Coordinator Jeff Tedford - eine Interessante Personalentscheidung. Der langjährige Cal-Head-Coach galt am College als QB-Spezialist und bildete unter anderem einen gewissen Aaron Rodgers aus.

THE PICK

Smith übernimmt ein Team, in dem einige Puzzle-Teile schon am richtigen Ort sind. Läuft alles blendend (spricht funktioniert vor allem McCown), könnten die Buccaneers eine wirklich Überraschung sein. Die Ausgangsposition erinnert so gesehen ein wenig an Andy Reid und die Kansas City Chiefs im Vorjahr, wo gutes Coaching einen talentierten Kader nach vorne brachte. Da man jedoch nicht per se davon ausgehen kann, dass von Anfang an alles nach Wunsch läuft, erscheint eine Aufbau-Saison am wahrscheinlichsten. Eine, in der man zumindest mit einer positiven Siegbilanz flirtet, sich mit Carolina und Atlanta um den zweiten Platz hinter New Orleans streitet und eventuell ins Rennen um einen Wild-Card-Spot eingreift. Und: Mit McCown hat man ein Jahr Zeit gewonnen, um zu ergründen, wer ab 2015 Evans und Co. die Bälle zuwirft - doch Mike Glennon, ein Free Agent oder ein Rookie-QB?


Peter Altmann

TEAM ALTMANN KASTLER SCHAUHUBER
CAR 4 4 4
NO 1 1 1
ATL 3 2 2
TB 2 3 3
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