AFC South oder die Frage: Hat Houston ein Problem?

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Zum ersten Mal in ihrer noch jungen Franchise-Geschichte konnten die Houston Texans vergangene Saison ins Playoff einziehen. Nach neun Jahren in der NFL schafften sie dabei auch noch gleich den Division-Titel.

Warum? In erster Linie weil der sonstige Dominator der AFC South, die Colts, nicht nur ausließen, sondern mit einer 2-14-Saison eine Bruchlandung sondergleichen hinlegten.

Die Tennessee Titans verpassten die Playoff-Teilnahme knapp und Jacksonville spielte wie so oft am Rande der Wahrnehmung. Und heuer?

Für LAOLA1 checken Peter Altmann, Bernhard Kastler und Martin Schauhuber in einer achtteiligen Serie die jeweiligen Divisions. Der Analyse der AFC South haben sich Martin Schauhuber (Texans, Titans) und Bernhard Kastler (Jaguars, Colts) angenommen.

HOUSTON TEXANS (Season 2011: 10-6)


THE (OFF)SEASON-TALK

Gäbe es eine Steigerung von Pech, würde sie zu den Texans passen wie die Faust aufs Auge. Die Texaner verloren vergangene Saison erst ihren besten Quarterback, Matt Schaub, nur um den schnell verpflichteteten Ersatz-Matt Leinart nach seinen ersten zwei Vierteln vom Feld gekarrt werden zu sehen. Das war aber noch lange nicht alles: Für Defensive End Mario Williams, der im Sommer einen 100-Millionen-Dollar-Vertrag bei den Buffalo Bills unterzeichnete, war in Woche fünf Schluss, auch Star-Receiver Andre Johnson spielte nur sechs Regular-Season-Spiele.

Trotzdem schafften es die Außenseiter um Running Back und Neo-Veganer Arian Foster in die Playoffs, besiegten die Cincinnati Bengals und scheiterten dort knapp an den Baltimore Ravens. Das Potenzial des Teams scheint immens zu sein, es gibt aber zahlreiche hochkarätige Abgänge, darunter die gesamte rechte Seite der Offensive Line und Linebacker DeMeco Ryans, zu verkraften. Bleibt Matt Schaub gesund, muss das Ziel für Houston, das auf einen der vollständigsten Kader der NFL bauen kann, mindestens Conference Final lauten.

THE MAN2WATCH – ARIAN FOSTER

Das Laufspiel ist das Herz der Texans-Offense. Arian Foster hat zwar mit Ben Tate einen der fähigsten Backups der NFL, einer Titelverteidigung in der AFC South wäre eine weitere Top-Saison des ungedrafteten Gedichteschreibers aber äußerst zuträglich. Unkenrufe prophezeien ihm wegen seiner Ernährungs-Umstellung – der Philosophie-Absolvent ist offiziell ein Veganer – einen Leistungsverfall. Insider meinen aber, der 26-Jährige hätte ohnehin nicht mehr viel Tierisches konsumiert. Außerdem scheint er sich seiner Sache sehr sicher zu sein: „Alles was Super Mario aß, waren Pilze und Blumen, schaut wie groß und stark er war“, verlautbarte er auf Twitter.

Auch von sportlicher Seite erwartet Foster eine neue Herausforderung. Die Offensive Line wurde auf der bevorzugten rechten Seite ausgewechselt. Wie gut man nun per pedes für Yardgewinne sorgen kann, wird sich erst weisen. Nach der Verletzungsmisere der letzten Saison darf man natürlich auch diese Gefahr nicht außer Acht lassen. Foster geht aber erst in sein viertes Jahr als Profi, ist also nicht übermäßig gefährdet.

THE PICKS

Den Texans steht Großes bevor. Findet Head Coach Gary Kubiak Football-Weihwasser gegen den Verletzungsteufel, kann den Texans in einer überschaubar starken Division nur ein völliger Zusammenbruch den Playoff-Platz kosten.

Und so entscheiden sich die NFL-Redakteure von LAOLA1.

TENNESSEE TITANS (Season 2011: 9-7)

 


THE (OFF)SEASON-TALK

Viel hätte den Titans in der letzten Saison nicht auf die Playoffs gefehlt, deshalb hielten sich die Veränderungen auch weitgehendst in Grenzen. Mit Cornerback Cortland Finnegan machte sich ein Star auf den kurzen Weg nach St. Louis, Left Guard Chris Hutchinson ist der namhafteste Neuzugang. Die größte Neuheit hängt allerdings nicht mit einer Verpflichtung zusammen: Quarterback-Jüngling Jake Locker übernimmt das Steuer von Routinier Matt Hasselbeck. Der 24-Jährige geht erst in seine zweite NFL-Saison.

In Sachen Chris Johnson war in der Offseason eine deutliche Besserung zum letzten Jahr zu erkennen. War diese 2011 noch vom Holdout im Zuge der Vertragsverhandlungen beeinträchtigt, trainierte der sechste Spieler, der die 2000-Yards-Saisonmarke knackte, heuer ordentlich. Beobachtern zufolge ließ „CJ2K“ seine Genialität wieder häufiger aufblitzen – nach seiner enttäuschenden 1047-Yards-Saison Balsam auf die Titanen-Seele.

MAN2WATCH – JAKE LOCKER

Klar, es gibt in der heurigen NFL-Saison genug Rookie-Quarterbacks, die ihre Teams in die Schlacht führen. Da ist ein Spielmacher, der sich die Königsliga bereits ein Jahr von der Bank aus ansehen durfte und in fünf Kurzeinsätzen über 500 Yards erwarf, eigentlich keine große Sache. Jake Locker ist aber nicht das, was man gemeinhin einen völlig ausgereiften Quarterback schimpft. Eine Completion Rate von nur 51,5% ist in der Ära von Scharfschützen à la Aaron Rodgers doch mehr als mager.

Die Physis und Athletik des Neulings spricht aber für sich. Locker ist schnell, robust und verfügt über einen exzellenten Wurfarm. Die Fähigkeit des Ex-Washington-Huskys, die Offense zu dirigieren und Defenses zu lesen, ist ein anderes Kapitel, das erst geschrieben wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann sich Head Coach Mike Munchak auf einen starken Chris Johnson stützen, übermäßige Leistungen werden von Locker wohl weder erwartet noch gefordert – auslassen darf er aber auch nicht.

THE PICKS

Jake Locker und Chris Johnson sind viel Licht und Schatten zu erwarten, ein drohender 0-4-Start (Spiele gegen Patriots, Chargers, Lions und Texans) könnte den Titans ihren Playoff-Platz kosten. Locker muss wachsen sowie Erfahrung sammeln und wird das auch.

Und so entscheiden sich die NFL-Redakteure von LAOLA1.

JACKSONVILLE JAGUARS (Season 5-11)

 


THE (OFF)SEASON-TALK

Die Jaguars konnten vergangene Saison froh sein, dass die Indianpolis Colts ohne Peyton Manning in den Abgrund stürzten. Ansonsten wäre der Franchise aus Florida Platz vier ziemlich sicher gewesen, so wurde es eben der dritte Rang. Mit den Playoffs hatte Jacksonville aber wahrlich nichts zu tun. Zumal man auch von den Yards her die eindeutig schlechteste Offense der Liga hatte.

Das große Thema der Offseason war Maurice Jones-Drew und sein Holdout. Dazu in Kürze mehr. Ansonsten tradete die Mannschaft von Head Coach Mike Mularkey im Draft nach oben und holte mit Justin Blackmon den nominell besten Receiver. Die Defense ist eine gute, so gesehen wäre die Ausgangsposition eigentlich gar keine schlechte.

Doch auf der Quarterback-Position steht mit Blaine Gabbert eben ein großes Fragezeichen. Nichts gegen den First-Rounder (10.) des 2011er Drafts, aber Analysten stellen nicht umsonst die Frage: "Wenn Gabbert die Antwort ist, was ist dann die Frage?" In seinen 14 Starts 2011 brachte er nur 50,8 Prozent seiner Pässe an den Mann - schlechter war in dieser Kategorie nur Tim Tebow (46,5). Vom Rating her, war er der der Schlechteste. Sollte er sich nicht gehörig steigern, wird das Team in dieser Division keine Rolle spielen. Auch weil mit Chad Henne der Backup kein überragender ist.

THE MAN2WATCH - MAURICE JONES-DREW

Wer auf "Fantasy Football" steht - und ganz ehrlich, wer tut das nicht? -, der hat sich vergangene Saison genau für einen Spieler der Jags interessiert: MJD. Der Running Back erlief in der vergangenen Saison mit 1606 Yards die meisten der Liga, schaffte damit seine dritte Spielzeit en suite über 1300 Yards. Da will man dann schon mal mehr oder zumindest gleich viel verdienen als die Kollegen, die man hinter sich ließ.

So kam es, wie es kommen musste: Der 60. Pick des 2006er-Drafts blieb der kompletten Offeasson via Holdout fern, um seinen 2009 unterschriebenen Vertrag, der 2013 endet, zu verbessern. In dieser Zeit kamen bereits Trade-Gerüchte ins Rollen, denen aber der neue Besitzer der Jags, Shaid Khan, vorerst ein Ende setzte.

Am 2. September, also vor einer Woche, kam er zurück. Weil mit Bob Bratkowski ein neuer Offensive Coordinator am Werk ist, war MJDs Absenz nicht gerade förderlich. Indes wurde versucht, Backup Rashard Jennings hinzukriegen. Doch MJD ist MJD - und Blaine Gabbert ist Blaine Gabbert. Jacksonville braucht seinen Star sehr dringend.

THE PICKS

Die Jaguars werden ab 2013 für viere Jahre jeweils eine Partie in London austragen. Ein erstes Indiz dafür, was unter Eigentümer Khan alles mit den Jags passieren kann: Stichwort Umzug. Rein sportlich wäre eigentlich etwas möglich: Defense gut (2011: 6. in Yards), Laufspiel sehr gut, Anspielstationen vorhanden. Doch Gabbert wird das nicht nutzen können, deswegen bleibt wohl Rang vier.

Und so entscheiden sich die NFL-Redakteure von LAOLA1.

INDIANAPOLIS COLTS (Season 2011: 2-14)

 


THE (OFF)SEASON-TALK

Glück gehabt. Mit dem ersten und letzten Luck-Wortspiel an dieser Stelle eröffnen wir die Vorschau auf die Indianapolis Colts. Sie hatten aber insofern Glück, als dass die Franchise aus Indiana vergangene Saison den letzten Platz bis zum Schluss "verteidigen" konnten, um dann im Draft den großen Hauptpreis abzusahnen: Andrew Luck.

Der Quarterback und sein prominenter Vorgänger waren natürlich das Gesprächsthema bei den Colts in der Offseason. Vor dem Draft ließ Indy seine lebende Legende Peyton Manning ziehen, um dann die nächste vielleicht geholt zu haben. So viel zu den Vorschusslorbeeren - und weiter unten noch etwas mehr. Nicht unwesentlich: Indy wurde nicht nur auf der Quarterback-Position total umgekrempelt.

Eigentümer Jim Irsay feuerte Präsident Bill Polian sowie seinen Sohnemann Chris als General Manager. Head Coach Jim Caldwell wurde durch Ex-Ravens-Defense-Coordinator Chuck Pagano ersetzt. Viele Spieler des AFC-South-Dominators (Titel von 2003-2007, 09, 10) vergangener Jahre sind weg, u.a. Receiver Pierre Garcon, Running Back Joseph Addai, Center Jeff Saturday. Noch da ist das Receiver-Duo Reggie Wayne und Austin Collie, das Luck auch brauchen wird, sowie Star-Linebacker Dwight Freenay. Bekanntester Neuzugang nach Luck: Cornerback Vontae Davis kam aus Miami und soll die Passverteidigung stärken.

THE MAN2WATCH - ANDREW LUCK

Es war einmal 1998: Die Indianapolis Colts durften als schlechtestes Team der Vorsaison als erste draften und nahmen einen gewissen Peyton Manning (und glücklicherweise nicht Ryan Leaf, aber das ist eine andere Geschichte). Es folgte eine einmalige Karriere samt des ersten und bislang einzige Super-Bowl-Triumphs dieser Stadt.

Andrew Luck hat den Arm, die Größe und die Technik, um selbiges zu leisten wie sein Vorgänger. Der Stanford-Quarterback, dem die Heisman-Trophy für den besten College-Spieler verwehrt blieb, ist auch ein Siegertyp, gewann etwa mit den von Jim Harbaugh (nun 49ers) trainierten Kaliforniern 2011 die Orange Bowl.

Klar ist, Luck hat das Zeug dazu, ein Großer seiner Zunft zu werden. Das wird ihm auch prohezeit. Nur wird das nicht von heute auf morgen gehen und seine Zeit brauchen. Mannings erste Saison war eine mit einer 3-13-Bilanz, dann folgte der erste Division-Titel. Übrigens: Mannings erster Play in der Preseason 1998 war ein TD-Pass, bei Luck war es nicht anders...

THE PICKS

Luck ist zum ersten Mal Starter, das gilt auch für die etwas erfahreneren Ponder (Vikings) und Gabbert (Jags), auf die er in seinen ersten beiden Heimspielen treffen wird. Gegen Cleveland (Weeden), Miami (Tannehill) geht es dann ebenso daheim gegen zwei Rookies, gegen Tennessee (Locker) dann wieder gegen einen erstmaligen Starter. Luck könnte alleine in diesen Spielen die Oberhand gewinnen, so gesehen ist eine Überraschung nicht auszuschließen. Realistisch ist Rang 3 oder vier - mit Glück etwas mehr...

Und so entscheiden sich die NFL-Redakteure von LAOLA1.

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