NFL-Vorschau 2011: NFC WEST

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Schlecht, schlechter, am schlechtesten – NFC West.

Schon in den Jahren zuvor war das Quartett Seattle, St. Louis, San Francisco und Arizona nicht unbedingt ein Synonym für eine leistungsstarke Division, wobei meist wenigstens ein Team gerade einen Höhenflug hatte – die Super-Bowl-Teilnahmen von Arizona und Seattle sind noch nicht gänzlich verjährt.

Letzte Saison brachten diese vier Franchises jedoch das Prunkstück zusammen, gleichzeitig einfach nur miserabel zu sein. Da sich nach NFL-Regulativ jedoch eine Mannschaft aus jeder Division für die Playoffs qualifiziert, durften die Seahawks trotz negativer Bilanz (7 Siege – 9 Niederlagen) an der Postseason teilnehmen. Dort sorgten sie für eine epochale Sensation, indem sie Titelverteidiger New Orleans aus dem Rennen warfen.

Immerhin. Denn Sternstunden sind von den vier westlichen Vertretern der NFC auch in dieser Spielzeit keine zu erwarten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Geduld der leidensfähigen Fans mancherorts wieder arg strapaziert werden wird.

LAOLA1 wirft einen genauen Blick auf die vier Teams der NFC West:

SEATTLE SEAHAWKS

 

Ausgangslage

Begeisterungsfähig sind sie allemal, die Fans in der früheren Hauptstadt des Grunge. Deshalb sei ihnen die Playoff-Sensation gegen New Orleans auch vergönnt. Ob sich in Seattle in absehbarer Zukunft öfters die Gelegenheit ergeben wird, Zeuge solcher Wunder zu werden? Dass sich die Seahawks letzte Saison im ersten Jahr unter Head Coach Pete Carroll für die Postseason qualifizierten, lag mehr an der Unfähigkeit der Konkurrenz als an der eigenen Stärke. Carroll gilt jedoch als „Wunderwuzzi“, der seinen aggressiven Umbau des Kaders weiter fortsetzt.

Prognose

Vor allem an eine Personalie müssen sich die Seahawks-Fans erst gewöhnen, denn mit Quarterback Matt Hasselbeck hat sich das langjährige Gesicht der Franchise in Richtung Tennessee verabschiedet. Als Ersatz holte Carroll den bisherigen Minnesota-Backup Tarvaris Jackson. Eine äußerst riskante Entscheidung, denn im Dress der Vikings enttäuschte der 28-Jährige schwer. Jackson wird so flott wie möglich überzeugen müssen, denn viel Geduld von Seiten der Öffentlichkeit hat er nicht zu erwarten.

Zumindest sollte die Chemie mit Receiver Sidney Rice – der Star-Neuzugang kam ebenfalls aus Minnesota – stimmen. Seattles Kader ist ein bunter Mix aus hoffnungsvollen Talenten und Spielern, die im Nordwesten ihre zweite Chance bekommen. Was unterm Strich dabei rauskommt, ist auch heuer eine Wundertüte. Dass es so gut klappt wie 2010, ist aber zumindest fraglich…

LAOLA1-Tipp

Platz 3 in der NFC West

ST. LOUIS RAMS

Ausgangslage

Nach Jahren der absoluten Trostlosigkeit herrscht wieder Aufbruchstimmung beim Super-Bowl-Champion des Jahres 2000. War es damals Kurt Warner, der die Massen elektrisierte, heißt der neue Hoffnungsträger Sam Bradford. Der junge Quarterback trägt die Erwartungshaltung einer ganzen Franchise auf seinen Schultern und hielt diesem Druck in seiner Rookie-Saison sehr passabel stand. Die Bilanz von sieben Siegen und neun Niederlagen war ein klarer Schritt nach vorne, um ein Haar wäre man in die Playoffs gerutscht.

Prognose

In dieser Saison darf man auf eine Weiterentwicklung des Spielmachers, der für viele Experten das größte Talent seit Peyton Manning auf dieser Position ist, bauen. Spannend wird vor allem, welchen Einfluss der neue Offensive Coordinator Josh McDaniels auf Bradford haben wird. Dieser ist zwar in Denver als Head Coach gescheitert, galt jedoch als Mastermind der grenzgenialen Patriots-Offense um Tom Brady und Randy Moss, die 2007/08 die Konkurrenz abgesehen von der Super Bowl (Pleite gegen die Giants) nach Belieben beherrschte.

Problematisch erscheint, dass Bradfords Anspielstationen weiter biederer Durchschnitt sind – auch von Neuzugang Mike Sims-Walker sind kaum Heldentaten zu erwarten. Dafür ist Running Back Steven Jackson, sofern fit, ein Garant für Wertarbeit. Alles in allem merzt Head Coach Steve Spagnuolo Stück für Stück die großen Schwächen im Kader aus. Es ist alles andere als auszuschließen, dass es in dieser ausgeglichenen Division schon heuer für die Playoffs reicht.

LAOLA1-Tipp

Platz 1 in der NFC West

SAN FRANCISCO 49ERS

 

Ausgangslage

Wer kennt es nicht, wenn riesige Vorfreude enttäuscht wird und kurzerhand in schiere Verzweiflung umschlägt. Allzu sicher war man sich in San Francisco letzte Saison, dass die hartnäckige Playoff-Durststrecke enden wird, galt man doch als großer Favorit auf den Gewinn der NFC West. Die Realität war eine ganz andere. In einer Pleiten-, Pech- und Pannen-Saison feierten die 49ers gerade einmal sechs Siege und verpassten zum achten Mal en suite die Postseason.

Der antiquierte Head Coach Mike Singletary wurde mit Schimpf und Schande davon gejagt. Der erhoffte Heilsbringer für diese Saison? Jim Harbaugh. Der langjährige NFL-Quarterback und begnadete Kommunikator bekommt seine erste Chance als NFL-Head-Coach.

Prognose

Durch den Lockout sind Teams mit neuem Trainer-Team naturgemäß im Nachteil, verkürzte sich die Zeit, in der man seine neue Philosophie installieren konnte, doch erheblich. Dennoch darf man gespannt sein, was Harbaugh (zuvor Head Coach der Stanford University) aus dem vorhandenen Material herausholt. Seine Entscheidung, dem heftig kritisierten Quarterback Alex Smith eine weitere Chance zu geben, stößt nicht allerorts auf Gegenliebe. Mit Braylon Edwards (zuletzt bei den NY Jets) bekam dieser zumindest eine zusätzliche begabte Anspielstation.

Das offensive Wohlergehen hängt zudem maßgeblich davon ab, wie Running Back Frank Gore seine schwere Hüftverletzung weggesteckt hat, und ob die Probleme in der O-Line gefixt wurden. Die Defense wurde generalüberholt. Mit Donte Whitner oder Carlos Rogers konnte der eine oder andere namhafte Neuzugang an Land gezogen werden. Der Kader besitzt durchaus Potenzial, dennoch deutet in der Bay Area vieles auf eine – weitere – Übergangssaison hin. Das Ziel von Harbaugh muss es sein, die Basis für eine der ruhmreichen Vergangenheit des fünfmaligen Super-Bowl-Champs würdige Zukunft zu legen.

LAOLA1-Tipp

Platz 4 in der NFC West

 

ARIZONA CARDINALS

Ausgangslage

Im Jänner 2009 noch in der Super Bowl, letzte Saison am Boden. Die abgelaufene Spielzeit gilt es in der „Wüste“ so schnell wie möglich aus den Köpfen zu streichen, so extrem ging Jahr eins nach dem Rücktritt von Quarterback-Ikone Kurt Warner daneben – auch eine Art Pensionsschock. Irgendwie war der Absturz keine ganz große Überraschung, war doch Derek Anderson nicht einmal ansatzweise ein würdiger Warner-Erbe.

Auch der Abgang von Star-Receiver Anquan Boldin in Richtung Baltimore konnte nicht kompensiert werden. Die Verantwortlichen der Cardinals um Head Coach Ken Whisenhunt zogen die entsprechenden Konsequenzen und angelten sich mit Kevin Kolb den hoffnungsvollsten am Markt verfügbaren Quarterback. Das neue Gesicht der Franchise kam per Trade aus Philadelphia.

Prognose

Arizonas Erfolg steht und fällt damit, ob diese Personalentscheidung aufgeht oder nicht. Kolb verfügt fraglos über das nötige Talent, jedoch nicht über allzu viel Erfahrung als Starter. Mit Kolbs Verpflichtung wurde aber zumindest der absolute Superstar des Teams, Larry Fitzgerald, zufriedengestellt. Der Wide Receiver wirkte schon ungeduldig ob der Probleme auf der Schlüsselposition, entschloss sich jedoch im Sommer zu einer millionenschweren Vertragsverlängerung.

Die Last im Laufspiel trägt ab sofort Beanie Wells. Der frühere Erstrunden-Draftpick war bereits abgeschrieben worden, bekommt aber eine zweite Chance. Alles in allem ist Arizona nicht so schlecht aufgestellt, wie es die letzte Saison vermuten ließ. Schlägt Kolb ein, halten manche Experten die Cardinals für das beste Team im schwachen Westen. Playoff-Rückkehr? Möglich.

LAOLA1-Tipp

Platz 2 in der NFC West


Peter Altmann

 

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