NFL-Vorschau 2011: NFC EAST

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Hass ist kein schönes Wort, die charmantere Beschreibung lautet also: Die vier Teams der NFC East mögen einander nicht. In kaum einer anderen Division wird die Rivalität untereinander derart inbrünstig gelebt.

Dazu kommt die Ausgeglichenheit unter diesen Traditionsteams. Abgesehen von Washington, das jahrelang ohne nennenswerte Gegenleistung viel Geld in seine Mannschaft investiert hat, gehörten die Vertreter der NFC East in den letzten Jahren stets zur gehobeneren Klasse dieser Conference. Dies gilt seit gut einem Jahrzehnt vor allem für die Philadelphia Eagles, die einem Super-Bowl-Triumph jedoch nach wie vor vergeblich hinterherlaufen. 2011 soll alles anders werden. Die neue Strategie: Ein „Dream Team“ soll es in der Stadt der brüderlichen Liebe richten.

LAOLA1 wirft einen genauen Blick auf die vier Teams der NFC East:

 

PHILADELPHIA EAGLES

Ausgangslage

Ob die Sehnsucht größer ist als die Vernunft? Philadelphia weiß bis dato nicht, wie es sich anfühlt, die Vince-Lombardi-Trophy zu erobern – eigentlich unglaublich für eine der renommiertesten Sportstädte der USA. In dieser Saison soll es soweit sein – koste es, was es wolle. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Team agierte am Free-Agents-Markt so aggressiv wie die Eagles, die nun mit dem Druck eines „Dream Teams“ leben müssen. Der Verdacht, dass nach einem starken Jahrzehnt, in dem die Truppe von Langzeit-Head-Coach Andy Reid meist knapp scheiterte, mit aller Gewalt der große Wurf gelingen soll, liegt nahe. Zu sehr schmerzt offenkundig noch das letztjährige Playoff-Aus gegen Green Bay. Trotz vermeintlich titelreifer Mannschaft musste man sich dem späteren Super-Bowl-Champion bereits in der Wild-Card-Runde geschlagen geben.

Prognose

Es folgte der Kaufrausch im Sommer. Mit Nnamdi Asomugha wurde der begehrteste Free Agent der Liga an Land gezogen, der gemeinsam mit seinen Cornerback-Kollegen Dominique Rodgers-Cromartie (kam im Tausch für QB Kevin Kolb) und Asante Samuel gegnerische Receiver zur Verzweiflung bringen soll. Weitere große Namen auf der Shopping-Liste? DE Jason Babin, DT Cullen Jenkins, WR Steve Smith, RB Ronnie Brown oder QB Vince Young. Letzterer dient als Backup für Michael Vick, der in der letzten Saison ein Traum-Comeback hinlegte und die Schlüsselfigur in den Titel-Ambitionen der Eagles darstellt. Weil Geld kaum mehr eine Rolle spielt, stattete man den Ex-Häftling gleich mit einem 100-Millionen-Dollar-Vertrag aus. Mit den Receivern DeSean Jackson und Jeremy Maclin sowie LeSean McCoy stehen die weiteren Protagonisten der schon vor dieser spektakulären Transferzeit brandgefährlichen Offense weiter zur Verfügung. Fest steht: Der Kader Philadelphias verfügt über große Namen und jede Menge Alternativen, aber auch über einige Fragezeichen – vor allem auf der Linebacker- und Safety-Position. Ohne jeden Zweifel haben sich die Eagles mit ihrer offensiven Herangehensweise unter gewaltigen Druck gesetzt. Das kann gut gehen, muss es aber nicht – man frage nach bei den „Dream-Team-Kollegen“ aus der NBA, den Miami Heat. Das Duell der Systeme mit dem am Transfermarkt unsichtbaren Champ aus Green Bay ist jedenfalls eröffnet.

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Platz 1 in der NFC East

NEW YORK GIANTS

 

Ausgangslage

Haarscharf schlitterten die Giants in der Vorsaison an den Playoffs vorbei. Mit zehn Siegen und sechs Niederlagen hatten sie dieselbe Bilanz wie Division-Sieger Philadelphia und Super-Bowl-Champion Green Bay, aber jeweils nicht den Tiebreaker auf ihrer Seite. Ob es in dieser Saison klappt? Das ist zumindest fraglich. Während die „Skill Player“ nahezu unverändert blieben, tauschte der Super-Bowl-Gewinner von 2008 auf anderen Positionen das Personal munter aus. Alleine in der O-Line stehen drei neue Starter. Dazu kommen heftige Verletzungssorgen – vor allem in der Defense.

Prognose

Besonders schmerzt, dass mit Cornerback Terrell Thomas ein angehender Star wegen eines Kreuzbandrisses die komplette Saison ausfallen wird. Mit Defensive End Osi Umenyiora ist auch der Superstar der Defense nicht fit, er wird wohl die ersten Wochen der Saison versäumen. Zu unterschätzen ist das Team aus dem „Big Apple“ jedoch keinesfalls. Eli Manning ist ein solider Quarterback, mit Hakeem Nicks verfügt er auf der Receiver-Position über einen Shootingstar. Zudem plant Coughlin, heuer wieder vermehrt Wert auf das Laufspiel zu legen – kein großes Risiko bei einem Running-Back-Duo wie Ahmad Bradshaw und Brandon Jacobs. Mit einem Playoff-Einzug könnte es ob der Konkurrenz aus Philadelphia und Dallas eng werden, eine Sensation wäre eine Postseason-Teilnahme jedoch keine.

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Platz 3 in der NFC East

DALLAS COWBOYS

Ausgangslage

Was für ein Desaster! Letzte Saison kannte „Americas Team“ nur ein Ziel: Die Super Bowl findest in Dallas statt, die Cowboys müssen Teil des Showdowns sein. Denkste! Es folgte ein Kollaps, der seinesgleichen suchte. Die Texaner gewannen gerade einmal sechs Partien und waren selbst von der Playoff-Teilnahme so weit entfernt wie Edelfan George Bush von einer guten Präsidentschaft. Wer glaubte, dass der exzentrische Owner Jerry Jones nach diesem Debakel alles über den Haufen werfen würde, täuschte sich. Interimstrainer Jason Garrett bekam als Head Coach das Vertrauen geschenkt und fungiert weiter als offensiver Mastermind. Als Defensive Coordinator wurde mit Rob Ryan ein ausgewiesener Experte engagiert, dessen Arbeit sich positiv bemerkbar machen dürfte. Am Spielersektor regierte eine zurückhaltende Herangehensweise.

Prognose

Während vor allem Rivale Philadelphia die Schlagzeilen dominierte, erlebte Dallas vergleichsweise einen geradezu verdächtig ruhigen Sommer. Man vertraut in großen Teilen jenem Personal, das schon 2010 für Heldentaten hätten sorgen sollen. Quarterback Tony Romo ist nach nur sechs Einsätzen in der Vorsaison wieder fit und bereit, zur alten Leistungsstärke zu finden. Mit den Receivern Miles Austin und Dez Bryant sowie Tight End Jason Witten stehen ihm starke Anspielstationen zur Verfügung. Vor allem Bryant wird in seiner zweiten NFL-Saison der ganz große Durchbruch zugetraut. Im Laufspiel trägt nun Felix Jones nach dem Abgang von Marion Barber nach Chicago die Hauptlast – ein kleines Risiko. Wie auch immer: Dallas verfügt über kein schlechtes Team und hat im Vergleich zur Vorsaison null Druck. Eine Rückkehr in die Playoffs ist aus der Außenseiterrolle heraus alles andere als unwahrscheinlich.

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Platz 2 in der NFC East

WASHINGTON REDSKINS

 

Ausgangslage

Von den vier ruhmreichen Traditions-Franchises in der traditionell hart umkämpften NFC East hat Washington tendenziell den steinigsten Weg zurück zu aller Stärke vor sich. Verfügen die drei Erzfeinde entweder über Star-Ensembles oder zumindest gefestigte Mannschaften, sind die Redskins mitten im Umbruch – und das irgendwie schon seit Jahren. Wurden in den letzten Jahren dank der Finanzkraft von „Big Spender“ Dan Snyder immer wieder überteuerte Superstars in die Hauptstadt gelotst, fehlte in diesem Sommer der ganz große Name. Vielleicht hat man die Lehren daraus gezogen, dass im Vorjahr selbst ein Kaliber wie Donovan McNabb im Redskins-Dress scheiterte. Gerade einmal sechs Siege standen am Saison-Ende auf der Haben-Seite, der Quarterback-Flop ist längst nach Minnesota weitergezogen.

Prognose

Man kann die neuentdeckte Zurückhaltung am Transfermarkt jedoch ein kleinwenig übertreiben. Denn dass Head Coach Mike Shanahan (einst mit Denver zweifacher Champion) entweder mit Rex Grossman oder John Beck auf der Quarterback-Position in seine zweite Redskins-Saison geht, sorgt allgemein für Kopfschütteln. Beide haben sich, ganz vorsichtig formuliert, in ihrer bisherigen Karriere nicht unbedingt als Ausnahmekönner erwiesen. Ansonsten regiert das Motto: Masse statt Klasse. Shanahan setzt offenkundig darauf, dass sich der eine oder andere noch nicht so bekannte Spieler in dieser Saison ins Rampenlicht spielen kann. Eine Methode, die einst schon in Denver gut funktionierte – vor allem auf der Running-Back-Position. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie die finanziell defensivere Strategie aufgehen wird. Eine Playoff-Qualifikation ist ob der starken Konkurrenz in der Division jedoch so gut wie auszuschließen.

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Platz 4 in der NFC East

Peter Altmann

 

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