"Duell" der Junior-Giganten: Luck vs. Griffin

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Der NFL-Draft.

Jedes Jahr im April steigt dieser Event, bei dem die besten College-Spieler in sieben Runden an die 32 NFL-Mannschaften verteilt werden. Je schlechter die Mannschaft in der vorherigen Saison abgeschnitten hat, desto früher ist sie an der Reihe.

Heuer machen am 26. April die Indianapolis Colts also den Anfang. Die St. Louis Rams wären als nächstes dran gewesen, deren Nummer-2-Pick haben sich aber die Washington Redskins in einem aufsehenerregenden Trade gesichert.

Welchen Spieler die Colts auswählen, ist im Prinzip schon lange kein Geheimnis mehr, seit Dienstagabend ist es auch offiziell gelüftet.

Luck die Nummer eins

Andrew Luck, Quarterback von Stanford, gilt weithin als der beste Neuankömmling seit Peyton Manning und damit als legitimer Nachfolger der Quarterback-Legende.

"Wir haben keinen Grund gesehen, weiter zu schweigen, weil es ohnehin schon die ganze Welt wusste", begründet Colts-GM Ryan Grigson der verfrühten Gang an die Öffentlichkeit.

Hätte sich der Posterboy unter den Football-Ausnahmetalenten schon vergangenes Jahr für den Sprung in die NFL entschieden, würde er nun wohl anstelle von "Ersatzkandidat" Cam Newton der Hoffnungsträger der Carolina Panthers sein

Rasanter Aufstieg

In der jüngeren Vergangenheit ging aber ein weiterer Stern am Draft-Himmel auf: Robert Griffin III., im Volksmund RG3 genannt. Er soll die latente Quarterback-Krise der Redskins lösen, die mit ihrem Move auf Nummer zwei einen der beiden Jungstars sicher hatten.

Der 22-Jährige bestach bei der NFL-Combine - einem Scouting-Event, bei dem alle am Draft teilnehmenden Spieler verschiedene Übungen, wie zum Beispiel einen 40-Yard-Sprint und Hochsprung, absolvieren - mit Fabelwerten.

Griffin überraschte alle beim 40-Yard-Sprint

Griffin war im 40-Yard-Sprint der insgesamt elftschnellste Spieler – für einen Quarterback eigentlich ein fast schon absurd gutes Ergebnis. Er ließ unter anderem den Cornerback Morris Claiborne, dem viele Scouts Pro-Bowl-Potenzial bescheinigen, hinter sich.

Andrew Luck ist zwar ebenfalls einer der Schnelleren seiner Riege, aber RG3 schlug ihn in fast allen Kategorien.

Auch abseits des Feldes top

Griffin beeindruckte die Scouts aber nicht nur mit seiner Athletik: Durch sein freundliches Auftreten konnte er sich vor Sympathiebekundungen kaum mehr retten. Er präsentierte sich intelligent und legte ein hervorragendes Spielverständnis an den Tag.

Am Ende des Tages ist aber das, was einen Quarterback ausmacht, sein Wurfarm. Hier zeigt der 22-jährige Luck keine Mängel.

Wurde ihm lange Zeit mangelnde Stärke und damit Reichweite angekreidet, demonstrierte er bei seinem Pro Day - ein Event ähnlich der Combine, den jede Universität gesondert abhält - genau das Gegenteil.

Trotz starken Winds warf er präzise Pässe über große Distanzen und brachte damit seine wenigen Kritiker zum Verstummen.

Keiner wie viele andere

Womit man bei des Pudels Kern angelangt wäre: Griffins Wurf-Fähigkeiten. Diese werden gemeinhin als mangelhaft eingestuft – ein Stigma aus der Vergangenheit. Quarterbacks, die durch ihre Athletik brillierten, waren schlicht und ergreifend oft schlechte Werfer.

RG3 ist vielerorts Sympathieträger

Das scheint bei Griffin nach genauerer Betrachtung aber anders zu sein. Sein Passspiel steht dem von Andrew Luck um nichts nach. Weite Würfe stellen ebenso wenig ein Problem dar wie kurze, die ein hohes Maß an Präzision verlangen. Die meisten Experten stellen RG3 in diesem Punkt sogar über seinen größten Konkurrenten.

RG3, der Winner-Typ

Vergleicht man die letzte Saison am College, hat Griffin letztlich erfolgreicher abgeschnitten. Entgegen anfänglicher Erwartungen schnappte er Luck mit einer großartigen Saison die Heisman Trophy weg, die jedes Jahr an den besten College-Spieler vergeben wird.

Mit den Baylor Bears gelang ihm etwas, was den Stanford Cardinals um Luck nicht gelang: Er gewann eine Bowl. Im etwas komplizierten College-System werden anders als in der NFL allerdings mehrere Bowls ausgespielt.

RG3 triumphierte in der Valero Alamo Bowl, während Luck die prestigeträchtigere Fiesta Bowl verlor. Durch den allgemeinen Niveauunterschied zwischen den Teams kann man das zwar nicht eins zu eins vergleichen, nichtsdestoweniger gewann Griffin aber sein wichtigstes Spiel - was in Amerika enorm viel zählt.

Luck reifer für die NFL

Der große Pluspunkt Lucks ist jedoch die Offense, in der er die letzten Jahre verbracht hat. Stanford spielt ein weitaus komplizierteres System als Baylor. Kritiker prophezeien Griffin deshalb Probleme, wenn er eine Offense von NFL-Kaliber dirigieren muss und bei Passspielzügen schwierigere Entscheidungen zu treffen hat.

Luck ist es gewohnt, seine Offense zu dirigieren

Luck ist komplexe Aufstellungen und Spielzüge gewohnt, deshalb betrachten ihn viele als „NFL-ready“.

Genau das ist der Grund, warum die Indianapolis Colts entschieden haben, NFL-Commissioner Roger Goodell beim Draft am 26. April auf der Bühne in der Radio City Music Hall seinen Namen als Erstes nennen zu lassen.

Ein Umschwenken auf RG3 wäre ein Wunder gewesen - und vor allem ein Risiko. Denn würde dieser in seinem ersten Jahr enttäuschen, während Luck so einschlägt, wie man ihm das vorhersagt, wären den Colts Spott und Hohn aller Beteiligten sicher.

Die Sicherheitsvariante

Sollte Griffin der alles überstrahlende Mann der Saison sein und Luck mehr Interceptions als Touchdowns werfen, wird der allgemeine Konsens immer noch sein, dass die Verantwortlichen die logische Entscheidung getroffen haben. Die falsche, aber die logische. Es könnte ihnen maximal mangelnder Mut vorgeworfen werden.

Deshalb wird Andrew Luck ein Colt und Griffin spätestens in der Nacht auf Freitag ein Redskin.

Und auch wenn Griffin das Rennen um den Nummer-1-Draft-Pick verloren hat, geht das "Duell" mit Luck erst so richtig los:

Denn ihre Karrieren werden für immer miteinander verglichen werden...

Martin Schauhuber

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