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Die schreckhafte "Miss Maggie"

Halbzeit in der NFL. Die Bilanz der bisherigen Saison ist schnell gezogen: Green Bay ist super, alle anderen sind nicht so super wie Green Bay.

Green Bays 45:38-Sieg in San Diego in Woche 9 war sogar mega-super. So mega-super (oder „awesome“, wie es im LAOLA1-Fachjargon heißt), dass „Awesome and Awful“ trotz dieser offensiven Glanzleistung zur Green-Bay-freien Zone erklärt wird.

Da ohnehin jeder über die Heldentaten der Packers spricht (Warum bis Saisonende warten, um Aaron Rodgers zum MVP zu küren?!?), sollen bei uns andere im Rampenlicht stehen. Leider wie gewohnt auch jene, die das gar nicht wollten. Sprich jene, die weniger mega-super waren (oder „awful“, wie es im… naja, eh schon wissen…!).

Wie auch immer: Let’s get Awesome and Awful – Week 9:

THE AWESOME

Ein gigantisches Déjá-vu

Kommt einem alles irgendwie bekannt vor: 15 Sekunden vor Schluss gelingt den New York Giants der entscheidende Touchdown zum Sieg gegen New England. Die Patriots verlieren dadurch erstmals seit 20 Spielen zu Hause in Foxborough, Tom Bradys NFL-Rekord-Serie von Siegen in 31 Regular-Season-Heimspielen in Folge ist gerissen. So oder so ähnlich alles schon einmal erlebt, nur auf einer viel größeren Bühne: 35 Sekunden vor Schluss gelingt den New York Giants 2008 in der Super Bowl der entscheidende Sieg gegen New England. Die Patriots verlieren damals zum denkbar ungünstigsten Moment ihr allererstes Saison-Spiel, der Traum von der „Perfect Season“ war geplatzt. Geändert hat sich indes der Hauptdarsteller: Damals bediente Quarterback Eli Manning Plaxico Burress in der Endzone, diesmal Jake Ballard. Wir sagen: Lieber Jake, bitte leg dir keine Waffe zu und wenn doch, schieß dir nicht ins eigene Bein – das wäre nämlich kein gigantisches Déjà-vu, eher ein dämliches…

 

Patrick Peterson

Achtung, Trommelwirbel!! Ja, es ist möglich, beim Duell zweier 1-6-Teams (Arizona vs St. Louis) einen Fixstarter fürs „Awesome“ zu finden. Nein, nicht du John Skelton, wiewohl wir deine Bemühungen um eine Aufnahme in diesen Text durchaus zu schätzen wissen – zwei Safeties in aufeinanderfolgenden Plays zu kassieren, ist auch ein selten gesehenes Kunststück! Fast so selten wie Touchdowns in diesem Nachzügler-Duell. Hättest du, John, nicht kurz vor Schluss Larry Fitzgerald in der Endzone gefunden, hätte es in der regulären Spielzeit nur Field Goals (und Safeties halt…) gegeben. Deinen Job als Starting-QB wird dieser Genieblitz leider auch nicht retten, sobald Kevin Kolb wieder fit ist. Gefeiert wird in dieser Kategorie deshalb der Held der Overtime: Patrick Peterson sorgte mit einem 99-Yard-Punt-Return für die Entscheidung – unglaublich, aber wahr: Im achten NFL-Spiel seines Lebens war dies bereits der dritte Punt-Return-TD des Arizona-Rookies. Wow! Dass erst ein geblockter Field-Goal-Versuch von Rams-Kicker Josh Brown die Verlängerung ermöglichte, ist wieder ein anderes Thema…

 

Tim Tebow

Planking war gestern, heute ist „Tebowing“ angesagt. Geht ganz einfach: Niederknien und mit dem Kopf auf die Faust gestützt die Gebete des ultrareligiösen Tim Tebow nachahmen – nicht gänzlich positiv gemeint natürlich. Nun ist der Denver-Quarterback für seine zahlreichen fanatischen Anhänger selbst so etwas wie ein Heiligtum, zumindest jedoch der charismatischste Quarterback seit der Erfinder von Quarterbacks Quarterbacks erfunden hat. Für seine zahlreichen fanatischen Gegner ist Tebow der überschätzteste Quarterback seit der Erfinder von Quarterbacks Quarterbacks erfunden hat. Welche Expertise LAOLA1 fällt, bleibt Redaktionsgeheimnis (oder um bei der Wahrheit zu bleiben: Wir sind uns selbst nicht einig…). Aber sagen wir so: Wir knien zwar nicht vor Tebow nieder, ziehen aber den Hut davor, wie er seine Horror-Vorstellung gegen Detroit weggesteckt und mit einer guten Leistung beim 38:24 in Oakland (124 Passing-Yards, 118 Rushing Yards, zwei Touchdown-Pässe) zurückgeschlagen hat. Das zeugt zwar vielleicht nicht von Genialität, aber von einer starken Psyche. Amen!

 

THE AWFUL

Kansas City Chiefs

Zu lange gefeiert? Den Sieg schon vor dem Kickoff verbucht? Zu viele Folgen Flipper gesehen und Mitleid mit den Meeres-Säugern gehabt? Oder ganz simpel formuliert: Wie in aller Welt kann Kansas City zu Hause gegen die Miami Dolphins mit 3:31 untergehen? Zum besseren Verständnis: Die Delfine aus Florida hielten im Vorfeld bei genau null Saison-Siegen (die Premiere ist natürlich ein glattes „Awesome“!), während die Chiefs nach verpatztem Start mit vier Erfolgen en suite so etwas wie einen Lauf hatten. Vor allem das 23:20 im Monday Night Game gegen AFC-West-Rivale San Diego war ein Statement. Unsere Vermutung lautet folgerichtig: Zu lange gefeiert…

 

Tarvaris Jackson

Halbzeit in Dallas! Es steht 6:6. Soll heißen: Alles ist möglich für Seattle, aber nix is fix! Nehmen wir es vorweg: Zur großen Sensation hat es für die überschaubar erfolgsverwöhnten Seahawks dann doch nicht gereicht, das Team aus dem Nordwesten der USA verließ als 13:23-Verlierer den Platz. Den Sündenbock musste man nicht mit der Lupe suchen. Quarterback Tarvaris Jackson hielt dem Erfolgsdruck ungefähr so stand, wie am vergangenen Wochenende Osasunas Abwehr dem Sturmlauf von Real Madrid beim 7:1-Trumph der „Königlichen“. Sage und schreibe drei Interceptions leistete sich Seattles Spielmacher. Dem nicht genug, wollte Jackson einen der abgefangenen Pässe mangels Anspielstation eigentlich nur wegwerfen. Peinlich, peinlich!

 

„Maggie“ Sanchez

Zu guter Letzt ist es an der Zeit, ein Redaktionsgeheimnis zu lüften: Der LAOLA1-interne Spitzname für Mark Sanchez lautet wechselweise „Maggie“ oder „Californian Girl“. Nun liegt dies weniger daran, dass wir den QB der New York Jets nicht mögen, geschweige denn seine Toughness auch nur ansatzweise in Frage stellen würden. Vielmehr geht es darum, einen geschätzten Kollegen, der den Jets ungefähr so verfallen ist wie die Beachboys dem Surfen, zu ärgern. Beim durchaus heroischen 27:11-Sieg ihrer „Gang Green“ in Buffalo erlaubte sich die „liebe Maggie“ jedoch einen Aussetzer der Marke mega-köstlich, mit dem er der Wahl unserer Nicknames alle Ehre machte. Sanchez war in einer Wildcat-Formation als Wide Receiver aufgestellt. Als Gegenspieler Drayton Florence in seine Richtung zuckte, schreckte der bald 25-Jährige ängstlich zusammen, wie es der Schreiber dieser Zeilen würde, wenn ihm Mike Tyson Prügel androhen täte. Noch ganz zittrig beging Sanchez Sekunden später ein Holding. Der Live-Kommentator: „Oh man, that was awesome!“ Ääähm, finden wir auch – aber nur in Bezug auf den folgenden Spott für den geschätzten Kollegen…

Peter Altmann

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