NFL: Einmal schämen, bitte!

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Santonio Holmes brachte Rex Ryan zum Weinen

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Der Käse ist gegessen, der Drops ist gelutscht, der Deckel ist drauf, das Ding ist durch, die Messe ist gelesen, der Zug ist abgefahren – Klappe zu, Affe tot.

Kurzum: Die Regular Season 2011 in der National Football League ist zu Ende.

Nach 17 Spieltagen und jeweils 16 Partien der  32 Teams stehen die zwölf Playoff-Teilnehmer fest.

Neun waren vorher schon bekannt: Von der AFC die New England Patriots (AFC-East-Sieger/Setzliste-Nummer 1), die Baltimore Ravens (AFC-North-Sieger/2), die Houston Texans (AFC-South-Sieger/3) und die Pittsburgh Steelers (AFC-Wild-Card/5).

Mit Niederlagen in die Postseason

Von der NFC die Green Bay Packers (NFC-North-Sieger/1), die San Francisco 49ers (NFC-West-Sieger/2), die New Orleans Saints (NFC-South-Sieger/3), die Atlanta Falcons (NFC-Wild-Card/5) und die Detroit Lions (NFC-Wild-Card/6).

An einem spannenden Schlusstag wurden die letzten drei Playoff-Tickets vergeben. Diese sicherten sich die New York Giants (NFC-East-Sieger/4), die Denver Broncos (AFC-West-Sieger/4) und die Cincinnati Bengals (AFC-Wild-Card/6).

Die beiden letzteren Franchises schafften das mit Niederlagen, während den Tennessee Titans ein Sieg gegen die Houston Texans nicht reichte.

Ja, die NFL ist kein Wunschkonzert. Ein letztes Mal für diese Saison – let’s get awesome and awful – Week 17:

THE AWESOME

New York Giants

Die Nerven behalten, das Ziel erreicht! Nach zwei Saisonen ohne Playoff-Teilnahme haben es die „G-Men“ wieder geschafft. Im absoluten NFC-East-Finale im Sunday Night Game gegen die Dallas Cowboys (Eigentümer Jerry Jones: „Es ist eine Schande!“) hat sich „Big Blue“ mit 31:14 durchgesetzt. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen – die einzige Niederlage war eine Heimblamage gegen die Redskins – nach einer Serie von vier Pleiten in Folge haben die Giants ihre finale Coolness wieder gefunden. In den vergangenen beiden Saisonen hatten die Mannen von Head Coach Tom Coughlin – der Sieg gegen die Jets in Week 16 hatte, wie unter der Woche bekannt wurde, seinen Job gesichert – die Kaltschnäuzigkeit gegen Ende missen lassen. Dieses Mal nicht, auch dank eines erneut überragend spielenden Receivers Victor Cruz - dem Shooting-Star der Giants. Gegen die Jets hatte er einen 99-Yards-TD verbucht, dieses Mal einen für 74 Yards. Das mit mehr als 80.000 Fans ausverkaufte Tollhaus namens MetLife-Stadium sieht am kommenden Sonntag die Giants gegen die Falcons – und „Big Blue“ hat Rückenwind!

 

40+

Wow, das war noch einmal ein grandioses Finish zum Abschluss der Regular Season – jedenfalls was die erzielten Punkte betrifft. Gleich fünf Teams konnten mehr als 40 Punkte erzielen. Hätten etwa die Atlanta Falcons nach der Pause nicht abgestellt und am Ende „nur“ 45:24 gewonnen, die 42:0-Führung kurz vor Halbzeit gegen die Tampa Bay Buccaneers hätte den Rekord-Sieg der Chicago Bears (73:0 gegen Redskins/1940) gefährden können. Buffalo brachte eine 21:0-Führung in New England – das wie eine Woche zuvor hoch zurücklag – herzlich wenig, die Patriots fuhren in der Folge mit den „Büffeln“ ein Programm, da konnten die Gäste noch was lernen – 49 unbeantwortete Punkte. Die Saints schossen die Panthers 45:17 ab. Drew Brees, seit letzter Woche Rekordmann hinsichtlich Passing Yards in einer Saison, schraubte die Bestmarke nach dem letzten Spiel auf 5347 Yards. Patriots Tom Brady hat den 1984er-Rekord von Dan Marino auch gebrochen, schloss der dreifache Super-Bowl-Champion doch bei 5235 Yards ab. Die punktereichste Partie an diesem Sonntag fand allerdings in Green Bay statt: 45:41-Sieg gegen die Detroit Lions – und Aaron Rodgers war daran nicht beteiligt…

 

Matt Flynn

Chance mehr als genutzt! Am letzten Spieltag der Regular Season wurde Packers-Superstar Aaron Rodgers eine Pause gegeben, an seiner Stelle durfte Backup-Quarterback Matt Flynn auf das Feld. Und der 26-Jährige hatte nichts „Besseres“ zu tun, als gleich einen Franchise-Rekord hinzulegen. Nicht einen, nicht zwei, nicht drei, nicht vier, nicht fünf – sechs Touchdowns-Pässe brachte der Quarterback an den Mann, drei Mal fing Receiver Jordy Nelson den Ball. Die Performance Flynns könnte aus seiner Sicht nicht besser getimt sein, schließlich wird der Backup als Free Agent in die Saison gehen. Nachdem es an Rodgers naturgemäß kein Vorbeikommen gibt und manch Team dringend einen neuen Spielmacher benötigt, wird sich Flynn wohl eine neue Franchise suchen – wir sind uns ziemlich sicher, dass das vor allem nach dieser Performance kein Problem sein wird. Ein, zwei Angebote werden wohl eintrudeln…!

 

THE AWFUL

Oakland Raiders

„I’m pissed at my team“. Wir brauchen das wohl nicht großartig zu übersetzen - ja, Head Coch Hue Jackson war nach der 26:38-Niederlage vor eigenem Publikum gegen die San Diego Chargers ziemlich schlecht aufgelegt. Verständlich! Da hatten die Raiders die große Chance zum ersten Mal seit 2002/2003 – damals verlor Oakland in der Super Bowl gegen die Tampa Bay Buccaneers – wieder in die Playoffs zu gelangen und verpassen das Ziel eindrucksvoll. Von der Offense der Chargers grob aufgemacht, selbst letztlich zu wenige Chancen genutzt. Der direkte Konkurrent um den AFC-West-Titel, Denver, hätte sogar sein Spiel verloren und damit den Weg für die Kalifornier geebnet, die nahmen das Geschenk aber nicht an. Womöglich ist es auch eine Strafe für die Disziplinlosigkeiten, die die Raiders während der gesamten Saison produzierten. Oakland hat nun einen Rekord mit zweifelhafter Ehre inne: Kein Team hat in der Saison jemals mehr Strafen beziehungsweise Yards Raumverlust aufgrund von Strafen kassiert. Irgendwie bezeichnend…

 

Tampa Bay Buccaneers

Was für ein trauriges Ende einer schlussendlich völlig verkorksten Saison. Die Tampa Bay Buccaneers lagen kurz vor der Halbzeit mit 0:42 (!) gegen die Atlanta Falcons zurück. Hätten sich die Gastgeber nicht zurückgehalten, es wäre ein Debakel, das seinesgleichen gesucht hätte, geworden. Damit haben die „Bucs“ nicht nur mit einer 4-12-Bilanz die Regular Season abgeschlossen, sondern auch mit zehn Niederlagen in Folge (!). Kein Wunder, dass Head Coach Raheem Morris – übrigens wie am Montag auch Rams-HC Steve Spagnuolo und –General-Manager Billy Devaney sowie Indianapolis-„Vize“ Bill Polian und General Manager Chris Polian – gefeuert wurde. Es hatte sich schon vor der 24:45-Niederlage im Georgia Dome abgezeichnet. Eigentümer der Buccaneers ist übrigens ein in Europa nicht unbekannter. Malcom Glazer hat bekanntlich beim englischen Rekordmeister Manchester United ebenfalls Eigentümer-Status – sein anderes Spielzeug funktioniert allerdings deutlich besser als die „Bucs“ heuer…

 

Santonio Holmes

Einfach nur peinlich! Vor dem 17. Spieltag waren die New York Jets noch im Rennen um die Playoffs. Doch die „Gang Green“ schaffte nicht einmal ihr Soll und verlor bei den Dolphins 17:19. Abgesehen davon, dass zwei der drei Interceptions von QB Mark Sanchez von Defensive Linemen – das sind die schwergewichtigen Typen in der ersten Reihe – abgefangen wurden, gab es auch am Ende noch ein Drama. In den finalen Minuten der Saison, in denen es um alles oder nichts ging und die Jets einen Rückstand umzudrehen versuchten, kam es im Huddle zum Streit: Santonio Holmes legte sich mit Tackle Wayne Hunter an. Der Nr.-1-Receiver und Team-Captain (!) soll schon unter der Woche unmotiviert gewesen sein und Streit mit Sanchez gehabt haben, machte dann erstmals in einem NFL-Spiel keinen Catch und ließ in der Folge seine Kollegen im Stich. Holmes wurde vom O-Coordinator gebencht, der Receiver sah die letzten Minuten gar nicht mehr richtig hin. Eine Schande, die HC Rex Ryan beim montäglichen Teammeating sogar die Tränen in die Augen trieb, wie er auch später bestätigte ("Ich bin irisch, was soll ich sagen? Es tat ungeheuer weh und ich bin ein extrem stolzer Mensch"). Santonio, mehr awful zu agieren geht nicht. Im Urlaub hast du ja jetzt genügend Zeit darüber nachzudenken…

 

Bernhard Kastler

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