Historisches Spiel: "Das ist schon unser Finale"

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Es ist das wichtigste Spiel der Verbands-Geschichte.

Noch nie hat Österreichs Football-Nationalteam das Endspiel einer Europameisterschaft erreicht.

Zwei dritte Plätze stehen in den bisherigen zwölf Ausgaben zu Buche. Schlägt es jetzt im wahrsten Sinne des Wortes 13?

Es dieses Mal, nämlich auch noch im eigenen Land, zu schaffen, wäre freilich ein absolutes Highlight. Ein österreichisches "Finale dahoam" in einer Team-Sportart?

Das würden sonst nur die Faustballer hinkriegen, die Footballer sind knapp davor.

Das Traum-Finale vor Augen

Sollte es klappen, kommt es noch dazu zum absolute Traum-Endspiel, auf das alle hierzulande seit der Gruppen-Einteilung hinfiebern.

Denn der ewige Rivale Deutschland hat schon am Dienstag sein Ticket für die Partie um Gold am Samstag im Wiener Ernst-Happel-Stadion gebucht - alle hoffen nun auf ein Finale vor bis zu 30.000 Zuschauern gegen den Erzrivalen.

Das ausgegebene Ziel war stets das Endspiel. Deswegen weiß Head Coach Jakob Diepiinger: "Das ist bereits unser Finale."

Mit Frankreich kommt es aber im zweiten und und letzten Gruppenspiel der Gruppe B für das AFBÖ-Team zu einem Duell mit einem absioluten Brocken.

"Ich schätze Frankreich vielleicht etwas stärker ein als Deutschland", sagte Dieplinger nach dem Sieg zum Auftakt gegen die Dänen. Zur Erinnerung: Der große Nachbar ist Titelverteidiger, bog Frankreich 2010 im EM-Finale in Frankfurt.

Und sein Eindruck wird ihn sicher nicht getäuscht haben, als der 29-Jährige am Montag mit dem Team die Franzosen beim 65:0-Sieg gegen die Dänen verfolgte.

Österreich will mit seinem Teamgeist Frankreich packen

Das Prinzip "Aus Liebe zum Spiel" schweißt daher zusammen und seit der Vorbereitung im Winter schwört das AFBÖ-Team auf den Faktor Teamgeist.

"Jeder kämpft für den anderen. Bei den Franzosen sind die Legionäre erst kurz vor Turnierbeginn gekommen", erklärt etwa Laurinho Walch, der gegen Dänemark per Punt-Return-Touchdown auf dem Scoreboard und der Tribüne zu punkten wusste.

Noch eine Rechnung offen

"Ich hoffe, es kommen sehr viele Fans am Mittwoch, das Publikum ist ein Faktor", so der 21-Jährige am Samstag. AFBÖ-Boss Michael Eschlböck rechnet mit 7000 bis 8000 Zuschauer für das Finale vor dem Finale. Das wären mehr als 2011.

Denn Österreich hat bekanntlich noch eine Rechnung offen mit den Franzosen: Vor drei Jahren setzte es eine bittere 16:24-Niederlage und das AFBÖ-Team verpasste die Partie um Platz fünf gegen Deutschland.

"Diese Scharte wollen wir auswetzen", gab Eschlböck schon vor der EM die Marschrichtung vor. Sein Head Coach, der damals noch als Receiver am Feld stand, erinnert sich.

"Dieses Mal sind wir vorgewarnt"

"Auch damals hatten sie schon große Verstärkung aus Kanada. Da haben wir vielleicht noch nicht ganz so erkannt, dass sie ein starkes Team sind und sie ein wenig unterschätzt, auch weil wir vielleicht zu weit nach vorne geblickt haben, auf dieses Spiel um Platz fünf gegen Deutschland."

Zusatz: "Wir sind vorgewarnt, aber ich erwarte mir eine ähnliche oder noch schwierige Partie als damals."

Dieses Mal soll es zum Duell mit dem Nachbarn kommen, zudem auch gleich das Ticket für die WM 2015 in Schweden (erstmals mit zwölf Teams) gelöst werden.

Österreichs Football-Nationalteam will Geschichte schreiben. Es ist eben das wichtigste Spiel der Verbandsgeschichte.

 

Bernhard Kastler

Jeder konnte den Gegner um den Final-Einzug einmal beobachten. "Aber beide ließen sich nicht vollends in die Karten schauen", ist Dieplinger auch klar.

Schließlich wollen beide Teams in gewisser Weise unberechenbar bleiben und im Entscheidungsspiel der Gruppe das Pendant mit neuen Plays in die Irre führen.

Österreich hat indes den Vorteil, zwei Tage mehr Pause gehabt zu haben. Und im American Football ist Regeneration ein wesentlicher Bestandteil bei einem Turnier.

Dieplinger, der auf Geschwindigkeit und Tiefe setzt, ist trotzdem sonnenklar: "Es wird knallhart und wir brauche eine optimale Leistung, um sie zu biegen."

Frankreich kommt mit individueller Klasse

Sein Betreuer-Team, u.a. mit den AFL-Head-Coaches Chris Calaycay (Linebackers) und Ivan Zivko (Quarterbacks), haben sich seit Sonntag intensiv mit Frankreich auseinandergesetzt.

"Wer den besseren Gameplan und den größeren Willen hat, wird gewinnen", meint der Teamchef. „Frankreich reist vom Kader her enorm stark an. Von Position zu Position gesehen sind keine Schwachstellen auszumachen. Sie sind zudem sehr physisch an den Lines und sehr groß auf der Linebacker-Position.“

Frankreich kommt vor allem mit individueller Klasse. Insgesamt befinden sich 16 Legionäre im Kader der Gäste, acht spielen in Nordamerika für Colleges, zwei in den USA und gleich sechs in Kanada, die Franko-Kanadier sind am Werk.

Teamgeist soll individuelle Klasse kontern

Die anderen acht Spieler, die im Ausland und nicht in der durschnittlichen französischen Liga auflaufen, verdienen in Deutschland auch noch Geld.

Die Österreicher sind bis auf zwei Ausnahmen, David Lamprecht (LB) und Christian Steffani (WR) spielen bei den Calanda Broncos in der Schweiz, in der Austrian Football League engagiert und müssen zumeist noch selbst dafür zahlen, Football spielen zu dürfen - nämlich Mitglieds-Beitrag und Ausrüstung.

 

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