"Man kann ihnen mehr mitgeben als nur den Sport"

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Da stand er locker und entspannt, als wäre nichts gewesen.

Als hätte Österreich nicht gerade Frankreich mit 28:9 deklassiert. Als hätte Österreich nicht gerade sein bestes Spiel in der Geschichte des heimischen Football-Sports abgeliefert. Als wäre einfach alles ganz normal. Doch das schien nur so. Denn es war nicht normal, es war ganz besonders.

„Es ist ein sehr emotionaler Moment, aber wir haben ein hohes Ziel und das heißt Goldmedaille. Wir müssen als Spieler als auch als Trainer verstehen, dass das jetzt sicher ein toller Moment war, aber auch nur ein Zwischenstopp. Richtig feiern können wir erst, wenn wir die Goldmedaille gewinnen.“

Dieplinger ist mit dem Erreichen des Endspiels noch lange nicht fertig. Auch wenn die kommunizierte Zielsetzung, ins Finale einzuziehen, erfüllt wurde. Österreich will vor eigenem Publikum, vor mehr als 20.000 Zuschauern im Happel-Stadion, den großen Coup landen.

Mit Titelverteidiger Deutschland haben sich Dieplinger und sein Team seit Mittwochabend beschäftigt. Wie gut sich das Team auf einen Gegner vorbereitet, zeigte das Frankreich-Spiel.

Lob vom Altmeister

Coach Larry Legault lobte nach der Partie Österreich und bescheinigte dem Team ein intelligentes Spiel. Weil etwa der Quarterback der Franzosen, Perez Mattison, nie geblitzt wurde. Das AFBÖ-Team verteidigte gegen den Pass mit ihren Defensive Backs – und sie war die beste Unit am Platz.

„Coach Legault ist ein Altmeister, ein langjähriger College-Trainer aus Kanada und seit zehn Jahren französischer Teamchef. Es ist eine tolle Sache, wenn man so einen tollen Coach besiegen kann“, freut sich Dieplinger, wie immer ganz besonnen, über das Lob seines Gegenübers.

Am Samstag wollen die Österreicher auch noch den regierenden Champ aus dem Weg geräumt haben und erstmals EM-Gold holen. Wie kann man eigentlich bei dieser Vorstellung so cool bleiben? „Ich muss so nach außen wirken, innen schaut es anders aus“, so der Tiroler, der damit seinen Spielern genau das vorlebt, was sie brauchen, um dieses EM-Finale zu gewinnen.

Mr. Cool, weil es so sein muss

Sein Boss Michael Eschlböck weiß diese Lockerheit im LAOLA1-Gespräch auch so zu deuten: „Er wirkt zwar cool, aber es arbeitet ihn ihm sicher auch.“

Und vor allem: Dieplinger arbeitet viel. „Er ist ein Football-Besessener“, sagt Eschlböck über den 29-Jährigen, der in den USA viel lernte, an High Schools trainierte und etwa in Innsbruck die Speed School etablierte. Raiders-RB Andreas Hofbauer profitierte etwa von der Leichtathletik-Schule. Sein 70-Yard-Touchdown-Run gegen Frankreich ist Beweis genug. Dieplinger ist ein Tüftler.

Und hat auch deswegen ob seines Alters keinerlei Autoritätsprobleme. „Jakob hat viel Erfahrung und ist eigentlich viel älter“, hält Chris Calaycay, Nationalteam-Trainer der Linebacker, fest.

Der Vikings-Head-Coach ist neben Ivan Zivko (Quarterback) der zweite AFL-Head-Coach im Staff des Nationalteams. Beide haben überhaupt kein Problem, hinter dem Jungspund-Trainer zu stehen.

„Wir sind ein Team“, betont Calaycay und bestätigt damit auch im Coaching Staff den notwendigen Teamgeist für dieses Turnier. Gemeinsam haben sie den Gameplan gegen Frankreich entwickelt. „Und wir haben das Spiel dominiert“, lobte auch der Vikings-Coach seine Mannen.

Das große Miteinander

Dieplinger setzt auf das Miteinander. Deswegen hat man im Winter mehrere Camps miteinander verbracht, um den Teamgeist nach und nach zu beschwören. Die Ergebnisse sind bekannt.

Frankreich hatte vielleicht die höhere individuelle Klasse, aber Österreich schlussendlich die kollektive. „Wir haben dem Team gesagt, dass wir fest daran glauben. Eine Mannschaftsleistung kann individuelle Klasse immer schlagen. So kann man Großartiges bewältigen.“

Zusatz: „Wir haben füreinander gespielt und ich glaube, viele dieser eingeflogenen College-Spieler spielen nicht für Frankreich sondern für sich.“

"Man kann ihnen mehr mitgeben"

Dieplinger impfte dem Team Selbstvertrauen ein und weiß mit den Spielern umzugehen. Eschlböck hat ihn nicht umsonst zum Nachfolger des routinierten US-Amerikaners Rick Rhoades gemacht.

„Er hat mit 16 zu coachen begonnen, wollte nach der Heim-WM 2011 als Spieler nur noch trainieren. Nachdem er als Junioren-Head-Coach erfolgreich war, lag es auf der Hand, ihm auch dieses Amt zu geben, da ja viele Spieler von den Junioren kamen. Er hat ein tolles Team um sich.“

Der AFBÖ-Boss beschreibt Dieplinger als „den nicht angenehmsten Verhandlungspartner“. Der Coach will immer mehr Tage mit dem Team. Bei einem Plus-50-Vorbereitungs-Roster ein teurer Spaß. Doch der Trainer will seinen Spielern viel vermitteln. Und nicht nur Sportliches.

„Viele dieser Spieler kenne ich schon sehr lange und habe mit ihnen auch noch gespielt. Es ist sehr schön, wenn man die Entwicklung solcher junger Spieler miterleben darf. Wenn man auch erleben darf, wie sie sich als Menschen weiterentwickeln. Ich glaube fest daran, dass man den Menschen hier mehr mitgeben kann, als nur den Sport. Das sind tolle Burschen, die wir in der Mannschaft haben und sie können später einmal viel von hier für ihr Leben verwenden. Das sollte die Aufgabe des Coaches sein, es geht nicht nur um Spieler, es geht um Menschen. Wir haben da ganz tolle dabei.“

Die Klasse von 2014 – sie besteht ausschließlich aus Amateuren, die ihren zweiwöchigen Urlaub am Samstag mit dem ersten EM-Titel der AFBÖ-Geschichte krönen könnten. Sollte das der Fall sein, darf man davon ausgehen, dass man Jakob Dieplinger diesen auch von außen anmerkt.

 

Bernhard Kastler

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