Österreich fährt Kantersieg zum EM-Start ein

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So sieht ein Auftakt nach Maß aus.

Österreich feiert in Graz im ersten Gruppenspiel bei der 13. American-Football-EM im eigenen Land einen klaren 49:7-(21:0)-Sieg gegen Dänemark.

Es war der Pflichtsieg, der ohne wenn und aber eingefahren werden musste, um das selbst ausgegebene Ziel EM-Finale im Wiener Ernst-Happel-Stadion in einer Woche zu erreichen.

Denn nach dem Aufsteiger wartet am kommenden Mittwoch (19 Uhr, Graz) ein ganz anderes Kaliber, Frankreich reist mit sieben kanadischen College-Spielern an.

An einem nasskalten letzten Mai-Tag ließ der Football-Gott die Sonne kurz vor Kickoff der rot-weiß-roten Mission auf die mit 5600 Zuschauern gut gefüllte UPC-Arena blitzen - in der Folge scheinte auschließlich Österreich.

Geglückter Start in die EM

Ramon Azim führte seine Teamkollegen mit dem bekannten Ray-Lewis-Move auf das Feld, das Jahres-Highlight der unbezahlten Amateure konnte losgehen.

Valentin Gruber ging auf Krüken mit zum Münzwurf. Der Tackle und emotionaler Offense-Leader verletzte sich vor zwei Wochen beim Vikings-Gastspiel in Braunschweig, ließ es sich aber nicht nehmen, seine Mannschaft aufs Feld zu begleiten - der zuletzt oft betonte Teamgeist wurde auch für die Fans sichtbar.

Sportminister Gerald Klug sorgte für einen erfolgreichen Münzwurf und ebenso erfolgreichen Ehrenankick (über die Fotografen), Team Austria erledigte den Rest.

Die Hausherren starteten aber etwas holprig, denn das eigentliche 3-And-Out im ersten Drive wurde nur durch eine dänische Strafe zum ersten First Down gerettet.

Comebacker Hofbauer als Man of the Match

Danach verlor Running Back Andreas Hofbauer das Spielgerät, der Fumble zugunsten der Gäste führte zum ersten Field-Goal-Versuch. Aus 41 Yards ging der Ball aber zu weit nach links, aus dem Turnover wurden keine Punkte.

Hofbauer machte schließlich seinen Fehler wieder gut, und mehr als das.

Der Tiroler von den Swarco Raiders, der im einzigen Testspiel am vergangenen Sonntag gegen das US-College aus Claremont (21:14) angeschlagen fehlte, bestätigte, wie wertvoll er für die heimische Offense ist.

"Der ist ein Wahnsinn", sagte selbst Österreichs NFL-Hoffnung Aleksandar Milanovic zuletzt in einem LAOLA1-Interview. Hofbauer konnte erst einen Pass von Quarterback Christoph Gross fangen, dann lief der 21-Jährige für zwei Yards zum ersten Mal in die Endzone - zur großen Freude des angetanen Publikums.

Ab dann ging es nur in eine Richtung, denn Dänemarks Offense war kein Problem für die österreichische Defensive (erstes First Down kurz vor der Pause). Und der rot-weiß-rote Angriff lief so richtig heiß. Zuerst sollte aber noch das Special Team für den Höhepunkt in der ersten Hälfte sorgen.

American-Football-EM 2014, Gruppe B
 
Österreich-Dänemark 49:7
14:0/7:0/21:0/7:7
UPC Arena Graz 5.600 Zuschauer
 
Scorer Österreich
Touchdowns: Andreas Hofbauer (3), Laurinho Walch, Felix Stadler, Christian Steffani, Alexander Thury
Extrapunkte: Christopher Kappel (7)
 
Scorer Dänemark
Touchdown: Kold Larsen
Extrapunkt: Philip Andersen
 
Stimmen zum Spiel

Jakob Dieplinger (Head Coach Österreich):
 "Dänemark kam mit einem guten Gameplan. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir offensiv unseren Rhytmus gefunden haben. Wir mussten einiges umstellen, bis es klappte. Wir müssen in der ersten Halbzeit effizienter werden und Fehler vermeiden, um nicht gegen Frankreich früh in Rückstand zu geraten."
 
Lars Carlsen (Head Coach Dänemark): "Wir wussten was uns erwartet und das es ganz schwer wird für uns. Das Spiel in der A-Gruppe ist wesentlich physischer und schneller als in der B-Gruppe. Daran müssen wir uns noch gewöhnen. Wir wollen uns Spiel für Spiel steigern während des Turniers."

Receiver Laurinho Walch lief den Punt-Return an Mann, Maus und jedem Dänen in seinem Weg vorbei, der rund 50-Yards-Slalom brachte die UPC-Arena zum Brodeln.

Das 14:0 gab den Österreichern genug Rückenwind, auch wenn zwischendurch Quarterback Gross im zweiten Viertel eine Interception warf. Tight End Manuel Thaller hatte zwischen zwei Dänen als Passstation keine Chance.

Doch wiederum konnten die Skandinavier, die zuletzt die B-WM klar für sich entscheiden konnten, für nichts Zählbares sorgen. Auf der anderen Seite sorgte einmal mehr Walch für einen toll gefangenen Pass - wäre der 21-Jährige nicht mit den Füßen im Out gewesen, er hätte seinen zweiten Touchdown sicher gehabt.

Für den sorgte im Anschluss Hofbauer per Laufspiel (5 Yards). Das 21:0 besiegelte auch den Halbzeitstand, denn ein weiterer dänischer Field-Goal-Versuch war nicht erfolgreich. D-Liner Harald Zipfelmayer lenkte den Ball erfolgreich ab.

Kantersieg am Ende

Nach der Pause legte Österreich durch Hofbauers dritten Streich aus drei Yards zum 28:0 nach. Sein Backup-Running-Back Felix Stadler, der beim Drittligisten Traun spielt, erhöhte nach einer Lunzer-Interception auf 35:0 - mit einem sensationellen 93-Yards-Lauf, der noch einmal die Grazer Fans lautstark jubeln ließ.

Backup-Quarterback Alexander Thury, wie sein "Chef" Gross von den Vikings, fand schließlich Calanda-Legionär Christian Steffani in der Endzone. Der einzige rot-weiß-rote TD-Pass zum 42:0. Thury vollendete schließlich mit einem 1-Yard-Lauf den Traum-Auftakt auf österreichischer Haben-Seite.

Das vermeintliche Zu-Null rettete erst noch Clemens Erlsbacher, der nach einem zu hohen Snap den Ball aus der eigenen Endzone befördern konnte. Doch die Dänen kamen kurz vor Schluss noch zum Ehren-Touchdown durch einen Pass auf Larsen.

Applaus kam noch einmal auf, als Kommentator-Legende Robert Seeger die Fans wissen ließ, dass Deutschland - der gewünschte Final-Gegner - am Freitag gegen Finnland "nur" auf 47 (!) Punkte kam.

Österreichs Must-Win wurde souverän zum Auftakt also eingefahren, doch mit den Franzosen kommt am Mittwoch ein ganz anderer Gegner. Das ist klar. Klar ist aber auch, dieses Spiel der Österreicher hat so richtig Lust auf die EM gemacht.

Die Welle der Fans war dafür ebenso ein Beweis.

 

Bernhard Kastler 

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