Österreich will mit "Sturkopf" Hofbauer ins EM-Finale

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"Es ist zum Teil eine One-Man-Show."

Quarterback Christoph Gross hat dickes Lob für seinen Running Back über.

"Er ist ein Wahnsinn, fällt immer wieder nach vorne und holt die Yards heraus."

US-College-Legionär Aleksandar Milanovic streut dem Tiroler Rosen

"Wir haben ihn noch gar nicht so richtig zur Geltung kommen lassen."

Head Coach Jakob Dieplinger hat noch einiges mit dem 21-Jährigen vor.

Starkes Nationalteam-Debüt

Andreas Hofbauer war mit drei Touchdowns der Mann des Spiels beim 49:7 Österreichs zum Heim-EM-Auftakt gegen Dänemark in Graz.

Für den Running Back der Swarco Raiders war es so nebenbei sein erstes A-Nationalteam-Spiel überhaupt, denn die einzige Partie seit der WM 2011 verpasste der Junioren-Europameister angeschlagen.

"Die Partie hat schon ganz gut gepasst", lachte der Offensivspieler nach dem Traum-Start in die EM vor 5.600 Fans in der UPC-Arena.

Aus fünf Yards, aus drei Yards und aus zwei Yards tankte sich Hofbauer jeweils durch und half dem Gastgeber zu einem klaren Sieg.

"Meine Teamkollegen haben gut geblockt", blieb der AFBÖ-Team-Debütant bescheiden. Doch wie sich der Running Back seinen Platz verschaffte, das zeugt schon von großer Klasse auf diesem Niveau.

Die Vorbilder aus der NFL

"Das ist meine Angewohnheit. Ich habe einfach etwas dagegen, wenn ich nach hinten getackelt werde. Deswegen versuche ich das zu vermeiden", grinst Hofbauer, der als NFL-Vorbilder Minnesotas Adrian Peterson ("Der stößt auch richtig nach vorne"), Philadelphias LeSean McCoy und Chicagos Matt Forte nennt.

Andreas Hofbauer ist der "Sturkopf" mit dem Schnauzer

Mit einem Sieg spielt man am Samstag das Traum-Finale gegen Deutschland - und das vor wohl mehr als 20.000 Zuschauern im Happel-Stadion in Wien. Darauf sind die Spieler vollauf konzentriert.

Das "Finale" vor dem Finale gegen Frankreich"

„Wir sind auf einem guten Weg. Wenn jeder seinen Job macht, dann können wir gute Plays zeigen, das wird gegen Frankreich auch von Nöten sein, denn die sind einfach sehr stark."

Davon konnte sich das Team am Montag in Graz selbst überzeugen, als man das 65:0 gegen die Dänen auf der Tribüne mitverfolgte.

"Ich hoffe, ich steigere mich noch. Mir darf etwa der Fumble gegen die Dänen nicht passieren. Ich hätte den Ball besser beschützen müssen, ich habe nicht gerechnet, dass der Verteidiger noch den Arm draufschlagen könnte. Gedanklich war ich da schon weiter. In so einem Spiel wie gegen Frankreich kann das den Unterschied machen", zeigt sich der Nationalteam-Spieler kritisch.

Hofbauer, der einen Schnauzer trägt ("Ich schäme mich nicht zu sagen, meinem Teamkollegen Arno Andreas nachzueifern“), studiert übrigens Geschichte und Englisch auf Lehramt.

Es wäre nur zu wünschen, wenn er auch Frankreich eine Lektion erteilen würde.

So wie 2011 bei der Junioren-EM, als er beim 24:14-Final-Sieg gegen die Franzosen - richtig - drei Touchdowns erlief.

 

Bernhard Kastler

"Die sind von mir natürlich weit entfernt. Wenn aber irgendjemand mal in ein paar Jahren sagt, der hat Ähnlichkeiten mit einem NFL-Spieler, dann würde ich mich sehr geehrt fühlen."

College-Scouts sind nie auf ihn zugekommen, obwohl Hofbauer auch als Junior im Team World spielte. Das ergibt sich aus der Position.

"Die sind nicht darauf angewiesen, Skill-Players aus dem Ausland zu holen. Da haben sie genügend, die das seit jeher intus haben, wendiger sind und besser gecoacht werden. Die suchen eher Spieler mit den entsprechenden Maßen, wie etwa Aleksandar Milanovic. Für mich hat sich da nie etwas ergeben, von daher fühle ich mich in Österreich wohl und kann nebenbei studieren."

Das "Forrest-Gump-Prinzip"

Wie sein Nationalteam-Vorgänger Florian Grein kommt Hofbauer auch aus dem "Heiligen Land". Den Tirolern wird gerne ein Sturkopf nachgesagt, diesen braucht man wohl auch im Football gegen die Menschenmauer des Gegners.

„Und wahrscheinlich macht es auch die gute Luft in Innsbruck aus. Da zieht es durch, man denkt nicht viel und läuft einfach", scherzt Hofbauer und verfolgt damit das "Forrest-Gump"-Prinzip. 

Aber die Nummer 1 auf ihrer Position hat auch Lob für seine Backups parat: "Andere Teams haben aber auch gute Running Backs, Felix Stadler aus Linz (Steelsharks Traun) und Florian Pos (Danube Dragons) aus Wien haben ebenso Qualität.“

"Es herrscht eine gute Entwicklung"

Dennoch haben aus österreichischer Sicht die Tiroler die Nase vorne.

"Wir Raiders setzen viel Wert auf das Laufspiel, dafür haben wir Probleme, einen Quarterback hochzuziehen. Das wird auch noch kommen. Allgemein herrscht in Österreich eine gute Entwicklung. Es wird auch auf österreichische Quarterbacks gesetzt, so entsteht ein Konkurrenzkampf. Davon kann der Sport nur profitieren."

Der österreichische Weg wurde 2006 mit der Wiedervereinigung des Nationalteams eingeläutet, am Mittwoch in Graz (19 Uhr) soll dieser mit dem Finaleinzug seinen vorläufigen Höhepunkt finden.

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