Asiladab: "Verband muss sich etwas einfallen lassen"

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Es ist der Schluss- und damit Höhepunkt der Saison.

Am Samstag geht die Austrian Bowl XXIX (20:30 Uhr, LIVE bei LAOLA1.tv) zwischen den Raiffeisen Vikings Vienna und den den Swarco Raiders Tirol erstmals in der NV-Arena zu St. Pölten über die Bühne.

Am Schauplatz der EM 2014 werden die letzten Fragen der Saison geklärt: Wer gewinnt die Austrian Football League 2013? Können die Vikings ihre erste Perfect Saison seit 1991 vollenden?

Es sieht alles danach aus. Dieses Jahr, im 30. des Bestehens der "Wikinger" hätte dies sogar noch mehr Wert, schließlich kommt die weiße Weste als Eurobowl-Sieger hinzu. Das war 1991 nicht der Fall.

"Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Vikings gewinnen", versichert Pasha Asiladab. Der frühere Receiver der "Wikinger" sowie Danube Dragons kennt das Gefühl, die Trophäe zu gewinnen, mehrfach.

Die AFL verfolgt Asiladab ebenso genau wie die NFL, die der frühere Nationalteamspieler für Puls4 ab Herbst wieder kommentiert.

Vor dem 29. AFL-Finale, der Neuauflage der diesjährigen Eurobowl, stellte sich der Experte den Fragen von LAOLA1.

LAOLA1: Spricht irgendetwas gegen die Vikings?

Pasha Asiladab: Es spricht alles dafür, dass die Vikings das Rennen machen, aber das ist gleichzeitig auch ihr größtes Problem. Sie dürfen ob ihrer Stärke nicht zu lässig ins Spiel gehen, denn so etwas kann nach hinten losgehen.

LAOLA1: Gut für die Vikings, dass sie mit der Perfect Saison noch ein anderes großes Ziel haben.

Asiladab: Auf jeden Fall. Ich bin sowieso felsenfest überzeugt, dass die Vikings am Samstag als Sieger vom Platz gehen werden. Aber was die gesamte Saison noch nicht der Fall war, ist, dass die Vikings in Rückstand geraten sind. Wenn die Raiders den Münzwurf gewinnen und im ersten Drive Punkte erzielen oder im ersten Viertel vorne liegen, dann kann es sein, dass es für die Vikings psychologisch etwas schwieriger wird.

LAOLA1: Spricht irgendetwas für die Raiders?

Asiladab: Sie können auf jeden Fall unbeschwert in die Partie gehen, es erwartet keiner etwas. Ihre einzige Chance ist, das Spiel lange offen zu halten. So würden die geringen Chancen größer werden. Es wird aber schwierig, ihre Defense hat nicht die Klasse, um die Vikings dauernd aufzuhalten.

LAOLA1: Wäre es eine Sensation, sollten die Innsbrucker erfolgreich sein?

Asiladab: Ja, eigentlich schon. Sie sind natürlich ein Top-Team und die Nummer zwei in Europa. Aber aufgrund des Saisonverlaufs wäre es schon eine Sensation, vor allem wenn man die Deutlichkeit der Vikings-Siege gegen die Raiders gesehen hat.

LAOLA1: Was macht die Vikings so herausragend?

Asiladab: In der Offensive spielen sie sehr präzise, Quarterback Christoph Gross spielt eine hervorragende Saison. Das ist der Verdienst von Jordan Neumann (Offensive Coordinator, Anm.), der immer ein wenig untergeht. Er hat es geschafft, die Fehler von Gross zu minimieren bzw. das Offense-System so anzupassen, dass nur dessen Stärken zum Tragen kommen. Hinzu kommt, dass sie keinen Import-Platz für die QB-Position aufgeben müssen, so bleiben zwei Imports für zwei weitere Skill-Positions übrig. Das kann Spiele entscheiden. Mit Gross haben sie den Liga-MVP, mit Running Back Jesse Lewis den Offense-MVP und dazu die beste Receiver-Unit der Liga. Der dritte Faktor ist die Offense-Line, die die Raiders D-Line heuer kontrolliert hat. Und in der Defensive könnten sie ohne Import auskommen, es sind alles heimische Top-Verteidiger. Die kommen alle bis auf Florian Grünsteidl aus dem Vikings-Nachwuchsprogramm. Das sind junge, aber auch erfahrene Verteidiger und ich lege meine Hand ins Feuer: Die Defense ist die beste Europas. In der Offense gibt es auch in Deutschland ein paar gute Teams, aber die Defense mit lauter Österreichern ist die beste.

LAOLA1: Apropos Import-Regelung. Seit 2011 dürfen in der AFL nur zwei am Feld stehen. Die Vikings sind klar dafür, die Raiders klar dagegen. Du?

Asiladab: Ich sehe das zwiegespalten. Für den österreichischen Football-Sport ist gut, die jungen Spieler werden auf dem hohen Level natürlich besser. Auf der anderen Seite, wenn man sich die Zuschauer-Zahlen ansieht, dann sehe ich es ein wenig negativ. Die amerikanischen Spieler waren immer der spektakuläre Faktor. Zwischen 2003 und 2008, als die Vikings und Raiders viele Imports hatten, da waren noch mehr Leute in den Stadien und die Spiele spektakulärer. Ich kann die Vikings verstehen, denen zwei Imports reichen. Ich kann aber auch die Raiders verstehen, die mehr einsetzen würden. Das hat aber auch andere Gründe, weil sie ihre Schwächen bei den Österreichern ganz gerne kompensieren würden. Das ist wiederum der größte Vorteil der Vikings.

LAOLA1: Die Kräfteverhältnisse in der Liga könnten klarer nicht sein. Wie siehst du die Liga generell? Sind sechs Teams optimal?

Asiladab: Es gibt viele Gedanken in diese Richtung. Sechs Teams sind sicherlich nicht optimal. Viele würden sich wünschen, dass die Top 4 Österreichs in Deutschland mitspielen, aber das ist finanziell aufwendig. Was ich mir mal einfach so überlegt habe, war, dass je nach Kräfteverhältnisse der vergangenen Saison pro Klub unterschiedlich viele Imports erlaubt sind, um es etwas ausgeglichener zu gestalten. Aktuell ist alles recht eindeutig. Das ist natürlich nicht die Schuld der Vikings. Andere müssen ihre Hausaufgaben besser machen respektive der Verband muss sich etwas einfallen lassen, um die kleinen Teams zu stärken.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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