Wer fährt nach Klagenfurt?

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Wiener Derby um die Reise nach Klagenfurt

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Aus Fünf mach Vier.

Für die Graz Giants ist die Austrian Football League wie schon im Vorjahr frühzeitig beendet. Der Rest der Liga kämpft am Wochenende im Halbfinale um den Betriebsausflug nach Klagenfurt, wo die Austrian Bowl erstmals ausgefochten wird.

Während auf quantitativer Ebene die Bemühungen um eine Liga-Erweiterung auf Hochtouren laufen, ist sportlich keine Diätkost zu erwarten.

Die Swarco Raiders bekommen es im letzten Heimspiel der längsten Saison ihrer Vereinsgeschichte, bedingt durch das freiwillige Zusatzprogramm der „Battle4Tirol“ und der BIG6, am Samstag (17:30 Uhr) mit den Prague Black Panthers zu tun. Tags darauf (15:00 Uhr) lockt ein Wiener Derby auf die Hohe Warte.

Von 2014 nicht viel übrig

So unterschiedlich die letzten drei Monate für Danube Dragons und Vienna Vikings auch verliefen, etwas verband die Stadtrivalen: Ein großer Aderlass vor der Spielzeit und entsprechend unerfahrenes Spielermaterial.

Wirklich wehgetan hat es beiden Seiten nicht. Die Titelverteidiger entschieden den Grunddurchgang für sich, die Transdanubier ritterten eher mit Prag um Platz drei, denn mit Graz um den Playoff-Platz. Klare Vorzeichen für das anstehende Duell, denen angesichts der „do-or-die“-Situation aber wenig Bedeutung zugemessen wird.

„Selbst wenn wir haushoher Favorit sind, können wir eine Hälfte lang hinten sein“, spielt Vikings-Linebacker Simon Blach auf die jüngste Auflage der „Blue River Bowl“ an, welche schlussendlich trotzdem mit 34:10 an seine Mannschaft ging.

„Ich verstehe, dass wir in dieser Rolle sind. Aber wir machen uns darum keinen Kopf, weil wir wissen, dass wir teilweise unter aller Sau spielen“, lässt er Selbstkritik stehen, die angesichts der Saisonbilanz mit einer AFL-Niederlage von außen überhart klingen mag. Doch sie lässt ebenso merken, dass man es im Lager der Violetten in der kritischen Phase auf nichts ankommen lassen will.

Kopfschmerzen bei Quarterback und Coach

Stattdessen sind es äußere Faktoren, die Einfluss nehmen könnten. Quarterback Alexander Thury ist nach einer Gehirnerschütterung rekonvaleszent, eine Verletzung, die im Football mittlerweile sehr ernst genommen wird. Sein Einsatz wird sich erst am Spieltag entscheiden.

Ersatzmann Bernhard Seikovits, mit 17 Jahren noch einmal drei jünger als Thury, ist jedoch mit viel Selbstvertrauen vom Titelgewinn bei der Junioren-Europameisterschaft zurückgekehrt. In Dresden wurde er gar zum MVP gewählt.

„Das beste Team spielt. Football ist eine Competition“, macht Head Coach Chris Calaycay nicht nur eine Gesundheitsfrage daraus. „Zuerst müssen wir Alexander aufs Feld bringen, er hat jetzt vier Wochen Pause gemacht. Aber beide machen ihre Sache gut, und wir müssen den Gameplan nicht ändern. Trotzdem würde es einen Unterschied machen.“

Auswärts beim Nachbarn

Gegenüber Ivan Zivko will der offenen Spielmacherfrage seines Gegners keine übermäßige Bedeutung zumessen: „Von der Spielanlage sind sie sehr ähnlich. Thury ist vielleicht etwas arrivierter, dafür hat Seikovits die Unbekümmertheit. Im Endeffekt zählt das Gesamtpaket, und da haben die Vikings aktuell in Österreich das stärkste. Ob sie es am Spieltag umsetzen können, ist eine andere Frage.“

Den Dragons ist durch den Grunddurchgangs-Sieg der Vikings die Anfahrt nach Innsbruck erspart geblieben. „Es ist angenehm, in Wien zu bleiben. Wir kennen das Stadion gut, es bietet sogar eine gewisse Familiarität, weil viele von uns in der Nähe wohnen. Im Endeffekt geht es sowieso um ein Feld, das genauso groß ist wie in Stadlau, mit einem Football, den du in die Endzone bringen musst“, zeigt sich Zivko entspannt.

Vor der Saison gingen seinem Team 13 von 22 Stammkräften verloren. Dass nun beim vorläufigen Saison-Höhepunkt ein intensives Stadtduell auf die neue Truppe wartet, könne in beide Richtungen wirken: „Es ist eine Mischung aus Unbekümmertheit und Unerfahrenheit. Die Jungs müssen wachsen, aber wir hatten schon nervenaufreibende Partien. Man wird sehen, wie sie sich auf so großer Bühne anstellen.“

Eine gute Halbzeit werde jedenfalls nicht reichen, um nach elf aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen die Vikings diesmal zu bestehen.

Die Donaustädter und das Oberwasser

Diese Pleitenserie könnten die Stadlauer auf einen Schlag vergessen machen. „Für die Seele ist es angenehm, sie zu schlagen. Es gibt eine gewisse Form von Stolz, wenn man Oberwasser hat. Die Spieler kennen sich, es ist eine Rivalry, die man physisch spürt“, beschreibt der Dragons-Head-Coach die herrschende Spannung.

Auf dem Weg zu alter Stärke – der Austrian-Bowl-Sieg liegt nun fünf Jahre zurück – könnte es auch aus einem anderen Grund keine unwesentliche Genugtuung sein, sollte man dem Rivalen ein Bein stellen.

„Beim Nachwuchs teilt es sich gut auf, wir sind logistisch doch ein Stück voneinander entfernt. Aber für Topspieler aus dem Ausland ist es normal, dass man zu den momentan Besten geht. Das sind aktuell die Vikings.“

Nicht überrumpeln lassen

Als wäre das der Bedeutung noch nicht genug, könnte sich auf der Hohen Warte schon die österreichische Staatsmeisterschaft entscheiden. Die Prague Black Panthers wollen am Innsbrucker Tivoli ein rot-weiß-rotes Endspiel verhindern und endgültig beweisen, dass man in der AFL-Spitze angekommen ist.

Raiders-Chef Shuan Fatah ist trotz zweier Saisonsiege über den einzigen Gastbeitrag der Liga vor der statistisch stärksten Offense unter den fünf Teams gewarnt: „Ihr Angriff stellt jeden Defensive Coordinator vor fast unlösbare Aufgaben. Wir spielen gegen sie mit einer ‚Speed-Bump-Defense‘, stoppen sie also nicht, sondern versuchen nur, sie auszubremsen.“

In den Grunddurchgangs-Begegnungen musste sein Team jeweils einen Rückstand drehen: „Die kommen raus wie die Eisenbahn. Wir haben sie mit Tiroler Kämpferherz beide Male niedergerungen, aber es hätten Niederlagen passieren können.“

Hitzeschlacht nach Marathon-Saison

Nicht nur die angekündigten 36 Grad sollen einen solchen Kaltstart diesmal verhindern. „Hinten heraus haben wir viele Reserven und konditionell sicher einen Vorteil. Dazu stimmt die Chemie in der Mannschaft und mit den Fans, wir sind alle zusammengerückt. Das ist für mich ein Gradmesser, dass die neue Sache funktioniert hat“, verweist Fatah auf das Mammutprogramm 2015.

Aus den insgesamt 14 bisherigen Spielen gingen seine Raiders elfmal siegreich hervor: „Das kann sich dafür, dass wir uns den schwersten Schedule in Europa aufgehalst haben, schon sehen lassen.“

In Innsbruck strotzt man also vor Selbstvertrauen und Spielfreude. Der Einfachheit halber hat man daher die zusätzliche freie Woche seit der letzten Partie nicht auf der faulen Haut verbracht und einfach durchtrainiert. „Die Jungs haben sich super durchgeschlagen. Wir sind diesen Weg gegangen, um besser starten zu können.“

Damit es diesmal die Tiroler Eisenbahn ist, die den Gegner überrollt – und anschließend erst wieder in Kärnten Halt macht.

 

Johannes Bauer

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