Die Austrian Bowl zieht in den Süden

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Es ist schon eine kleine Tradition.

Auch die 31. Austrian Bowl machen sich Vienna Vikings und Swarco Raiders Tirol untereinander aus. Jene beiden Mannschaften, die schon in den letzten vier Auflagen des AFL-Endspiels aufeinandertrafen.

Neu ist jedoch der Austragungsort, denn der Ost-West-Gipfel wurde in das südlichste Bundesland verlegt. Das Wörthersee-Stadion in Klagenfurt löst die NV Arena von St. Pölten ab, in der 2013 und 2014 um den Staatsmeistertitel im Football gerittert wurde.

Auf den ersten Blick keine naheliegende Wahl. Das geographisch nächste AFL-Team, die Graz Giants, verpasste den Einzug ins Halbfinale. Fans von Vikings und Raiders müssen eine weite Anreise in Kauf nehmen. Und für die Anwohnerschaft sind Berührungspunkte zum Football rar: Die Carinthian Lions finden sich nur in Division 3, der vierthöchsten Spielklasse, wieder.

Neue Gegenden erschließen

Gerade hier sieht der AFBÖ jedoch das größte Argument, sein größtes Spiel nach Kärnten auszulagern – und das für die nächsten drei Jahre.

„Die Aufgabe des Verbandes ist es auch, Football in ganz Österreich bekanntzumachen“, erinnert Generalsekretär Fouad Lilabadi gegenüber LAOLA1.

Die Auswirkungen, die man zuletzt in Niederösterreich beobachten konnte, sollen in weiteren Gegenden Österreichs zur Geltung kommen. Dort konnten, speziell nach Beginn der „Neuzeit“, die mit der ausgerichteten Weltmeisterschaft 2011 anbrach, einige Vereins-Gründungen verzeichnet werden.

„Kärnten ist ein weißer Fleck auf der Landkarte, daher haben wir beschlossen, dorthin zu gehen, um neue Impulse zu setzen“, verweist er auf die aktuellen Streuungen des landesweiten Interesses.

Neben den Football-Hochburgen im Wiener Großraum und in Innsbruck sei noch jede Menge Raum zur Ausbreitung gegeben, das Klagenfurter Publikum für spezielle Events – siehe Beachvolleyball-Grand-Slam oder die EBEL-Winter-Classics – besonders empfänglich.

Realistische Erwartungen für die Premiere

Beim Verband denkt man seit WM 2011 und EM 2014 in größeren Dimensionen. Deswegen kämen für die wichtigsten Spiele nur mehr die schönsten und größten Arenen in Frage.

Dass man sich mit dem Wörthersee-Stadion weder die billigste noch für die zu erwartenden Zuschauerzahlen passendste Option ausgesucht hat, trete dabei in den Hintergrund.

„Der Preis macht im Vergleich zur NV Arena nicht so einen großen Unterschied, es ist Verhandlungssache“, relativiert Lilabadi. Zumal es für den AFBÖ finanziell kontinuierlich bergauf gehe und sich viele Sponsoren für das Produkt Football begeistern ließen.

Beim erwarteten Besucherandrang gibt man sich realistisch. „Mit 5.000 Zuschauern wäre ich sehr zufrieden, rechnet man das Potenzial ein, in den nächsten Jahren mehr Fans anziehen zu können“, ist die Austrian Bowl in KIagenfurt auch in dieser Hinsicht als langfristiges Projekt anzusehen.

Bei solch einem Überangebot an Platz hat man sich entschlossen, den Jüngsten ein Schulschlussgeschenk in Form von Freikarten zu machen. Schließlich sollen neben neuen Anhängern auch die Aktiven von morgen rekrutiert werden.

Aus Fünf mach Acht

Vielleicht findet sich in naher Zukunft ein Finalist, der es nicht so weit her hat. Im Hintergrund stehen die Zeichen gut, dass schon für kommende Saison die angestrebte AFL-Erweiterung Realität wird.

„Wir sind gerade noch in Gesprächen mit den Teams. Es ist nicht einfach, weil jeder Verein seine eigenen Interessen hat“, will sich Lilabadi noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Einzelheiten der sportlichen Rahmenbedingungen seien noch strittig, aber ein Abschluss der Verhandlungen in den nächsten Tagen könnte realistisch sein.

Dass sich die Kärntner dann schon über einen eigenen AFL-Beitrag freuen können, ist unwahrscheinlich. Neben einem weiteren internationalen Vertreter dürften zwei bisherige Division-1-Teams als neue Beiträge zu einer Achter-Liga herhalten.

Der Ball ist unrund, das Spiel dauert 48 Minuten

In der Gegenwart bleibt sportlich alles beim Alten. Was nichts an der Spannung ändert, denn wenngleich die Vienna Vikings den vierten Titel in Folge anstreben, ließ sich die Favoriten-Frage nur bis zu den Halbfinali beantworten.

Ob die stark verjüngte Mannschaft des Titelverteidigers auch in einer Austrian Bowl cool bleiben kann, bleibt abzuwarten.

Quarterback Alexander Thury lieferte nach seiner Gehirnerschütterungs-Pause im Halbfinale gegen die Danube Dragons eine solide Vorstellung ab, doch trotz lange komfortabler Führung ließen seine Kollegen den Stadtrivalen im Schlussviertel noch auf 38:27 herankommen.

Einen ähnlichen Spielverlauf leisteten sich die Raiders, welche gegen die Prague Black Panthers das Spiel in den letzten zwölf Minuten beinahe aus der Hand gaben. Eine vereitelte Two-Point-Conversion verhinderte beim 48:46 unfreiwillige Überstunden.

Im Gegensatz zu den Temperaturschlachten vom letzten Wochenende könnte der konditionelle Faktor, bedingt durch den Kickoff in den frühen Abendstunden, zwar in den Hintergrund rücken – zeigen sich die Offensivabteilungen aber ähnlich spielfreudig, erwartet die Fans dennoch eine hitzige Angelegenheit.

 

Johannes Bauer

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