Vikings nach Krimi: „Wir waren alle nervös“

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„Ich habe nicht die geringste Ahnung, und das ist auch gut so.“

AFBÖ-Boss Michael Eschlböck konnte in der Pause des AFL-Halbfinals zwischen den Vikings und Dragons beim besten Willen nicht sagen, wer heuer die Austrian Bowl für sich entscheiden würde.

Zu diesem Zeitpunkt war nicht einmal abzusehen, wer sich als Finalgegner zu den Raiders aus Tirol gesellen würde.

Zu spannend, zu ausgeglichen, zu sehr auf Messers Schneide war das Duell des Grunddurchgangsiegers mit den Viertplatzierten – gleichzeitig auch das Wiener Derby.

„Dieses Spiel war Werbung“

Letztlich ging die „Blue River Bowl“ auf der Hohen Warte an die favorisierten Hausherren, die Vikings gingen in einem Highscoring-Game mit 48:32 als Sieger vom Platz.

Am 28. Juli kommt es somit zur Neuauflage der Austrian Bowl XXVII – vergangenes Jahr triumphierten die Innsbrucker in Wien.

„Dieses Spiel war Werbung für den Football“, erklärte Dragons-Head-Coach Ivan Zivko nach der Niederlage und hielt damit die Meinung aller Protagonisten fest.

4.200 Fans sahen lange Zeit einen Krimi mit vielen Big Plays.

Erfolgreiche Pässe über die Distanz, beachtliche Returns oder Trickspielzüge – alles war an diesem Sonntagnachmittag dabei.

Nicht weniger als elf Touchdowns durften von beiden Zuschauer-Lagern bejubelt werden.

„Dann hätte ich mich gefreut“

„Mir hat es gut gefallen. Wenn ich nicht Trainer gewesen wäre, hätte ich mich wohl auch gefreut“, juxte Zivko. Sein Gegenüber hatte Grund zum Lachen, zollte den Gästen in erster Linie aber Respekt.

„Der Sieg war in jedem Fall verdient, denn wir haben gegen ein super Team gewonnen“, kommentierte Vikings-Head-Coach Chris Calaycay, der nach der Partie ordentlich durchpustete.

„Am Anfang ist alles für die Dragons gelaufen, dann sind wir aber ins Spiel gekommen“, analysierte Calaycay, dessen Quarterback Christoph Gross beim zweiten Play des Spiels eine Interception warf.

Gibt es einen schlechteren Start? „Nein“, wusste er. Die von ihm gecoachte – und von Zivko als beste Europas bezeichnete – Defense hatte viel zu tun, mit der Zeit wurde aber auch die Dragons-Abwehr bemüht.

Keine Bestrafung

Tillman Stevens‘ Return über mehr als 50 Yards weckte die ganze Mannschaft , danach entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst kurz vor dem vierten Viertel in violette Bahnen lief.

 „Es war ein super Spiel“, war auch Calaycay angetan. Der Coach gestand aber: „Wir waren alle sehr nervös.“ Wie etwa Kicker Sebastian Daum, der letztlich gleich drei Versuche versemmelte.

Es war allerdings keine Bestrafung, als sich die Vikings im dritten Viertel gegen den klassischen Field-Goal- und für eine Fake-Versuch entschieden und mit dem Trickspielzug per Touchdown statt drei (oder null) sechs Punkte ans Scoreboard schrieben.

„Wir haben das nicht gemacht, weil wir drei Field Goals vergeben haben, sondern weil wir das unter der Woche entwickelt haben“, erklärte Calaycay. Der verwirrte seine Spieler erst mit einem falschen Signal. „Alle haben mich verdutzt angeschaut. Auch ich war nervös“, lachte Calaycay.

Kaiserliches Comeback von Kaiser

Den Touchdown erzielte Christoph Budimir nach Pass von Kyle Kaiser, der nach einem Monat Pause trotz Wehwechen ein wahrlich kaiserliches Comeback gab und es mit diesem Spielzug noch krönte.

„Es herrschte etwas Verwirrung, wir haben dann einfach die richtigen Leute in die richtige Situation gebracht. Ich konnte dann werfen, Budimir fing und der Rest ist Geschichte“, beschrieb Kaiser, der selbst zwei Touchdowns scorte, Pässe für 110 Yards fing und mit Fortlauf warm wurde.

„Ich habe vier Wochen nicht gespielt, da kommt man natürlich etwas aus dem Rhythmus. Aber kaum steht man auf dem Feld, fühlt man sich wie zu Hause und ist sofort wieder bereit.“

Bereit sind die Vikings nun für zwei Finali – nächstes Wochenende wartet in Vaduz die Legionärs-Truppe Calanda Broncos, sieben Tage später dann die Raiders auf der Hohen Warte.

Beide Mal wollen die Wiener wieder Werbung machen. Nach fünfjähriger (letzter EFL-Titel 2007) bzw. dreijähriger (letzter AFL-Titel 2009) Trophäen-Absenz Werbung in eigener Sache.

 

Bernhard Kastler

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