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Vize-Weltmeister gehen getrennte Wege

Das gibt es nur in Brasilien: Knapp ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele geht mit Ricardo/Marcio Araujo ein Team, das ganz klar auf Quali-Kurs gesegelt ist, in Zukunft getrennte Wege.

Dabei waren die beiden Routiniers in ihrem zweiten gemeinsamen Jahr auf Erfolgskurs. In Rom gab es WM-Silber, zuletzt in Stavanger jubelten sie über ihren ersten Turniersieg.

Umso überraschender kommt die Trennung, die von Ricardo Santos ausgeht. Das Block-Ass wird in Zukunft mit Pedro Cunha am Court stehen. Die Trennung löst die nächste große Spieler-Rochade in Brasilien aus.

Wechsel mit „Rattenschwanz“?

Unangetastet bleibt das Spitzen-Duo. Die Weltmeister Emanuel und Alison haben sich in diesem Jahr zum besten Team der Welt aufgeschwungen und werden wohl als Gold-Favoriten in London 2012 am Start sein.

Dahinter wird aber wieder einmal eifrig durchgemischt. Ricardo versucht nun mit Pedro Cunha sein Glück, der allerdings als verletzungsanfällig gilt.

„Es fühlt sich einfach nicht gut an“, begründet Ricardo die Trennung von Marcio. „Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, wir haben noch genug Zeit, um uns auf Olympia vorzubereiten.“

Schwierige Partnersuche

Während Ricardo seine Zukunft bereits geklärt hat, muss Marcio Araujo sich erst Klarheit verschaffen. „Ich weiß wirklich nicht, wie es weitergeht. Aber ich werde darüber hinwegkommen. „

Eine Option als neuer Block-Partner scheint aus dem Rennen zu sein: Pedro Solberg, bisheriger Partner von Pedro Cunha, wurde nach einem positiven Doping-Test auf anabole Steroide vom Verband vorläufig suspendiert.

Durchaus möglich, dass sich Marcio mit einem Ex-Partner zusammentut und mit Benjamin Insfran einen neuen Anlauf nimmt. Die beiden bildeten von 2000 bis 2003 ein Team und feierten sieben World-Tour-Siege – einen davon in Klagenfurt.

Eine durchaus realistisch Option, kommt das Duo Benjamin/Bruno in dieser Saison doch nicht so richtig in die Gänge und hat bisher einen siebenten Rang als beste Platzierung zu Buche stehen. Olympia 2012 rückte damit bereits in weite Ferne.

Premiere in Polen

Wann man Marcio erstmals mit seinem neuen Partner sehen wird, ist also noch offen. Fix ist aber der Premieren-Auftritt von Ricardo und Cunha. Das Duo wird auf einen Start in Quebec verzichten und stattdessen in Rio gemeinsame Trainings-Einheiten einlegen.

In Stare Jablonki wollen sie dann ins Turnier-Geschehen eingreifen und danach in Klagenfurt um den Sieg mitspielen.

Philipp Bachtik

Neue Regelung ermöglicht Wechsel

Möglich macht den Partnerwechsel im Olympia-Quali-Zeitraum eine neue Regelung. Bisher mussten sich die Teams selbst  für Olympia qualifizieren. Für London wurde das geändert, die Teams erspielen nun Quotenplätze, die vom Verband besetzt werden.

Egal, wie die Duos zusammengesetzt sein werden – Brasilien wird sich mit mehr als zwei Teams in den Top 16 der Olympia-Rangliste wiederfinden.

Situation genau angeschaut

Ricardo hat sich seine Entscheidung jedenfalls gut überlegt: „Ich habe die Situation die letzten eineinhalb Jahre evaluiert“, so der 51-fache Turniersieger. „In Brasilien gibt es drei gute Verteidigungsspieler, die mit mir spielen können: Marcio, Harley und Pedro Cunha.“

Nach Rücksprache mit einigen Trainern des brasilianischen Teams fiel die Entscheidung auf Cunha. „Ich denke, dass es mit ihm besser funktionieren wird.“

Neustart mit Talent war Thema

Auch die Möglichkeit, mit einem jungen, talentierten Spieler einen Neuanfang zu wagen, bestand. „Es gibt drei bis vier Talente, aber die spielen bisher nur in Brasilien. Weil es so viele brasilianische Top-Teams gibt, ist es für sie schwer, auf der World Tour in den Turnierraster zu kommen“, weiß der 36-Jährige.

„ Aber sie müssen in Europa spielen, um Erfahrung zu bekommen. Es wird drei bis vier Jahre dauern, bis sie unser Niveau erreicht haben.“

Olympia 2016 als Fernziel

Ricardo ist sich jedenfalls nicht sicher, ob er diese Zeit hat. Obwohl er noch bis zu den Olympischen Spielen 2016, die bekanntlich in seiner Heimat Rio de Janeiro stattfinden, weiterspielen möchte.

„Aber das hängt alles von meinem Körper ab. Bisher hatte ich da sehr viel Glück, ich hatte noch keine schweren Verletzung.“ Auf die Frage, ob er seinen langjährigen Erfolgspartner Emanuel vermissen würde, antwortet Ricardo mit einem Lächeln: „Ich freue mich für ihn, dass es mit Alison so gut läuft.“

„Ich verstehe es nicht“

Gar nicht glücklich ist Marcio Araujo mit der Entscheidung von Ricardo. „Ich verstehe es nicht. Wir haben bei der WM Silber gewonnen und zuletzt in Stavanger den Turniersieg geholt. Ich weiß den Grund dafür wirklich nicht. Er hat mir nur gesagt, dass er nicht glücklich ist, mit mir zu spielen“, so der 37-Jährige.

Dass beim letzten gemeinsamen Turnier in Moskau die Motivation fehlen könnte, verneint Marcio: „Neun, ich habe kein Problem, fokussiert zu bleiben. Ich bin ein Profi.“

Das bekamen auch Clemens Doppler und Matthias Mellitzer zu spüren, die sich zum Auftakt der Gruppenphase mit 18:21, 15:21 geschlagen geben mussten.

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