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"Wir haben alle daraus gelernt"

Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Das sagen sich wohl auch Sara Montagnolli und Barbara Hansel, die trotz starker Leistungen im Jahr 2010 im Winter einen Trainerwechsel vornahmen.

Ein Wechsel, der nicht die gewünschten Früchte trug. Der Tiefpunkt war zweifelsfrei das frühe Aus bei der WM. Nach Rang 41 rauften sich Sara und Babsi wieder mit ihrem alten Trainer zusammen - und kehrten mit Leo zuück in die Erfolgsspur.

Zwar verlief die weitere Saison auch eher durchwachsen, mit Rang 5 in Stavanger und EM-Silber in Kristiansand meldete sich das Duo aber wieder zurück im Kampf um die Olympia-Ticket.

Warum Für Sara Montagnolli dasOlympia-Ticket kein so großes Thema ist erklärt sie im LAOLA1-Interview ebenso wie die Gründe für den Trainerwechsel:

LAOLA1: Die Saison war sehr durchwachsen. Hast du eine Erklärung dafür?

Montagnolli: Wir haben am Anfang nicht so gut gespielt,  dann haben wir keine Selbstsicherheit gehabt und viele knappe Spiele verloren.  Bei den Grand Slams sind wir dadurch ein paar Mal 17. geworden. Wenn du das knappe Spiel gewinnst, bist du schon mal fix Neunter und hast die Chance auf Platz fünf. Dann schaut gleich alles locker aus. So haben wir viele 17. Plätze zu Buche stehen. Wenigstens haben wir zwei Ausreißer nach oben gehabt. So wissen wir, dass wir es können und sind auch im Olympia-Ranking auf einem guten Weg. Daher schauen wir zuversichtlich nach vorne.

LAOLA1: Euer Trainerwechsel im Winter kam überraschend. Was waren die Gründe für den Wechsel?

Montagnolli: Wir waren in der Arbeit mit ein paar Sachen nicht ganz zufrieden, wollten das Optimum rausholen.  Wir haben gesagt: Mit Blick auf Olympia wollen wir das in den nächsten zwei Jahren so und so und so. Leo war nicht ganz unserer Meinung. Wir waren zu dritt im Team und zwei waren gegen das, was der eine will. Das ist nicht gut, wir sollten alle an einem Strang ziehen. Daher haben wir uns gedacht, dass ein Trainerwechsel das Beste ist.

LAOLA1: Und warum gab es dann im Sommer doch wieder die Rückkehr?

Montagnolli: Mit den Brasilianerinnen Vivian/Lima haben wir ein gutes Trainings-Team gefunden. Aber der Trainer konnte uns in dieser Konstellation bei den Wettkämpfen nicht genug Aufmerksamkeit geben. Das hat uns dann auch nicht gepasst. Wir haben uns gesagt: Wir wissen, was wir mit Leo haben. Es muss halt jeder in seinen Ansichten ein bisserl zurückstecken. Jetzt sind wir ganz zufrieden. Ich glaube, jeder hat ein bisserl was aus der Situation gelernt. Leo hat auch gemeint: So wie wir ein paar Fehler gemacht haben, hat auch er Fehler gemacht.  Jetzt sind wir alle einen Schritt aufeinander zugegangen und jetzt läuft es besser als davor.

LAOLA1: Ist Leo die Lösung für die Zukunft?

Montagnolli: Auf jeden Fall. Ich glaube, es hat jeder die Sichtweise des anderen verstanden. Er hat verstanden, warum wir ein paar Sachen so wollten. Wir wissen, was wir an ihm haben, auch wenn er uns vielleicht zwei, drei Sachen nicht so geben kann, wie wir es gerne hätten. Aber wir wissen: Das und das und das gibt er uns perfekt, das konnte der andere Trainer vielleicht nicht. Wir haben alle daraus gelernt. Wer weiß, wofür es gut war. Vielleicht hilft es uns in Zukunft, dass wir ein bisschen selbstständiger geworden sind.

LAOLA1: Welchen Einfluss hat der Trainer im Beachvolleyball?

Montagnolli: Prinzipiell ist er für das Training und die Vorbereitung zuständig. Da schaut er, dass er Stärken verstärkt und Schwächen vermindert. Wenn der Trainer ein gutes Auge hat, dann sieht er: Bei der Sara müssen wir daran arbeiten, da könnte sich während der Saison ein Problem ergeben. Die Vorbereitung ist also eine große Aufgabe. Während eines Turniers geht es darum, uns auf die Gegnerinnen einzustellen. Leo hat ein super Auge und analysiert extrem gut. Er stellt uns immer extrem gut ein. Die Taktik ist ein großer Anteil des Trainers.

LAOLA1: Spielt die Olympia-Quali bei der durchwachsenen Saison eine Rolle?

Montagnolli: Ich hab mir eigentlich wenig Druck in Sachen Olympia-Quali aufgesetzt. Vielleicht, weil ich es schon einmal geschafft habe und man es mir dann wieder weggenommen hat. Ich vertraue in unser Team, ich weiß, dass wir gut sein können, dass wir Top-5-Plätze machen können. Daher glaube ich noch fest daran, dass wir uns qualifizieren. Wir werden auf jeden Fall beide hart daran arbeiten. Wir haben jetzt wieder mehr Spaß am Spiel. Am Anfang war es schon sehr zäh, wenn man nicht das geben kann, was man eigentlich kann. Jetzt sind wir aber wieder auf einem sehr guten Weg und sehr zuversichtlich.

LAOLA1: Seit der EM seid ihr wieder auf Kurs. War London davor noch ein Thema oder habt ihr schon das berühmte Hakerl drunter gesetzt?

Montagnolli: Ich habe für mich noch lange kein Hakerl druntergemacht, weil wir ein Team sind, dass auch einen vierten oder sogar dritten Platz schaffen kann. Und damit können wir Teams, die viele neunte Plätze stehen haben, in der Olympia-Quali überholen. Mir war immer klar, dass wir mehr leisten können. Wenn wir so spielen, wie bei der EM oder am Finaltag bei den Meisterschaften, dann passt das. Aber wir denken mitunter bei den Spielen am Ende zu viel nach. Wenn wir das wegkriegen, dann sind wir wieder sehr stark.

LAOLA1: Europa hat in dieser Saison weiter aufgeholt. Glaubst du, dass die Lücke zu USA und Brasilien geschlossen werden kann?

Montagnolli: Das ist sicher schwierig. Die Brasis fahren etwa jetzt nach Hause und steigen in ihre nationale Turnierserie ein. Die spielen bis Mitte Dezember, dann haben sie ein Monat Pause und dann geht die Saison wieder weiter. Das aufzuholen, was sie jahrelang an Spielen und Trainer haben, ist schwer. Wenn ein Tiroler in den Schnee geht, dann weiß er: Wo ist es lawinengefährlich, wo sollte man nicht hingehen. So ist es bei den Brasilianern, wenn sie Beachvolleyball spielen. Wenn Wind geht, dann müssen wir nachdenken. Die Brasilianer spielen das einfach, die denken nicht dabei. Das ist eine Kleinigkeit, die sie immer voraus sind.

LAOLA1: Wie siehst du das aktuelle Kräfte-Verhältnis?

Montagnolli: Es gibt die drei Top-Teams mit Larissa/Juliana, Walsh/May und auch Xue/Zhang, die heuer auch sehr stark waren. Und dann gibt es ein paar gute Europäer. Aber die drei Top-Teams sind einfach immer schwer zu schlagen.

Das Gespräch führte Philipp Bachtik

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