Traumstrand als Büro

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"Wenn man die nächsten 2 Jahre nicht motiviert ist..."

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Arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Ein Privileg!

Ein Privileg, dem sich Alexander Horst und Clemens Doppler bewusst sind. Zuletzt schlug Österreichs Top-Beach-Duo seine Zelte für zwei Wochen in Los Angeles auf. „Ohne Familien hätten wir es dort auch locker zwei Monate aushalten können“, meint Trainer Robert Nowotny über das gelungene Trainingslager.

Mit LAOLA1 sprechen Horst und Doppler über ihre Vorbereitungen und erklären, warum sie trotz langer Karriere keine Zusatzmotivation im Training brauchen.

 

LAOLA1: In der Vorbereitung seid ihr mal andere Wege gegangen. Konkret: Warum das Trainingslager in Kalifornien?

Horst: So viel anders war es auch nicht. Wir waren wie jedes Jahr auf Teneriffa und Fuerteventura. Das große Trainingslager war diesmal in Kalifornien. Es kostet sicher etwas mehr, als andere Trainingslager. Aber man hat dort super Bedingungen. Es ist auch sehr schön, du hast super Strände. Und mit den Amis, die vier Top-Top-Teams haben, hatten wir super Trainingspartner. Mit denen haben wir bisher eigentlich noch nie trainiert. Von daher war es etwas Neues und es hat alles dafür gesprochen, dort hinzufliegen.

LAOLA1: In der Vergangenheit gab es bei einem US-Trainingslager immer die Unsicherheit, ob die Trainingspartner auch wirklich zur Verfügung stehen. Diesmal gab es da im Vorfeld fixe Zusagen.

Horst: Früher war das anders. Da hast du dir mit den Amis was ausgemacht. Die haben gesagt: "Ja super, kommt’s her, wir trainieren gerne mit euch." Am Tag davor hat er dir dann geschrieben: "Es geht morgen doch nicht, machen wir übermorgen." Das war immer sehr schwierig, ein vernünftiges Training zu machen. Deshalb hatte man früher immer ein zweites europäisches Team dabei, das haben wir diesmal nicht gebraucht. Wir konnten fast jeden Tag mit einem anderen Team trainieren. Besser hätte es nicht sein können.

LAOLA1: Wie ist die Rad-Entscheidung gefallen?

Horst: Relativ einfach. Das schwarze Bike war das größte, das war für Clemens. Dann hat es noch blau und rosa gegeben – ich war schneller dort und für Nowo (Anm.: Trainer Robert Nowotny) ist nur rosa übrig geblieben.

 

Nowo ist auch happy mit seinem Beachbike! :)

Posted by BV Team Doppler/Horst on Montag, 2. März 2015

LAOLA1: Ihr spielt beide schon sehr lange. Geht es in der Vorbereitung auch darum, neue Reize zu setzen?

Doppler: Sicherlich. Jetzt gar nicht so, dass der Strand anders ist. Diesmal war es Zufall, dass wir im Prinzip an drei verschiedenen Stränden trainiert haben. Einer war sehr tief, einer mittel und einer sehr hart. Wir hatten alle Untergründe. Mehr in Bezug auf die Trainingspartner. Wenn du auf den Kanaren bist, trainierst du vor allem mit Europäern, meistens mit den Deutschen oder Holländern. Die hast du also relativ oft. Mit den Amis kannst du nur trainieren, wenn du nach Amerika fliegst. Es war spannend zu sehen, wie die trainieren. Machen die etwas anders als wir? Kann man für das eigene Training etwas mitnehmen? Es war interessant zu sehen, dass die ganz anders trainieren. Sie gehen viel schneller zu Spielchen über, machen viel weniger Ballkontroll-Übungen. Es heißt nicht, dass das besser oder schlechter ist - einfach anders. Und wir haben mit Dalhausser oder dem größten Spieler auf der Tour (Ryan Doherty) trainieren können. Das sind alles Teams, die du auch auf der Tour schlagen musst. Wir konnten viele Informationen gewinnen. Und wir haben heuer drei Turniere in Amerika. Da konnten wir Erfahrungswerte sammeln: Wie lange braucht man, um den Jetlag zu überwinden. Wie ist es mit dem Fliegen? Was hilft? Was ist schlecht?

LAOLA1: Robert Nowotny hat gemeint, es geht auch darum, dass ihr Spaß habt. Also auch um ein gewisses Rahmenprogramm?

Horst: Es gehört natürlich dazu, vor allem wenn man länger weg ist. Teneriffa und Fuerteventura sind super schön, wir kennen es halt schon auswendig. Wir fahren aber trotzdem gerne hin. Es macht sicher Sinn, mal etwas Neues zu machen. In Los Angeles kann man viel machen – ob zu einem Basketball-Spiel gehen oder eine Motorrad-Tour machen. Nowo hatte im Vorfeld Angst, dass wir zu sehr abgelenkt sind. Jetzt im Nachhinein wird er sicher sagen, dass es gepasst hat und er wieder hinfliegen würde – obwohl er das Fliegen hasst.

Doppler: Ohne Familie kannst du dort auch zwei Monate bleiben. Es geht auch darum, dass du kein großes Team bist. Da gilt es, den Stress und Druck, der im Training entsteht, abseits des Spielfeldes abzubauen – und das ist dort echt gut gegangen.

LAOLA1: Mit Olympia 2016 vor der Tür kann man aber auch fragen: Warum nicht Rio?

Horst: Das ist einfach zu beantworten. Rio jetzt ist extrem heiß, da hat es bis zu 40 Grad. Du trainierst in der Früh und am Abend, den Tag über nicht. Wenn die Olympischen Spiele sind – also im August – hat es zwischen 15 und 30 Grad. Letztes Jahr waren wir im September dort und haben zu einer ähnlichen Zeit wie Olympia sein wird, trainiert. Das werden wir heuer, wenn es sich ausgeht, auch wieder machen. Den Sand haben wir uns schon letztes Jahr organisiert.

 

Unser täglicher Weg zum Training in Hermosa! :)

Posted by BV Team Doppler/Horst on Samstag, 14. März 2015

LAOLA1: Ihr habt ja eine relativ lange Vorbereitungsphase. Wie schafft man es da trotz einer schon langen Karriere immer wieder die Motivation aufzubringen?

Doppler: Für mich ist das leicht zu beantworten. Mir macht es einfach nach wie vor extrem viel Spaß, in Wien zu trainieren. Unser Stützpunkt im 21. Bezirk ist jetzt sicherlich nicht der schönste Fleck, aber es hat seinen eigenen Flair. Wir haben uns dort eine sehr gute Basis aufgebaut. Je mehr ich trainiere, desto mehr schätze ich, dass ich machen kann, was ich mache. Für mich ist die Vorbereitung eine genauso coole Zeit wie die Saison. Du bist mehr daheim, fliegst nicht so viel herum. Du kannst dich darauf konzentrieren, was wichtig ist: Dass du körperlich und spielerisch besser wirst. Ich brauche da keine Zusatzmotivation. Und wenn man die nächsten zwei Saisonen nicht genug motiviert ist, dann weiß ich eh nicht…: Olympia vor der Tür, eine Heim-EM, eine Riesen-WM, die Major-Serie – so viele Highlights wie heuer hatten wir noch nie.

LAOLA1: Im Gegensatz zum Vorjahr konntet ihr heuer die Vorbereitung komplett durchziehen. Wo ist da im Vergleich der größte Unterschied?

Doppler: Letztes Jahr hatte ich mehr Reha als Vorbereitung. Aber im Prinzip ist es ähnlich. Ich habe mir heuer einen Schwerpunkt auf Koordinationstraining gelegt. Ich habe mir da ein Programm zusammengestellt, das einerseits auf Prävention abzielt, andererseits als Motivation dient. Generell war es nicht so viel anders. Man muss schauen, dass man lange und sehr hart am Körper arbeitet. Mit dem heranrücken des Saisonstarts gehört jetzt noch an einigen Schrauben gedreht. Im Vergleich zu anderen Teams fangen wir sehr früh mit dem Balltraining an.

LAOLA1: Woran habt ihr gearbeitet und an welchen Schrauben wird noch gedreht?

Doppler: Wir haben zuletzt einen Leistungs-/Belastungs-Test gemacht, um zu sehen, wo wir im körperlichen Bereich stehen und wo wir in den letzten Monaten noch ansetzen müssen. Am Ball setzt man sich vor der Saison zusammen und schaut, wo man die Schwerpunkte setzt, wo man sich verbessern will. Wir haben von letzter Saison eine große statistische Aufarbeitung. Wie viele Punkte machen wir mit Flatter-Service, wie viele mit Sprungservice. Wann mache ich mehr Punkte am Block? Wenn ich serviere, oder Alex? Mit diesen Daten kann man arbeiten. Da fehlen vielleicht ein, zwei Punkte im Match – die kann man mit dem Mittel wettmachen. Es war sicher ein Erfolg, dass wir durch das Rio-Projekt den Statistiker bekommen haben, der uns auch unser eigenes Spiel aufbereitet und Stärken und Schwächen aufzeigt. Daran haben wir gearbeitet: viel Zwischenspiel, bei mir am Block. Wir hatten ab dem ersten Trainingslager gute Teams, mit denen wir uns messen konnten.  

LAOLA1: Geben die Zahlen Aufschlüsse über Dinge, die man selbst ganz anders wahrnimmt?

Horst: Generell nicht, aber Kleinigkeiten schon. Etwa, dass wir mit Sprung-Flatterservice ähnlich viele Punkte machen wie mit dem normalen Sprungservice. Das hätten wir uns vorher eher nicht gedacht. Es sind Kleinigkeiten, aber spielen musst du immer noch selber, da hilft dir auch der beste Statistiker nichts. Aber es sind kleine Dinge, die andere Teams schon länger und wir jetzt auch haben.

LAOLA1: Letztlich kommt es ohnehin drauf an, wie man die Erkenntnisse im Spiel umsetzt?

Horst: Ja. Es ist Gott sei dank noch immer so, dass der Spieler selbst entscheidet, was er macht. Es gibt nur wenige "Roboter“, die stupide immer dasselbe machen. Am Beach sind viele Faktoren – Wind, Sonne, etc. - entscheidend, die eine Statistik nicht erfassen kann. Auf die muss man reagieren.

LAOLA1: Ist es auch ein Faktor, dass der Coach – noch – nicht eingreifen darf. Wie ist da eure Meinung?

Horst: Mir würde das nicht taugen. Es würde das Spiel extrem verändern. Du müsstest als Spieler nicht mehr selber denken. Wichtig wäre dann ein starker Trainer. Wenn’s kommt, dann kommt’s – ich hoffe nicht.

Das Gespräch führte Philipp Bachtik

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