Laciga: "Längerfristig haben wir gutes Potential"

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Österreichs Beachvolleyball-Europameisterinnen Doris und Stefanie Schwaiger starten mit einem neuen Trainer in die Saison 2014.

Der Schweizer Ex-Profi Martin Laciga löst Dirk Severloh als Head Coach ab und wird die Schwestern in Zukunft betreuen.

„Die Verfügbarkeit von Dirk wäre in der kommenden Saison nicht so gegeben gewesen, wie wir uns das gewünscht und vorgestellt hätten“, erklärt Stefanie den Wechsel.

Mit dem neuen Coach soll der Erfolgslauf in Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio 2016 fortgesetzt werden.

„Um ganz vorne mit dabei zu sein, muss man immer auf dem neuesten Stand sein und den anderen einen Schritt voraus sein. Ich glaube, mit Martin sind wir in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Er ist sehr engagiert und macht sich sehr viele Gedanken“, so Doris.

 

Bei LAOLA1 spricht Neo-Coach Laciga über die Gründe für sein Engagement, seine Philosophie und die gemeinsamen Ziele.

LAOLA1: Wie ist es zum Engagement bei den Schwaiger-Sisters gekommen? Was waren für dich die ausschlaggebenden Punkte, diese Herausforderung anzunehmen?

Laciga: 2013 habe ich offiziell meinen Rücktritt als aktiver Spieler bekanntgegeben. Danach musste ich mir überlegen, wie es weiter geht. Ich brauchte ein bisschen Zeit und habe mit verschiedenen Teams zusammengearbeitet. Unter anderem auch mit den Schwaiger-Sisters im Rahmen eines Trainingslagers auf Teneriffa. Da hatte ich sehr viel Spaß und wir haben uns auch sehr gut verstanden, aber es war damals noch ein bisschen zu früh für mich. Ich wollte zuerst noch andere Projekte aufbauen und in die Wege leiten. Aber das gute Gefühl war bei allen vorhanden. Dieses Jahr waren die Voraussetzungen gegeben, es stimmt für beide Seiten. Die Anfrage kam auch im richtigen Moment. Wir haben uns sehr schnell gefunden und hatten einen guten Start.

LAOLA1: Du hast nach deiner Karriere verschiedene Projekte verfolgt. Warum hast du dich schlussendlich dazu entschieden, Trainer zu werden?

Laciga: Ich wollte einfach mit dem Beachvolleyball in Verbindung bleiben. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass mir das ein bisschen gefehlt hat. Andererseits organisiere ich auch Beachvolleyball-Camps, da kann ich die Erfahrung und die Kontakte natürlich sehr gut gebrauchen. Mich hat es eigentlich schon immer interessiert, das ganze einmal aus der Sicht des Trainers zu sehen. Als Spieler habe ich mich lange Zeit selbst gecoacht, da gab es nicht so viele Trainer. Es hat mich schon damals sehr interessiert, wie ich mich weiterentwickeln kann. Für mich ist es sehr befriedigend, wenn ich Inputs geben kann und die Leute sich dann positiv entwickeln. Das ist eine sehr interessante Aufgabe für mich. Man muss immer etwas Neues versuchen, auch wenn man zwischendurch auf die Nase fliegt.

LAOLA1: Du hast wenig Erfahrung als Trainer. Was erwartest du von dir selbst? Was für ein Trainer willst du sein?

Laciga: Ich möchte mich immer weiter entwickeln. Ich habe schon mit vielen Trainern zusammen gearbeitet und weiß daher genau, was die Anforderungen sind. Ich hoffe, dass ich es schnell hinkriege, die Fehler zu erkennen und sie in positive Resultate umzuwandeln. Anfangs werde ich bei Niederlagen  vielleicht zu viel mitleiden, als Trainer muss man da sicher auch ein bisschen Distanz finden. Die Turniere am Anfang werden sicher neue Erfahrungen für mich und das Team sein, aber ich hoffe, dass wir uns gemeinsam entwickeln können.

LAOLA1: Wie ist dein erster Eindruck von Doris und Stefanie?

Laciga: Ich glaube, sie sind im physischen Bereich wirklich gut vorbereitet. Doris und Stefanie haben in den letzten paar Jahren wirklich einen Fortschritt gemacht, vor allem durch die intensivere Arbeit im Kraftbereich. Zusätzlich haben die beiden sicherlich auch Fortschritte im mentalen Bereich gemacht, wodurch sie mit Drucksituationen gut umgehen können. Dabei hat sicher auch der EM-Titel in Klagenfurt geholfen. Sie können das Selbstvertrauen gut in die neue Saison mitnehmen und in weiterer Folge auch in Richtung Olympia. Im technischen Bereich habe ich neue Ideen, aber da braucht es Zeit für die Entwicklung. Ich hoffe, dass wir das so schnell wie möglich umsetzen können. Wir sind jetzt erst seit zwei Monaten zusammen, das Team muss sich erst an mich gewöhnen und ich muss mich auch dem Team anpassen. Das braucht sicher auch noch ein bisschen Zeit.

LAOLA1: Wie wird das Training aufgebaut sein, wo liegen die Schwerpunkte?

Laciga: In dieser kurzen Zeit wird das Training wettkampforientiert sein. Wir können jetzt keine Basis-Trainings mehr machen, wo wir grobe technische Veränderungen vornehmen. Ich werde mir Gedanken machen, welche Änderungen kurzfristig erfolgsrelevant sind. Die großen Veränderungen werden wir erst in Hinblick auf Rio machen. Vor allem im nächsten Winter, wenn wir mehr Zeit haben. Jetzt wird das Ziel sein, die Wettkampfleistung so hoch wie möglich zu halten.

LAOLA1: In welchen Punkten gibt es noch Verbesserungspotenzial?

Laciga: Ich werde die Intensität und auch die Anforderungen im Training möglichst hoch halten. Die Anforderungen sollten fast noch höher sein, als im Wettkampf. Das habe ich damals auch von meinen Trainern gefordert. Die Wettkämpfe sollten dann Entspannung sein, auch für den Kopf. Wenn man sich im Training sehr hart vorbereitet,  ist man für die kritischen Situationen im Wettkampf umso besser gerüstet. Das ist ein Punkt, den die beiden sicher noch nicht kennen. Ich hoffe aber, dass sie das weiterbringt.

LAOLA1: Als Aktiver warst du, vor allem an der Seite deines Bruders, kein Mann großer Worte. Ist das als Trainer anders?

Laciga: Ich bin schon ein ruhiger Typ. Als Spieler wollte und musste ich mich auf mich fokussieren. Dass die Kommunikation mit meinem Bruder sehr speziell war, wissen alle. Sprechen war für uns Energieaufwand.  Aber wir haben damit Erfolg gehabt und Streitigkeiten zwischen Geschwistern gehören dazu.  Ich sehe das auch bei Doris und Stefanie, sie sind sich häufig nicht einig. Ich werde ihnen aber nicht raten, wenig miteinander zu sprechen.

LAOLA1: Du hast viel Erfahrung, warst 20 Jahre lang Profi, einmal Vize-Weltmeister und drei Mal Europameister. Was kannst du Doris und Steffi in dieser Hinsicht mitgeben?

Laciga: Ich glaube, dass der Faktor Spaß nicht zu unterschätzen ist. Man sieht das bei den erfolgreichen Teams, die können sich gut entspannen. Spaß ist auf diesem Level, wenn die Anforderungen hoch sind, ein ganz wichtiger Punkt. Damit kann man dem Druck entgegen wirken. Die Stimmung im Team soll locker sein.

LAOLA1: Ende Mai startet ihr in Prag in euer erstes gemeinsames Turnier. Was habt ihr euch vorgenommen?

Laciga: Es wird ganz schwierig. Wir sind in der Vorbereitung noch nicht ganz so weit, durch die Verletzungspause hinken wir noch ein wenig hinterher. Wir hoffen, dass wir in den nächsten zwei Wochen noch viele Trainingsspiele mit anderen Teams machen können. Dann wird man sehen, wo wir stehen. Es ist ein bisschen schade, dass wir jetzt mit einer nicht optimalen Vorbereitung in die Saison starten. Der Trainerwechsel war doch sehr kurzfristig und Doris hat nach ihrer Verletzung noch ein wenig Aufholbedarf. Von dem her wird Prag ein Test sein. In Baden wollen wir dann auf einem wirklich guten Niveau spielen, danach geht es zur EM. Man sollte aber nicht erwarten, dass gleich am Anfang alles klappt. Als großes Ziel muss man Rio 2016 im Kopf behalten, auch wenn es zwischendurch schwierig werden könnte. Ich glaube, längerfristig haben wir gutes Potential.

LAOLA1: Du warst jetzt über ein Jahr weg von der Tour. Worauf freust du dich bei deiner Rückkehr am meisten?

Laciga: Ich war ja bewusst weg, aber die Emotionen, wie zum Beispiel in Klagenfurt, sind schon etwas ganz besonderes. Das hat man im alltäglichen Leben so nicht. In meinem Hotel z.B. gibt es keine Emotionen, da gibt es nur Probleme. Die Leute beschweren sich: wieso ist der Preis so hoch, wieso ist mein Klo schmutzig? Das ist zwar alles kein Problem, aber da sind keine Emotionen. Als Trainer kann man einen Teil der Emotionen im Beachvolleyball mitnehmen. Darauf freue ich mich.

 

Das Interview führte Daniela Kulovits

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