"Lisa wird den Kondi-Trainer kennenlernen"

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Nicht jeder kann die Partnerinnen-Wahl von Stefanie Schwaiger nachvollziehen. Für Sportwoche-Kollege Manfred Behr ist die Entscheidung "irrational“: "Stefanie macht sich das Leben schwer."

Eine Kritik, die ihre Berechtigung hat. Tatsächlich hätte die Ex-Europameisterinnen mit Barbara Hansel und Katharina Schützenhöfer etablierte Beach-Spielerinnen als Alternativen gehabt. Mit Hansel erreichte sie beim erstmaligen und letztlich einmaligen gemeinsamen Auftritt in Gstaad Rang neun.

Dennoch versucht sie mit der unerfahrenen Lisa Chukwuma einen Neustart. "Ich wollte eine langfristige Lösung haben", erklärt die 27-Jährige gegenüber LAOLA1. Sie habe sich bei ihrer Entscheidung mit den Trainern und auch ihren Eltern abgesprochen: "Wir haben uns relativ schnell für Lisa entschieden, weil sie jung und talentiert ist und in kurzer Zeit schnell gelernt hat.“

Zu lernen hat die ehemalige Hallen-Nationalteamspielerin noch einiges, wie auch Trainer Martin Laciga weiß. Bei der Premiere in Den Haag setzte es für das neue Duo drei Zweisatz-Niederlagen. Dennoch sieht das Team das Debüt positiv. Ein Aufwärtstrend sei erkennbar.

Bei Betrachtung der nackten Ergebnisse bestätigt sich der Eindruck, war die letzte Niederlage mit 18:21, 19:21 doch die knappste. Im zweiten Satz lag das Duo allerdings 2:9 und 10:17 im Rückstand.

"Perfekt ist noch nichts, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen", meint Stefanie zum ersten Auftritt.

Bei LAOLA1 spricht das Team über die neue Herausforderung:

Stefanie Schwaiger über die Entscheidungsfindung und ihren Platz am Block:

Am Anfang war ich mir nicht so sicher, wo mein Platz sein wird. Aber es hat sich dann herauskristallisiert, dass es besser ist, wenn ich am Block bleibe. Das mache ich jetzt doch schon einige Jahre, habe im Winter auch einiges dazugelernt. Jetzt wo ich gut am Block bin, hätte es für mich keinen Sinn gemacht, etwas komplett Neues zu lernen. Bis man da gut ist, braucht das auch seine Zeit. Von daher ist die Rollenverteilung gut. Lisa ist jung, lernt schnell und ist auch schnell am Sand.

Lisa Chukwuma über die Veränderungen in ihrem Leben:

Es hat sich schon einiges geändert. Es steht viel Training am Programm. Dann gleich das Turnier in Den Haag, das war ein direkter Einstieg. Durch die Sommerferien der Uni (Studium der Rechtswissenschaften) merke ich die Umstellungen noch nicht so. Ich lege das Studium auf Eis und konzentriere mich voll auf Beachvolleyball. Das, was ich bisher erlebt habe, gefällt mir.

Martin Laciga über Vergleich zwischen den Schwaiger-Sisters und dem Neo-Team:

Man kann es nicht 1-zu-1 vergleichen. Wenn nach 14-jähriger Partnerschaft jemand neuer kommt, dann sind die Voraussetzungen ganz anders. Lisa ist noch verletzungsfrei - ich hoffe, das bleibt auch so. Da muss man vielleicht schauen, dass man nicht zu viel macht, zu viel trainiert. Bei Doris war es eher das Gegenteil, da musste man aufpassen, dass man nur noch das macht, was geht. Für mich als Trainer ist es angenehmer, ein gesundes Team zu haben. Das ist ein großer Vorteil von Lisa, dass sie einen guten Aufbau haben kann - natürlich erst im Winter. Jetzt in der Turnierphase ist es nicht optimal, man kann nicht voll Krafttraining machen. Man kann nicht alles auf einmal verbessern, man muss es Punkt für Punkt angehen. Der Winter wird sicherlich spannend für Lisa. Sie wird auch den Krafttrainer und auch die harten Seiten des Trainings kennlernen (grinst). Aber ich denke, es wird sich auszahlen.

Stefanie Schwaiger über Änderungen im Vergleich zum Team mit ihrer Schwester Doris:

Ich habe 14 Jahre mit meiner Schwester gespielt. Da sind es oft Kleinigkeiten, die jetzt anders sind. Etwa wenn man ins Zimmer geht, da war es klar, wer welches Bett hat. Oder, dass sie als Erste duschen geht. Auch im Spiel gibt es Umstellungen: Doris hat das Aufspiel relativ nah zum Netz hingesetzt. Lisa macht es weiter weg. Das ist schon so eingespeichert, dass es nahe kommt. Da muss man sich umstellen.

Stefanie Schwaiger über das Debüt:

Perfekt ist noch nichts, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wir haben schon gut zusammengespielt, es gibt viele positive Sachen. Aber man hat schon gemerkt, dass es noch einiges gibt, woran man arbeiten muss. Wir haben aber auch nur eine Woche gemeinsam trainiert, da kann das Zusammenspiel noch nicht so passen. Das wird aber durch verstärktes Training und die Spiele, die wir haben werden, kommen. Im Winter haben wir dann viel Zeit, daher gehen wir das Ganze positiv an.

Martin Laciga über die geänderte Aufgabe als Trainer bei der Arbeit mit einem neuen Team statt eines etablierten:

„Wir hatten extrem hohe Ziele, es war sicherlich auch viel Druck vorhanden. Jetzt kann man es in der ersten Phase vielleicht etwas entspannter angehen. Der Druck kommt aber sicher noch. Für mich sind beide Aufgaben spannend. Jetzt geht es darum, einen Aufbau zu leisten. Vorher ging es vielleicht mehr darum, Feinheiten zu finden, wo man sich verbessern kann. Für einen Trainer ist es immer relativ, was gut und schlecht ist. Man muss sich der Situation anpassen und mit den Sachen arbeiten, die man verbessern kann. Da gibt es noch einiges, denke ich.

Martin Laciga: Ob es leichter ist, bei einem neuen Team als Trainer seine Handschrift zu hinterlassen:

Ich denke nicht. Beide haben schon starke Charaktere. Ich denke, ich sollte das weiterentwickeln. Zusammen mit den Spielerinnen. Ich bin kein Freund von Vorgaben, die gegen die Typen der Spielerinnen arbeiten. Ich hoffe, dass wir zusammen Verbesserungen finden, die das Team stärker machen und wir im Winter gut arbeiten können.

Martin Laciga über die Möglichkeiten während der Saison:

Jetzt hilft am meisten, wenn sie Spiele machen können. In Klagenfurt sind sie im Hauptfeld, die Erfahrungen da sind sicher wertvoller, als ein Training zu zweit. Im Training macht man auch vermehrt Spiele, kurzfristig hilft das am meisten. Im Winter im Aufbau ist das sicher nicht das Beste. Aber jetzt, wo die Turniere sind, ist dieser Weg sinnvoll. Möglichst viele Spiele, am besten ins Finale (lacht). Wer Den Haag ein bisschen verfolgt hat, hat gesehen, dass am Ende nicht mehr gelacht wurde. Da war teilweise schon ein bisschen Frustration da, Lisa hat ziemlich schnell in einen Rhythmus gefunden. Sie hat den Vorteil, dass die Gegner sie noch nicht kennen. Ich denke, das war schon ganz in Ordnung. Man konnte Vertrauen finden und hat gesehen, dass man nicht ganz so abgeschlagen ist.

Stefanie Schwaiger über Ziele für Klagenfurt:

Für Lisa ist Klagenfurt sicher ganz anders. So ein großes Publikum war in Den Haag nicht, die Stimmung ist auch ganz anders. Das Wichtigste ist, dass wir mit Spaß reingehen, dass wir die Sachen umsetzen können, die wir uns vornehmen. Wir wollen von Punkt zu Punkt und von Satz zu Satz denken. 

Stefanie Schwaiger über den Druck beim Heim-Turnier:

Es ist sicher anders. Ich bin aber vor allem froh, dass ich wieder spielen kann. Es macht mir so viel Spaß. Man sieht das aber aus einem anderen Blickwinkel. Jetzt wo klar ist, mit wem man spielt. Man fängt ganz von vorne an, baut das Ganze auf. Was soll uns passieren? Wir spielen und schauen, dass wir die Sachen umsetzen, die wir uns vornehmen. Mir ist wichtig, dass wir Spaß daran haben. Wenn Spaß vorhanden ist, wird man auch Erfolg haben.

Aufgezeichnet von Philipp Bachtik

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