"Wir werden gierig auf jeden Ball sein"

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Vorfreude! Ein Wort das bei Österreichs Beachvolleyballern im Hochsommer Hoch-Saison hat.

Steht doch mit Klagenfurt das Saison-Highlight vor der Tour. Bei Clemens Doppler und Alexander Horst wurde diese Vorfreude in diesem Jahr verdoppelt.

Das Duo jubelte vor drei Wochen über die Olympia-Quali und darf im Zeichen der fünf Ringe sein Können zeigen.

Vor den wichtigsten Wochen der Saison traf LAOLA1 Österreichs neues Top-Duo zum Interview:

LAOLA1: Gratulation nachträglich zur Olympia-Quali. Es war letztlich eine Punktlandung. Habt ihr noch an die Chance geglaubt?

Alex Horst: Ja, natürlich! Es war in dieser Saison unser großes Ziel, darauf war unsere gesamte Vorbereitung ausgerichtet. In der Türkei  hat es leider nicht ganz so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber wir haben zumindest den Platz erreicht, um in Moskau beim World Final dabeizusein. Dort haben wir unser bestes Beachvolleyball gezeigt. Auch Huber\/Seidl, was sehr wichtig war. Damit haben wir den Platz geholt.

LAOLA1: Ihr ward punktgenau in Form. Kann man das so timen oder spielt auch Glück mit?

Clemens Doppler: Von allem ein bisschen was. Wir haben in der Vorbereitung ab November gewusst, dass in dieser Saison der Versuch, sich für Olympia zu qualifizieren, absolute Priorität hat. Wir mussten ein paar Turniere auslassen, um in diesen zwei wichtigen Wochen fit zu sein und mit allen Waffen, die wir haben, auffahren zu können. Dass es wirklich so funktioniert hat, ist schön. Natürlich gehört immer ein bisschen Glück dazu. Wir haben gesehen, dass wir unter Druck sehr gut funktioniert haben. In unseren sechs Duellen haben wir alles gewonnen, nur einmal einen Satz abgegeben.

LAOLA1: Wie wichtig war der Teamfaktor?

Doppler: Xandi und Robin waren eine Riesen-Hilfe. Du brauchst bei diesem Format zwei ausgeglichene Teams. Sonst muss immer ein Team alles gewinnen, den Golden Set spielen und es richten. Das ist vom Druck her eine Riesen-Bürde. In dieser Woche, wo es um Alles oder Nichts ging, haben wir jedenfalls ein Super-Niveau abgeliefert und gezeigt, dass wir da dazugehören.

LAOLA1: Die Entscheidung, dass ihr den Startplatz erhaltet, ist letztlich schnell gefallen. Wurde im Vorfeld schon etwas festgelegt?

Horst: Wir Spieler haben von Anfang gesagt, dass wir im Vorhinein noch nichts entscheiden oder irgendwelche Kriterien festlegen wollen. Für das Team, das schon weiß, dass es nicht fahren würde, wäre es schwierig, sich richtig zu motivieren. Wir wollten immer erst darüber diskutieren, wenn wir den Platz wirklich haben – das war schwierig genug. Natürlich ist es schön für uns, dass wir fahren. Für beide Teams war es sicher eine schöne Erfahrung.

LAOLA1: Gab es eine Kiste Bier für Xandi und Robin?

Doppler: Die gibt's nach der Saison (grinst). Wir haben schon vor dem Conti Cup gewusst: Es werden sich vier Spieler den Arsch aufreißen, damit letztlich zwei fahren können. Der Erfolg, den wir gefeiert haben, hat eine riesengroße Schattenseite: Ein Team, das sich den Platz auch verdient hätte, muss zuhause bleiben. Ich denke, den Ausschlag für uns hat gegeben, dass wir in Moskau super gespielt haben, in der Weltrangliste ein paar Plätze vor ihnen sind und unsere Erfahrung.

LAOLA1: Zuletzt habt ihr auf Berlin zugunsten einer Trainingswoche verzichtet. Wie schwer ist die Entscheidung gefallen?

Doppler: Es war schon sehr schwer. Nach Rom ist es bereits der zweite Grand Slam, den wir nicht spielen. Uns war aber schon vor der Saison klar: Für die Olympia-Quali musst du solche Opfer bringen. Ich glaube, dass es sehr wichtig war, nochmal Ruhe vor dem Sturm zu haben. Klagenfurt ist immer eine Riesen-Geschichte, vor allem für den Kopf. Du fühlst dich dann meist ein bisschen ausgebrannt. Danach geht es aber direkt weiter nach London.

LAOLA1: Was kann man in so einer Trainingswoche unter der Saison machen?

Doppler: Es ist eine Mischung zwischen sehr effektivem, konzentriertem Training und Regeneration. Der Schwerpunkt lag auf der körperlichen Ebene. Dazu sind tägliche Balleinheiten gekommen. Und blöd gesagt: Einfach die Batterien aufladen. Um mit vollen Akkus nach Klagenfurt zu fahren. Extra-Motivation für Klagenfurt und London brauchst du eh nicht, die hast du eh schon.

LAOLA1: Stichwort Klagenfurt - was sorgt beim Heimspiel für besonderen Druck?

Horst: Es ist hauptsächlich die eigene Erwartungshaltung. Du willst vor dem Heim-Publikum dein bestes Beachvolleyball zeigen und so weit wie möglich kommen. Natürlich ist auch rundherum etwas zu tun, aber das ist im Endeffekt gut für uns, weil es zeigt, dass unser Sport in Österreich angenommen wird. Deshalb macht man es gerne.

LAOLA1: Die Saison war ein Auf-und-Ab. Mit welcher Erwartungshaltung geht ihr nun in das Turnier?

Horst: Natürlich nehmen wir uns gewisse Sachen vor. Das Wichtigste ist, dass wir unser Spiel spielen. Bei den Turnieren, wo wir das geschafft haben, auch vollfit waren, haben wir sehr gut gespielt. Die ganze Saison war nicht leicht: Das Hauptziel war Olympia. Zwischendurch waren wir auch etwas verletzt oder krank. Das haben wir aber jetzt überwunden. Jetzt stehen die zwei wichtigsten Turniere vor der Tür und ich glaube, dass da was Gutes rausschauen kann.

LAOLA1: Was funktioniert bereits? Was noch nicht so, wie geplant?

Doppler: Ich hab gewusst, dass es für mich eine Riesen-Umstellung wird. Es war ein Auf-und-Ab. Es hat Turniere gegeben, wo ich gut blockiert habe. Etwa in Polen, was wichtig und eine Bestätigung war.  Dann hat es wieder Turniere gegeben, wo es nicht gelaufen ist. Es war, denke ich, eine wichtige Saison, um reinzufinden. Wenn man bedenkt, dass Moskau erst unser zehntes gemeinsames Turnier war, dann muss man einfach geduldig bleiben. Wir sind zwei erfahrene Spieler. Da funktionieren manche Sachen blind, bei manchen Sachen sieht man aber, dass es unsere erste gemeinsame Saison ist. In Klagenfurt werden wir aber so voller Adrenalin sein, wir werden so gierig auf jeden Ball sein, dass es nicht passieren wird, dass wir schlecht spielen. Es kann natürlich sein, dass der Gegner einfach besser ist.

LAOLA1: Die Saison bisher hat doch einige überraschende Ergebnisse gebracht. Robert Nowotny hat gemeint, die Saison steht ein bisschen unter dem Motto "Tarnen und Täuschen"? Kann man sich verstecken?

Doppler: Nein, glaub ich nicht. Aber es ist ein Klassiker, dass es in der Olympia-Saison komische Ergebnisse gibt. Das war vor Athen so, das war vor Peking so und das ist auch diesmal so. Man merkt bei vielen Teams, dass die Nerven blank liegen. Teams, die schon sicher qualifiziert sind, probieren noch Sachen aus. Aber dass sich wer versteckt, glaube ich nicht. Von etablierten Teams weißt du ohnehin, wie sie spielen.

LAOLA1: Aber für Rogers/Dalhausser oder Emanuel, die schon alles gewonnenen haben, hat selbst ein Grand Slam wohl nicht den Stellenwert, wie Olympia.

Horst: Natürlich steht Olympia über allem. Aber wenn man Rogers/Dalhausser hernimmt: Die wollen jedes Turnier gewinnen, das sie spielen. Dass sie immer mal wieder Spiele verlieren, war auch schon in den letzten Jahren so. Gerade diese Teams brauchen sich auch nicht verstecken. Da weiß eh jeder wie sie spielen und trotzdem hat man Probleme, gegen sie zu gewinnen. Heuer hatten aber einige Teams mit Verletzungen zu kämpfen – etwa Brink/Reckermann oder Fijalek/Prudel. Die mussten Turniere auslassen. Dadurch sind vermeintlich schwächere Teams mal weiter nach vorgekommen.

 

Das Gespräch führte Philipp Bachtik

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