Horst: "Zähle uns zu den Medaillen-Kandidaten"

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Ja, es war nur ein CEV-Satellite. Ja, es war nur Europas "zweiter Anzug", der da im Strandbad baggerte, pritschte und smashte.

Dennoch: Die Leistung von Clemens Doppler und Alex Horst war beeindruckend. Das Duo konnte als klarer Favorit nur verlieren - tat es aber nicht. Ganz im Gegenteil: 5 Spiele, 5 Siege, ein Satzverhältnis von 10:0, eine Punktebilanz von 212:128 und den Gegner nie mehr als 15 Punkte pro Satz gelassen.

Erwartungs-Haltung steigt

Selbst Robert Nowotny, Team-Manager und scharfer Kritiker, meinte anschließend: "Das war eine der souveränsten Vorstellungen, die ich von einem österreichischen Team bei einem Turnier gesehen habe." Kein Wunder, dass die Zwischenbilanz des Projekts "Doppler\/Horst" positiv ausfällt.

Von "erst mal zusammenfinden" ist bei den beiden Routiniers nichts zu sehen. Damit wandert der Zeiger auf der Erwartungs-Skala schnell nach oben. Auch bei Alex Horst, der im LAOLA1-Interview vor der EM (Spiele am Center Court LIVE bei LAOLA1.tv) auch eine Medaille nicht ausschließt. "Sonst wären wir ja keine Sportler."

 

LAOLA1: Die ersten vier gemeinsamen Turniere liegen hinter euch. Wie fällt dein Resümee aus?

Horst: Wir haben sehr gut angefangen, hätten selbst nicht erwartet, dass wir gleich beim ersten Turnier einen 7. Platz holen. Da hat alles super funktioniert, wie in der Vorbereitung. Der China-Trip war – vor allem gesundheitlich – leider nicht optimal. Clemens hatte Fieber, ich war auch stark verkühlt. In Shanghai hat es gar nicht funktioniert, in Peking haben wir wieder normal gespielt. Nach souveräner Quali hatten wir aber Pech mit der Auslosung. Zwei Teams, die Nummer zwei und drei in der aktuellen Rangliste sind und dazu Brink, einen Weltmeister. Wir haben die Spiele aber nur knapp verloren und haben gesehen, dass wir jedes Team schlagen können. Natürlich war das Vorrunden-Aus bitter, andererseits war es spielerisch okay.

LAOLA1: Wie wichtig war in eurer Situation der Top-Start in Polen.

Horst: Natürlich sehr wichtig. Das Ziel war Top Ten. Das Potential haben wir, da gehören wir ungefähr hin. Dass es nicht leicht wird, haben wir schon vorher gewusst. Selbst in der Quali sind sehr gute Teams dabei. Es gibt kein Team mehr, wo du sagst: Das ist ein Aufwärm-Gegner. In der Quali kommt dazu, dass du weißt, wenn du das Spiel schlecht bist, bist du draußen und kannst heimfliegen. Das macht es doppelt schwer. In Polen haben wir das aber wirklich gut gemacht. Wir haben von Beginn weg souverän gespielt und das gezeigt, was wir können.

LAOLA1: Auffallend war, dass ihr in Polen nicht mit eurem angekündigten Rezept zum Erfolg gekommen seid. Also viel Druck mit dem Service zu machen.

Horst: Wir haben schon Druck gemacht, aber mehr mit Flatter-Service. In Polen war extrem tiefer Sand. Da ist es schwer, überhaupt ein Sprung-Service zu machen. Für Clemens ist das besonders hart. Du kannst nicht volles Sprung-Service machen, vorlaufen, blockieren und ständig anserviert werden. Das geht bei tiefem Sand nicht. In Polen haben fast alle Teams Sprung-Flatter gemacht. Das liegt auch am neuen Ball. Man muss sich ja nur Brink anschauen: Der macht fast nur noch Flatter-Aufschläge und hat früher reihenweise Asse geschossen. Mit dem Ball ist Flatter das effizientere Service.

LAOLA1: Brink hat beim Service eine neue Variante eingeführt, steht beim Aufschlag ganz weit hinten.

Horst: Das ist auch sehr druckvoll. Auch gegen uns hat er das leider ausgepackt und zwei, drei Winner gemacht. Das ist ein extrem gefährliches Service, weil der Ball eigenartig fliegt.

LAOLA1: Gleichzeitig mit Baden fand in Prag ein World-Tour-Turnier statt. Ihr habt euch lange Zeit gelassen und euch letztlich für einen Antritt in der Heimat entschieden. Warum?

Horst: Die Entscheidung war ganz schwer. Sportlich gesehen wäre Prag besser gewesen. Wir haben uns im Endeffekt für hier entschieden, weil es für unsere Sponsoren wichtig ist, dass wir uns in Österreich präsentieren. Wir spielen natürlich auch sehr gerne in Österreich. Für mich ist es ein echtes Heim-Turnier, ich fahre eine halbe Stunde und bin daheim.

LAOLA1: Angesichts der Besetzung konntet ihr in Baden aber nur verlieren?

Horst: Kann man so sehen. Aber wir wissen, dass unsere Gegner sicher besser spielen können. Vor allem, wenn man sie spielen lässt, was wir nicht getan haben. Wir haben mit dem Service immer viel Druck gemacht.

LAOLA1: Kann man hier mit dem Erfolgs-Erlebnis zumindest mehr Selbstvertrauen mitnehmen, als vom World-Tour-Turnier in Prag?

Horst: Das ist genau das Problem, das wir gehabt haben. Es kann so und so laufen, man kann es so oder so sehen. Es war bei beiden nicht so, dass wir gesagt hätten: Es ist kein Problem, wenn wir das nicht spielen. Prag ist ein World-Tour-Turnier, wir wären da sogar noch in den Hauptbewerb reingerutscht. Hätten wir in Prag gespielt, hätten wir uns gedacht: Was wäre gewesen, wenn wir daheim gespielt hätten. Da hätten wir gewinnen können, wäre super gewesen, blablabla. Jetzt kann man auch sagen: In Prag wären wir im Hauptbewerb gewesen, was wäre möglich gewesen. Wäre das Turnier irgendwo anders, brauchen wir aber gar nicht drüber diskutieren. Aber ein Heim-Turnier ist etwas anders. Es ist sicher auch wichtig, dass wir hier spielen, um den Sport zu pushen. Es gibt leider nicht mehr viele große Turniere in Österreich. Da ist es auch ein bisschen die Pflicht der Top-Teams, das Turnier zu unterstützen.

LAOLA1: Jetzt steht das erste Saison-Highlight an. Seid ihr für die EM gerüstet?

Horst: Wenn wir so spielen, wie in Peking oder in Baden, haben wir eine gute Chance. Es ist schwer vorauszusagen. Es gibt ein, zwei Favoriten. Die aber genauso gegen jeden verlieren können. Es gibt viele Teams, die Medaillenchancen haben – dazu zähle ich uns auch. Wir haben zusammen vier EM-Medaillen, wenn wir da nicht mit dem Anspruch auf eine weitere hinfahren würden, wären wir keine Sportler.

LAOLA1: Als Beobachter habe ich den Eindruck, dass es eigentlich nur drei, vier Teams gibt, die ihr nicht schlagen könnt…

Horst: Das einzige Team, wo ich nicht sagen kann, ob wir sie schlagen können, ist Rogers/Dalhausser. Weil ich gegen sie noch nie gespielt habe. Trainiert haben wir mit ihnen, aber das kann man nicht hernehmen. Wenn wir unser Spiel durchziehen können, unser Side-Out halten, dann gibt es kein Team auf der Welt, das wir nicht schlagen können.

Das Gespräch führte Philipp Bachtik

LAOLA1.tv zeigt die Spiele der EM am Center Court LIVE>>>

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