Die Chance zur großen Revanche

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Ab der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben die San Antonio Spurs die Gelegenheit, sich für eine der schmerzvollsten Serien der Vereinsgeschichte zu revanchieren.

Im Vorjahr hatten die Texaner in den NBA Finals gegen Miami den Sack beinahe schon zugemacht, als sie beim Stand von 3:2 in Spiel sechs kurz vor Ende mit drei Zählern führten.

Ein Offensiv-Rebound der Heat und ein Dreipunkter von Ray Allen brachte die Overtime, die die Spurs ebenso verloren wie Spiel sieben.

Ein Jahr später kommt es zum selben Final-Duell. Ein "Wunsch-Szenario" für San Antonio, das diese bitteren Momente mit einem Titel vergessen machen will.

Diese Chance auf Revanche gab es in der jüngeren Geschichte nicht sehr oft: Zuletzt spielten 1997 und 1998 die selben Klubs zweimal in Folge um den Titel, und zwar die Chicago Bulls und die Utah Jazz.

SAN ANTONIO SPURS (1) - MIAMI HEAT (2)


Ausgangslage:

Im Gegensatz zum Vorjahr haben die San Antonio Spurs Heimvorteil, den sie sich mit der besten Bilanz in der Regular Season (62-20) redlich verdienten. Nach einem wahrlich beeindruckenden Grunddurchgang strauchelte die Truppe Gregg Popovich in der ersten Runde und konnte sich gegen den Langzeit-Rivalen Dallas Mavericks erst nach sieben Spielen durchsetzen. Gegen die Portland Trail Blazers hatten Tim Duncan und Co. beim 4:1 wenig Mühe. Ein härterer Brocken waren da schon die Oklahoma City Thunder in den Conference Finals: Drei äußerst souveränen Heimsiegen standen zwei klaren Auswärtsniederlagen gegenüber, bevor die Texaner in Spiel sechs nach Overtime triumphierten. Erstmals stehen die Spurs in zwei aufeinander folgenden Jahren in den Finals.

Die Miami Heat gingen es in der Regular Season etwas ruhiger an und schafften gleichauf mit Rockets und Blazers nur die fünftbeste Bilanz (54-28). Geschadet hat dies dem Titelverteidiger bislang nicht, denn nach dem überlegenen 4:0 gegen Charlotte und einem 4:1 gegen Brooklyn, besiegte das Team von Erik Spoelstra die Indiana Pacers auch ohne Heimvorteil mit 4:2. LeBron James und Kollegen stehen damit zum vierten Mal in Folge in den Finals - das gelang zuvor nur Celtics und Lakers. Gewinnen die Heat, würden sie mit dem vierten Titel mit San Antonio gleichziehen. Neben dem Heimvorteil hat sich auch das Heim-Auswärts-Format gegenüber dem Vorjahr verändert: Statt 2-3-2 kehrte die Liga auch für die Finals zum 2-2-1-1-1 zurück.

Brennpunkte:

  • "Same OLD story"

    Nachdem die Spurs im Vorjahr fast die fünfte Meisterschaft eingefahren haben, sind die Ergebnisse der heurigen Saison nicht unbedingt überraschend. Dennoch ist es immer wieder aufs Neue verblüffend, wie es Gregg Popovich schafft, sein sich auf Altstars stützendes Team an der absoluten Spitze der Liga zu halten. Besonders hervorheben muss man heuer Tim Duncan, der mittlerweile 38 Jahre alt ist, es in der Regular Season auf 15,1 Punkte und 9,7 Rebounds und in den Playoffs auf 16,5 Zähler und 8,9 Boards brachte. In der Crunch Time von Spiel sechs gegen OKC stützte sich der Coach auf Systeme für "Big Fundamental", der sein Team nicht enttäuschte. Manu Ginobili (36) und Tony Parker (32) komplettieren die "Big Three", die auf ihren vierten gemeinsamen Titel losgehen.

  • Fitness von Parker, Wade und Ginobili

    Tony Parker gab wegen seines lädierten Knöchels zur Halbzeit des letzten Spiels gegen die Thunder w.o., wird in der ersten Partie aber einsatzbereit sein. Es bleibt dennoch ein Fragezeichen: Wie sehr wird der Topscorer der Spurs behindert sein? Gerade gegen die Heat sind die Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten des Franzosen schwer zu ersetzen.

    Fit scheinen dafür heuer Manu Ginobili und Dwyane Wade zu sein. Beide lieferten im vergangenen Jahr nicht gerade Glanzleistungen ab. Der Spurs-Guard schadete den Spurs in den Finals 2013 mit schwacher Quote und teils schrecklichen Turnovers. In den diesjährigen Conference Finals gegen Oklahoma City war er allerdings wieder der Alte und nicht zu halten. Heat-Guard Wade hatte in den letztjährigen Finals eine unglaublich schlechte Plus/Minus-Statistik von -54 (ohne ihn +49) aufzuweisen - man kann fast sagen, die Heat gewannen "trotz" Wade. Die Knieprobleme scheinen aber überwunden.

  • Small Ball, Mismatches, Spacing

    Basketballspezifisch beginnt jede Analyse einer Serie, an der die Heat teilnehmen, mit LeBron James. Kevin Durant ist aktueller MVP, doch "King" James bleibt wohl der aktuell beste Spieler der Welt. Mit Kawhi Leonard und - insbesondere, wenn die Heat Small ball spielen - Boris Diaw hat San Antonio zwei Spieler in seinen Reihen, die den Forward zumindest einschränken können. Im Vorjahr hatte die stark absinkende Verteidigung der Spurs gegen James Erfolg, aber in erster Linie nur dahingehend, dass die Ballbewegung Miamis etwas stockte und James wenig durch Drives scorte. Denn den Platz, den die Texaner James zum Werfen ließen, nützte er durch hohe Prozentsätze aus der Mitteldistanz, gerade bei den Siegen in den letzten beiden Partien.

    Durch diese Taktik lässt sich auch der negative Einfluss von Wade erklären. Der hat nämlich viele Stärken, sein Wurf von außen gehört aber definitiv nicht dazu. Dies schränkte das Spacing ein und durch seine Knieprobleme konnte der Finals-MVP von 2006 seine athletischen Pluspunkte wenig zur Geltung bringen. Mike Miller war durch sein Shooting der X-Faktor des letzten Jahres. Nach seinem Abgang müssen andere diese Rolle übernehmen. Rashard Lewis ist ein heißer Kandidat. Ebenso wird Chris Bosh immer mehr zu einer Gefahr von jenseits der Dreier-Linie.

    Der Vorteil der Heat liegt sicher in der Vielseitigkeit einiger ihrer Spieler bzw. in der Tatsache, dass ein defensives Mismatch gegen Spurs-Center Tiago Splitter im Falle einer kleinen Aufstellung kein so großes ist wie offensiv. Die Spurs mussten auch gegen OKC ihre Starting Five umstellen und Duncan und Splitter alternierend und nicht gemeinsam bringen. Einer, der allerdings zu einer echten Gefahr am Low Post werden könnte, ist Boris Diaw: Der Franzose kann Small Forwards verteidigen, umgekehrt tat sich zum Beispiel Kevin Durant gegen ihn unter dem Korb sehr schwer.

  • Bedeutung für die Geschichte

    Schaffen die Heat den Three-Peat? Erik Spoelstra wäre der erst vierte Coach neben Phil Jackson, Red Auerbach und John Kundla, der drei Meisterschaften in Serie gewinnt. Im Gegensatz dazu wäre Gregg Popovich der fünfte Trainer nach Jackson, Auerbach, Kundla und Pat Riley, der mindestens fünf Titel holt. Tim Duncan könnte neben Michael Jordan der einzige Spieler werden, der zumindest vierfacher Finals-MVP ist. LeBron James wäre im Falle dieser Auszeichnung der dritte Spieler, der es dreimal in Folge schafft.

    Auswirkungen könnte der Ausgang der Finalserie auch auf die unmittelbare Zukunft haben, jedenfalls wird in den USA viel darüber spekuliert: Bleiben Miamis Big Three James-Wade-Bosh auch im Falle einer Niederlage zusammen? Hören auf der anderen Seite Popovich und Duncan im Falle eines Titelgewinns auf?

    Als objektiv leichter Favorit werden die Spurs gesehen, da sie im Laufe der Saison den besseren Basketball gespielt und sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert haben - vor allem ihre jungen Spieler. Dennoch ist es nicht einfach, gegen den zweifachen Titelverteidiger mit einem Spieler wie LeBron James zu wetten ...

Datum Heim Gast Ergebnis
26.1. HEAT Spurs 113:101
6.3. SPURS Heat 111:87
Spiel Datum (Ortszeit) Heim Gast
1 Do. 5. Juni Spurs Heat
2 So. 8. Juni Spurs Heat
3 Di. 10. Juni Heat Spurs
4 Do. 12. Juni Heat Spurs
*5 So. 15. Juni Spurs Heat
*6 Di. 17. Juni Heat Spurs
*7 Fr. 20. Juni Spurs Heat

Hubert Schmidt

LAOLA1-Tipp:
Bell Preusser Schauhuber Schmidt
4:3 SPURS 4:3 SPURS 4:2 SPURS 4:2 SPURS
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