NBA-Superstars tummeln sich am freien Markt

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Die NBA geht in einen prägenden Sommer.

Die "Big Three" der Miami Heat könnten sich in alle Richtungen verstreuen, Carmelo Anthony ist auf dem freien Markt und Kevin Love ist bei den Minnesota Timberwolves nach wie vor unglücklich.

Gleichzeitig kämpfen zahlreiche Teams um die Schnäppchen aus der zweiten Reihe, die in der nächsten Saison den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen können. Ab dem 1. Juli dürfen Verhandlungen geführt und mündliche Vereinbarungen getroffen werden, eine Woche danach dürfen auch Verträge unterzeichnet werden.

LAOLA1 beleuchtet die wichtigsten Brennpunkte der Free Agency:

Es ist der erste, größte und wichtigste Dominostein des Sommers. LeBron James und seine zwei Heatles-Kumpanen Dwyane Wade und Chris Bosh können aus ihren Verträgen aussteigen. Der vierfache MVP hat das schon getan, das bedeutet aber noch lange keinen Abschied von den Miami Heat.

Vielmehr könnte das Trio geschlossen aussteigen, nur um noch niedriger dotierte Verträge zu unterschreiben. Das würde Big Boss Pat Riley neue Möglichkeiten unter dem Salary Cap verschaffen - bekanntlich waren die drei ja schon vor vier Jahren bereit, dem Erfolg zu Liebe weniger Geld zu nehmen.

James betonte in der Vergangenheit mehrfach, sich in Miami sehr wohl zu fühlen. Zudem spielen die Heat in der deutlich schlechteren Eastern Conference, in der man quasi eine eingebaute Titelchance hat. Warum sollte der beste Spieler der Welt all das wegwerfen?

Abschied wohin?

Zum Beispiel für sportlichen Erfolg. Die Finals-Niederlage gegen San Antonio war eine der heftigeren Sorte, die Heat wirkten phasenweise hilflos. Für den Fall, dass James' Tage in South Beach vorüber sind, haben sich bereits einige Teams in Stellung gebracht. "ESPN" veröffentlichte eine Liste an Destinationen, die der Superstar grundsätzlich in Erwägung zieht.

Neben seinem aktuellen Team sollen das die Cleveland Cavaliers, die Houston Rockets, die New York Knicks und die Brooklyn Nets sein. Die zwei Teams aus dem "Big Apple" kann man aufgrund ihrer katastrophalen Gehaltssituation getrost streichen.

Eine Rückkehr zu den Cavaliers geistert seit Jahren durch US-Medien, dank ihres beinahe absurden Glücks in der Draft-Lotterie könnten die "Cavs" auch einen ordentlichen Kader aufstellen. Nach der viel kritisierten "Decision" 2010 würde LeBron seinen Ruf mit einem Homecoming endgültig wiederherstellen.

Wer hat das beste Team?

Entscheidend dürfte aber die sportliche Perspektive sein. Und diese ist in Houston ebenso hervorragend wie bei den Los Angeles Clippers. Letztere sind laut "ESPN" auf James' Liste trotz der Freundschaft zu Chris Paul aber nicht oben zu finden. Trotzdem: Er respektiert Head Coach Doc Rivers enorm und könnte nach dem Sterling-Fiasko eine neue Ära in der kalifornischen Metropole einläuten.

Bei den Rockets kommt auch der Name Carmelo Anthony ins Spiel. Der zweitgrößte verfügbare Star der Free Agency könnte via Sign-and-Trade für James Harden gemeinsam mit James nach Texas wechseln.

"Melo" spielt aber auch bei einem möglichen Big-Three-Verbleib in Miami eine Rolle: Falls alle deutlich weniger Geld nehmen, könnte er aus dem Trio eine "Big Four" machen.

Was macht Bosh?

Falls James geht, bleibt Wade in seinem Vertrag - kein anderes Team würde ihm sonst in den nächsten zwei Jahren 42 Millionen überweisen. Mit Chris Bosh wäre allerdings ein hochinteressanter Spieler verfügbar - wenn er aus seinem Vertrag ausstiege.

Der Dreier-fähige Forward/Center wäre für unzählige Teams eine große Verstärkung, unter anderem sollen die Mavericks, Suns und Lakers interessiert sein.

Er gilt als einer der besten Scorer der Gegenwart, spielte bislang sieben All-Star-Games, zierte All-NBA-Teams und setzte sich mit Syracuse die College-Krone auf. Auf den ganz großen Wurf, den Gewinn der NBA-Meisterschaft, wartete Anthony bislang jedoch vergebens. Und auch in der diesjährigen Off-Season kann der 30-Jährige eigentlich nur verlieren.

Entscheidet sich der siebenfache All Star für einen Verbleib im "Big Apple", wo er in den kommenden Jahren kaum eine Chance auf einen Titel-Gewinn haben dürfte, wird man ihm Geldgier vorwerfen. Aufgrund des NBA-Regulativs können ihm lediglich die Knicks einen Fünfjahres-Vertrag über 130 Millionen Dollar offerieren, bei jedem anderen Klub müsste er mit maximal 96 Millionen und vier Jahren vorlieb nehmen.

Chicago als beste Lösung?

Legt er jedoch die "Knickerbocker" ab und schließt sich einem anderen Team an, wird man ihm unterstellen, von den Problemen davongelaufen zu sein, in New York gescheitert zu sein und damit auch im elften Jahr kein Team zum Erfolg geführt zu haben.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden, in Chicago zum Beispiel. Anthony wird bereits seit mehreren Monaten mit den Bulls in Verbindung gebracht, die neben massig Capspace auch einen Head Coach von Format (Tom Thibodeau), mit Derrick Rose einen (Co-)Star von MVP-Kaliber und somit Titelchancen zu bieten hätten. Einziger Haken: Melo glänzte in seiner bisherigen Karriere nicht durch die Defense, bei Coach Thibodeau ein No-Go.

Ähnliche Voraussetzungen bietet der enttronthe Champion aus Miami - wenn James in Soutch Beach bleibt und wenn die Big Three tatsächlich erhebliche Gehaltseinbußen akzeptieren. Die Chance auf einen Titel wäre in Florida wohl am größten, an eine "Big-Four"-Lösung mag man jedoch nicht so recht glauben.

Houston schachert, Lakers hoffen

Auch der umtriebige Manager der Houston Rockets, Daryl Morey, hat - wie immer, wenn es um die großen Free Agents geht - seine Fühler nach Anthony ausgestreckt. Nach dem enttäuschenden Erstrunden-Aus der selbsternannten Mitfavoriten ist man in Texas sehr daran interessiert, den Forward zu verpflichten.

Dort würde Anthony dann zumindest mit Dwight Howard und James Harden, im Idealfall aber mit Howard und James um Meisterschafts-Ringe kämpfen. Dafür müsste aber Capspace freigeschachert werden und ein Radikal-Umbau her.

Blieben noch die Los Angeles Lakers, die nach einer historisch schwachen Saison und nach dem Monster-Vertrag für Kobe Bryant weder sportliche Perspektiven, noch das nötige Kleingeld bieten können. Ebenfalls Außenseiter-Chancen werden den Dallas Mavericks eingeräumt. Keine attraktive Stadt, aber ordentlich Gehaltsspielraum.

Laut "Yahoo" will "Melo" seine Entscheidung nach einigen Meetings in der zweiten Juliwoche fällen.

Kevin Love scheint bei den Minnesota Timberwolves nicht mehr glücklich zu werden. Der vielseitige Power Forward sucht eine neue Herausforderung in der Hoffnung, bald Playoff-Basketball spielen zu können. Die halbe NBA ist inzwischen hinter dem 25-Jährigen her, doch nur eine Handvoll Teams dürfte dem Anforderungsprofil des All Stars entsprechen.

Das letzte Wort werden aber die Timberwolves haben. Sie wollen Love nur gehen lassen, wenn sie im Gegenzug zwei bis drei Spieler bekommen, die ihnen direkt weiterhelfen können. Noch wartet die Teamführung auf das richtige Angebot und ließ zuletzt die Boston Celtics sowie die Golden State Warriors abblitzen. Im Moment sollen die Bulls, die Nuggets, die Rockets, die Suns, die Cavaliers und die Lakers an einem Trade basteln.

Sollte den Wolves keines der in den nächsten Wochen vorgelegten Angebote gut genug sein, könnten sie Love vorerst behalten und auf die - eventuell besseren - Vorschläge vor der Trading Deadline im Februar warten.

Falls Minnesota dann selbst auf Playoff-Kurs liegt, könnten sich die Abwanderungsgelüste des "Big Man" in Luft auflösen. Angesichts des talentierten Kaders ist diese Variante gar nicht so unwahrscheinlich. Wir kennen die Geschichte ja schon von LaMarcus Aldridge, der die schwächelnden Blazers verlassen wollte, ehe er sie letzte Saison mit fantastischen Leistungen auf Platz fünf im Westen führte.

Mit Kyle Lowry, Lance Stephenson und Eric Bledsoe sind auch drei Guards zu haben, die sich in der letzten Saison ins Rampenlicht der NBA spielten.

Kyle Lowry war der beste Spieler der überraschend starken Toronto Raptors und wurde für viele zu Unrecht nicht zum All-Star-Game eingeladen. Der 28-jährige Point Guard strebt einen Maximal-Vertrag an, den ihm aber wohl kein Team anbieten wird. Dennoch könnte es für die Raptors teuer werden, den Spielmacher zu halten. Die Rockets wollen Lowry, der bis 2012 bei den Texanern spielte, zurückholen und auch die Lakers haben bereits ihr Interesse bekundet. Zuletzt war auch die Rede von einer Sign-and-Trade-Variante: Nach der Vertragsverlängerung in Toronto soll Lowry nach Miami getradet werden, um dort das chronische Point-Guard-Problem zu lösen. Das könnte mit dem Draft von Shabazz Napier aber in den Hintergrund getreten sein.

Lance Stephenson hat mit seiner spektakulären und leidenschaftlichen Spielweise bei den Pacers viel Aufsehen erregt. Die Chicago Bulls, die Detroit Pistons und die Charlotte Hornets buhlen bereits um den erst 23-jährigen Shooting Guard, dennoch dürfte Stephenson wohl in Indiana bleiben. Pacers-Präsident Larry Bird stellte unlängs klar: "Lance will zweifellos hier bleiben. Es geht also nur noch darum, sich zu einigen." Das meiste Geld wird Stepehnson wohl nicht in Indiana verdienen, die größten Erfolgschancen hat er dort aber allemal.

Eigentlich sprach alles für einen Verbleib von Eric Bledsoe in Phoenix. Doch dann drafteten die Suns Tyler Ennis, der den starken Point Guard im Falle eines Abgangs ersetzen könnte - wenn auch natürlich nicht gleichwertig. Es ist also fraglich, ob die Suns den Restricted Free Agent um jeden Preis halten wollen. Selbst wenn Phoenix mit dem verletzungsanfälligen Guard verlängert, könnte der 24-Jährige noch als Teil eines Trades für Kevin Love abgeschoben werden.

Der Sommer hält nicht nur Vertragsunterzeichnungen bereit, auch der eine oder andere Trade ist immer dabei.

Der namhafteste Kandidat für einen solchen wurde mit Kevin Love bereits oben behandelt, es könnten aber auch einige andere Stars via Transfer einen neuen Arbeitgeber finden.

Prominent zu nennen ist hier Rajon Rondo. Der Point Guard der Boston Celtics muss sich seit gefühlten drei Jahrzehnten mit Trade-Spekulationen herumschlagen. Dass seine Boston Celtics mit Marcus Smart nun auch noch einen Point Guard im Draft wählten, lässt Rondos Position nicht sicherer erscheinen. Als potenzielle Destination hört man immer wieder die Sacramento Kings.

Was macht Detroit?

Die Detroit Pistons haben ein Platzproblem. Andre Drummond, Greg Monroe, Josh Smith und Josh Smiths gigantischer Vertrag verstopfen den Frontcourt und klauen sich gegenseitig die Minuten.

Da Monroes Vertrag ausläuft und der Restricted Free Agent angeblich einen Kontrakt an der Gehalts-Obergrenze fordert, rechnete man monatelang mit einem Sign-and-Trade des Centers. Mit Stan van Gundys Verpflichtung als Pistons-Coach und -GM dreht der Wind aber.

Der neue Overlord führte sofort ein Telefonat mit dem 24-Jährigen und gab eine Vertragsverlängerung als größtes Offseason-Ziel aus. Sollte aber ein anderes Team einen Max-Vertrag auspacken, könnte all das Schall und Rauch sein. Smith würde van Gundy wohl liebend gerne loswerden, das dürfte wegen seines 54-Millionen-Vertrags gekoppelt mit einer Seuchensaison aber schwierig werden.

Der letzte Mohikaner

Auch für Thaddeus Young sind Trade-Gerüchte kein Neuland. Im Vorfeld des Drafts flackerten sie ebenso auf wie vor der letztjährigen Trade Deadline. Young ist der beste Spieler seiner 76ers, kann 2015 aber aus seinem Vertrag aussteigen.

Sixers-GM Sam Hinkie "tankt" dreister als jeder andere GM - er schwächt die Mannschaft und investiert in die Zukunft, um an möglichst gute Draftpicks zu kommen. Dementsprechend wäre ein Transfer von "Thad" Young eine aufgelegte Sache.

Große Namen sind schön und gut, ein NBA-Kader besteht aber aus mehr als einem Spieler. Die Spurs zeigten in den Finals eindrucksvoll, dass es genau so auf die Nummern zwei bis zehn im Kader ankommt.

Dementsprechend wichtig ist auch das Ringen um den "Rest" der Free Agents. Luol Deng, Boris Diaw oder Pau Gasol sind nur einige der verfügbaren Kandidaten. Der in die Jahre gekommene Scharfschütze Ray Allen steht ohne Vertrag da, auch Shawn Marion gilt als Kandidat für Allens Miami Heat.

Mit Chandler Parsons und Gordon Hayward sind zwei aufstrebende Jungstars Restricted Free Agents, d.h. ihr Team kann mit jedem Angebot der Konkurrenz gleichziehen und so die Rechte an ihrem Spieler behalten. Mit Trevor Ariza und Paul Pierce sind zwei weitere Oberklasse-Small-Forwards verfügbar.

 

Manuel Preusser / Kevin Bell / Martin Schauhuber

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