Das Duell der Superstars

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Die NBA hat ihr Traum-Finale.

So sehr die routinierten Mannschaften der San Antonio Spurs und Boston Celtics durch Team-Basketball begeisterten: Vor allem die ganz jungen Fans hatten schon zu Saisonbeginn von einem Duell Oklahoma City Thunder gegen Miami Heat in den Finals geträumt.

Kevin Durant gegen LeBron James: Neben Kobe Bryant die zwei schillerndsten Figuren der Liga kämpfen um den Titel.

Und: Für beide Superstars wäre es der erste Meisterschaftsgewinn.

Doch die Serie, die in der Nacht auf Mittwoch in Oklahoma beginnt, hat weit mehr zu bieten als "nur" das Duell MVP gegen Liga-Topscorer.

LAOLA1 nimmt die einzelnen Positionen unter die Lupe:

Schwierige Aufgabe für Chalmers (r.)

POINT GUARDS:

RUSSELL WESTBROOK - MARIO CHALMERS

Wer Miami Heat hört, denkt im ersten Moment nur an LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh. Doch gerade Mario Chalmers hat in den Playoffs eine wichtige Rolle inne. Der 26-Jährige muss seine offenen Würfe treffen und kann durch seine Penetrations zum Korb der Offense der Heat eine zusätliche Facette hinzufügen. 11,6 Punkte erzielt Chalmers bislang in den Playoffs. Gegen Oklahoma wird es aber in erster Linie auf seine Defensiv-Qualitäten ankommen, um seinen Widerpart einigermaßen einbremsen zu können.

Der heißt nämlich Russell Westbrook und ist einer der Top-Athleten im Basketball. Auf 21,7 Punkte pro Spiel kommt der 23-Jährige in der diesjährigen Postseason. Dass Westbrook scoren kann, ist bekannt. Wichtig für den Erfolg der Thunder war aber seine verbesserte Spielkontrolle: Zwar musste der "junge Wilde" gegen die Spurs zunächst lernen, dass man gegen eine gute Defense nicht auch mit Über-Athletik nicht mit dem Kopf durch die Wand kann. Doch unterlaufen ihm in den Playoffs bislang nur 2,3 Turnovers - ganze 1,3 weniger als in der Regular Season.

Gewinnt Wade (l.) seinen zweiten NBA-Titel?

SHOOTING GUARDS:

THABO SEFOLOSHA - DWYANE WADE


Auf der Position zwei startet bei den Thunder ein Schweizer: Thabo Sefolosha hat sich in den Playoffs als einer der besten Verteidigern der Liga etabliert. Der 28-Jährige ist mit seinen 2,01 Metern in der Lage, sowohl Dwyane Wade, als auch LeBron James zu verteidigen. Laut ESPN sank die gemeinsame Feldwurf-Quote des Duos in Partien der letzten zwei Jahren von 49,4 auf 40,7 Prozent, wenn Sefolosha auf dem Parkett stand. Ein unglaublicher Wert. Gegen die "kleine" Aufstellung der Heat mit James und Shane Battier auf den Forward-Positionen wird auch Oklahoma oft mit einer kleineren Lineup zu sehen sein - was mehr Minuten für den "Schweizer Gardisten" bedeuten sollte.

Dwyane Wade dominiert zwar nicht mehr so wie beim Titel-Run 2006, doch 22,9 Punkte und 47 Prozent Trefferquote in den Playoffs 2012 sind auch keine schlechte Ausbeute. D-Wade hat die Nummer-1-Rolle im Team ganz klar LeBron James überlassen. Um Meister zu werden, darf der 30-Jährige aber trotzdem nicht abtauchen. Ist Sefolosha auf der Bank, hat Wade möglicherweise ein Matchup, dass er intensiver ausnützen muss.

DAS Duell der Finals: Durant (u.) gegen James

SMALL FORWARDS:

KEVIN DURANT - LEBRON JAMES

Der Showdown der derzeit wahrscheinlich zwei besten Basketballer des Planeten in den Finals: Basketball-Herz, was willst du mehr? Kevin Durant ist erst 23 Jahre alt und schon zum dritten Mal in Folge Topscorer der Liga. In den Playoffs bringt er es auf 27,8 Punkte bei einer überragenden Quote von 50,5 Prozent. Kein Spieler kombiniert Länge, Athletik, Händchen und mentale Stärke so gut wie der WM-MVP von 2010. Bei keinem anderen NBA-Akteur sieht das Scoren so leicht aus. Gegen Miami wird Durant jedoch auch defensiv ernsthaft auf die Probe gestellt werden: Zumindest zeitweise wird er sich um den "King" kümmern müssen.

Und LeBron James zu verteidigen, ist nicht unbedingt eine angenehme Aufgabe. Schon gar nicht in dieser Postseason, in der der 27-Jährige 30,8 Punkte bei einer Quote von 50,8 Prozent, 9,6 Rebounds und 5,1 Assists pro Spiel auflegt. James scheint fokussiert und unbeeindruckt von der Außen-/Medien-Welt wie nie: In der Serie gegen Boston betrug sein niedrigster Score 29 Punkte. Trifft er seine Außenwürfe, ist der MVP nicht zu verteidigen, die Thunder müssen seinen Zug zum Korb so gut wie möglich verhindern.

Interessantes Duell: Bosh (l.) gegen Ibaka

POWER FORWARDS:

SERGE IBAKA - CHRIS BOSH

Mit Serge Ibaka haben die Thunder einen weiteren "freakigen" Athleten im Team. Der mit Abstand beste Shot-Blocker der Regular Season ist auch in den Playoffs die Nummer 1. Doch der naturalisierte Spanier ist nicht nur ein Springer, er kann auch außerordentlich gut aus der Mitteldistanz werfen. Seine 26-Punkte-ohne-Fehlwurf-Performance gegen San Antonio bewies dies eindrucksvoll.

Zwischendurch wurden die "Big Three" der Heat ja schon mal "Big Two-and-a-half" genannt. Tatsächlich präsentierte sich Miami auch während der Verletzung von Chris Bosh als Top-Team, doch in Spiel sieben gegen die Celtics zeigte sich der Wert des 28-Jährigen eindrucksvoll. Das Offensivtalent von Bosh kommt besonders zum Tragen, wenn er als Center eingesetzt wird - was angesichts der Schwäche der Big-Men-Riege der Heat (Joel Anthony und Ronny Turiaf fielen gegen Boston aus der Rotation) nicht selten sein wird. Ob der Superstar weiter von der Bank kommen wird? Wir tippen eher, das Udonis Haslem diese Rolle einnehmen wird.

Perkins (r.) ist der "Bad Boy" der Thunder

CENTER:

KENDRICK PERKINS - UDONIS HASLEM

Kendrick Perkins ist einer der NBA-Spieler, die nie ein Foul begehen. Zumindest wenn man das Gehabe des Thunder-Centers nach jedem einzelnen Pfiff gegen ihn hernimmt, muss man zu dieser Meinung kommen. Spaß beiseite: Der Schrank ist einer der allerbesten Low-Post-Verteidiger der NBA. Ob diese Qualität auch gegen den wurfstarken und schnellen Bosh zum Tragen kommt, wird sich erst zeigen. Den großen Inside-Banger wie in den Conference Finals Tim Duncan, findet man in der gegnerischen Mannschaft diesmal jedenfalls nicht.

Eigentlich ist Udonis Haslem ein Power Forward, doch die Heat vertrauen dem 2,04-Meter-"Zwerg" in erster Linie als Center. Das macht Miami beweglich und schnell. Da der 32-Jährige ein guter Rebounder (in den Playoffs 7,0 in weniger als 22 Minuten) und Standard-Gegenspieler nicht der große Scorer ist, wird sich diese Lineup für die Heat weiter anbieten.

Sixth Man of the Year: Harden (r.)

WEITERE TOP-SPIELER:

JAMES HARDEN - SHANE BATTIER

Einen eindeutigeren Sixth Man of the Year als James Harden findet man selten. Für viele ist der Guard sogarn noch vor Westbrook die Nummer 2 im Thunder-Team. Tödlicher Wurf, gute Athletik, verschiedene Abschlussmöglichkeiten unter dem Korb, gute Entscheidungen aus dem Pick-and-Roll. 17,8 Punkte von der Bank würde sich jedes Team in den Playoffs wünschen. Da bei den Heat auf den Außenpositionen nicht viel von der Bank kommt, stellt Harden möglicherweise sogar das größte Plus für Oklahoma City dar. Miamis Mike Miller, der in Spiel sieben gegen Boston nur vier Minuten ran durfte, wird wohl um einiges mehr an Spielzeit sehen müssen. Die Thunder haben mit Derek Fisher und Nick Collison zwei weitere interessante Spieler im Talon.

Shane Battier steht in der Starting Five der Heat, muss als Außenspieler aber defensiv meist auf der ungewohnten Power-Forward-Position verteidigen. Gegen die Thunder könnte ihn Scott Brooks auch gegen Durant stellen und James gegen Ibaka. Fallen seine Außenwürfe, kann der 33-jährige Routinier den Unterschied ausmachen. Andere Rollenspieler wie Mike Miller und Rookie Norris Cole taten sich in den Playoffs bislang schwer.


FAZIT: Die aktuelle Form und das Auftreten von LeBron James sind beeindruckend. Das muss man aber auch über die Thunder als Team behaupten. Die Qualität der Rollenspieler und der Heimvorteil sprechen für Oklahoma City. Daher unser Tipp (mit Bauchweh): 4:3 Thunder.


Hubert Schmidt

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