Bulls, Lakers, Hornets: Drei Teams, sechs Szenarien

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Zwischen frenetischem Jubel und bitterer Enttäuschung liegt oft nur ein winziger Unterschied. Anfangs ist alles möglich, aber was zählt, ist nur das Endergebnis.

 

So auch in der NBA.

 

Vor dem Saisonstart in der Nacht auf Mittwoch haben die Teams ihre Hausaufgaben gemacht und alle Vorbereitungen getroffen, aber niemand vermag zu prophezeien, ob am Ende Tränen der Freude oder der Enttäuschung warten.

 

LAOLA1 nimmt drei Teams unter die Lupe, deren Saisonverläufe je zwei völlig konträre Richtungen einschlagen könnten:


CHICAGO BULLS


Ausgangslage:


Das Ende der vergangenen Saison hätte für die Bulls kaum bitterer sein können. Nachdem sich Superstar Derrick Rose im ersten Playoff-Spiel gegen die Philadelphia 76ers das Kreuzband riss, konnten Michael Jordans Erben keine Partie mehr für sich entscheiden. Mit vier Niederlagen in Folge nahm das Arbeitsjahr ein unerwartet frühes Ende. Überdies wird der Point Guard und MVP von 2011 der Franchise aus Illinois mindestens bis Februar fehlen.

 

In der Offseason wurde mit Kirk Hinrich ein solider Ersatz herangekarrt, der aber gewiss keine Bäume ausreißen wird. Während die Starting Five ansonsten unangetastet blieb, wurde die Ersatzbank generalüberholt. Auf große Namen verzichtete GM Gar Forman, der defensivstarke Center Omer Asik war der schwerwiegendste Abgang. Auf Top-Center Joakim Noah sollte weiterhin Verlass sein, Carlos Boozer stand dagegen in der Vergangenheit wegen seines hoch dotierten Vertrags oft in der Kritik. Ersatzmann Taj Gibson könnte laut Meinung vieler Experten heuer seinen Durchbruch schaffen.

 

Best Case:


Die Bulls erinnern sich, dass es auch in der letzten Spielzeit ohne ihre Nummer eins einigermaßen funktioniert hat. Gibson macht einen Entwicklungs-Sprung und der Kern des Teams bleibt von Verletzungen verschont. Die Bulls sichern sich einigermaßen früh das Playoff-Ticket und können Rose, der wie geplant im Februar fit wird, langsam heranführen und ins Spiel integrieren. Der 24-Jährige bekommt die Zeit, die er braucht, um das Vertrauen in sein Knie bis zu den Playoffs zurückzugewinnen. Mit ihm ist dann alles möglich.

 

Worst Case:


Das Team von Head Coach Tom Thibodeau funktioniert ohne Rose nicht wie gewünscht, der Point Guard erleidet in seinem Heilungsverlauf Rückschläge und muss die Saison abhaken. In der Offense macht sich das Fehlen von produktiven Scorern bemerkbar, so verlieren die nach wie vor defensivstarken Bulls immer wieder knappe Spiele. Carlos Boozer rechtfertigt seinen Vertrag weiterhin nicht und in der bärenstarken Eastern Conference rutschen die Bulls aus den Playoff-Rängen ins Tal der Tränen.

 

LOS ANGELES LAKERS


Ausgangslage:

 

Die Lakers haben die wohl aufsehenerregendste Offseason seit Miami 2010 hinter sich. Erst verpflichteten die Kalifornier Altstar Steve Nash, um dann mit dem Trade für Dwight Howard noch einen draufzulegen. Als Resultat winkt den Champions von 2010 eine Starting Five, die bei gegnerischen Coaches für Kopfzerbrechen sorgt. Mit dem zweifachen MVP Nash, Superstar Kobe Bryant, dem trotz seines fortschreitenden Alters noch gut verteidigenden Metta World Peace, Pau Gasol und Howard, dem besten Center der Liga, kann es kaum jemand aufnehmen.

 

Best Case:

 

Trotz acht bedeutungslosen Preseason-Niederlagen ist das Star-Ensemble schon frühzeitig ausreichend eingespielt, um einen Großteil der Spiele zu gewinnen und auch gelegentliche Verletzungs-Ausfälle wettzumachen. Pau Gasol, der als einer der besten Passer unter den Big Men gilt, und Steve Nash verteilen die Bälle effizient und Ersatzmann Antawn Jamison lässt die Lakers ihre schwache Bank des letzten Jahres vergessen. Die Lakers gehen mit dem besten Record der Western Conference in die Playoffs und schlagen die Thunder mit ihrer Erfahrung. Dann winkt ein denkwürdiges Finale gegen die Miami Heat.

 

Worst Case:

 

Die sieglose Preseason erweist sich als böses Omen. Wegen anfänglichen Abstimmungsproblemen geht der Saisonstart schief, dazu macht Dwight Howard sein Rücken wieder Probleme. Metta World Peace schwächt das Team, in dem er einen Gegenspieler niederstreckt und als Wiederholungstäter eine saftige Sperre ausfasst, Antawn Jamison kann ob seiner 36 Jahre nicht viel aushelfen. Die Clippers stellen ihren Lokalrivalen indes in den Schatten und holen sich den Division-Titel, schon in der ersten Runde der Playoffs kommt es zum Duell.

 

NEW ORLEANS HORNETS


Ausgangslage:


Nach dem Chris-Paul-Trade begann in New Orleans eine neue Zeitrechnung. Langsam sollte das Team in Richtung Playoffs geführt werden. Mit dem großen Los in der Draftlotterie und dem damit verbundenen ersten Pick könnte sich dieser Prozess aber gehörig beschleunigt haben. Forward/Center Anthony Davis ist einer der besten Defender, die in den letzten Jahrzehnten aus dem College kamen. Neben dem 19-Jährigen ist Eric Gordon der Star des Teams. Der Shooting Guard hatte im Sommer bereits ein Angebot der Phoenix Suns unterschrieben, die Hornets zogen aber mit. Außerdem holte man mit Ryan Anderson den Most Improved Player der abgelaufenen Saison nach Louisiana.

 

Best Case:

 

Anthony Davis, der im Sommer bei den Olympischen Spielen mit den Besten der Besten trainieren durfte, bringt alles, was man sich von ihm erhofft. Austin Rivers, der zehnte Pick des Drafts, gewöhnt sich schnell an die Position des Point Guards und Ryan Anderson konserviert seine Topform des letzten Jahres. Eric Gordon, der letzte Saison verletzungsbedingt nur neun Spiele absolvierte, bleibt fit und findet Gefallen an dem jungen Team. In der schwächeren Western Conference reicht es dank eines späten Laufs zum siebt- oder achtbesten Record und dem damit verbundenen Playoff-Einzug.

 

Worst Case:

 

Die Fans nehmen es Eric Gordon übel, dass er offen zugab, lieber nach Phoenix zu wollen - das schadet seiner Motivation. Austin Rivers bleibt im Herzen ein Shooting Guard und gewöhnt sich nicht an die Rolle des Ballverteilers. Damit muss Greivis Vasquez weiterhin an der Eins starten. Die fehlende Erfahrung macht sich mit zahlreichen Turnovern bemerkbar und die Hornets grundeln ein weiteres Jahr am Tabellende herum. Mangels Erwartungshaltung wäre auch das kein Drama – der wahre Worst Case wäre eine Verletzung von Anthony Davis.

 

 

Martin Schauhuber

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